Laß, Heiko:Rheda-Wiedenbrück, Domhof, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2023, URL: www.deckenmalerei.eu/992854e7-297b-4f33-b828-b4242255bb1a

Inventarnummer: cbdd20040

Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen

Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Im sogenannten Domhof von 1616 hat sich ein Saal mit einer 1663 bemalten Holzbalkendecke erhalten. Die Malerei ist in Westfalen ohne Vergleich.

Der Domhof in Rheda-Wiedenbrück

Kurzbeschreibung und Lage

Der so genannte Domhof[1] steht am historischen Stadtrand von Rheda.

Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Der Domhof wurde 1616 für Eberhard Huck erbaut. Huck war gräflicher Land- und Gorichter sowie Rentmeister der Grafen von Bentheim, die über die Herrschaft Rheda herrschten. Er stammte aus Burgsteinfurt. Das Gebäude wurde Sitz des gräflichen Stadt- und Landrichters. Vermutlich kurz nach 1650, aber spätestens 1663 ließ sein Sohn Johannes Huck den Domhof repräsentativ ausbauen. Das Haus stand auf dem Gelände des Bischofs von Osnabrück, und die Hucks waren keine Rhedaer Bürger. Erst im 19. Jahrhundert gestaltete man den Domhof zu einem Bauernhaus um. 1986-88 wurde das Gebäude umfassend saniert. 2022 erfolgte eine Renovierung des Hauses.

Beschreibung

Der Vierständerfachwerkbau unter einem Satteldach ist von Nordwesten nach Südosten ausgerichtet. Im Nordwesten ist eine Längsdiele gelegen. Die Mitte nimmt eine Flettküche ein, im Südosten befinden sich ein Raum und über einem Keller ein Saal mit einer bemalten Holzbalkendecke. Die historische Raumaufteilung des Hauses ist weitgehend erhalten. Trotz seines schlichten Äußeren war der Domhof im 17. Jahrhunderts eines der aufwendigsten Bürgerhäuser in der Stadt. [2]

Der Saal

 

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Der Saal[3] wurde spätestens um 1663 durch Johannes Huck anlässlich seiner zweiten Eheschließung mit Anna von Plettenberg 1652 geschaffen.[4]

Beschreibung

Der Saal ist an der Südecke des Hauses gelegen. Er wird im Nordwesten betreten und hat Fenster nach Südwesten und Südosten.

Die Saaldecke

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die 56 Quadratmeter große Saaldecke[5] wurde wohl zwischen 1652 und 1663 mit Malerei versehen, und zwar anlässlich der zweiten Eheschließung von Johannes Huck mit Anna von Plettenberg. Bei den Restaurierungsarbeiten wurde sie 1987 wiederentdeckt. Die Malerei war hervorragend erhalten. Lediglich Fehlstellen mussten retuschiert werden. In Westfalen gibt es kein Vergleichsbeispiel.

Beschreibung und Ikonographie

Die Decke wird durch drei Längsbalken von Südwesten nach Nordosten sowie einen untergezogenen Querbalken in sechs annähernd gleich große Felder geteilt. Im Nordwesten schließen zwei weitere sehr schmale Felder an. Die einzelnen Felder werden malerisch wie Kassetten behandelt. Die Malerei ist dabei auf einem schwarzen Fond in Farbe aufgetragen. Die Unterseiten der Balken sowie des Unterzugs sind ornamental gestaltet, die anderen zwei Seiten schmücken florale Elemente, wie sie ähnlich auch in den Fachen vorkommen. Lediglich eine Seite des Unterzugs weist gegenständliche Malerei auf.

