Quedlinburg, ehem Haus Kornmarkt 1

Laß, Heiko:Quedlinburg, ehem. Haus Kornmarkt 1, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2025, URL: www.deckenmalerei.eu/46d0dddf-c5a8-41f8-9d0b-dcd371d1f25f

Inventarnummer: cbdd20271

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Im 1900 abgebrochenen Haus Kornmarkt 1 gab es eine Wandmalerei von ca. 1620. Sie zeigte verschiedene zeitgenössische Szenen wie einen Hafen, ein tanzendes Paar, Militärs, zwei Herren in einem Garten oder eine Magd mit Kind. Hinzu kam als mythologische Darstellung ein Bacchus auf einem Weinfass.

Wandmalerei im Haus Kornmarkt 1, während des Abrisses 1900
Wandmalerei im Haus Kornmarkt 1, während des Abrisses 1900

Das ehem. Haus Kornmarkt 1 sowie seine verlorene Wandmalerei

Kurzbeschreibung und Lage des Hauses

Das ehemalige Haus Kornmarkt 1 [1] stand im westlichen Teil der Altstadt unweit der Marktkirche und westlich des heute noch erhaltenen Hauses Kornmarkt 3.

Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Das Haus wurde 1525 [2] oder 1618 [3] erbaut. 1900 ist es abgerissen worden.[3]

Beschreibung

Bei dem Bau handelte es sich um ein dreigeschossiges Fachwerkhaus von 16 Gebinden Breite. Der Giebel umfasste acht Gebinde.[4]

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte der verlorenen Wandmalerei

Die Malerei wurde in das 17. Jahrhundert datiert und dürfte kurz nach 1618 entstanden sein. in dieser Zeit gehörte das Haus zunächst Wolf Mich(a)el und anschließend Christian Michel. Beim Abbruch des Hauses wurden Teile der Malerei geborgen und ins Museum verbracht. In den Städtischen Museen ist die Malerei heute jedoch nicht mehr aufzufinden.[5]

Beschreibung und Ikonographie

Die Malerei sollte wohl bewusst an Wandteppiche erinnern, wofür insbesondere die rahmenden Ornamentbänder sprechen. Adolf Brinkmann schreibt 1923: „In diesem 1618 gebauten Hause, das 1900 abgebrochen ist, befanden sich wertvolle Wandmalereien, Pinselzeichnungen blau auf weiß, von denen eine Probe im Museum aufbewahrt wird. Die beiden Tafeln Nr. 33 und 34 geben den größten Teil der erhaltenen Teile. Tafel 33 enthält im Vordergrunde auf dem Bollwerk, dem Ehepaar zugewandt, das nach der Rückkehr des Mannes Wiedersehen feiert. 2. Zwei Herren in spanischer Tracht in einem mauerumschlossenen Garten oder Hof. Tafel 34: In der Küche tanzt ein junges Paar, während eine Magd um ein in einem Himmelbett liegendes Wesen (Kind?) beschäftigt ist. An das heimkehrende Schiff auf Tafel 33 schließt sich links eine einen schmalen Flur abschließende Wand an mit einem auf einem Weinfaß reitenden Bacchus, das über Blattornamenten schwebt, die die Wand schmücken. die links anstoßende Wand trägt ein nur z.T. noch zu erkennendes Bild: in einem Garten mit Baum eine auf einem Stuhle sitzende, mit breitkrämpigem Hute und Halskrause geschmückte Jünglingsgestalt. Das Bild ist, wie die anderen auch, von grobem Bandornament eingerahmt. Hier ist auch mit Trommel nach links schreitend, die zweite in Offizierstracht, die dritte bajazzoartig mit weiten Hosen und Jacke. Alle Figuren sind flott und geschickte gezeichnet. Das Ganze ist ein seltenes Denkmal der Weise des 17. Jahrhunderts, die Zimmerwände zu schmücken.“[3]

Bibliographie

  • Literatur:
  • Brinkmann, Quedlinburg 2, 1923. – Brinkmann, Adolf [Bearb.]: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Sachsen (Band 33, 2): Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Stadt Quedlinburg. Halle 1923.
  • Schauer, Quedlinburg, 1990. – Schauer, Hans-Hartmut: Das städtebauliche Denkmal Quedlinburg und seine Fachwerkbauten. Berlin 1990.
  • Wauer, Häuserbuch A, 2014. – Wauer, Karlheinz: Häuserbuch der Stadt Quedlinburg von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zum Jahr 1950. Bd. A: Die Altstadt. (Schriftenreihe der Stiftung Stoye, 57). Marburg 2014.

Einzelnachweise

  1. Wauer, Häuserbuch A, 2014, S. 306-308; Schauer, Quedlinburg, 1990, S. 49.
  2. Wauer, Häuserbuch A, 2014, S. 306-307; Schauer, Quedlinburg, 1990, S. 49.
  3. 3,0 3,1 3,2 Brinkmann, Quedlinburg 2, 1923, S. 182.
  4. Schauer, Quedlinburg, 1990, S. 49.
  5. Wauer, Häuserbuch A, 2014, S. 307; Brinkmann, Quedlinburg 2, 1923, S. 182.