Regensburg, Lederergasse 25
Inventarnummer: cbdd20159
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Von der wechselvollen Ausstattungsgeschichte in diesem Anwesen zeugen heute nur noch wenige erhaltene Raumdekorationen aus der Frühen Neuzeit. Diese sind jedoch, im innerstädtischen Abgleich, von ungewöhnlich künstlerischerer Qualität und Dokument einer ehemals hochstehenden Kulturblüte.

Lage, Bau-, Funktions- und Ausstattungsgeschichte, Auftraggeber
ACHTUNG: Eine Objektbegehung konnte aufgrund fehlender Möglichkeiten nicht erfolgen. Sämtliche Informationen speisen sich daher aus Unterlagen aus dem Archiv des BLfD.
Lage
Im 13. Jahrhundert war die Stadt Regensburg bestrebt, das lederherstellende und lederverarbeitende Handwerk „vor die Stadt hinauszuverlegen“.[1] Aus diesem Grund folgten die Lederer den Gerbern nach. Die heutigen Straßennamen der Gerber- und Lederergasse zeugen noch von dieser ehemaligen innerstädtischen Umsiedlung.
„Die Ledererstraße gehört heute zu den verkehrsarmen Straßen der Stadt. Das war jedoch einst anders, als die Landstraße nach Nürnberg noch durch das Prebrunntor führte. Damals hatte die Lederergasse [...] den Großteil des Fernverkehrs nach Nürnberg aufzunehmen. [...] Trotz mancher Einbrüche in ihren Baubestand, konnte die Lederergasse den Charakter eines mittelalterlichen Straßenzugs bewahren.“[1]
Bau-, Funktions- und Ausstattungsgeschichte
„Das Gebäude des Anwesens Lederergasse 25 in der Regensburger Altstadt (Westnerwacht) stammen aus verschiedenen Bauphasen und zeigen Bauabschnitte, die bis auf die Romanik, Gotik und Renaissance zurückgehen. Im Barock hat das Anwesen entscheidende Veränderungen erfahren. [...]“[2]
Das hierfür maßgebliche Datum dürfte das Jahr 1732 gewesen sein. Die Jahreszahl ist im Keilstein des stichbogigen Haustors angebracht und markiert möglicherweise den Abshluß der zuvor stattgefundenen Umbau- und Ausstattungsmaßnahmen. Die bis heute erhaltenen Raumdekorationen bestätigen auf stilistische Weise mit dem Bandelwerk als Leitmotiv diese Datierung.
„In diesem Anwesen mit seinen Nebengebäuden wurde bis 1910 die Schmaußbrauerei betrieben, deren Sommerkeller in Kumpfmühl, der ,Schmaußkeller‘ zu den beliebtesten Wirtsgärten zählte.“[3] In Regensburg, das „zu allen Zeiten [...] eine Stadt des Bieres [war], [zählte man] im 18. Jahrhundert [...] nicht weniger als vierzig Brauereien in der Stadt.“[4]
Auftraggeber
Ein namentlich bekannter Auftraggeber ist bisher urkundlich noch nicht fassbar.
Das Bauwerk
Das Bauwerk steht in Ecklage zum Kuhgässl und bildet einen mehrteiligen Gebäudekomplex mit einem Hofeinbau. Zur Lederergasse hin zeigt er sich als zweigeschossiger und traufständiger Satteldachbau mit einem eingeschossigen Erker aus dem 16. Jahrhundert, der auf 3 Konsolen aufruht. Auf der Westseite befindet sich ein viergeschossiges und giebelständiges Turmhaus mit Satteldach, das baugeschichtlich bis in die 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts zurückreicht.
