Schöllhorn, Klaus und Laß, Heiko:Preetz, ehem. Haus Markt 9, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2026, URL: www.deckenmalerei.eu/f6d700ee-83b9-4fa0-bdb3-913d73e43b03

Inventarnummer: cbdd20286

Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen

Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

In dem 2013 abgerissenen Bürgerhaus befand sich eine vollständig ausgemalte Wohnetage mit figürlichen Motiven, Ornamenten, Bandelwerk und Akanthus, ausgeführt im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts. Eine derart komplette Ausmalung war in Schleswig-Holstein im städtischen Bereich sonst unbekannt.

Raum 8, Markt 9, Preetz
Raum 8, Markt 9, Preetz

Das ehem. Haus Preetz Martk 9

Kurzbeschreibung und Lage

Das Haus stand zentral an der Westseite des Marktplatzes von Preetz.

Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Das Gebäude wurde ab 1660 erbaut. Im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts erfolgte die Ausmalung der Räume. Im 18. Jahrhundert befand sich das Haus nachweislich im Besitz der Familie von Plessen auf Wahlstorf; so wohnte hier die 1788 verstorbene Kammerherrin Ida Hedwig von Plessen geb. Buchwaldt. Im Inneren ist das Gebäude vor allem im 20. Jahrhundert mehrfach umgestaltet worden, so im Jahr 1911 und um 1970, wobei zahlreiche ehemalige bemalte Deckenbretter in Zweitverwendung verbaut wurden. Damals wurde ebenso die Innenaufteilung, insbesondere im Erdgeschoss, vollständig verändert. 2013 erfolgte schließlich der Abbruch. Durch Eigeninitiative von Klaus Schöllhorn erfolgte während des Rückbaus eine Fotodokumentation.[1]

Beschreibung

Das zweigeschossige Haus zuzüglich Dachgeschossen besaß zum Markt hin sieben Achsen. Es handelte sich um ein Fachwerkgebäude mit Krüppelwalmdach auf einem Fundament von Feldsteinquadern über Eichenpfählen. Die Gefache waren mit Backsteinen verfüllt, die Trennwände mit einem Gemisch aus Kalk und Stroh. Eine Treppe in der Gebäudemitte erschloss das Obergeschoss. Dort befanden sich 2013 zur Marktseite drei große Räume (Raum 1-3), in der Hausmitte beiderseits des Treppenhauses zwei Räume (Raum 4-5) sowie vier weitere (Raum 6-9) nach hinten. Es ist denkbar, dass einige der Räume nachträglich unterteilt worden waren. In acht Räumen des Obergeschosses konnten 2013 unter abgehängten Decken Reste von farbig gefassten Holzbalkendecken aus dem ersten Viertel des 18. Jahrhunderts dokumentiert werden. Ehemals waren in allen drei Geschossen des Hauses bemalte Decken vorhanden.[2]

Raum 1 und seine Deckenmalerei

Raum 1

Raum 1 befand sich an der Südwestecke des Hauses. Er besaß zwei Fenster zum Markt und wurde vom Mittelraum im Norden betreten.

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte der Malerei

Die Holzbalkendecke war im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts farbig gefasst worden. Sie wurde später abgedeckt und 2013 bis auf geringe geborgene Reste zerstört.[3]

Beschreibung und Ikonographie

Die Fachen waren graublau marmoriert. In der Mitte befand sich eine Kartusche mit weißen Akanthusschlingen mit kräftigem Schattenwurf auf goldgelbem Grund. Weiße beziehungsweise ockerfarbene Begleitstriche grenzten die Marmorierung gegen die Kartusche und die Deckenbalken ab und imitierten so plastische Stuckrahmen.[4] Die Decke in Raum 3 war gleich gestaltet, was die Vermutung nahelegt, dass die Räume 1-3 ehemals einen gemeinsamen Saal zur Marktseite bildeten.

Raum 3 und seine Deckenmalerei

Raum 3

Raum 3 lag an der Nordostecke des Hauses. Auch er verfügte über zwei Fenster zum Markt. Betreten wurde er von Westen aus Raum 5.

