Oldenburg, Residenzschloss
Inventarnummer: cbdd10057
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Graf Anton Günther von Oldenburg begann 1607 einen tiefgreifenden Umbau seines Residenzschlosses. Er ließ auch einen großen Hauptsaal einbauen, der einen Tugend- und Lasterzyklus mit 21 Gemälden Christoph Gärtners erhielt. Saal und Gemälde sind verloren.

Das ehemalige Residenzschloss in Oldenburg
Das ehemalige Residenzschloss in Oldenburg[1] geht auf eine Burg des 11./12. Jahrhunderts zurück. Es war bis 1667 Residenz der Grafschaft Oldenburg. Nach 1667 wurde die Grafschaft in Personalunion vom Dänischen König regiert. 1773 wurde diese Verbindung wieder gelost und die zum Herzogtum erhoben Grafschaft gelangte an das Haus Holstein-Gottorf. Seit 1923 wird das Schloss museal genutzt.
Unter Graf Anton Günther von Oldenburg begann 1607 ein tiefgreifender Umbau des Schlosses, der im Laufe des Dreißigjährigen Krieges jedoch zum Erliegen kam. Bis 1616 war der später so genannte Anton-Güther-Bau vollendet. Für der Grafen arbeiteten 1607 der Baumeister Jörg Reinhard und 1609–1615 der italienische Architekt Andrea Spezza. An der Fassade mit reichem Skulpturenprogramm war der Bildhauer Ludwig Münstermann beteiligt und an den Ausmalungen der Innenräume der Oldenburger Maler und Schreibmeister Johannes Kirchring d. J. sowie der Wolfenbütteler Hofmaler Christoph Gärtner. Von der wandfesten Ausstattung aus jener Zeit hat sich nichts erhalten.
Der verlorene Hauptsaal nahm einen Tugend- und Lasterzyklus mit 21 Gemälden Christoph Gärtners auf. Mit dem Zyklus wurde ein Bezug zur Fassade hergestellt, die an der Nordwestecke dem Thema Tugend und Laster gewidmet wurde. Bekrönt wurde das Schloss seit 1610 von einer Fama Ludwig Münstermanns.[2] Der an den Großen Saal anschließende kleine Saal hatte eine Stuckdecke, in die vier große Gemälde eingelassen waren.[3]
Der verlorene Hauptsaal im ehemaligen Residenzschloss Oldenburg
Der Hauptsaal[4] des frühen 17. Jahrhunderts im ehemaligen Residenzschloss Oldenburg wurde bereits im 17. Jahrhundert in Einzelräume unterteilt. Der Verbleib der immobilen und mobilen Ausstattung ist unbekannt. Ursprünglich maß der Hauptsaal sieben auf 28 Meter. Die Wände waren mit vergoldeten Ledertapeten geziert, den Boden schmückten blaue, weiße und rote Fliesen, die 1618–20 vom Marmelier Peter Folte ausgeführt wurden. Zwei Öfen aus weißen und blauen Kacheln nobilitierten den Raum. Sein Eingangsportal schmückten Marmorsäulen und -Statuen sowie ein -Relief. 1617 wurde der Saal ferner mit einem Tugendzyklus von Christoph Gärtner ausgestattet. 21 Leinwandgemälde waren in drei Reihen an der Decke angebracht. Sieben große Gemälde in der Mitte wurden an jeder Seite von sieben kleineren begleitet. Die konkrete Ausführung ist unbekannt, jedoch haben sich vier Vorzeichnungen Gärtners erhalten.
Der repräsentative Saal diente 1635 der Hochzeit Graf Anton Günthers mit Sophia Katharina von Schleswig-Holstein-Sonderburg.