Das Gebäude zeigt sich in dem schmalen Kuhgässl als dreigeschossiger und traufständiger Satteldachbau, den man 1869 über einem Keller aus dem 12. Jahrhundert errichtete.[5]
1. OG: Raum 1.5.2
Die überlieferte Wandmalerei befindet sich laut Aktenlage in einem nicht näher definierten oder lokalisierten sog. Raum 1.5.2.[6]
Die Wandmalerei an der östlichen Zwischenwand: Dekoration mit Inschrift ,UNUS PRO OMNIBUS‘
„Im 1. OG an der Ostwand des Raumes 1.5.2. konnte man im Bereich der Fenster und an der Westwand über der Türe Teile einer manieristischen Wandgestaltung aufdecken. Auf dem Mittelpfeiler, zwischen den Fensterzonen erscheint auf hellem Grund eine Muschelform, die sich annähernd im Scheitelpunkt der Fläche entwickelt. Die Zeichnung erscheint in den Konturen schwarz, in der Fläche in grünlichem Grau (Malachit). Mit rötlichem Ocker ist die Form der Muschel zusätzlich betont. Ein ockrig braunes Band, vorhangähnlich und in Bewegung festgehalten, mit grauer Schattenlinie, trennt vom mittleren Teil der Fassung, der in der Höhe der Fensteröffnungen ansetzt. Noch im oberen Drittel konnte in lateinischer Schrift die Zeile ,UNUS PRO OMNIBUS‘ freigelegt werden.“[6]
,UNUS PRO OMNIBUS‘: Bekenntnis zum Christen- und/oder Freimaurertum?
„Die Aussage und Bedeutung dieser Formulierung läßt sich aus dem raumschmückenden Charakter der übrigen Fragmente nicht eindeutig ablesen. Im christlichen Sinn verstanden, könnte es sich um eine Kurzformel handeln, die an Christi Tod als stellvertretenden Opfertod für die Menschheit erinnert – d.h. daß einer für alle den Kreuzestod erleidet, und so die Erlösung für alle durch seinen Tod gewährleistet.
Mit etwas Vorsicht denkt man aber auch an die Lösungsworte möglicherweise anders denkender Gruppen – Freimaurer z.B..“[6]
Westwand: Supraporte mit Dreiecksgiebel und Reste von Schriftzügen
„An der Westwand konnten leider nur noch winzige Spuren von Schriftzügen nachgewiesen werden. Dagegen bleiben große Teile von manieristischer Malerei an der Supraporte der Westwand erhalten. Aus heller, grüner Grundfläche wird ein gemalter [dreieckiger] Giebel in Rostrot – und Brauntönen sichtbar.“[7]
Nordwand: Wandmalerei mit Dekorfeld
„Im gleichen Raum (1.5.2) konnten Reste einer Wandgestaltung im Stil der Régence ans Licht gebracht werden, die über der manieristischen Malschicht lag. Auch hier trat die Dekorationsmalerei hauptsächlich im Bereich der Fenster (Nordwand), am Mittelpfeiler und über den Türen auf. Die Farbpalette erstreckte sich vorwiegend auf Ocker und gebrochene Braun- und Grüntöne.
Von der Ausführung her – vergleichbar mit der zeitlich annähernd ausgeführten Deckenfassung – wechselt asymmetrisches Rollwerk und aufgelöste Rocaillen mit mittelpunktsbetonten Partien – z.B. in der Supraporte.“[8]
1. OG: Erkerzimmer
Aufgrund der fehlenden Möglichkeit einer Objektbegehung sind nähere Angaben zum Raum leider nicht möglich.
Heute überputzte Wandmalereien: Dekorfelder
„Mit Auftreten von Fassung 16 im Erkerzimmer werden die Wände mit einem aufwändigen Dekorationsstil im Geist des Rokoko überzogen. Die Wandfläche ist in drei Partien gegliedert, wobei das obere Drittel Kassetten in zwei verschiedenen Ausführungen mit umgebender Fläche vorbehalten ist und der, zum Fußboden anschließenden, Sockelpartie.
Die, im Mittelpunkt stehende, etwas breitere Kassette, besitzt einen, in der Senkrechten gehaltenen Rahmen, der sich in der Waagrechten in Rollwerk mit einer kleinen Schuppenkartusche im Zentrum auflöst. Die Seiten werden mit Ranken umspielt, so daß sich der Eindruck der Gesamtkomposition leichter und zu den floralen Motiven passender wirkt. Auch hängen unter dem Rollwerk Girlanden mit blauen und roten Blüten.
Im Zentrum der Kassette befindet sich ein Blütenkorb, wobei nicht klar entschieden werden kann, ob ein Flechtwerk oder eine Steinschale imitiert worden ist, die nach unten sich auflösend, in Rocaillen ausläuft. Die begleitende Seitenkassette ist schmäler im Ausmaß und trägt nach oben und im unteren Abschluß ineinander sich verschränkende Rocaillen. Auch in der Innenfläche der Seitenkassette sind zwei gegenläufig aneinander stoßende Rocaillen zentrales Motiv, mit sich darüber und darunter entwickelnden Blüten und Ranken.
