Dreyer, Angelika:Passau, Residenzgarten, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2023, URL: www.deckenmalerei.eu/2f830f3e-00f2-4fbb-ac95-0a715cb8b694

Inventarnummer: cbdd10101

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Fürstbischof Johann Philipp Graf von Lamberg ließ ab 1689 den zweiterrassigen Residenzgarten anlegen, der nicht nur der persönlichen Erholung, sondern ebenso den repräsentativen Raum für zeremonielle Empfänge bieten sollte. Aussagekräftige Wandmalereien verstärkten dieses Ansinnen.

Residenzgarten Passau
Residenzgarten Passau

Der Residenzgarten

Kurzbeschreibung und Lage

Den „neuen Hoffgarthen“[1], wie ihn der Auftraggeber Johann Philipp Graf von Lamberg in seinen Kalendereintragungen bezeichnete, ließ er in der Zeit ab 1689, wohl kurz nach seiner Wahl zum Passauer Fürstbischof, anlegen. Der Auftrag für einen nahe an der Residenz gelegenen Garten passt allgemein ihn sein Konzept, durch Architektur und aufwändige Innenausstattungen dem Fürstbistum nach den Stadtbränden von 1662 und 1680 wieder einen repräsentativen Ausdruck zu verleihen, die der Machtfülle des Bistums mit der Herrschaft über die Stadt Passau und der Landesherrschaft über das Hochstift Passau angemessen ist. Man könnte in diesem Zusammenhang von einer Bau- und Ausstattungspolitik sprechen.

Wesentlicher Bestandteil dieser repräsentationsheischenden Überlegungen war die Anlage eines Gartens, die zugleich eine zeittypische Erscheinung ist.[2] Obwohl Johann Philipp Graf von Lamberg um diese Zeit auch das Sommerschloß Hacklberg an der Donau mit einer ausgedehnten Gartenanlage errichten ließ, genügte dies nicht seinen gehobenen Ansprüchen. Er wünschte einen Garten in der Stadt, in der Nähe seiner Residenz. Da das Gelände zwischen Domplateau und dem Steilabfall zum Inn auf der Südseite wenig Platz für einen Garten bot/hergab, behalf man sich damit, über dem Dach des an der Flußseite liegenden Längsbaues der Hofbuchbinderei[3] den Garten anzulegen.

Der Residenzgarten wurde in Ermangelung eines großzügigeren Areals in der dicht bebauten Stadt Passau auf dem Dach der ehemaligen Hofbuchbinderei angelegt.[3] Damit erfüllte er zum einen den Wunsch von Fürstbischof Johann Philipp von Lamberg, einen Residenzgarten zu besitzen, wie ihn viele Fürsten der Zeit ab 1670 verstärkt anlegen ließen.[2] Zum anderen bot ihm die direkte Nähe des Gartens zu den Wohn- und Repräsentationsräumen die Gelegenheit, den Garten in die protokollarischen Abläufe mit einzubinden.

Der Hofgarten setzte sich aus zwei in Richtung verschiedene und in Ebenen versetzte Terrassen zusammen. Der Garten war auf drei Seiten von den unterschiedlichenWänden des Neugebäudes (Westseite), der Galerie (Nordseite) und des Zengerhofes begrenzt. Die Südseite war geöffnet und erlaubte einen malerischen Blick auf Fluß, Landschaft und die Innstadt.

Bau-, Ausstattungs- und Funktionsgeschichte

Den „neuen Hoffgarthen“[1], wie ihn der Auftraggeber Johann Philipp Graf von Lamberg in seinen Kalendereintragungen bezeichnete, ließ er in der Zeit ab 1689, wohl kurz nach seiner Wahl zum Passauer Fürstbischof, anlegen. Der Auftrag für einen nahe an der Residenz gelegenen Garten passt allgemein ihn sein Konzept, durch Architektur und aufwändige Innenausstattungen dem Fürstbistum nach den Stadtbränden von 1662 und 1680 wieder einen repräsentativen Ausdruck zu verleihen, die der Machtfülle des Bistums mit der Herrschaft über die Stadt Passau und der Landesherrschaft über das Hochstift Passau angemessen ist.

Wesentlicher Bestandteil dieser repräsentationsheischenden Baupolitik war die Anlage eines Gartens, die zugleich eine zeittypische Erscheinung/Erfordernis ist/gehorcht.[2] Obwohl Johann Philipp Graf von Lamberg um diese Zeit auch das Sommerschloß Hacklberg an der Donau mit einer ausgedehnten Gartenanlage errichten ließ, genügte dies nicht seinen gehobenen Ansprüchen. Er wünschte einen Garten in der Stadt, am besten in der Nähe seiner Residenz. Da das Gelände zwischen Domplateau und dem Steilabfall zum Inn auf der Südseite wenig Platz für einen Garten bot/hergab, behalf man sich damit, über dem Dach des an der Flußseite liegenden Längsbaues der Hofbuchbinderei[3] den Garten anzulegen. Aufgrund dieses baulichen Sachverhalts bezeichnet man den Typus des Dachgartens verschiedentlich auch als „schwebende“[4] oder „hängende Gärten“[5].

Fürstbischof Johann Philipp Graf von Lamberg, dem mit der Gartenanlage nicht nur einen Ort der persönlichen und/oder gesellschaftlichen Erholung vorschwebte, sondern auch zeremoniell-repräsentative Vorstellungen damit verband, ließ sie deshalb aufwändig gestalten. Die beiden Terrassen auf unterschiedlichem Niveau waren geometrisch jeweils als vierteilige Parterres mit zentralem Springbrunnen angelegt und durch eine doppelläufige Treppe miteinander verbunden. Den gestalterischen Höhepunkt des Residenzgartens machten allerdings die Wandmalereien auf der West- und Nordseite aus, die mit ihren illusionistischen Landschaftsdarstellungen die beengte Realsituation optisch erweiterten und die Vorstellung einer ursprünglichen, arkadischen Natur vermitteln sollten.