Die Decke des verlorenen Hauptsaals im ehemaligen Residenzschloss Oldenburg
Die Decke[5] des nur anhand von schriftlichen Quellen zu rekonstruierenden Hauptsaals im Oldenburger Residenzschloss nahm 21 Leinwandgemälde des Wolfenbütteler Hofmalers Christoph Gärtner von 1617 auf. Die Gemälde waren in drei Reihen angebracht. Sieben große hingen in der mittleren, sieben kleinere befanden sich an jeder Seite. Die Gemälde waren in die geschnitzten Rahmen einer Kassettendecke eingelassen. 1728 suchte man vergeblich, die Gemälde zu restaurieren. 1734 wurden sie abgenommen und sind möglicherweise 1741 nach Kopenhagen gelangt. Ihr verbleib ist unbekannt.
Die konkrete Ausführung von Decke und Malerei ist unbekannt, jedoch haben sich vier Vorzeichnungen Gärtners erhalten. Ferner sind die Anordnung der Gemälde und ihre Ikonografie bekannt. Es handelte sich um einen Zyklus der Tugenden und Laster, der der Iconografia von Cesare Ripa folgte.
Die mittlere Reihe der Deckenfelder zeigte auf den ersten vier Gemälden Tugenden, auf den letzten drei Laster. Es handelte sich immer um Figurengruppen, die verschiedene Tugenden bzw. Laster personifizierten. Meist waren es junge Frauen, es gab aber auch Darstellungen älterer Frauen und Männer. Diese Hauptbilder waren vermutlich längsrechteckig. Das erste Gemälde zeigte mit sechs Hauptfiguren die Gerechtigkeit, die Verschwiegenheit, die Standhaftigkeit, die Klugheit, die Friedfertigkeit und die Gnade mit Lamm und Löwe. Das zweite Gemälde stellte die Vergänglichkeit, die Treue (nicht in Gestalt einer jungen Frau sondern in der eines Mannes), den Starkmut, und die Dankbarkeit dar. Das dritte Gemälde zeigte die Wachsamkeit, die Bereitschaft und die Gerechtigkeit, das vierte Gemälde die Tapferkeit, den Gehorsam, die Hoffnung und die Frömmigkeit. Das fünfte Gemälde gehörte zu den ersten mit Darstellungen der Laster. Hier waren die Lüge, der Zank und die Unbeständigkeit zu sehen. Die Unbeständig war als ein alter Mann mit je zwei Knaben vor und neben sich dargestellt, gerahmt von dazugehörigen Jungfrauen. Das sechste Gemälde zeigte die Vorsichtigkeit, die Falschheit, die Missgunst und die Unkeuschheit, das letzte Gemälde in der mittleren Reihe die Bosheit, die Gehässigkeit, den Neid und die Verleumdung.
Die Nebenbilder an den Seiten waren vermutlich schmal und hochrechteckig. Die Allegorien und Personifikationen wurden durch voranschreitende junge Frauen dargestellt. Auf der linken Seite erblickte man die Ewige Seligkeit, die Milde, die Mittelmäßigkeit, die Frömmigkeit, die Beharrlichkeit, den Glaube und die Ehre. Auf der rechten Seite erblickte man die Glückseligkeit, die Hochherzigkeit, die Mäßigkeit, die Freigiebigkeit, die Ewige Wahrheit, die Barmherzigkeit und den Ruhm. Es handelte sich um den umfangreichsten Zyklus Gärtners.
Zu vier Darstellungen der seitlichen Gemälde wurden 1971 Skizzen veröffentlicht, die sich im Staatsarchiv Oldenburg erhalten haben.[6] Die Zeichnungen messen 16 x 18 Zentimeter. Es handelt sich um eine Skizze zur Milde auf der ehemals linken Seite der Decke, sowie der Mittelmäßigkeit — ebenfalls von der linken Seite der Decke —, eine der Hochherzigkeit und eine der Mäßigkeit von der rechten Seite. Die Milde wurde von Gärtner als auf einem Löwen reitende junge Frau angelegt. Sie hält in ihrer Linken eine Lanze. Über ihr erblickt man eine Taube zwischen den Wolken und Sonnenstrahlen. Die Hochherzigkeit gestaltete Gärtner als eine blütenbekränzte junge Frau, die sich an einen goldenen Stuhl lehnt. In ihrer rechten Hand trägt sie eine Statue der Minerva, in ihrem Hintergrund erblickt man den Koloss von Rhodos, zu ihren Füßen goldene Stiefel. Die Mittelmäßigkeit entwarf Gärtner als eine purpurbekleidete junge Frau, die einen Löwen an einer Kette und ein Schaf an einem Faden führt. Eine nackte geflügelte Figur schwebt unter ihrem ausgestreckten linken Arm. Die Mäßigkeit ist auf der Skizze als eine blonde junge Frau in goldener und silberner Gewandung dargestellt. Sie schaut nach rechts, von wo ihr ein Palmenzweig gereicht wird. Sie ist gerade im Begriff, eine glühende Zange in ein Wasserbecken zu tauchen. Links und rechts zu ihren Füßen sind Schnecke und Schildkröte dargestellt.
