Parsberg, Pfarrkirche St. Laurentius
PARSBERG
Pfarrkirche, Gemeinde Miesbach, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung Filialkirche von Miesbach, Herrschaft Hohenwaldeck
Patrozinium: St. Laurentius
Zum Bauwerk: Die Jahreszahl 1724 am Chorbogen ist wohl auf den Bau der Kirche sowie auf seine Ausstattung zu beziehen. - Saalkirche zu vier Jochen mit eingezogenem AR, Pilastergliederung, im W Doppelempore
Autor und Entstehungszeit: Der Autor ist nicht bekannt; die Fresken sind wohl 1724 entstanden (Datum am Chorbogen). Stilistisch verwandt sind die Fresken von 1722 in der Pfarrkirche von Elbach (vgl. S. 465-69). Die Bilder haben geringe Qualität, ihr schlechter Erhaltungszustand erschwert die Beurteilung.
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs (A-D) und AR (E–F) Tonne mit Stichkappen, 1–12 Schildbögen unter der Stichkappen
Rahmen: A-F Stuckprofil, 1-12 gemalte Kartuschrahmung (Blattornamente)
Technik: Fresko; polychrom
Maße: A Höhe 9,40 m; 2,10 × 3,50
B Höhe 9,40 m; 2,10 × 3,50
C Höhe 9,40 m; 2,10 × 3,50
D Höhe 9,40 m; 2,10 × 3,50
E Höhe 9,00 m; 1,20 × 1,20
F Höhe 9,00 m; 1,20 × 1,20
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Übermalung im 19. Jh., Freilegung von B-F 1957/58. Die ursprüngliche Farbsubstanz ist weitgehend zerstört; Ergänzungen sind zu erkennen. Die Lemmata der Embleme sind teilweise fehlerhaft restauriert. Fresko A wurde 1980 durch Norbert Fischer, Egling und Fa. Wiegerling, Bad Tölz, freigelegt und restauriert, es ist in der Substanz besser erhalten.
Beschreibung und Ikonographie
Die Bilder haben keine spezifischen Eigenschaften von Deckenmalerei: Sie sind wie gerahmte Tafeln ohne Untersicht und Verkürzungen in den Scheitel der Tonnenwölbung gesetzt, die durch Gurtbogen gegliedert ist (Aufnahmestandort jeweils unterhalb des Bildes)
A ABSCHIED DES SIXTUS VON LAURENTIUS Landschaftsdarstellung, abgeschlossen durch einen Baumstamm am linken Bildrand und eine Ansicht von Gebäuden rechts. In der Bildmitte wird Sixtus gefesselt abgeführt, rechts steht Laurentius in Diakonstracht und grüßt Sixtus zum Abschied. Links beim Baum Reiter und Gefolgsleute. Blickrichtung gegen W.
B ST. LAURENTIUS VOR KAISER VALERIAN Der Bildschauplatz ist zweigeteilt: Die linke Hälfte bietet einen Fernblick, rechts ist ein erhöhter Thronraum angedeutet.
Der jugendliche Diakon Laurentius in der Mitte, von einem Soldaten in Ketten geführt, weist mit der Rechten auf die Armen, an die er das Kirchenvermögen verteilt hat, das er Valerian ausliefern sollte.
C FOLTERUNG DES ST. LAURENTIUS Landschaftsdarstellung wie A, abgeschlossen durch einen Pfeiler am linken Bildrand und eine Ansicht von Gebäuden rechts. In der Mitte der halbnackte Heilige von Knechten mit Folterwerkzeugen, Hammer, Axt und glühenden Eisen (oder Bleikolben?) bedrängt.
D ST. LAURENTIUS WIRD ZUM ROST GEFÜHRT Zwei Soldaten entkleiden Laurentius und deuten dabei auf den großen Rost, unter dem ein weiterer Soldat das Feuer entzündet. Links am Bildrand Zuschauer, rechts im Hintergrund Gebäude (Ribadeneira-Hornig, Bd 2, 10. 8., Passio: S. 188–91)
Bei allen vier Deckenbildern zeigt die verbliebene originale Farbsubstanz die Verwendung von goldgelben bis braunen Werten, die gegen das helle Blau von Gewändern und Himmel und das weiße Gewand des Heiligen gesetzt werden.
E ENGELSGLORIE Puttoköpfchen säumen das Hl.-Geist-Loch, auf dessen Deckel (z. Z. ohne Darstellung) wohl ehem. die Geist-Taube gemalt war (keine Abbildung)
F MARIA IMMACULATA Die Jungfrau Maria ist in Wolken von Puttoköpfchen umgeben, über ihrem Haupt schwebt die Geist-Taube. Unter dem gebauschten Gewand die Erdkugel mit Schlange und Mondsichel. Sternenkranz und Lilie vervollkommnen die Attribute der Immaculata der Blumenkranz im Haar deutet auf den Typus des Wessobrunner Gnadenbildes »Mutter der schönen Liebe«.
