Laß, Heiko:Rendsburg, Altes Rathaus, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2025, URL: www.deckenmalerei.eu/5234874d-0dda-49e1-927d-deae12d04922

Inventarnummer: cbdd20187

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Im Alten Rathaus hat sich im so genannten Bürgermeisterzimmer translozierte Wandmalerei von ca. 1720 erhalten, die ideale Gartenansichten sowie Veduten der Stadt Rendsburg präsentiert. Ferner ist eine ebenfalls translozierte Wandmalerei mit großen Akanthusschlingen von ca. 1684 erhalten.

Das Alte Rathaus in Rendsburg

Kurzbeschreibung und Lage

Das Alte Rathaus[1] in Rendsburg steht an der Nordseite des Altstädter Marktes.

Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Das Alte Rathaus wurde 1446 erstmals erwähnt. Das aufgehende Mauerwerk stammt jedoch überwiegend aus dem 16. Jahrhundert. 1566 erfolgte zudem eine Erweiterung nach Süden mit einem großen und einem kleinen Saal – der heutigen Bürgermeisterstube – im Obergeschoss. Es erfolgten laufend Umgestaltungen und Modernisierungen. Die Staffeln auf dem Giebel stammen von 1901. Bis 1884 hatten die Schlachter im Erdgeschoss ihre Verkaufsstände und bis 1931 war der Bau Sitz der Stadtverwaltung. Später wurden Teile des Gebäudes museal genutzt. Ein Brand zerstörte 1973 wertvolle Ausstattungsteile. Heute wird das Alte Rathaus für Ausschusssitzungen und standesamtliche Trauungen genutzt.[2]

Beschreibung

Das Rathaus setzt sich aus drei Flügeln zusammen. Im Norden steht ein zweigeschossiger Fachwerkflügel unter einem Satteldach von Norden nach Süden. Im Westen befindet sich unter einem Vorbau der Eingang. Im Osten steht ein Anbau unter einem Satteldach von Westen nach Osten. An den Nordflügel ist ferner nach Süden ein weiterer Fachwerkflügel über einer Durchfahrt angefügt. Ihn decken zwei ungleiche Satteldächer von Norden nach Süden. So erweckt der steinerne Doppelgiebel im Süden den Eindruck eines Doppelhauses. Hinter den beiden Giebeln befinden sich im Obergeschoss zwei große Säle: Im Westen der so genannte Sitzungssaal hinter dem breiten Giebel und hinter dem schmalen Giebel im Osten das so genannte Bürgermeisterzimmer. Beide sind über eine Tür miteinander verbunden.[3]

Das Bürgermeisterzimmer

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Das so genannte Bürgermeisterzimmer ist vermutlich 1566 entstanden. Noch im 16. Jahrhundert wurden an die Wände Schriftkartuschen gemalt. Um 1720 kam die noch heute erhaltene Wandverkleidung in den Raum. Ihre Malerei wurde im 20. Jahrhundert mehrfach restauriert.[4]

Beschreibung

Das so genannte Bürgermeisterzimmer liegt an der Südostecke des Alten Rathauses unter dem rechten Satteldach. Der langgestreckte Raum wird über den Sitzungssaal im Westen betreten. Er hat ein Fenster nach Süden und drei Fenster nach Osten. Die Wände sind komplett mit Holz verkleidet und bemalt. Ost- und Westwand sind entsprechend den von Osten nach Westen verlaufenden Deckenbalken in fünf Segmente unterteilt, die durch gemalte Säulen voneinander getrennt sind. Jeder Abschnitt gewährt unter einem Rundbogen einen Ausblick in einen Garten oder auf einen Teil der Stadt Rendsburg mit einem markanten Gebäude. Ausnahmen sind das rechte Feld an der Ostwand, wo eine Tür eingebaut ist, sowie an der Westwand das zweite Feld von links und die beiden letzten rechten Felder, wo sich jeweils Fenster befinden. Der Bereich unter den Fenstern ist mit Veduten bemalt. Rechts und links des Fensters an der Südwand sind über weiteren Veduten in der unteren Zone im oberen Bereich ein Wappen und ein Monogramm zu sehen. Die Nordwand nimmt beiderseits eines Ofens Wandschränke auf. Ihre Türfüllungen sind wie die der Tür in der Westwand mit großen Bäumen vor Landschaften bemalt.[5]

Die Malerei an der Südwand

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Malerei in Öl auf Holz wurde um 1720 geschaffen und im 20. Jahrhundert mehrfach restauriert.