Bibliographie
- Literatur:
- Anton Günther, 1983. – Anton Günther. Graf von Oldenburg 1583-1667. Aspekte zur Landespolitik und Kunst seiner Zeit. Ausstellungskatalog Oldenburg 1983.
- Heinemeyer, Münstermann, 1983. – Heinemeyer, Elfriede: Die Arbeiten Ludwig Münstermanns und seine Werkstatt im Landesmuseum Oldenburg. In: Anton Günther. Graf von Oldenburg 1583-1667. Aspekte zur Landespolitik und Kunst seiner Zeit. Ausstellungskatalog Oldenburg 1983, S. 123-135.
- Heinemeyer, Quellen, 1993. – Heinemeyer, Elfriede: Archivalische Quellen zur Ausstattung des Oldenburger Schloßes im 17. Jahrhundert. In: Brosius, Dieter (Hrsg.): Geschichte in der Region. Zum 65. Geburtstag von Heinrich Schmidt (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen. Sonderband). Hannover 1993, S. 221-231.
- Riedel, Anton Günther, 1983. – Riedel, Karl Veit: Graf Anton Günther – ein fürstlicher Baumeister. In: Anton Günther. Graf von Oldenburg 1583-1667. Aspekte zur Landespolitik und Kunst seiner Zeit. Ausstellungskatalog Oldenburg 1983, S. 35-60.
- Schmidt, Oldenburg, 1997. – Schmidt, Heinrich: Oldenburg in Mittelalter und früher Neuzeit. In: Geschichte der Stadt Oldenburg Bd. 1. Oldenburg 1997, S. 11-477.
- Schreiner, Entwurfszeichnungen, 1971. – Schreiner, Ludwig: Entwurfszeichnungen von Christoph Gärtner für das Oldenburger Schloß. In: Niederdeutsche Beiträger zur Kunstgeschichte 10 (1971), S. 195-202.
Einzelnachweise
- ↑ Schmidt, Oldenburg 1997, S. 237-238; Heinemeyer, Quellen, 1993, S. 221; Riedel, Anton Günther 1983, S. 36-38.
- ↑ Schmidt, Oldenburg, 1997, S. 238; Heinemeyer, Quellen, 1993, S. 221-124; Heinemeyer, Münstermann, 1983.
- ↑ Heinemeyer, Quellen, 1993, S. S. 223; Riedel, Anton Günther, 1983, S. 39.
- ↑ Schmidt, Oldenburg, 1997, S. 237-238; Heinemeyer, Quellen, 1993, S. 221-224; Riedel, Anton Günther, 1983, S. 36-38; Heinemeyer, Münstermann, 1983, S. 123-125; Schreiner, Entwurfszeichnungen, 1971.
- ↑ Schmidt, Oldenburg, 1997, S. 238; Heinemeyer, Quellen, 1993, S. 221-124; Riedel, Anton Günther, 1983, S. 38, 40; Schreiner, Entwurfszeichnungen, 1971, besonders S. 196-198.
- ↑ Schreiner, Entwurfszeichnungen, 1971, zu den Skizzen S. 199-200; Anton Günther, 1983, S. 30-32.