Reisch, Filialkirche Mariä Himmelfahrt
Filialkirche, Stadtkreis Landsberg, Pfarrei Schwifting (von Penzing vikariert), Diözese Augsburg; z. Z. der Ausmalung Pfarrei Untermühlhausen, auf die Kloster Benediktbeuern das Präsentationsrecht hatte, Gericht Landsberg
Patrozinium: Mariä Himmelfahrt
Zum Bauwerk: Der im Kern spätgotische Bau wurde um 1730 unter Pfarrer Lorenz Oettl von Untermühlhausen (1697–1731) weitgehend umgestaltet (Landsberger Geschichtsblätter 1908). – Einfacher Saalbau mit eingezogenem halbrund geschlossenem Altarraum.
Autor und Entstehungszeit: Der schlechte Erhaltungszustand erlaubt nur eine unsichere Zuschreibung an einen Autor. In Frage kommt der von Wilhelm Neu vorgeschlagene Maler Johann Caspar Schäffler aus Oberfinning *1700 †1777 (Lechisarland 1962, S. 42). Zum Vergleich heranziehen lässt sich ein signiertes und datiertes Hochaltarbild der Pfarrkirche in Epfenhausen von 1738, welches im Figurentypus übereinstimmt; die Marienfiguren der beiden Himmelfahrtdarstellungen gleichen sich weitgehend. Besonders auffällig ist die Übereinstimmung der Gewanddarstellung und der Bewegungsmotive bei den Engeln, welche sich ganz entsprechend in dem einzigen von Schäffler signierten Deckenbild in Holzhausen am Ammersee finden (vgl. auch den Gesichtstypus der Engel!). Den Deckenbildern von Reisch und Holzhausen ist ein flächiger Bildaufbau und das Fehlen einer Untersichtsperspektive gemeinsam.

Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs Flachtonne mit Stichkappen, AR Kuppel (im W über Pendentifs) mit Rundspiegel Rahmen: Vollplastischer Stuck (A, C: Akanthus und Weinrebenkranz, B: Laubkranz)
Technik: Öl?; polychrom
Maße: A Höhe 7,50 m; 2,10 × 1,90 B Höhe 7,50 m; 2,10 × 1,90 C Höhe 9,30 m; Ø 2,85
Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1921 Freilegung bzw. Erneuerung der übertünchten Deckenbilder durch J. Huwyler; 1962 erneute Restaurierung durch A. Dasser. Das westliche LHs-Deckenbild stammt von 1963. Die Deckenbilder A und B sind stark überarbeitet, die originalen Bildfiguren sind einigermaßen erhalten, die Farbsubstanz ist in ruinösem Zustand. Das Kuppelfresko C zeigt stärkere Übermalungen der Immaculatagruppe.
Beschreibung und Ikonographie
A HIMMELFAHRT MARIENS Das ovale Bildfeld wird von der in Wolken schwebenden Gruppe Christi und Mariens beherrscht. Maria und Christus sind eng neben einander gesetzt – in halb kniender, halb sitzender Stellung. Charakteristisch für die Figuren sind die kleinen ebenmäßigen Gesichter, die zierlichen Hände mit leicht gespreizten Fingern und die hüllenartig aufklappenden leichten Gewänder mit weit ausschwingenden Zipfeln.
Im Maßstab sehr verringert werden unterhalb dieser Gruppe die pathetisch gestikulierenden Apostel um den Sarkophag, oberhalb die Heilig-Geist-Taube sowie Gottvater – in sehr ungeschickt dargestellter Figur – sichtbar. Farblich dominiert das Blau-Weiß in Mariens Mantel; das Rot in Christi Mantel und die übrigen Farbtöne sind sehr schlecht erhalten.
Die Form der Darstellung Christi und Mariens ist für ein Himmelfahrtsbild ungewöhnlich; das Motiv der Sitzgruppe ist ikonographisch von Darstellungen der Krönung Mariens herzuleiten. Die Verbindung dieser beiden Themen ist – wenn auch meist in anderer Form – im 18. Jh. sehr geläufig.
B HEIMSUCHUNG MARIENS Maria, wiedergegeben als aufrechte, zierliche Gestalt auf einem Stufensockel, nimmt die Huldigung der vor ihr niederknienden, sie umfassenden Elisabeth entgegen. Zacharias zur Seite Elisabeths nimmt staunend Anteil am Geschehen. Engel über Maria halten ein Inschriftband Benedita tu in mulieribus! (Luc 1,42). Begleitfiguren sind etwas tiefer um den Stufensockel gruppiert. Unverkürzt gezeichnete Versatzstücke deuten den Schauplatz an.
Die Gruppe Mariens und Elisabeths ist ziemlich stark übergangen.
C IMMACULATA CONCEPTIO Maria ist durch Attribute (Sternenkranz, Mondsichel, Lilie, Schlange und Erdball) als unbefleckte Jungfrau bezeichnet (vgl. LCI, Bd 2, Sp. 338 ff.). Der Tritt auf den Kopf der Schlange (Gen 3,15) ist durch die allegorische Figur des stürzenden Amor mit Köcher, Bogen und Augenbinde (= Fleischeslust) als Triumph über die Sünde betont. – Engel mit Blumengewinden huldigen Maria.
Maria ist mit einem Blumenkranz im Haar im Typus der Wessobrunner »Mutter der schönen Liebe«, dem Andachtsbild der ehemaligen Bruderschaft von der Unbefleckt Empfangenen, wiedergegeben.
Die Marienfigur sowie die Engel der östlichen Bildhälfte sind sehr stark übermalt. Der Mantel Mariens zeigt noch die als typisch herausgestellten Merkmale; die Engel sind in den Bewegungs- und Stellungsmotiven gut vergleichbar den Engeln des Epfenhausener Altarbildes.
Quellen und Literatur
Die Pfarrherren im Bezirk Untermühlhausen (o. V.), in Landsberger Geschichtsblätter 7, 1908, Nr. 13, S. 49. N --- 147:11 -1
Neu, Wilhelm, Johann Caspar Schäffler – ein vergessener Maler des Lech-Ammerseegebietes, in: Lechisarland 1962, S. 36–44.
Müller-Hahl, Bernhard (Hg.), Heimatbuch Stadt- und Landkreis Landsberg am Lech, Aßling-München 1966, S. 589 f., 641.