In der Sockelzone folgen, auf eine profilierte Leiste im Mittelfeld, [....] längsgestreckte Kassetten, die seitlich in Rocaillen übergehen und in der Innenfläche in annähernder Symmetrie angeordnete Rocaillen mit Ranken zeigen.
[...] Auffällig bei dieser Malerei ist der ungezwungene Umgang mit Farbe und Form. So entstand, trotz der schnellen Ausführung der Dekoration, eine, in ihrem Erscheinungsbild lebhafte Wandmalerei, der eine gewisse Eleganz nicht abgesprochen werden kann.
Im Vergleich zu anderen Rokokomalereien in Regensburger Häusern – z.B. Krebsgasse 6, Vor der Grieb, Gravenreuther, Erbprinzenpalais, Bismarckplatz 8 – erscheint die vorgefundene weniger aufwendig konstruiert und mit mäßigem Sorgfaltswillen wiedergegeben. Dafür hat sie das Spontane des schnellen, sich entwickelnden Formgefühls bewahren können. [...]
Sämtliche Wände des Raumes sind, bis auf den Bereich der Fragmente des ehemaligen Renaissancezugangs kaschiert und danach überputzt worden. [...] Die Überputzung konnte mit handesüblichem Fertigmörtel vorgenommen werden.
Auf diese Weise blieben sämtlich, kulturhistorisch wertvollen Dekorationsstile der Nachwelt erhalten.“[9]
Deckenfresko: Maltechnik
„Der Originalputz der Decke ließ eine Rauh- und Feinputzschicht erkennen. Zudem konnte man Ritzungen im Innenfeld und figürliche Malerei im feuchten Putz feststellen [...].
Man kann davon ausgehen, daß nur der, in hellem englisch Rot mit den, in lichtem Ocker gemalten Ornamenten, versehene Rand, der die Hohlkehle miteinschließt, als echtes ,fresco buono‘ ausgeführt war. Der Deckenspiegel der Innenfläche und die vier Randkassetten waren in Kaseintechnik marmoriert mit aufgesetzten Ornamenten. Die Medaillons sind á secco auf freskaler, hellroter Grundierung nach Vorritzung der Formen entstanden.“
Als Besonderheit konnte an dem Löwen im nordöstlichen Medaillon eine gelüsterte Blattgoldauflage am Körper festgestellt werden. Dieses Gold saß auf einer hellen Ockergrundierung und wurde vermutlich in Leim- oder Eiweißtechnik ausgeführt.
Zudem hat man den Hut der badenden Person oder des Hl. Vitus in Grün auf Silber gelüstert.“[10]
Die Gesamtgestaltung des Deckenfreskos
„Die Decke ist, im Ganzen betrachtet, in zwei entscheidende Abschnitte, eine Randzone mit Medaillons in den Eckpartien und Längskassetten und in eine große Innenfeldfläche mit marmorierten Deckenspiegeln zu unterteilen.
Die Randzone, in hellem Englischrot mit lichten, in Ocker gemalten Ornamenten, umfaßt die, zur Wandfläche führende Hohlkehle bis zu einer gemalten Profilleiste, die die Abgrenzung zum eigentlichen Innenfeld darstellt. In ihr finden sich, neben dem schmückenden Bandelwerk, symmetrisch an jeder Seite angeordnet, vier rechteckige Kassetten mit abgeschrägtem Rand, die marmoriert sind, sowie die drei, die Ecken betonenden, Medaillons.
Ursprünglich waren vier Eckmedaillons vorhanden, aber eines ist vermutlich einer früheren Renovierung abgeschlagen und damit zerstört worden.
Beide Medaillons der Nordseite enthalten Malerei, in dem der Südseite sind Fragmente von Schriftzügen ablesbar.
Das umgebende Bandelwerk in der Randzone zeigt Betonungen über den schmalen Querkassetten, die symmetrisch wirken, aber bei näherer Ansicht nur in den Verbindungspunken konstruiert wurden und im übrigen eine frei, und nicht im Detail gleichlaufende Linienführung erkennen lassen.