Funktion: Der Dachgarten der Passauer Bischofsresidenz folgte nicht allein den Erwägungen/Absichten/Funktionen eines reinen Nutz- oder Erholungsgartens/-raumes, sondern hatte von Anfang an die darstellerisch-repräsentative Seite im Blick. Darin ganz der Erläuterung des Inspektors des Berliner Lustgartens J.S. Elßholtz aus dem Jahre 1684 folgend, daß ein „fürtrefflicher Garten“[6] nicht allein die Lust grosser Herren, sondern auch deren Ruhm befriedigen kann.[2]

Fürstbischof Johann Philipp Graf von Lamberg integrierte den Residenzgarten ganz bewußt in die protokollarischen Abläufe des Hofzeremoniells. Es sind mehrere Audienzen aus den Sommermonaten 1701 und 1710 bekannt, die diese Absicht nachvollziehbar machen.

Ob und in welchem Maße die Nachfolger von Fürstbischof von Lamberg den Residenzgarten in ähnlicher Weise nutzten, ist nicht verläßlich verfolgbar. Spätestens mit dem Regierungsantritt von Leopold Ernst Graf von Firmian 1763 scheint die Bedeutung des Residenzgartens abgenommen zu haben. Sein Schwerpunkt lag eher im Um- und Ausbau der Neuen Residenz, deren Baumaßnahmen zwischen 1763-1770 er forcierte und intensivierte. In diesem Zusammenhang ist wohl auch die abnehmende Wichtigkeit des Residenzgartens zu sehen, denn mit der Anlage eines höchst repräsentativen Treppenhauses, der Neuausstattung der Repräsentations- und Wohnräume in der Neuen Residenz hatte sich das repräsentative und zeremonielle Zentrum unter Firmian auf die Ostseite der Residenz verlagert. Erschwerend kam hinzu, daß die Lage des Gartens an der Westseite der Alten Residenz eine erhebliche entfernung zur Neuen Residenz aufwies und daher in zeremonielle Abfolgen kaum/nicht leicht zu integrieren war.

Die weitere Funktionsgeschichte des Residenzgartens ist im Detail nicht mehr nachzuvollziehen. Nach der Säkularisation 1803 wurde er aus dem Residenzverband ausgegliedert und den jeweils neuen Besitzern des Neugebäudes zugeschlagen. Damit dürften endgültig seine repräsentativen Aufgaben verloren gegangen sein und bis 1999 die Aspekte eines Zier- und/oder reinen Nutzgartens im Vordergrund gestanden haben. Heute ist der ehemalige Residenzgarten eher im charmanten Zustand von verwilderter Nachlässigkeit.

Auftraggeber

Johann Philipp Graf von Lamberg, am 25.5.1652 in Wien geboren, war nach dem Studium in Wien und Passau unter anderem in Passau, Salzburg und Olmütz Domherr. Bereits in diesen Zeiten zeigte sich eine große Affinität zu politischen Ämtern, die er als Diplomat ausleben konnte. Selbst nach der Wahl zum Passauer Fürstbischof folgte er diesen Neigungen. Der Staatsmann und Diplomat in ihm verstand es auch, durch ein intensives Ankaufs-, Erweiterungs- und Ausstattungskonzept die Bedeutung des Bistums und der Landesherrschaft wieder zu steigern. Innere Zeichen dieser Bedeutungssteigerung waren die prominenten Ausstattungen der Hofkapelle und der Hofbibliothek, äußere war neben anderen Aufträgen die Anlage des Residenzgartens.

Architekten, Künstler und Handwerker

Die Quellenlage in Bezug auf die künstlerische Ausgestaltung des Residenzgartens ist „äußerst dürftig“.[7] Bisher haben sich weder gesicherte Nachrichten über den Gartenarchitekten noch den Maler erhalten, der die Landschaftsprospekte an der West- und Südwand entwarf und ausführte. Der Vorschlag von Schäffer, Johann Carlone und Johann Paul Vogt als ausführende Maler der Wandbilder einzuführen, bleibt trotzdem Spekulation/Vermutung.[8]

Schriftlich überliefert ist ein Johann Georg (?) Moser aus Schleißheim, den der Fürstbischof Johann Philipp Graf von Lamberg in seinem Kalendereintrag 1696 namentlich erwähnt. Seine ihm durch einen Vertrag zugewiesene Aufgabe, „den neuen Hoffgarthen zierlich und nuzbringent einzurichten“[9] erlaubt keine zwingenden Rückschlüsse auf eine planende oder nur ausführende Funktion am fürstbischöflichen Gartenprojekt.[10]

Aus dem 18. Jahrhundert haben sich im Zeitraum von 1735 bis 1767 die Namen von zwei Hofgärtnern erhalten: zum einen Philipp Mitterhuber[11] und dessen Nachfolger Joseph Mitterhuber, vermutlich sein Sohn Joseph, der als der letzte Hofgärtner gelten kann.[12]

Baubeschreibung

Grundriß: Der Residenzgarten ist eine Komposition aus zwei Rechteckfeldern, die im rechten Winkel aneinanderstoßen. Das westliche Feld entwickelt sich in Süd-Nord-Richtung und das östliche in Ost-West-Richtung. Ihre Ausrichtung war von den bereits bestehenden Bauteilen der Alten Residenz (Zengerhof, Kernbau A) und dem Neugebäude auf der Westseite definiert.

Außenbau: Der Residenzgarten war auf dem unterschiedlich hohen Dachplateau der mehrgeschossigen Hofbuchbinderei angelegt worden und in dem bestehenden Freiraum des dreiteiligen Bautengefüges vom Zengerhof auf der Ostseite, der Westwand des Neugebäudes auf der Westseite und der Nordwand des Verbindungsganges zwischen Neugebäude und Zengerhof eingepasst und gleichzeitig von ihnen begrenzt.

