Pöring, Schlosskirche St. Maria von der Versöhnung


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 1: Die Landkreise Landsberg am Lech, Starnberg, Weilheim-Schongau. Hirmer, München 1976, ISBN 978-3-7991-5737-7, S. 189–190, geschrieben von Bauer-Wild, Anna, Böhm, Cordula, Lüdicke, Lore und Werner-Clementschitsch, Heide. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Schloßkirche, Privatbesitz, Stadtkreis Landsberg am Lech Pfarrei Pitzling (von Landsberg vikariert), Diözese Augsburg; z.Z. der Ausmalung Pfarrei Pössing, Schloß- und Wallfahrtskirche der Freiherrn von Berndorfer, Gericht Landsberg

Patrozinium: St. Maria von der Versöhnung

Zum Bauwerk: Der freistehende Kirchenbau südlich des Schlosses wurde 1739/42 von Dominikus Zimmermann umgebaut und erweitert; Anlaß dazu war die in den 30er Jahren aufgekommene Wallfahrt zu Pörings Marienbild: »Haec Ecclesia in honorem B. V. Mariae Taumaturgae Sub Episcopo Constantiense Ac Augustano Johanne Francisco Fuit Noviter Inchoata MDCCXXXIX Die XVII Sept.« (Inschrift in der östlichen LHs-Kartusche). Erste Benedizierung 1742, feierliche Weihe 1755. – Der einfache rechteckige Gemeinderaum öffnet sich im Chor in dreipaßförmig angeordnete Konchen: gesüdet

Auftraggeber: Maria Isabella von Berndorfer († 1743) und ihre Tochter Maria Anna von Berndorfer (* 1694 † 1778). Die Familienwappen der Berndorfer, Besitzer des Schlosses von 1625–1778, am Hochaltar von 1769 und an den Portalen

Autor und Entstehungszeit: Signatur am O-Rand von A: Dominicus Zimmermann. Der Landsberger Baumeister und Stukkator Dominikus Zimmermann betätigte sich nur ausnahmsweise als Freskant, ein weiteres signiertes Fresko befindet sich in Baiershofen (Schw. LKr. Augsburg, frdl. Mitt. Wilhelm Neu, B.L.f.D., vgl. H. J. Wörner, Ehem. Landkreis Wertingen, [= Kurzinventar der Bayerischen Kunstdenkmale Bd 33], München 1973, S. 42 f.). Die Pöringer Gemälde sind von geringer Qualität. – Der aufwendig begonnene Umbau der Kapelle stockte bald nach Beginn, die Gewölbedekoration ist wahrscheinlich zwischen 1739 und 1742 entstanden.

Befund

Träger der Deckenmalerei: A, D kreisrunde Spiegel in Flachkuppel, B gestelzte Halbkuppel

Rahmen: einfaches Stuckprofil

Technik: Fresko, polychrom

Maße: A Höhe 8,40 m; Ø 6,50

B Höhe 11,35 m; Ø 3,60

D Höhe 8,15 m; Ø 2,50

Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1958 wurde in C die Darstellung der hl. Helena völlig neu gemalt. Gleichzeitig wurden wahrscheinlich die Fresken A, B, D restauriert, welche Übermalungen aufweisen. Fresko A ist gut erhalten; geringfügige schadhafte Stellen; B weist leichte Risse auf und ist verschmutzt; D zeigt größere Risse und Feuchtigkeitsschäden

 

Beschreibung und Ikonographie

A KRÖNUNG MARIENS Die Gestalten des Erlösers Christus, des Weltregenten Gottvater und der Jungfrau Maria sind, auf Wolken thronend oder kniend, in einer eindimensionalen Dreieckskomposition wiedergegeben. Über Maria schwebt die Geistestaube in einer opak-gelben – unräumlich wirkenden – Glorie. Engel umgeben die göttlichen Personen und die Heilige; ein Putto hält das Spruchband: SALUE REGINA.

Die Figuren zeigen eine unbeholfene perspektivische Wiedergabe und unvermittelt harte Konturen. Auch farbig ist das Bild von geringem Reiz: opake Ocker-Ockerrottöne gegen ein milchiges Weiß und Blau gesetzt bestimmen der Eindruck, den Übermalungen mitbestimmt haben dürften

 
A Krönung Marien

PRITTRICHING

- Die südliche Kartusche hat eine erneuerte Inschrift: DU TROESTERIN / DER BETRÜBTEN / DU HELFERIN DER / CHRISTEN, die nördliche zeigt noch Reste der Inschrift: DU HEIL / DER KRANKEN / DU ZUFLUCHT DER / SÜNDER

B ENGELSKONZERT Die Kuppelkalotte ist durch den später (1755?) errichteten Hochaltar teilweise verstellt. Die Hauptgruppe in der Mitte, ein Baßgeige und ein Harfe spielender Engel, ist kaum zur Hälfte sichtbar. Zu den Seiten folgen - in der wenig gegliederten Wolkenszenerie – geigende und flötende Engel.

Die Darstellung bezieht sich auf das Marienbild und das Patrozinium der Kapelle (2 Cor 5,18 Gott hat uns gegeben das Amt der Versöhnung – Inschrift am Altar).

 
D Hl. Sebastiana
 
B Engelskonzer
 
B Engelskonzert, Ausschnitte Nordseite

D HL. SEBASTIANA Die südliche Konche zeigt die Darstellung der in Wolken sitzenden Sebastiana, diese präsentiert ein Schwert mit der Inschrift: S. SEBASTIANA L. V. M. – Die Heilige, eine der Legende nach vom hl. Paulus getaufte Martyrerin aus Heraklea, wurde enthauptet und zeigte sich nach ihrem Tod als Wundertätige.

 

Quellen und Literatur

Hopp, Jakob, Pfründe-Statistik der Diözese Augsburg, Augsburg 1893, Bd 1, S. 360.

Schloß Pöring und seine Besitzer (o. V.), in: Landsberger Geschichtsblätter 12, 1913, Nr. 4—8, S. 25 ff.

Schmidt, Hermann, Landsberg am Lech, Augsburg 1929, S. 18 f.

Thieme-Becker, Bd 36, S. 507 f.

Dehio-Gall OB (1964), S. 281.

Müller-Hahl, Bernhard (Hg.), Heimatbuch Stadt- und Landkreis Landsberg am Lech, Aßling-München 1966, S. 573.

Hitchcock, Henry-Russel, German Rococo: The Zimmermann Brothers, London 1968, S. 22, 66 f.