Die ursprüngliche Ornamentform geht auf die Akanthusranke zurück, die hier aufgelöst und spontan weitergeführt, wichtige Teile der Komposition zu rahmen und zu unterstreichen versucht und gleichzeitig die beiden Abschnitte der Decke, Innenfläche und Randzone, im Bewegungsablauf zu verbinden scheint. Dem dynamischen Charakter des schmückenden Bandelwerks ist die statische Form der Querkassetten und die betonten Eckpartien mit den Medaillons kontrastreich zugeordnet.“[11]
„Der innere Teil der Decke wird durch die gemalte Profilleiste vom äußeren Rand mit Eckfeldern, Kassetten und Medaillons getrennt.
Der Aufbau zeigt vier marmorierte, rechteckige Deckenspiegel mit imitierten Stuckleisen, die in der Längsrichtung angeordnet sind und einen großen Rundspiegel in der Mitte, um den sich symmetrisch vier kleinere Rundspiegel, ebenfalls mit profilierter Rahmung, gruppieren.
Die Betonung der Längsrichtung erfolgt auch durch die spielerische Anordnung des Bandelwerks.
Der obere und der untere Ansatz zu den marmorierten Spiegeln hin zeigt in der Anordnung des Bandelwerks Symmetrie und Konzentration durch ein zweites, verschlungenes Band mit zwei, nach jeder Seite ausgerichteten stilisierten Blütenornamenten.
Auch der innere, zentrale Deckenspiegel ist oben und unten durch Bandelwerk symmetrisch in der Querrichtung betont.
Dabei ist die Rahmung des Innenfeldes mit Licht – und Schattenkante in Braun/Umbratönen gehalten und das ockrige Bandelwerk entwickelt sich auf hellgrauem Grund. Die Deckenspiegel zeigen ockrig-rötliche Marmorierung mit dunkler Zeichnung und sind in der imitierten Stuckrahmung bräunlich bis hellgrau gefaßt.
Durch die unterschiedliche Bewegung längsgerichteter statischer Teile der Deckenspiegel und die Querrichtung des Ornamentverlaufs ist der Gesamteindruck der Decke – verbunden mit der Randzone bis zu der Hohlkehle mit den gemalten Medaillons und Längskassetten lebendig und bewegt.“[12]
„Die Decke (Fassung 16) war zu dieser Dekorationsmalerei im Wandbereich in lichtem Ocker monochrom gehalten.“[13]
Südöstliche(?) Eckkartusche: Schriftzug „Maria Johanna [...] im Jahr [...]“
„Das Medaillon der südlichen Eckpatie zeigt auf blauer Grundfläche Schriftzüge, die nicht mehr lückenlos erfaßbar sind („Maria Johanna ... im Jahr ...“).
Möglicherweise ist es eine Widmung an die Bewohnerin oder Besitzerin des Hauses zu dieser Zeit.
Betrachtet man die Rahmung des Medaillons genauer, so zeigt sich darin ein Wille zur plastischen Gestaltung. [...] Der ovale, wulstähnliche Rahmen tritt durch Licht/Schattenwirkung hervor und ist in den Punkten einer vorgestellten Achse durch Ringe mit dazwischenliegenden kleinen, akanthusblattähnlichen Verzierungen durchbrochen, so daß der Eindruck entsteht, daß es sich um eine imitierte Stuck- oder Metallrahmung handelt. [...]“[14]
Südwestliche(?) Eckkartusche: zerstört
„Ursprünglich waren vier Eckmedaillons vorhanden, aber eines ist vermutlich einer früheren Renovierung abgeschlagen und damit zerstört worden.“[15]
Nordwestliche(?) Eckkartusche: Stechhelm und springender Löwe
„Das Medaillon in der [nordwestlichen] Freskodecke stellte den Versuch dar, ein Hauswappen abzubilden. Betrachtet mandie Innenfläche des Medaillons als Wiedergabe einer Schildfläche, dann zeigt es im Schildhaupt einen, nach links gerichteten, springenden Löwen, den man auch als gestümmelt bezeichnen kann, da ihm Krallen und Zunge fehlen.
Von der Farbigkeit her, war er ocker unterlegt und golden gelüstert, wobei die Zeichnung des gelockten Tierfells dunkel betont wurde, der Blick leicht nach rechts gerichtet.
In den Proportionen bescheiden, bildet das Zentrum, an der Herzstelle, die Darstellung eines stilisierten Stechhelms mit offenem Visier und goldener Kette auf dem metallenem Halsschutz. Dabei weist dies, durch die Verbindung des Schulterstücks, auf eine spätere Form des Turnierhelms hin, wie sie erst ab dem 15. Jahrhundert auftreten.