Beschreibung und Ikonographie

Die Hauptschauseite ist die schmale Südwand mit dem Fenster in der Mitte. Sie repräsentiert den Landesherrn König Friedrich IV. von Dänemark mit Monogramm und Wappen: Das Monogramm links „F 4“ wird gespiegelt und ist unter der Königskrone vom Band des Elefantenordens umschlungen, an dem unten das Ordenszeichen hängt. Über der Malerei steht „DOMINUS MIHI ADIUTOR“. Das Vollwappen unter einer Königskrone rechts wird ebenfalls von einem Band des Elefantenordens mit Ordenszeichen umfasst und von zwei Wilden Männern präsentiert. Oben wird die Inschrift von links fortgesetzt: „MANEAT IN ÆTERNUM“.

Die großen Veduten

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Malerei in Öl auf Holz ist um 1720 offensichtlich sekundär in den Raum gekommen und wurde im 20. Jahrhundert mehrfach restauriert. Die Malerei muss nach 1710 entstanden sein, da die in diesem Jahr vollendete Christkirche in Rendsburg bereits dargestellt ist. Eventuell stammt sie aus dem 1718 abgebrochenen Rendsburger Schloss.

Beschreibung und Ikonographie

Bis auf eine Ausnahme fällt der Blick jeweils über eine Terrasse und einen hinter ihr stehenden Brunnen hinweg auf eine Architektur oder Stadtansicht. Flankiert wird der Durchblick hinter der Terrasse jeweils von hohen dunklen Bäumen. Vor diesen stehen auf der Terrasse rechts und links im Wechsel von Bild zu Bild entweder Prunkvasen mit Blumen oder Putten auf Sockeln.

An der Westwand ganz links fällt der Blick auf die Dreiflügelanlage eines Schlosses mit zentralem Treppenturm. Traditionell wird hier eine Ansicht des Rendsburger Schlosses gesehen,[6] zu dem jedoch gar keine Ähnlichkeit besteht. Das dargestellte Gebäude ist also unbekannt. Begrenzt wird die Terrasse von Blumenvasen auf Postamenten. Es folgt eine Ansicht der Stadt Rendsburg. Hier begrenzen Statuen auf Postamenten die Terrasse. Das dritte Bild präsentiert die 1710 vollendete Christkirche in Rendsburg. Die Terrasse flankieren Blumenvasen. Das letzte Bild neben der Eingangstür zeigt wieder eine Ansicht der Stadt Rendsburg. Über der Eingangstür selbst ist der obere Rest einer weiteren Vedute zu sehen, deren unterer Teil offensichtlich für den Einbau der Tür abgesägt wurde. Im Gegensatz zur Westwand sind an der Ostwand zwei Ansichten italienischer Villen zu sehen. In der Mitte zwischen den Fenstern fällt der Blick auf einen casinoartigen Bau. Hinter dem Gebäude kann man die Wipfel einer Zypressenallee ausmachen. Auch die Ansicht links neben dem Fenster zeigt einen italienischen Garten. Hier fehlt jedoch die Terrasse im Bildvordergrund. Zwischen hohen dunklen Bäumen hindurch fällt der Blick über einen Brunnen auf eine Gartenarchitektur mit einem Bogen, der von zwei Nischen flankiert wird.

Die Veduten im Sockelbereich

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Malerei in Öl auf Holz ist um 1720 vermutlich sekundär in den Raum gekommen und wurde im 20. Jahrhundert mehrfach restauriert.

Beschreibung und Ikonographie

Die Veduten geben durchweg Ideallandschaften wieder.

An der Südwand haben sich drei Veduten erhalten. Eine ehemals unter dem Monogramm links vorhandene Malerei ist verloren. Unter dem Fenster befindet sich links die Ansicht eines Gartens mit zentralem Brunnen vor drei Pergolabögen und rechts ein sich zwischen Bergen und Bäumen schlängelnder Fluss, an dessen Ufer zwei Häuser stehen. Unter dem Wappen ganz rechts ist eine weitere Flusslandschaft zu sehen. Am Ufer steht ein Schloss mit Treppenturm.