Die Gesamterscheinung war aufgrund der Richtungskontraste und unterschiedlichen Bauformen eher heterogen, allerdings erhielt der Garten durch die auf die Westwand des Neugebäudes und die Nordwand der Galerie angebrachten großformatigen Landschaftsdarstellungen eine seiner Bestimmung gemäße malerische Ergänzung und illusionistische Ergänzung. Die südliche Seite des Gartens diente als durchgehender Verbindungsgang von Residenz und Neugebäude. Seine eigentliche Bestimmung erhielt der mit einem Balustergeländer gesäumte Gang allerdings als Aussichtsplattform, die einen panoramaartigen Blick auf den Inn, die Innstadt und die dahinterliegende Hügellandschaft bot.

Schrift- und Bildquellen

Bereits wenige Jahre nach Anlage des Passauer Residenzgartens wurde er mit zwei Kupferstichen und einer erläuternden Beschreibung in Johann Christoph Volkamers zweibändigem Buch über Zitrusfrüchte mit dem Titel „…..“ von 1708-1714 vorgestellt. Diese frühe zeithistorische Würdigung verrät nicht nur die überregionale Bedeutung des Passauer Residenzgartens, sondern hebt ihn auch in eine allegorische Bedeutungsebene, denn Zitrusfrüchte galten zum einen symbolisch als die goldenen Äpfel der Hesperiden in der griechischen Mythologie und zum anderen als Zeichen von Status- und Macht.

Forschungsstand

Die erste seriöse, weil auf Quellen basierende Untersuchung über die bau- und funktionalsgeschichtlichen Zusammenhänge des Passauer Residenzgartens findet sich in der Dissertation von Edith Schmidmaier aus dem Jahre 1994, in der sie die beiden Passauer Bischofsresidenzen einer genaueren Analyse unterzog.[13] Ihre bis dahin gewonnenen wissenschaftlichen Ergebnisse zum Hofgarten wiederholte, bzw. erweiterte sie 2005 in einem Publikation, der die Gartenkunst im Passauer Land zum Gegenstand hatte.[14]

Wandmalerei

Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Wandmalereien des fürstbischöflichen Residenzgartens wurden unter der Regierungszeit von Fürstbischof Johann Philipp von Lamberg nach 1689 und vor 1696[1] angefertigt, die Gartenanlage selbst war von seinem Vorgänger Sebastian von Pötting um 1680-1685 in Auftrag gegeben worden.[1] Der oder die ausführenden Künstler sind archivalisch nicht bekannt. Das von Gottfried Schäffer 1981 vorgeschlagene Künstlerpaar, Johann Carlone und Johann Paul Vogl, das die Gartenmauern angeblich bemalt hätte, beruht auf reiner Spekulation.[15] Schriftlich überliefert ist hingegen der Gärtner, den der Fürstbischof einstellte: „Den 7. Sept. 1696 hab ich ein Gärtner aufgenomben mit Namb Johann Georg (?) Moser zu Schlaißhaimb geburthig [...].“[1] Die Namen von zwei später beschäftigten Gärtner haben sich auch noch erhalten: zum einen Phililpp Mitterhuber, den das „Bestallungsbuch aus dem Jahr 1735 nennt[16] und Joseph Mitterhuber, der „im Passauer Hofkalender von 1765 bis 1767 aufgeführt“[17] ist.

Der Residenzgarten, der nicht allein rekreativen, sondern auch im hohen Maße repräsentativen Zwecken diente,[18] verlor in der zweiten Hälfte, vor allem ab der Regentschaft von Kardinal Firmian (ab 1762?) allmählich seine Bedeutung. Ein entscheidender Grund dürfte darin bestanden haben, dass der Residenzgarten von der damals erbauten Neuen Residenz räumlich ungünstig lag und in repräsentative Aufgaben oder zeremonielle Abläufe nicht mehr einzubinden war. Ab dieser Zeit verkam der Residenzgarten und erfüllte, je nach Besitzerwechsel von Alter Residenz und Neugebäude, eher nützliche Funktionen. In seiner baulichen Grundstruktur ist der Garten heute noch erkennbar.

Beschreibung und Ikonographie

Der winkelförmig angelegte Residenzgarten weist insgesamt drei Wandflächen mit Malereien auf. Zum einen auf der Wand der nördlich gelegenen Galerie, welche die Verbindung zwischen dem westlichen Neugebäude und der Alten Residenz herstellte (Nordwand). Zum anderen auf der Ostwand des Neugebäudes, womit die westliche Begrenzung des Residenzgartens definiert ist (Westwand). Und zum dritten an der Wand, die den Übergang von der östlich tiefer gelegenen Terrasse zur westlich höheren markiert (Terrassenwand).

Allen drei Wandmalereien ist gemeinsam, trotz der unterschiedlichen Größe der Wandflächen, jeweils eine symmetrisch organisierte Gesamtfläche darzustellen: in zwei Fällen (Nord- und Westwand) eine durch Pilaster gegliederte und rhythmisierte Wandstruktur (einmal drei- und einmal fünfachsig) und im anderen Beispiel eine Wandeinteilung, welche durch die mittige Treppenanlage und rechteckigen Wandvorlagen bestimmt wird.

Allen drei Wandmalereien ist weiterhin ihre Themenwahl und Darstellungsart gemeinsam. Diese bestehen darin, idyllische oder idealtypische Landschaftsprospekte mit perspektivischen Mitteln derart überzeugend in Szene zu setzen, dass man tatsächlich den Eindruck hat, der relativ gesehen kleine Terrassengarten würde sich auf diese illusionistische Weise in eine nicht vorhandene Ferne bedeutend erweitern.