Der Löwe ist als Helmzier zu verstehen, wobei als Bindeglied zum Helm, auf der rechten Seite, der Ansatz einer gezattelten Helmdecke dient.
Im Schildfuß ist, im mittleren Teil, ein Wappenbild mit dem Profil eines Löwen mit roter Zunge auf grauem Grund gemalt. Von der Form her ist es dreieckig aufgebaut und im unteren Abschluß abgerundet. Die Seiten zum linken und rechten Untereck enthalten jeweils eine kleine, heraldische Lilie. Am Rand, analog zu dem Auslaufen der gezattelten Helmdecke, findet sich, federbuschähnlich, auf der rechten Seite ein dunkles, auf der linken Seite ein hellgraues Motiv.
Obwohl eine konkrete Deutung des Medaillons, aufgrund der fehlenden Information über Besitzerfolge und sozialen Status der Betreffenden, an dieser Stelle nicht möglich war, kann man davon ausgehen, daß die Verbindung von einem Löwen als heraldischem Tier und zweier Lilien die Definierung einer bestimmten Machtposition ausdrücken und betonen. Der Löwe gilt als Symbol der Kraft und Gewandtheit und stellt gleichzeitig die landesherrliche Gewalt dar. Somit läßt sich mit Sicherheit sagen, daß entweder der Besitzer oder aber derjenige, für den der Raum bestimmt war, mit der Abbildung des Hauswappens auf seinen gesellschaftlichen Rang und Einfluß hinweisen wollte.“[16]
Nordöstliches(?) Eck-Medaillon: Hl. Vitus
„Am schwierigsten zu beschreiben, ohne an eine mögliche Interpretation zu denken, ist die Darstellung auf diesem Medaillon.
In einem blauen Innenfeld ist eine, bis zur Hüfte nackte, Figur wiedergegeben mit einem silber gelüstertem Hut, die in einem großen Holzbottich steht, der von drei Eisenringen umgeben ist. Die rechte Hand umfaßt den oberen Rand die Haltung erscheint ruhig und gelassen.
Bei dem Dargestellten handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um eine männliche Person, dafür sprechen die körperliche Fülle und die Form des, in Silber gelüsterten Hutes.
Das Inkarnat ist hell, ins rötliche gehend, und das, von einem ruhigen ernsten Ausdruck beherrschte, Gesicht wird von blonden Locken gerahmt.
Die Aussage des Medaillons ist insofern schwer zu erschließen, als nicht klar erkennbar ist, ob es sich bei dem Bildinhalt um die profane Wiedergabe einer bestimmten, im Kontext zu dem Anwesen stehenden, Person handelt, oder ob hier eine, ikonographisch deutbare Szene mit dem Hl. Vitus abgebildet wurde.
Der Hl. Vitus gilt als Fürsprecher und Helfer in vielen Lebenslagen, stammt der Legende nach aus Sizilien und wurde vom römischen Kaiser durch mehrere Prüfungen gezwungen, zu seinem Glauben Stellung zu nehmen, die er unbeschadet überstand. Seit dem Mittelalter wird er, in einem Kessel mit siedendem Pech oder Öl stehend, abgebildet, in das ihn der Kaiser zu werfen befahl. Anschließend bleibt zu bemerken, daß der Hl. Vitus, als einer der vierzehn Nothelfer, keines weiteren Attributes als des Kessels mit siedendem Öl oder Pech bedürfe.“[17]
Restaurierung von 1984/85
„Bei der Durchführung einer Voruntersuchung wurde im Juli 1984 als Erstfassung der Decke des mittleren Nordraums mit Erkeranbau eine hellrötliche, freskale Malerei festgestellt. Aufgrund der, bei einer Voruntersuchung geforderten, kleinen Befundöffnungen konnte zunächst nicht erkannt werden, daß es sich um eine, für ein Bürgerhaus in Regensburg, außergewöhnliche Deckenbemalung aus der Zeit des Spätbarocks, bzw. der Régence handelte.