Unter den drei Fenstern und an der Ostwand sind weitere kleine querformatige Veduten angebracht. Im Sockelbereich ganz rechts ist es eine Flussmündung mit Bäumen sowie Bergen im Hintergrund. Links stehen ein paar Gebäude. Unter dem Fenster links daneben lässt sich ein Brunnen vor einer belvedereartigen Gartenarchitektur erkennen. In der Sockelzone ganz links ist demgegenüber lediglich eine Terrasse zu sehen, die schachbrettartig in Rot und Schwarz gepflastert ist. Rechts und links wird sie von Bäumen begrenzt, nach hinten von einer Wand mit zwei Bögen.

Die Malerei an der Nordwand und den Türblättern

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Malerei wurde Öl auf Holz um 1720 geschaffen und im 20. Jahrhundert mehrfach restauriert.

Beschreibung und Ikonographie

Die Nordwand nimmt rechts und links des Ofens Wandschränke auf. Ihre Türen sind wie die Eingangstür mit Veduten im Rahmen geschmückt. Im Allgemeinen geht der Blick unter einem Baum im Bildvordergrund hindurch über einen Flusslauf auf das gegenüberliegende Ufer. Dort stehen Bäume und meist auch ein Gebäude. In Hintergrund erheben sich bewaldete Berge. Es handelt sich um Ideallandschaften.

Die erste Wandfassung mit Inschriftenkartuschen

 

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

1954 wurde unter der Wandverkleidung eine ältere Malerei entdeckt. Inzwischen wurde sie wieder verdeckt.[7]

Beschreibung und Ikonographie

Es handelte sich um Kartuschen mit Bibelsprüchen, die von farbigen Ornamenten umgeben waren. Teilweise war die Schrift noch gut lesbar. Unter diesen Inschriften befanden sich partiell noch ältere Schriftbilder.[7]

Transloziertes Wandmalereifragment

 

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

1976 wurden auf zwei Lehmwänden im ersten Stock Akanthusmalereien des 17. Jahrhunderts (1684?) entdeckt, die zu einem unbekannten Zeitpunkt überklebt worden waren. Die Malerei wurde in den Nebenraum versetzt und restauriert.[8]

Beschreibung und Ikonographie

Von einem Punkt unten wachsen mehrere schwarzgraue Akanthusschlingen mit weißen Höhungen auf rotbraunem Fond empor und füllen mit großen Schwüngen die Wand.[9]

Bibliographie

  • Literatur:
  • Gudd, Rathaus, 2010. – Gudd, Alfred: Das Alte Rathaus in Rendsburg, in: Rendsburger Jahrbuch 60 (2010), S. 11-29.
  • Lafrenz/Wilde, Rendsburg, 2008. — Lafrenz, Deert/Wilde, Lutz (bearb.): Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein, Bd. 4.1, Stadt Rendsburg und die umliegenden Ortschaften Stadt Büdelsdorf, Schacht-Audorf, Osterrönfeld, Westerrönfeld (Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland). Neumünster 2008.
  • N.N., Baukunst, 1976. – N.N.: Beispiel für bürgerliche Baukunst, in: Schleswig-Holsteinische Landeszeitung [24.03.1976].
  • Schlee, Rathäuser, 1976. – Schlee, Ernst: Kulturgeschichte schleswig-holsteinischer Rathäuser. Heide 1976.
  • Archivalien:
  • StA RD, Zeitungsauschnittsammlung. – Stadtarchiv Rendsburg, Zeitungsausschnittsammlung.

Einzelnachweise

  1. Lafrenz/Wilde, Rendsburg, 2008, S. 92-93.
  2. Gudd, Rathaus, 2010, S. 11, 14, 21-22; Lafrenz/Wilde, Rendsburg, 2008, S. 92.
  3. Lafrenz/Wilde, Rendsburg, 2008, S. 92.
  4. Gudd, Rathaus, 2010, S. 26; Lafrenz/Wilde, Rendsburg, 2008, S. 92. StA RD Zeitungsausschnittsammlung.
  5. Gudd, Rathaus, 2010, S. 26; Lafrenz/Wilde, Rendsburg, 2008, S. 92.
  6. Schlee, Rathäuser, 1976, o. S.
  7. 7,0 7,1 StA RD Zeitungsausschnittsammlung.
  8. Lafrenz/Wilde, Rendsburg, 2008, S. 92; N.N., Baukunst, 1976. Die Malerei wurde anhand des Parketts von 1684 in dieselbe Zeit datiert.
  9. Lafrenz/Wilde, Rendsburg, 2008, S. 92; N.N., Baukunst, 1976.