Eine Ikonographie oder den Vorschlag eines möglichen Deutungsansatzes gibt es trotz diverser Beschreibungen des Bestandes nicht.[19] In Erwägung zu ziehen wäre, diese sehr allgemein gehaltenen illusionistischen Landschaftsdarstellungen als einen Ausdruck der göttlichen Schöpfung zu sehen, eine Idee, die in dem Garten eines Fürstbischofes möglicherweise greifen könnte.

Komposition und Ansichtigkeit

Sowohl die Komposition wie auch die Ansichtigkeit der Wandmalereien sind einfach, klar und übersichtlich, dennoch nicht uniform. Zum Beispiel sind die Wandeinteilungen nicht gleichförmig strukturiert, sondern rhythmisiert, wodurch sie eine gewisse Belebung erhalten.

Gestalterische Mittel

Das alles entscheidende gestalterische Mittel der Landschaftsdarstellungen ist die Perspektive. Sie ist an allen drei Wänden zentralperspektivisch eingesetzt, so dass sich für den Betrachter die Illusion einer Fernwirkung ergibt und er die real beengten Dimensionen des Residenzgartens vergisst, weil er diese imaginativ erweitert. (Ein optischer Betrug, den selbst ein Fürstbischof guten Gewissens verantworten konnte).

Nordwand

Beschreibung und Ikonographie

Die Wand ist dreiteilig angelegt und im Sinne eines dreibogigen Triumphbogens organisiert, mit einer breiteren Mitteltravée und den beiden schmäleren seitlichen Travéen, die von einem Gesims (bzw. klassisch von einer Attika) abgeschlossen werden. Der anschauliche Unterschied zu den klassischen Vorbildern besteht in ihrer gequetschten, in die Horizontale gedehnten proportionalen Formgebung, die allerdings durch ein dadurch gewonnenes größeres Bildfeld in der Mitte kompensiert wird.

Das Wandfeld wird mittels korinthischer Pilaster dreigeteilt, die, strukturell anspruchsvoll, auf Rücklagen aufliegen. Die dekorativen (und inhaltlichen?) Beigaben über den beiden Schmalseiten sind jeweils auf der Bogenlinie der Arkade platziert: neben der mittigen Kübelpflanze befinden sich jeweils zwei Adler, deren Körperhaltung zwischen ausbalancierendem Flattern (West) und beobachtendem Sitzen (Ost) als Kontrast angelegt ist. Auf dem mittigen Arkadenscheitel sind, ebenfalls getrennt von einer Kübelpflanze, in michelangelesker Position links Chronos, der Gott der Zeit mit seiner Sense und rechts daneben eine weibliche Person dargestellt, die in ihrer linken Hand einen Früchtekorb hält. Vor den beiden inneren Pilastern sind außerdem zwei Figuren zu sehen: auf der bildlinken (westlichen) Seite eine bekleidete Frau, deren Attribut nicht zu identifizieren und Handhaltung (grüßend?, winkend?) nicht genau zu deuten ist. Ihr östliches Pendant wird als Ritter mit Umhang, Rock (?), Stiefel, Schild und Fahne (?) gezeigt.

Zwischen diesen beiden Figurationen entwickelt sich die gemalte zentralperspektivische Aussicht in eine gebirgige, an das Veneto erinnernde Landschaft, die im Vordergrund von einer Balustrade begrenzt und durch eine Allee von Pappelbäumen in die Tiefe geleitet wird. Diese endet in der Ansicht einer dreiteiligen Villenarchitektur mit oberem Belvedere, die an Bauten des Andrea Palladio erinnert. Die zwischen Balustrade und Villa sich erstreckende Gartenanlage aus vier Parterres, die sich um das mittlere Wasserbecken gruppieren, sind die künstlerische Wiederholung, genauer, Verlängerung der real existierenden Gartenstruktur, womit eine gestalterische Angleichung der beiden verschiedenen Ebenen versucht wird.

Der gemalte Ausblick durch die linke (westliche) Arkade ist rein illusionistisch, während die rechte gemalte Arkade den Weg zum tatsächlich vorhandenen Galerieumgang künstlerisch vorbereitet.

Eine Deutung oder ein Deutungsversuch der illusionistischen Landschaftsdarstellungen und den, allein schon anschaulich schwer zu identifizierenden Figurationen, ist bis heute nicht geleistet.

Schrift- und Bildquellen

Johann Christoph Volkamer hat in seinem 1714 erschienenen Buch „CONTINVATION der Nürnbergischen HESPERIDUM, Oder: Fernere gründliche Beschreibung Der Edlen Citronat= Citronen= und Pomeranzen-Früchte [...]“ den Passauer Residenzgarten mit zwei Kupferstichen abgebildet und einer Erklärung der 12 Nummern beigegeben.[20] „Der erste Bogen stellet den herrlichen Pallast / mit dem völligen Wunder=würdigen Gebäu selbsten vor / der fürtrefflich in die Augen fallet / und den Garten auf sich angeleget hat.“[21] Der unter dem Stich befindliche Text lautet unter Nennung des Kupferstechers: „Die Hoch=Fürstliche Residentz und Garten zu Passau auf den St. Georgenberg. J.G. Beckh. fecit Norimborgae.“[22]

Westwand

Beschreibung und Ikonographie

Die Westseite des Residenzgartens, deren Malereien sich auf der Außenseite der Ostwand des Neugebäudes befinden, zeigt eine fünfteilige Schauwand, deren gliedernde Einteilung mittels Pilaster erfolgt. Betont ist die breite Mitteltravée, die sich in der Wandschichtung durch ihre vorgekröpften korinthischen Pilaster mit Rücklagen, die sich im Gebälk konsequent fortsetzt, deutlich von den Seitenkompartimenten abgrenzen. Diese liegen zwar schichtenmäßig auf einer Ebene, sind aber dennoch durch ihre unterschiedliche Höhe und Gestaltung voneinander geschieden. Zum einen zeigt sich dies in der von den Seiten zur Mitte hin steigernden Höhe der Arkaden und gleichzeitig in der Gestaltung der Arkadenbögen. Die beiden äußeren Bogenöffnungen werden sehr ursprünglich in der Art eines Grotteneinganges mit roh belassenem Gestein gezeigt. Die darauf folgende Arkadenbildung mit halbrunder Bogenführung könnte in ihrer formalen Exaktheit eine zivilisatorische Entwicklung andeuten.

