Osnabrück, Haus Marienstraße 17

Laß, Heiko:Osnabrück, Haus Marienstraße 17, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2026, URL: www.deckenmalerei.eu/973d7fb9-d6a6-42c2-8976-f3709632aa7e

Inventarnummer: cbdd20383

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In einem Saal von 1616 hat sich eine Deckenmalerei mit einem Zyklus von vier der fünf Sinne aus der Erbauungszeit erhalten.

Das Haus Marienstraße 17

 

Kurzbeschreibung und Lage

Das Haus steht an der Südseite der schmalen Marienstraße in der Osnabrücker Altstadt.

Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Das inschriftlich an der Giebelschwelle datierte Haus stammt aus dem Jahr 1587. Das rückwärtige Steinwerk ist jedoch älter. 1616 kam ein straßenseitiger Flügelbau hinzu. Im späten 18. und 19. Jahrhundert erfolgten im Inneren Veränderungen. So wurden beispielsweise in die Diele Zimmer eingebaut und der Festsaal im Seitenflügel unterteilt. Die weitgehende Zerstörung der Osnabrücker Altstadt 1944 und 1945 hat das Haus unbeschadet überstanden. Zwischen 1983 und 1985 wurde es saniert. Dabei konnten einige jüngere Einbauten entfernt sowie Fenster in ursprünglicher Form wieder eingebaut werden, sodass weitgehend der Zustand von 1616 erreicht wurde.[1]

Beschreibung

Der Komplex besteht aus drei Teilen: Dem rückwärtigen Steinwerk, dem giebelständigen Haupthaus und dem traufständigen Anbau. Haupthaus und Anbau stehen an der Straßenfluchtlinie. Der Fachwerkgiebel kragt zwischen den Brandmauern zweimal vor, das Fachwerkobergeschoss des Anbaus einmal. Ein zentrales Tor erschließt unter dem Giebel die ehemals zweigeschossige große Diele. Sie ist weitgehend verbaut. Im Obergeschoss des Flügelbaus liegt ein Festsaal.[2]

Der Saal

 

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Der Raum ist 1616 zusammen mit dem Flügelbau entstanden. Später wurde er durch eine Zwischenwand unterteilt. Dabei blieb die Holzbalkendecke im vorderen, kleineren Raum frei, im hinteren, größeren Raum wurde die Decke hingegen abgehängt. Die Wände erhielten einen Verputz. Im Rahmen der Maßnahmen ab 1982 wurde der Raum wiederhegestellt und das Fachwerk der Wände sowie die Decke freigelegt.[3]

Beschreibung

Der trapezförmige Raum ist im ersten Obergeschoss des Anbaus gelegen und nimmt die gesamte Fläche ein. Er misst rund 7,94 auf 5,10 Meter. Betreten wird er von Osten aus dem Altbau heraus; hier befand sich auch ein Kamin. Der Raum besitzt vier Fenster zur Straße im Norden und zwei zum Hof im Süden. Die Holzbalkendecke sowie Fachwerkwände sind heute wieder sichtbar. Die senkrechten Balken zieren gemalte Trauben und Blätter, die teilweise nach Befund ergänzt wurden. Der Putz ist weitgehend erneuert. Die schwarzen Begleitstriche im oberen Bereich sowie die Vorhangmalerei im unteren Bereich sind nach Befund recht frei rekonstruiert. Die ehemalige Rankenmalerei in den Feldern war nur in geringsten Resten erhalten und wurde nicht wieder hergestellt.[4]

Die Decke

 

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Eichenholzdecke wurde vermutlich unmittelbar im Jahr 1616 bemalt. Ob die Balken bereits im Barock verputzt wurden, oder erst im Zuge der Raumunterteilung, ist unklar. Damals erhielt der hintere Teil eine Einschubdecke, während der vordere Teil frei blieb; dort verrußten die Bretter stark. Später wurden diese Bretter überklebt und gestrichen. Nach 1982 wurde die schwer geschädigte und kaum mehr sichtbare Malerei freigelegt. Die unter der Decke liegende Partie war bei weitem besser erhalten. Die Malereien wurden lediglich konserviert, Fehlstellen aber nicht geschlossen. Nur die verschlossenen Löcher in der Decke erhielten eine Retusche. Ein fehlendes Brett in der östlichen Fache wurde ersetzt und wie die anderen Bretter farblich angepasst. Die verlorene Gliederung der Fachen wurde ergänzt, die Rankenmalerei jedoch nicht. Die Malerei an den Balken ist nach vorhandenen Resten rekonstruiert.[5]

