Ponitz, Rittergut, sog Renaissanceschloss
Inventarnummer: cbdd10146
Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen
Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.
In Ponitz hat sich eine Kassettendecke mit gegenständlicher Malerei (Köpfe) von ca. 1570 erhalten.

Gut Ponitz
Kurzbeschreibung
Das ehemalige Rittergut Ponitz[1] steht im Westen der gleichnamigen Ortschaft. Es wurde 1568 durch Abraham von Thumbshirn erworben, der die mittelalterliche Wasserburg 1574 durch einen Schlossbau ersetzte, der heute noch weitgehend erhalten ist.
Bau- und Besitzergeschichte
Das Gebäude kann dendrochronologisch auf 1569 datiert werden. Mit den Bauarbeiten wurde also bereits ein Jahr nach Erwerb des Gutes begonnen. Sie zogen sich über fünf Jahre bis 1574 hin. In der Eingangshalle nannte eine Bauinschrift dieses Datum.
Das Gut war bis 1638 ein Mannlehen und wurde dann in ein Weiberlehen umgewandelt. So gelangte es auf dem Erbgang ab 1675 in den Besitz der von Zehmen, später die von der Planitz, die von Beust und anderen. Die neuen Besitzer passen den Bau ihren Bedürfnissen an und zogen beispielsweise Zwischenwände ein.
Auftraggeber
Abraham von Thumbshirn war Erbherr auf Frankenhausen und besaß zahlreiche Besitzungen Thüringischen und Sächsischen. Er war Rat von Kurfürst August von Sachsen und Hofmeister der Kurfürstin Anna von Sachsen.
Baubeschreibung
Das zweigeschossige massiver Gebäude hat einen trapezförmigen Grundriss. Das hohe, viergeschossige Dach ist von Norden nach Süden ausgerichtet mit zwei Zwerchhäusern im Osten und Westen. Die Fenster sind unregelmäßig über die Fassade verteilt und liegen nicht immer axial übereinander. Vor allem die Ostseite hat eine heterogene Gestaltung. Auf den ersten Blick rechteckig, ist der Gebäudeumriss tatsächlich fünfeckig, denn an der Ostseite hat die Fassade ca. eine Fensterachse links der Mitte einen Knick, der sogar durch den Giebel läuft. Auch die Räume sind nicht genau rechtwinkelig, sondern trapezförmig. Ein Treppenturm, der in das Gebäude hineingenommen und hinter dem Knick gelegen ist, erschließt die Geschosse und führt jeweils in einen Eingangsrum. Während die Erdgeschossräume auf unterschiedliche Arten gewölbt sind, haben die Räume des Obergeschosses polychrom gefasste Holzdecken. Mächtige profiliere Unterzügen gewährleisten stützenlose Räume. Sie sind einheitlich gestaltet und entstammen offensichtlich einer einheitlichen Bauaktion von 1574.
Raum 1.8
Baugeschichte
Raum 1.8[2] ist zusammen mit dem Gebäude 1569–74 erbaut und ausgestattet worden. Später wurde die Decke abgehängt und die Malerei erst 1963 wiederentdeckt. 2003 wurde der Raum restauriert.
Beschreibung
Der trapezförmige Raum 1.8 ist im ersten Obergeschoss an der Südwestecke gelegen. Er wird über einen Vorraum (1.2.) betreten. Raum 1.8 ist mit rund 12.5 auf 8 Meter der größte Raum des Hauses. Seine Kassettendecke wird von einem mächtigen, profilierten Unterzug in der Längsachse getragen und in zwei Bereiche untereilt. Es ist die einzige Kassettendecke im Gebäude mit gegenständlicher Malerei. Die Wände sind glatt verputz. Drei Fenster gehen nach Süden, zwei nach Westen. In den Laibungen wurden teilweise Rokokorahmen und -ornamente gefunden.
Kassettendecke
Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die komplett farbig gefasste Kassettendecke[3] von Raum 1.8 ist um 1570 entstanden und wurde 2003 restauriert.
Beschreibung
Die Decke wird durch einen profilierten Unterzug aus Nadelholz in zwei große Felder geteilt. In der Westhälfte ist Platz für 70 Kassetten, in der Osthälfte für 65 Kassetten. Die Kassetten werden von Einschubbohlen in Nordsüdrichtung und 14 Deckenbalken in Ostwestrichtung eingefasst. Sie haben einen blauen Fond mit ockerfarbenen, stilisierten Blütenornamenten an den Kreuzungspunkten. Die Kassetten bestehen aus Nadelholz und haben eine durchschnittliche Breite von 55 Zentimetern und eine Länge von 50 Zentimetern. Sie sind trapezförmig gestaltet und haben je nach Anbringungsort unterschiedliche Maße – die Randkassetten sind oft nur 30 Zentimeter breit. Der Unterzug weist einen Fond in brauner Holzimitation auf sowie ein jeweils mittig liegendes Blattrankenband an jeder Seite.
Die Kassettenfelder sind in einfacher Machart mit Ornamentfeldern geschmückt. Dabei wechseln sich reine Ornamentfelder mit Kassetten ab, die in der Mitte Köpfe präsentieren. Meist sind es Cherubim. Hinzu kommen stilisierte Frauen- und Männerköpfe und einige wenige individueller gestaltete Darstellungen wie etwa die eines Mongolen/Tartaren. Ein Herr in zeitgenössischer schwarzer, spanischer Hofkleidung – in ihm meinte man den Bauherrn zu erkennen – und einen Mann mit grüner Mütze – den man für den Maler hielt – sind in der fünften Reihe von Norden in der östlichen Deckenhälfte angebracht. Sie blicken sich über eine ornamental gestaltete Kassette hinweg an. Alle Köpfe sind von der Südseite her zu betrachten.
Bibliographie
- Literatur:
- Dehio, Thüringen, 2003. – Dehio, Georg: Thüringen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Stephanie Eißing und Franz Jäger. 2. Aufl. München/Berlin 2003.
- Nienhold, Rittergüter, 2007. – Nienhold, Christiane/Wolf, Gustav: … und nachmittags fuhren wir nach Nöbdenitz segeln! Rittergüter im Altenburger Land und ihre Gärten. Posterstein 2007.
- Schade/Mehling, Ponitz, 2011. – Schade, Susann/Mehlig, Roland: Renaissanceschloss Ponitz. Kleinod an der Landesgrenze zu Sachsen. In: Heimat Thüringen 18 (4/2011), S. 39–40 .
- Archivalien:
- Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Bau- und Kunstdenkmalpflege, Archiv [77.163-0002]. Ponitz, Schloss, Band I.
Einzelnachweise
- ↑ Schade/Mehling, Ponitz, 2011; Nienhold, Rittergüter, 2007, S. 38–39; Dehio, Thüringen, 2003, S. 971. Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Bau- und Kunstdenkmalpflege, Archiv [77.163-0002]. Ponitz, Schloss, Band I.
- ↑ Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Bau- und Kunstdenkmalpflege, Archiv [77.163-0002]. Ponitz, Schloss, Band I.
- ↑ Dehio, Thüringen, 2003, S. 971. Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Bau- und Kunstdenkmalpflege, Archiv [77.163-0002]. Ponitz, Schloss, Band I. Darin u.a. Schloss Ponitz, Raumbuch, Stephan Keilwerth, 2008.