In der mittleren Arkade war ein Landschaftsprospekt gezeigt, der kompositionell der Darstellung auf der Nordwand sehr ähnlich ist: auch hier führt nach einer Balustrade eine Pappel- oder Zypressenreihung zentralperspektivisch in die Tiefe und in der Mitte steht als optischer Zielpunkt eine Villa, hier allerdings mit Dach (statt Belvedere).

Über den fünf Arkaden der Schauwand sind Bildhauerarbeiten zu sehen: auf den beiden äußeren jeweils ein Adler und den nächstfolgenden, über den Portalen, Putten, die Vasen mit Früchten und Blumen festhalten. Auf dem Scheitel der mittleren Arkade sitzt ein Putto, der versucht auf seinem Kopf einen Früchtekorb (?) zu blancieren. Auf dem bildlinken Bogenschenkel lagert ein nackter, bärtiger Mann, der sich aufstützt und ihm gegenüber eine nackte Frau. Beide halten einen schweren Feston fest, der am Korb des Putto befestigt ist.

Schrift- und Bildquellen

Johann Christoph Volkamer hat in seinem 1714 erschienenen Buch “CONTIVATION der Nürnbergischen HESPERIDUM, Oder: Fernere Beschreibung Der Edlen Citronat=Citronen= und Pomeranzen-Früchte [...]“ den Residenzgarten mit zwei Kupferstichen abgebildet und eine Erklärung der 12 Nummern beigegeben.[20] Die Westwand des Gartens ist auf dem zweiten Kupferstich zu sehen und „enthält die zwei Gärten / wie sie / von der HochFürstlichen Residenz aus / anzuschauen / mit schönen Fontainen / und allerhand raren Gewächsen bezieret / auch mit künstlich-gemahlten Prospecten versehen sind.“[21] Der Text unter dem Stich lautet unter Nennung des Kupferstechers: „Prospect des auff gebauen stehenden Garten an der Hoch=Fürstlichen Residentz wie er von dar aus zu sehen ist. J.G. Beckh. fec: acqua forti.“[22]

Terrassenwand

Beschreibung und Ikonographie

Auf die Wände der unteren Gartenterrasse sind insgesamt neun Landschaftsdarstellungen gemalen, zwei auf der Südwand, vier auf der Westwand und drei auf der Wand der doppelläufigen Treppe. Die beiden Landschaften auf der Südseite zeigen einen einzelnen oder zwei Bäume, die kompositionell den Ausblick in eine Mittelgebirgslandschaft lenken.

Die Landschaftsprospekte auf der Westwand und den dreieckigen auf der Treppenwand sind untereinander verwandte Varianten, wobei nur die Baumart oder deren Anbringungsort (bildrechts, bildlinks) wechselt. Äuffälliger ist, wenn tatsächlich Menschen in den Landschaften sich bewegen, so wie auf dem südlichen Bild ein Schiffer auf einem Boot oder ein Hirte, der sich auf seinen Stab stützt und die grasenden Schafe in einer arkadischen Umgebung hütet (nördliches Bild). Die Anwesenheit von Architektur in den Landschaften ist selten, so ist nur auf dem 2. Bild von Süden eine Tempelfront zu sehen, ansonsten bleibt die Darstellung von Natur das bestimmende Thema.

Auf der Wand unterhalb des Treppenpodestes, der Mitte der gesamten Westseite, ist ein sich rasant verkürzender Tunnelgang mit Gitterung und Papagei auf einer Stange dargestellt, der den Blick auf eine entfernte Landschaft leitet.

In diesem tiefer gelegten Abschnitt des Residenzgartens ist der Kontrast zwischen den zwei grundsätzlich verschiedenen Arten des Umganges mit der Natur ersichtlich. Das real begehbare Terrain des Gartens ist als in sich symmetrische, geometrische Anlage aus vier Bosketts (?) mit mittlerem Brunnen und axialem Wegesystem angelegt und zeigt einen Umgang mit der Natur, der auf gestalterischer Beherrschung dieser basiert. Das Gegenteil dieser Naturauffassung zeigen die gemalten Landschaftsprospekte, die zwar auch gestalterischen (Komposition) Bedingungen gehorchen, ihre Darstellung aber einen Ausschnitt von Natur zeigen, wie sie von ihr selbst geformt wurde.

Schrift- und Bildquellen

Johann Christoph Volkamer hat in seinem 1714 erschienen Buch „CONTINVATION der Nürnbergischen HESPERIDUM, oder: Fernere gründliche Beschreibung Der Edlen Citronat=Citronen= und Pomeranzen-Früchte [...]“ den Passauer Residenzgarten mit zwei Kupferstichen abgebildet und eine Erklärung der Nummern beigegeben.[20] Der tiefer liegende Teil des Residenzgartens ist auf dem zweiten Kupferstich zu sehen. Dieser „enthält die zwei Gärten / wie sie / von der Hochfürstlichen Residenz aus /anzuschauen / mit schönen Fontainen / und allerhand raren Gewächsen bezieret / auch mit künstlich-gemahlten Prospecten versehen sind.“[21] Die untere Schriftzeile lautet, unter Nennung des Kupferstechers: „Prospect des auff gebauen stehenden Garten an der Hoch=Fürstlichen Residentz wie er von dar aus zu sehen ist. J.G. Beckh fec: acqua forti.“[22]

Programm und Synthese

Der Garten an der Westseite der Passauer fürstbischöflichen Residenz ist mit seiner Baugeschichte und seinen wesentlichen Funktionen als erholsamer Aufenthaltsraum wie auch als Ort der zeremoniellen Repräsentation gut erforscht und beschrieben.[23] Die Deutung der auf den Wandmalereien dargestellten Landschaftsprospekte und ihrem, zugegebenermaßen, trotz der Zuhilfenahme digitaler Bearbeitungsmaßnahmen, schwer zu identifizierenden Figurenpersonal allein als eine Anspielung auf „die ideale Natur“[24] zu verstehen, greift dennoch zu kurz.