Beschreibung und Ikonographie

Die trapezförmige Holzbalkendecke misst rund 7,94 auf 5,10 Meter. Zwischen sechs Balken und der Westwand befinden sich sechs Fachen. Diese werden von fingierten Leisten gekreuzt. In der Mitte befindet sich je ein größeres Oval, an den Rändern sind es Halbkreise und Dreiecke im Wechsel. Auch die Farbgebung der Leisten wechselt von Fache zu Fache zwischen rot und grau. Die entstandenen Felder sind, mit Ausnahme der Ovale, Halbkreise und Dreiecke, von roten und weißen Begleitstrichen gerahmt, die einen Schattenwurf andeuten. Bis auf die Ovale sind bzw. waren alle Felder mit vegetabilem Rankenwerk, Früchten und Blüten gefüllt. Die zentralen Medaillons wurden mit Allegorien der fünf Sinne bemalt. Erhalten sind von Westen nach Osten der Sehsinn (beschriftet mit VISVS), der Geschmackssinn (GVSTVS), der Tastsinn (TACTVS) und der Geruchssinn (ODORATUS). Diese Allegorien waren ehemals durch die abgehängte Decke geschützt. Der Hörsinn ist nur in geringsten Fragmenten erhalten und nicht mehr zu erkennen. Welche Darstellung das sechste Oval füllte, ist unbekannt.[6]

Die fünf Sinne

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Malerei stammt von 1616 und wurde zwischen 1982 und 1984 restauriert.[5]

Beschreibung und Ikonographie

Erhalten haben sich vier Allegorien der fünf Sinne. Der Hörsinn ist verloren. Sie werden durch weibliche Figuren im Kniestück verbildlicht und sind beschriftet mit VISVS, GVSTVS, ODORATUS und TACTVS. Die Malerei ist insgesamt schlecht erhalten, sodass Details teilweise nicht mehr zu erkennen sind. Die Frau, die für den Geschmackssinn steht, trinkt aus einem Glas. In ihrer linken Hand hält sie einen Gegenstand, bei dem es sich um einen Weinkrug handeln könnte. Der Sehsinn wird durch eine Frau verbildlicht, die in einen Spiegel sieht. Für den Geruchssinn steht eine Frau, die ein Weihrauchfass im Arm hält. Die Figur, die den Tastsinn verkörpert, hält einen heute nicht mehr zu identifizierenden Gegenstand in den Händen. Eventuell handelt es sich um ein Tuch. Auf ihrer Schulter sitzen zwei Papageien.

Bibliographie

  • Literatur:
  • Dehio, Niedersachsen, 1992. – Dehio, Georg: Bremen - Niedersachsen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Gerd Weiß. München/Berlin 1992.
  • Grote/Königfeld, Katalog, 1991. – Grote, Rolf-Jürgen/Königfeld, Peter: Katalog. In: Dies. (Hrsg.): Raumkunst in Niedersachsen. Die Farbigkeit historischer Innenräume. Kunstgeschichte und Wohnkultur. München 1991, S. 219-266.
  • Kämmerer, Osnabrück, 1988. – Kämmerer, Christian (Bearb.): Stadt Osnabrück (Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Baudenkmale in Niedersachsen, 32). Braunschweig 1988.
  • Poppe, Bürgerhaus, 1944. – Poppe, Roswitha: Das Osnabrücker Bürgerhaus. Oldenburg 1944.
  • Siebern/Fink, Osnabrück, 1907. – Siebern, Heinrich/Fink, Erich (Bearb.): Stadt Osnabrück (Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover IV. 1,2). Hannover 1907.
  • Switala, Marienstraße, 1986. – Switala, Bruno: Marienstraße Nr. 9 und Nr. 17. Modernisierungs- und Restaurierungsbeispiele früherer Osnabrücker Bürgerhaus-Fachwerkarchitektur. In: Denkmalpflege in Niedersachen 4/86 (1986), S. 171-172.
  • Archivalien:
  • NLD, Restaurierungsakten, 034-4478-013-03 (1). – Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Hannover, Sammlung der Restaurierung; 034-4478-013-03 (1). Stadt Osnabrück. Marienstraße 17. Wohn-/Wirtschaftsgebäude.

Einzelnachweise

  1. Dehio, Niedersachsen, 1992, S. 1063; Kämmerer, Osnabrück, 1988, S. 78; Switala, Marienstraße, 1986, S. 172; Poppe, Bürgerhaus, 1944, S. 54, 87.
  2. Switala, Marienstraße, 1986, S. 171; Kämmerer, Osnabrück, 1988, S. 78; Poppe, Bürgerhaus, 1944, S. 53-54, 57-58; Siebern/Fink, Osnabrück, 1907, S. 299-300.
  3. Dehio, Niedersachsen, 1992, S. 1063; Switala, Marienstraße, 1986, S. 172. NLD, Restaurierungsakten, 034-4478-013-03 (1).
  4. Grote/Königfeld, Katalog, 1991, S. 252. NLD, Restaurierungsakten, 034-4478-013-03 (1).
  5. 5,0 5,1 NLD, Restaurierungsakten, 034-4478-013-03 (1).
  6. Grote/Königfeld, Katalog, 1991, S. 251-252. NLD, Restaurierungsakten, 034-4478-013-03 (1).