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte der Malerei

Die Holzbalkendecke war im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts farbig gefasst worden. Sie wurde später abgedeckt und 2013 bis auf geringe geborgene Reste zerstört.[3]

Beschreibung und Ikonographie

Die Fachen waren graublau marmoriert. In der Mitte befand sich eine Kartusche mit weißen Akanthusschlingen auf goldgelbem Grund, die scheinbar dunkle Schatten warfen. Weiße beziehungsweise ockerfarbene Begleitstriche grenzten die Marmorierung gegen die Kartusche und die Deckenbalken ab und imitierten so plastische Stuckrahmen.[5] Die Decke in Raum 1 war gleich gestaltet, was die Vermutung nahelegt, dass die Räume 1-3 ehemals einen gemeinsamen Saal zur Marktseite bildeten.

Raum 4 und seine Deckenmalerei

 
Raum 4, Markt 9, Preetz

Raum 4

Raum 4 befand sich in der Hausmitte südlich des Treppenhauses. Er wurde von Westen aus über einen kleinen Flur betreten, der unmittelbar an das Treppenhaus anschloss.

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte der Malerei

Die Holzbalkendecke war im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts farbig gefasst worden. Sie wurde später abgedeckt und 2013 bis auf geringe geborgene Reste zerstört.[6]

Beschreibung und Ikonographie

Auf einem dunkelblauen Feld in grauem Rahmen erblickte man weiße Akanthusranken mit dunklem Schattenwurf.[7]

Raum 5 und seine Deckenmalerei

 
Raum 5, Markt 9, Preetz

Raum 5

Raum 5 befand sich in der Hausmitte nördlich des Treppenhauses, von dem aus er betreten wurde. 2013 gelangte man von hier nach Osten in Raum 3 und nach Westen in Raum 9.

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte der Malerei

Die Holzbalkendecke war im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts farbig gefasst worden. Sie wurde später abgedeckt und 2013 bis auf geringe geborgene Reste zerstört.[6]

Beschreibung und Ikonographie

Die Fachen waren am Rand mit Bandelwerk und vegetabilen Elementen auf hellem Grund verziert. In der Mitte befanden sich figürliche Darstellungen. Eventuell handelte es sich auch um Groteskenmalerei.[8]

Raum 6 und Raum 7 sowie ihre Deckenmalerei

Die Räume 6 und 7

Raum 6 lag an der Südwestecke des Hauses. Er wurde von Norden aus Raum 7 betreten, mit dem er möglicherweise ehemals eine Einheit bildete. Raum 7 befand sich an der Westseite des Hauses und wurde über einen schmalen Flur, der direkt von Treppenhaus abging, von Osten aus betreten.

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte der Malerei

Die Holzbalkendecke war im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts farbig gefasst worden. Sie wurde später abgedeckt und 2013 bis auf geringe geborgene Reste zerstört.[6]

Beschreibung und Ikonographie

Beide Decken zeigten weiße Akanthusranken auf blauem Grund. Sie umschlossen mindestens ein grau gerahmtes Medaillon, das womöglich eine gegenständliche Darstellung aufnahm.[9]

Raum 8 und seine Deckenmalerei

Raum 8

Bei Raum 8 handelte es sich um den mittleren Raum an der Westseite des Hauses. Er wurde vom Treppenhaus im Osten betreten.

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte der Malerei

Die Holzbalkendecke war im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts farbig gefasst worden. Sie wurde später abgedeckt und 2013 bis auf geringe geborgene Reste zerstört.[6]

Beschreibung und Ikonographie

Balken und Fachen waren mit Bandelwerk und figürlichen Darstellungen in der Art von Grotesken auf hellem Grund verziert. Dokumentiert ist unter anderem ein Maskaron.[10]

Raum 9 und seine Deckenmalerei

Raum 9

Raum 9 lag an der Nordwestecke des Hauses und wurde von Osten aus Raum 5 betreten.