Bereits 1714 deutete Johann Christoph Volkamer in seiner „CONTINVATION der Nürnbergischen HESPERIDUM [...]“[22], in der auch der Passauer Residenzgarten erwähnt und bildlich vorgestellt wird,[25] in seiner „Vor-Ansprach“[26] einen möglichen Interpretationsansatz an, indem er die Existenz von Gärten ganz allgemein auf „die gütige Hand des Schöpfers“[27] bezog, die er „in dem grossen und anmuthigen Reich der Natur angeleget hat.“[27]

Damit verbunden ist die Grundidee, dass die Benutzer und Betrachter der Natur, „auf einem jeden Halm/ den sie brechen/ und auf einem jeden Graß/ das sie betretten/ die Allmacht dessen/ der alles geschaffen hat/ und alles erhält/ täglich und stündlich bewundern“[27] können.

Auf diese Weise wird, ohne Quellenangabe bei Volkamer, eine Haltung zur Natur angesprochen, wie sie in den Briefen des Apostels Paulus an die Römer vorformuliert ist: „Seit Erschaffung der Welt wird seine unsichtbare Wirklichkeit an den Werken der Schöpfung mit der Vernunft wahrgenommen, seine ewige Macht und Gottheit (Römer, 1,20).“[28] Die beiden unsichtbaren Wesenszüge von Gott, zum einen seine ewige Kraft und zum anderen seine Göttlichkeit bezeichnen bei Paulus „eher seinen Charakter als seine Existenz, oder eher seine herrlichen Eigenschaften, als die Tatsache, dass er Gott ist. Dass er Gott ist, wird hier vorausgesetzt. Die Argumentation hier ist deutlich: Die Existenz verlangt nach einem Schöpfer. [...] Wenn man zu Sonne, Mond und Sternen aufschaut, dann kann jeder wissen, dass es einen Gott gibt.“[29]

Diese in den Paulusbriefen empfohlene besinnliche Anschauung der Schöpfung (des christlichen) Gottes, deren vielfältigste Erscheinungsformen stets zum Staunen anregen, zeigte aber gleichzeitig, z.B. in der Anlage eines Gartens, das symbolische Abbild der vollkommenen Schöpfung Gottes, das seinen perfekten Ordnungsgedanken repräsentiert.[30] Diese direkte Bezugnahme von göttlicher Schöpfung und symbolischer Ordnung eines Gartens, deren Grundidee im Mittelalter in Form des Hortus conclusus seinen Ausdruck fand,[30] erhielt in der frühen Neuzeit durch Erasmus von Rotterdam in seiner 1522 veröffentlichten Schrift „Convivium religiosum“ eine entscheidende theoretische Wendung. „Erasmus beschreibt ein Gartenideal, das sich an die römische Gartenarchitektur anlehnt und durch seine symbolische Ordnung dem Gartenbenutzer hilft, zu einer Gotteserkenntnis zu gelangen.“[31] Eine gedankliche Erweiterung des Gartenideals von Erasmus fügte Justus Lipsius mit seiner 1584 publizierten Schrift „De Constantia“ hinzu. In einer „Verbindung aus christlicher und neostoischer Ethik“[30] versuchte „Lipsius zu zeigen, wie sehr die genaue Kenntnis natürlicher Ordnungen des Gartens zum Beleg einer inneren Ordnung Gottes guter Schöpfung dienen kann.“[30] Dieser darin implizierte „Analogieschluss zwischen göttlicher Vollkommenheit und Sittlichkeit des Betrachters“[32], in welcher der Schöpfer der wohlgeordneten Welt, die gottgegebene Ordnung in einem Menschen und eine deshalb in und durch die Natur erfahrbare tugendhafte Lebensführung in Bezug gesetzt sind, wird vor allem die Vorstellungen der Gartenrezeption nach 1700 wesentlich bestimmen.[33]

Die Anlage und Gestaltung des Residenzgartens der Passauer Fürstbischöfe scheint von solchen biblischen und gartentheoretischen Vorgaben inspiriert zu sein. In Passau scheinen dies der/die Entwerfer sowohl in ihrem geistigen Gehalt wie in ihrer formalen Konzeption ausdrücken zu wollen. Zum einen bemühten sie sich, in der symmetrischen, geometrisierenden Formgebung des Gartens die göttlichen Ordnungsprinzipien wiederzugeben und damit die von Gott erschaffene Natur in ihrer kultivierten Anlage zu versinnbildlichen. Hingegen klingt der von Gott erschaffene, ursprünglich paradiesische, un-schuldige Zustand der Natur vor seiner menschlichen Kultivierung in den allegorischen (?) Figuren und Personifikationen (?) an, welche über den gemalten Landschaftsprospekten in ihrem nackten Dasein (Garten-Westwand) gezeigt werden.