Erst als man, im Jan./Febr. 1985, im Zug der notwendig gewordenen größeren Befundschneisen zur Dokumentation [...] größere Öffnungen auch an der Decke vornahm, [...] bestätigte sich langsam der Verdacht, daß es sich um eine, in Freskotechnik ausgeführte, Decke mit gemalten, marmorierten Spiegeln und Bandelwerk handeln müßte. Eine weitere Überraschung boten die Eckpartien, in den sich Medaillons und Wappen, sowie Inschriftzüge fanden.
[...] Insgesamt kann von einer Größe von ursprünglich 48qm ausgegegangen werden, von der ca. 10-12qm verloren gegangen sind. So fehlten in der SO-Ecke ca. 5qm [...]
Zudem hatte man die Decke mehrmals gekalkt und überputzt. [...] Die tragenden Rohrmatten und vor allem die Spanndrähte erwiesen sich als derart morsch, daß unter diesen Umständen eine Restaurierung ,in situ‘ außer Betracht kam und infolgedessen nur die Rettung durch Abnahme und Wiederaufbringung auf einen neuen Träger und die sich daran anschließende Reintegration an den ursprünglichen Ort Erfolg versprach. Im anderen Fall wäre dies einer, früher oder später erfolgten, vollkommenen Zerstörung gleichzusetzen gewesen.“[18]
Bibliographie
- Bauer, Regensburg, 2014 Bauer, Karl: Regensburg. Kunst-, Kultur- und Alltagsgeschichte, Regenstauf 2014 (6. Auflage)
- Caffagi/Mayer, Lederergasse 25, Band 1, 1987 — Caffagi, Stefano/Mayer, Claus-Peter: Opf., Regensburg, Lederergasse 25, Band 1: Restaurierung/Fachbereich Wand/Laufzeit 1987 bis 1987/Innenräume: VU [Voruntersuchung] mit Lageplan und Fotodokumentation sowie Dokumentation zur Deckenabnahme und Wiederaufbringung mit Fotodokumentation, Regensburg 1987 (Aufbewahrort: München, Hauptstaatsarchiv: Landesamt für Denkmalpflege, Nr. 2724)
- Caffagi/Kühn, Lederergasse 25, Band 2, 1987 — Caffagi, Stefano/Kühn, Elisabeth: Opf., Regensburg, Lederergasse 25, Band 2: Restaurierung/Fachbereich Wand/Laufzeit 1984 bis 1987/Innenräume: VU [Voruntersuchung] mit Lageplan und Fotodokumentation sowie Dokumentation zur Deckenabnahme und Wiederaufbringung mit Fotodokumentation, Regensburg 1987 (Aufbewahrort: München, Hauptstaatsarchiv: Landesamt für Denkmalpflege, Nr. 2724)
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 Bauer, Regensburg, 2014, S. 426.
- ↑ Cafaggi/Mayer, Lederergasse 25, 1987, Band 1, S. 17.
- ↑ Bauer, Regensburg, 2014, S. 427.
- ↑ Bauer, Regensburg, 2014, S. 511.
- ↑ Alle wesentlichen Informationen nach: Bauer, Regensburg, 2014, S. 426–427.
- ↑ 6,0 6,1 6,2 Cafaggi/Kühn, Lederergasse 25, 1987, Band 2, S. 11.
- ↑ Cafaggi/Kühn, Lederergasse 25, 1987, Band 2, S. 11–12.
- ↑ Cafaggi/Kühn, Lederergasse 25, 1987, Band 2, S. 12.
- ↑ Cafaggi/Kühn, Lederergasse 25, 1987, Band 2, S. 12–14.
- ↑ Cafaggi/Mayer, Lederergasse 25, 1987, Band 1, 1987, S. 20.
- ↑ Cafaggi/Mayer, Lederergasse 25, 1987, Band 1, 1987, S. 23.
- ↑ Cafaggi/Mayer, Lederergasse 25, Band 1, 1987, S. 19.
- ↑ Cafaggi/Kühn, Lederergasse 25, Band 2, 1987, S. 14.
- ↑ Cafaggi/Mayer, Lederergasse 25, Band 1, 1987, S. 20.
- ↑ Cafaggi/Mayer, Lederergasse 25, Band 1, 1987, S. 23.
- ↑ Cafaggi/Mayer, Lederergasse 25, Band 1, 1987, S. 21.
- ↑ Cafaggi/Mayer, Lederergasse 25, Band 1, 1987, S. 22.
- ↑ Cafaggi/Mayer, Lederergasse 25, Band 1, 1987, S. 17–18.