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte der Malerei

Die Holzbalkendecke war im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts farbig gefasst worden. Sie wurde später abgedeckt und 2013 bis auf geringe geborgene Reste zerstört.[6]

Beschreibung und Ikonographie

Balken und Fachen schmückte heller Akanthus mit Schattenwurf auf rotem Grund. Eine Fache war zudem in Grisaille bemalt und zeigte in der Mitte eine ebenfalls graue Rosette.[11]

Deckenmalerei und Wandmalerei: Synthese

Stellung der ehem. Malerei

Eine vollständig mit ornamentalen und figürlichen Motiven ausgemalte Wohnetage in einem städtischen Haus eines Bürgerlichen oder Adligen aus dem ersten Viertel des 18. Jahrhunderts war für Schleswig-Holstein einmalig. Lediglich einige Einzelräume sind überliefert.[6]

Bibliographie

  • Literatur:
  • Schöllhorn, Stadtpalais, 2016. – Schöllhorn, Klaus: Stadtpalais oder Bürgerhaus? Markt 9 in 24211 Preetz. in: „… aus Preetzer Geschichte ...“. Informationsblatt des Heimatvereins Preetz und Umgebung e.V. 23 (2016), S. 20-34.
  • Archivalien:
  • ONR 5887. – Aktenarchiv des Landesamts für Denkmalpflege Schleswig-Holstein, PLÖ Preetz, Stadt. Markt 9, Wohn- und Geschäftshaus. ONR 5887, Bd. 1.
  • Schöllhorn, Deckenmalerei, 2013. – Deckenmalerei in Preetzer Häusern. Ornamente / Neuzeit um 1760 bis 1800. Aufgenommen während der Abrissarbeiten im Jahr 2013 zum Gebäude Markt 9, 24221 Preetz / SH von Klaus Schöllhorn (Preetz). in: Aktenarchiv des Landesamts für Denkmalpflege Schleswig-Holstein, PLÖ Preetz, Stadt. Markt 9, Wohn- und Geschäftshaus. ONR 5887, Bd. 1.
  • Schöllhorn, Bürgerhaus, 2014. – Schöllhorn, Klaus: Bürgerhaus Preetz Markt 9. Decken- und Balkenmalerei ein Ausdruck der Wohnkultur aus vergangener Zeit dieser Stadt. Dokumentation zu Befunden aus dem Gebäude während des Rückbaues im Jahr 2013 von Klaus Schöllhorn (Preetz 2014).

Einzelnachweise

  1. Schöllhorn, Stadtpalais, 2016, S. 21-23. ONR 5887; Schöllhorn, Bürgerhaus, 2014, S. 17, 47.
  2. Schöllhorn, Stadtpalais, 2016, S. 21-28. ONR 5887; Schöllhorn, Bürgerhaus, 2014, S. 17
  3. 3,0 3,1 ONR 5887; Schöllhorn, Bürgerhaus, 2014, S. 17.
  4. Schöllhorn, Deckenmalerei, 2013, S. 5; Schöllhorn, Bürgerhaus, 2014, S. 17, 50.
  5. Schöllhorn, Deckenmalerei, 2013, S. 6.
  6. 6,0 6,1 6,2 6,3 6,4 6,5 ONR 5887.
  7. Schöllhorn, Bürgerhaus, 2014, S. 53; Schöllhorn, Deckenmalerei, 2013, S. 7-8.
  8. Schöllhorn, Deckenmalerei, 2013, S. 12; Schöllhorn, Bürgerhaus, 2014, S. 52.
  9. Schöllhorn, Stadtpalais, 2016, S. 32. Schöllhorn, Bürgerhaus, 2014, S. 57; Schöllhorn, Deckenmalerei, 2013, S. 13-15.
  10. Schöllhorn, Deckenmalerei, 2013, S. 16-18, 29-31; Schöllhorn, Bürgerhaus, 2014, S. 51, 54.
  11. Schöllhorn, Stadtpalais, 2016, S. 32. Schöllhorn, Bürgerhaus, 2014, S.55, 58; Schöllhorn, Deckenmalerei, 2013, S. 19-21.