Für einen zeitgenössischen Besucher und Betrachter, der beim Anblick der blühenden Natur des Residenzgartens an die ordnende Allmacht Gottes dachte und auf diese Weise an sein Schöpfungswerk erinnert wurde, konnten sich auf diese verbildlichte/bildhafte Weise weitere Sinnschichten eröffnen. Die blühende Natur konnte auch auf die im Auftrag des Fürstbischofs begonnene nutzvolle Kultivierung der Natur verweisen, deren sinnvolle Bearbeitung des Bodens und fruchtbare Ernten aus dem Hochstift Passau ein blühendes Land machte und den Herrscher als guten Regenten auswies.

Dieses Glück und Wohl des Landes, das sich vor allem in Friedenszeiten zeigt, ist verknüpft mit der Vorstellung an das segensreiche Regiment eines Herrschers. Dieses Gedankengut entwickelte der Früh-Humanist Pietro de Crescenzi, der den „Garten der Mächtigen [...] als ein Medium der Macht“ ansah und damit die mittelalterlichen Vorstellungen eines Gartens mit locus amoenus-Qualitäten, Annehmlichkeiten und Paradies-Assoziationen ablöste.[34] [Einfügen:? Erfolgreiche Landwirtschaft. Ein mittelalterliches Lehrbuch??? web!!!] Seine Ideen griff später Leon Battista Alberti auf, für den zur Repräsentation des Hauses auch der herrschaftliche Blick aus dem Haus auf die Natur, den piktoral angeordneten Garten, unabdingbar gehörte.[34]

Die Idee des für seine Untertanen treu sorgenden Herrschers, der sich darum kümmert, den Boden seines Landes überlegt und sinnvoll zu bestellen, um deren Fruchtbarkeit und damit das Wachstum und Blüte in seinem Herrschaftsgebiet zu fördern, versinnbildlichten sich in Passauer Residenzgarten an zwei Stellen: zum einen in den Brunnenfiguren und zum anderen auf der Nordwand des Gartens.

Die direktesten Hinweise auf den Auftraggeber Johann Philipp von Lamberg liefert die Brunnenplastik in der Mitte der vierteiligen Parterres. Dort sitzt jeweils ein Hund mit hochgerecktem Kopf, aus dessen Maul eine Wasserfontäne hochschießt. Diese Saubracke,[35] das Wappentier der Familie Lamberg,[36] war in ähnlicher Funktion im Schloss Lamberg 1666 als Brunnenfigur verwendet worden.[37]

Auf der Nordwand lassen sich mit den jeweils zwei Adlern, die generell als Herrschaftszeichen zu deuten sind,[38] auf den beiden seitlichen Arkadenbögen ebenfalls eine Nähe zum Auftraggeber Lamberg herstellen. Während auf der rechten (östlichen) Arkade die beiden Adler stehen und sich voneinander abwenden, versuchen auf der linken (westlichen) Seite die beiden mit ihren Flügeln schlagenden Adler ihre Position auszubalancieren. Auf diese Weise nehmen sie eine Haltung an, die dem Adler auf dem persönlichen Wappen der Lambergs gleicht.[39] Über dem Wappen und den drei Turnierhelmen ist zwischen der Saubracke bildrechts und den beiden Büffelhörnern bildlinks ein auf einer Fürstenkrone stehender gekrönter Adler zu sehen, der seine Schwingen hochreckt. Er ersetzt, und dies ist das Besondere an diesem Motiv, den traditionell an dieser Stelle sich befindlichen offenen Flug.

Die Lambergischen Adler fassen die beiden allegorischen Figuren über der Mittelarkade der Nordwand ein und werden gleichzeitig thematisch zu ihnen in Bezug gesetzt. Auf dem Arkadenbogen lagern (bildlinks) Chronos mit der Sense und die Personifikation der Natura, die mit ihrem voll beladenen Früchtekorb auf die Fruchtbarkeit und Blüte im fürstbischöflichen Land verweist. Chronos, der Herr der Zeit und ihr Begleiter, sorgt dafür, dass diesem glückvollen Zustand eine dauerhafte Perspektive innewohnt/garantiert für einen dauerhaften Zustand.

Diese thematische Bezugnahme auf das ewig blühende Land eines guten Herrschers wie sie hier vorgeschlagen wird, könnte seine Bestätigung, aber auch seinen differenzierenden Widerspruch in den beiden Personifikationen (?) finden, die vor den beiden, die Mittelarkade rahmenden Pilastern stehen, aber (bisher) nicht genau zu bestimmen sind.

Der Mythos der Hesperiden, den die Publikation des Passauer Residenzgartens in Volkamers Hesperidenwerk nahelegen könnte, scheint in den Figuren keine Rolle gespielt zu haben. Volkamer hatte in Deutschland seine Heimatstadt Nürnberg „zu einer weiteren Heimat des Dreigestirns Aegle, Arethusa und Hesperthusa“[40] erklärt.

Eingewoben in die Aussagekraft von Motiven und Zeichen der Zeit um 1700 konnte ein Gast des Fürstbischofs den Residenzgarten als Demonstration von Gottes Schöpfertum erfahren, der zugleich eine Bestätigung beinhaltete, dem richtigen Glauben des einzig wahren Gottes zu folgen. Auf andere Weise war die im Residenzgarten kultivierte Natur auch als Ermahnung zu lesen, sich stets dem Urheber all dieser Dinge und des Seins zu erinnern. Diese Erinnerung an „die Herrlichkeiten der Schöpfung“[41] mündete in ein Lob Gottes, „Ich will dem Herrn singen, solange ich lebe“[42], das, wie in Psalm 104 am eindringlichsten beschrieben, die unermessliche Vielfalt der Schöpfung (Psalm 104, 24), seine weise Planung (Psalm 104, 24) und die ewige Herrlichkeit des Herrn (Psalm 104, 31) in Betracht zog.