-12 LAURENTIUS-EMBLEME
1–8 Die acht polychromen Embleme über den Fenstern im LHs sind einander paarweise zugeordnet, so daß jeweils zwei gegenüberliegende Embleme sich auf ein Mittelfresko beziehen. Dieser Zusammenhang wird noch verdeutlicht durch die Verwendung des gleichen Motivs, wie dem Herz und dem Spiegel, bei einem Emblempaar.
1 ohn Feller sein gibt solchen Schein. - Ein Engel in langem weißen Gewand steht in einer Landschaft. Mit seiner Rechten weist er auf eine Stadt am linken Bildrand. – Der Engel soll, wie auch das Lemma deutlich macht, die tugendhafte Reinheit des hl. Laurentius versinnbildlichen. Während Engel in der Emblematik im allgemeinen nur als Verweisende oder Handelnde auftreten, ist hier ein Wesensmerkmal der Engel, ihre Reinheit, Thema des Emblems.
2 Vor Deinen Lohn Bereit die Kron. – Eine Krone schwebt von Strahlen umgeben in der Bildmitte. - Picinelli, s.v. corona, Liber 25, Nr. 36, bestimmt die Krone mit dem Lemma cursu completo als ein Sinnbild des Lohnes für ein tugendhaftes Leben. Das Emblem paraphrasiert und illustriert die Paulusstelle 2 Tim 4, 7–8: »Bonum certamen certavi, cursum consummavi, fidem servavi. In relique reposita est mihi corona iustitiae, quam reddet mihi Dominus in illa die iustus iudex: non solum autem mihi sed et iis, qui diligunt adventum eius.« und eine Kapelle in ländlicher Umgebung. - Der »Mile christianus« illustriert das Pauluswort.
10 Ecc 3 ding Hasset Mein seele. 25. 3. V. (= Eccli 25, 3) Ein Ritter in Waffenrock und Helm steht über drei Tieren, einem Adler, einer Schlange und einem geflügelten Löwen (?). Er hält zwei Degen überkreuzt nach unten gerichtet. Eccli 25, 3-4: »Tres species odivit anima mea, Et aggravor valde animae illorum: Pauperem superbum, divitem mendacem, Senem fatuum et insensatum.« Mit dem Zeichen des Kreuzes, das die Degen formen, wehrt der Streiter Gottes die Laster ab.
Ein Kupferstich des Hieronymus Wierix, ca 1610, zeigt den »Miles christianus«, der auf die sieben Todsünden (in Form von Schwertern) tritt. Zitate aus dem Epheserbrief erläutern die Figur (John B. Knipping, Iconography of the Counter Reformation in the Netherlands, Nieuwkoop 1974, Bd 1, S. 92, Abb. 90). Ebenso findet sich bei Johann Ulrich Kraus, Heilige Augen- und Gemüthslust, alle Sonn- Fest- und Feyertägliche Evangelien, Augsburg 1706, auf Blatt 64 eine verwandte Darstellung: der »Miles christianus« wird von Ungeheuern attackiert
11 Jak. Du must in Ewighkeit nit beweget werden 15 24 V. (wohl = Prov 10, 25) – Aus einer bewegten Wasserfläche erhebt sich ein Fels, im Hintergrund ragt ein Turm auf. Prov 10, 25: »Quasi tempestas transiens non erit impius; Iustus autem quasi fundamentum sempiternum.« Das Bild entspricht den biblischen Metaphern (»tempestas« und »fundamentum«). Fels und Turm stehen für den standhaften Martyrer, die Wasserfluten für das Böse (vgl. Elbach, B1, S. 466–68, Dietramszell, 2, S. 162 f., und Oberammergau, Ba, S. 382, 386).
12 Job Er hat mich wie gold Bewähet daß durchs süb gehet. 23. 1 (= Iob 23, 10) - In einem Innenraum steht ein Putto neben einem Becken mit hohem Balusterfuß. In der Hand hält er einen kleinen Gegenstand, wohl das im Lemma angesprochene Gold. – Der Läuterungsprozess des Goldes wird mit der Feuermarter des Laurentius verglichen. In der Textstelle Iob 23, 10 »Et probavit me quas aurum quod per ignem transit« wird der tropologische Sinn deutlich.
Quellen und Literatur
Mayer-Westermayer, Bd 2, S. 37
Lemp, Cornelia, Angewandte Emblematik in Bildprogrammen süddeutscher Barockkirchen, München 1981.