Die Malerei in den Fachen

Beschreibung und Ikonographie

Die sechs Hauptfelder der Decke werden durch aufgemaltes ockerfarbenes Beschlagwerk gegliedert. In die Mitte ist im Wechsel je ein rechteckiges und ein rundes Feld gemalt. Jede Fache und jedes Feld sind darüber hinaus individuell gestaltet. Die Ansichtigkeit der Malerei ist auf einen Betrachter an der Südwestwand bezogen. Die Fachen präsentieren auf schwarzem Grund florale Elemente wie blühende Tulpen und Lilien – teilweise auch in Vasen. Hinzu kommen Trauben und seltene Vögel. Lediglich im Feld in der Südecke dominieren Weintrauben. Die äußeren sechs runden bzw. eckigen Felder nehmen stilisierte Blumen auf. Die mittleren präsentieren von links nach rechts in der oberen (nordöstlichen) Reihe einen Cherubimkopf, zwei Totenschädel mit Knochen sowie eine lippische Rose und in der unteren (südwestlichen) Reihe einen Pfau, einen Cherubimkopf und eine weitere lippische Rose. In dem schmalen Streifen links sind lediglich Blumen dargestellt.

Die Malerei an den Balken

Beschreibung und Ikonographie

Die Balken und der Unterzug sind an den Seiten bemalt. Den Unterzug schmücken an der Vorderseite (nach Südwesten hin) Jagddarstellungen vor stilisierten Pflanzen und Bäumen. Von links nach rechts jagt ein Hund einen Hasen. Es folgt ein zerstörter Bereich. An diesen schloss sich in der Balkenmitte ein Bereich mit zwei Wildtieren an – wohl ein Bär und ein Schwein. Es folgt ein Vogelkäfig. Rechts daneben – von einem Tuch hinterfangen – werden zwei Schilde präsentiert, welche durch ineinander fassende Hände miteinander verbunden sind. Auf dem linken sind eine Sonnenblume und die Buchstaben I und H dargestellt, das rechte Schild zeigt das Wappen der Familie Plettenberg. I und H stehen für Johannes Huck, das Wappen für Anna Maria Plettenberg. Rechts davon jagt ein Hund einen Hirsch von rechts nach links und noch weiter rechts jagt ein Wiesel einen Hasen – ebenfalls von rechts nach links. Ganz rechts wird ein Mensch von einem violetten tierartigen Monster gefangen. Auch in dieser Szene der verkehrten Welt erfolgt die Jagd von rechts nach links. So steht das Wappenpaar im Zentrum und die Jagden sind auf diese ideelle Mitte hin bezogen. Auf der Rückseite ist auf Höhe der Schilde die Jahreszahl 1663 angebracht, nach der die Malerei datiert wird.

Bibliographie

  • Literatur:
  • Baumeier, Domhof, 1988. – Baumeier, Stefan: Hallenhäuser der Beamtenaristokratie. Der Domhof zu Rheda und der Schönhof zu Wiedenbrück, in: Beiträge zur Volkskunde und Hausforschung 3 (1988), S. 57-90.
  • Dehio, Westfalen, 2011. – Dehio, Georg: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Nordrhein-Westfalen II. Westfalen, bearbeitet von Kluge, Dorothea/Hansmann, Wilfred. München 2011.
  • Kindler/Lewe, Domhof, 1988. – Kindler, Jürgen/Lewe, Wolfgang: Zur Besitzgeschichte des Domhofs, in: Beiträge zur Volkskunde und Hausforschung 3 (1988), S. 91-96.
  • Westfalen 72 (1994). – Westfalen. Hefte für Geschichte, Kunst und Volkskunde, 72. Münster 1994.

Einzelnachweise

  1. Baumeier, Domhof, 1988, S. 57-81; Dehio, Westfalen, 2011. S. 910; Kindler/Lewe, Domhof, 1988; Westfalen 72 (1994), S. 818.
  2. Baumeier, Domhof, 1988, S. 72.
  3. Baumeier, Domhof, 1988, S. 70.
  4. Kindler/Lewe, Domhof, 1988, S. 91.
  5. Baumeier, 1988, S. 70; Dehio, Westfalen, 2011, S. 910; Kindler/Lewe, Domhof, 1988, S. 91; Westfalen 72 (1994), S. 818.