Bibliographie

  • Boehm, Gottfried: Homo pictor, München, 2001.
  • Deissler, Alfons / Vögtle, Anton / Nützel, Johannes M.: Neue Jerusalemer Bibel; Biblia; Einheitsübersetzung mit dem Kommentar der Jerusalemer Bibel, Freiburg [u.a.], 1985.
  • Doosry, Yasmin: Die goldenen Äpfel der Hesperiden; antike Mythen und ihre bildlichen Spuren. In Die Frucht der Verheißung; Zitrusfrüchte in Kunst und Kultur; Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg, 19. Mai - 11. September 2011, Nürnberg, 2011, S. 27-67.
  • Erhard, Alexander: Geschichte der Stadt Passau, Passau, 1864.
  • Grevel, Jan Peter: Mit Gott im Grünen ; eine praktische Theologie der Naturerfahrung, Göttingen, 2015.
  • Kern, Geschäftskalender, 1954.
  • Kretschmer, Hildegard: Lexikon der Symbole und Attribute in der Kunst, Stuttgart, 2008.
  • Schmidmaier, Edith: Die fürstbischöflichen Residenzen in Passau; Baugeschichte und Ausstattung vom Spätmittelalter bis zur Säkularisation, Frankfurt am Main, 1994.
  • Schmidmaier-Kathke, Edith: "Ein gar lieblicher Aufenthaltsort"; die "hängenden Gärten" der fürstbischöflichen Residenz in Passau, 2005
  • Schäffer, Gottfried: Hochgelobte fürstliche Gartenlust; vergessene Schloßgärten der Renaissance und des Barock im östlichen Bayern, München, 1981.
  • Volkamer, Johann Christoph: Continuation der Nürnbergischen Hesperidum, oder: Fernere gründliche Beschreibung der Edlen Citronat-, Citronen- und Pomeranzen-Früchte ; abermals in 4 Theile eingetheilet; nebst einem Anhang, Frankfurth, 1714.
  • www.livenet.ch/Themen/glaube/bibel/bibelstudium/roemer... (abgerufen am 15.07.2020).
  • https://steyrerdenkmal.wordpress.com/2013/09/03brunnen-im-schloss-lamberg/ (abgerufen am 15.07.2020).
  • wikisource.org (abgerufen am 15.07.2020).

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Schmidmaier, Residenzen, 1994, S. 170.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 Schmidmaier, Residenzen, 1994, S. 171.
  3. 3,0 3,1 3,2 Erhard, Geschichte, 1864, S. 192.
  4. Schmidmaier, Residenzen, 1994, S. 175.
  5. Schmidmaier-Kathke, Aufenthaltsort, 2005, S. 57.
  6. Schmidmaier, Residenzen, 1994, S. 171 und Anmerkung 303.
  7. Schmidmaier, Residenzen, 1994, S. 184.
  8. Schäffer, Schloßgärten, 1981, S. 29.
  9. Schmidmaier, Residenzen, 1994, S. 170 und Anmerkung 296.
  10. Schmidmaier-Kathke, Aufenthaltsort, 2005, S. 61.
  11. Schmidmaier-Kathke, Aufenthaltsort, 2005, S. 67.
  12. Schmidmaier-Kathke, Aufenthaltsort, 2005, S. 68.
  13. Schmidmaier, Residenzen, 1994.
  14. Schmidmaier-Kathke, Aufenthaltsort, 2005.
  15. Schmidmaier, Residenzen, 1994, S. 184 und Anmerkung 340.
  16. Schmidmaier, Residenzen, 1994, S. 185 und Anmerkung 344.
  17. Schmidmaier, Residenzen, 1994, S. 185 und Anmerkung 345.
  18. Schmidmaier, Residenzen, 1994, S. 172; Schmidmaier-Kathke, Aufenthaltsort, 2005, S. 66 und Anmerkung 27.
  19. Schmidmaier, Residenzen, 1994, S. 170-188; Schmidmaier-Kathke, Aufenthaltsort, 2005, S. 57-70.
  20. 20,0 20,1 20,2 Volkamer, Hesperidum, 1714, S. 10.
  21. 21,0 21,1 21,2 Volkamer, Hesperidum, 1714, S. 11.
  22. 22,0 22,1 22,2 22,3 Volkamer, Hesperidum, 1714.
  23. Schmidmaier, Residenzen, 1994, S. 170-188; Schmidmaier, Aufenthaltsort, 2005, S. 57-70.
  24. Schmidmaier, Residenzen, 1994, S. 182; Schmidmaier, Aufenthaltsort, 2005, S. 65.
  25. Volkamer, Hesperidum, 1714, S. 10-11 (Text).
  26. Volkamer, Hesperidum, 1714, S. 1-20.
  27. 27,0 27,1 27,2 Volkamer, Hesperidum, 1714, S. 6.
  28. Deissler / Vögtle, Bibel, 1985, S. 1625.
  29. www.livenet.ch/Themen/glaube/bibel/bibelstudium/roemer...
  30. 30,0 30,1 30,2 30,3 Grevel, Naturerfahrung, 2015, S. 161.
  31. Grevel, Naturerfahrung, 2015, S. 161 und Anmerkung 73.
  32. Grevel, Naturerfahrung, 2015, S. 162.
  33. Grevel, Naturerfahrung, 2015, S. 162 und Anmerkung 162.
  34. 34,0 34,1 Boehm, Homo pictor, 2001, S. 325.
  35. Kern, Geschäftskalender, 1954, S. 120.
  36. Schmidmaier, Residenzen, 1994, S. 178, Anmerkung 327.
  37. https://steyrerdenkmal.wordpress.com/2013/09/03brunnen-im-schloss-lamberg/
  38. Kretschmer, Lexikon, 2008, S. 22.
  39. wikisource.org
  40. Doosry, Hesperiden, 2011, S. 49.
  41. Deissler / Vögtle, Bibel, 1985, S. 833.
  42. Deissler / Vögtle, Bibel, 1985, S. 834.