Oberzetzscha, Rittergut
Inventarnummer: cbdd10156
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Im ehemaligen Rittergut Oberzetzscha von 1567 hat sich zahlreiche Decken- und Wandmalerei erhalten, so in einer Hauskapelle mit Trinität und Jakobsleiter sowie einer Wohnstube mit Jagdszenen.

Das ehemalige Rittergut in Oberzetzscha
Kurzbeschreibung und Lage
Die Reste des ehemaligen Ritterguts Oberzetzscha[1] stehen im Süden der gleichnamigen Ortschaft an einem schwach nach Süden hin abfallenden Hang. Erhalten ist das Herrenhaus.
Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Das ehemalige Rittergut in Oberzetzscha wurde 1567 neu erbaut. Es ersetzte eine ältere Anlage unter Einbezug des alten Vorwerks.
Auftraggeber
Bauherr war Kaspar Stange, der das Gut wohl ab 1518 besaß. Ihm folgte 1570 sein Sohn Heinrich Stange, auf diesen sein Sohn Florian Stange. Nach 1619 kam das Gut an die von Werder. Nach Joachim Friedrich von Werders Tod 1689 gelangte es 1691 an die von Dieskau.
Beschreibung
Das Gutshaus besaß bis in das 19./20. Jahrhundert einen im Süden gelegenen Wirtschaftsbereich sowie Gartenanlagen, die heute verloren sind. Trotz Veränderungen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat sich das Hauptgebäude doch so weit erhalten, dass es einen guten Eindruck eines Ritterguts aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zu geben vermag.
Der zweigeschossige Bau steht leicht am Hang, sodass an der Eingangsseite im Süden eine zweiläufige Freitreppe das Sockelgeschoss zum Eingang hin überwinden muss. Das Gebäude misst sechs auf drei Achsen und hat ein Satteldach. Der schlichte Westgiebel ist original, der geschweifte Giebel im Osten 2004 rekonstruiert.
Das Gebäudeinnere nimmt mehrere große Räume auf, in denen sich Wand- und Deckenmalerei erhalten hat. Eine kleine Treppe erschließt die Geschosse.
Die Kapelle im Erdgeschoss
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Erst 2010 wurde im nordöstlichen Raum[2] des Erdgeschosses Decken- und Wandmalerei christlicher Thematik wohl aus der Erbauungszeit von 1567 entdeckt. Der Raum wird daher als Kapelle angesprochen. Es ist die einzige Hauskapelle dieser Art in Thüringen, die bislang bekannt geworden ist.
Beschreibung
Der relativ kleine Raum an der Nordostecke ist annähernd quadratisch und wird von einem Kreuzgratgewölbe abgeschlossen. Die zwei Außenwände nehmen Fenster auf, die Innenwände Türen.
Die Decken- und Wandmalerei in der Kapelle
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Seccomalereien[2] aus der Erbauungszeit 1567 sind nur teilweise erhalten. Sie werden nach ihrer Entdeckung 2010 seit 2011 (Stand 2020) restauriert. Die Malerei hat sich vor allem an der Decke und den oberen Bereichen der Wände erhalten.
Die Deckenmalerei
Die Decke ist durch Farbbänder in verschiedene Bereiche untergliedert. Dabei sind die Bänder im westlichen und nördlichen Viertel in rot, im östlichen und südlichen Viertel in gelb gehalten. Das Zentrum der Decke nimmt einen runden gemalten Okulus auf. Die Darstellung in seiner Mitte ist nicht mehr zu bestimmen. Es kann ein Wappen vermutet werden. Die den Graten folgende Farbstreifen teilen die Decke in vier Teile. Die Ecken der Gewölbekappen sind durch weitere Farbbänder abgetrennt.
In diese Ecken sind im Osten und Süden Engelsfiguren gemalt, die die Leidenswerkzeuge Christi tragen sowie im Norden und Westen die Evangelistensymbole Löwe, Adler, Stier und Engel. Die vier Mittelfelder nehmen von Rankenwerk umgebene runde Medaillons auf. Die Darstellungen in den Medaillons sind zu stark zerstört, um noch bestimmt zu werden.
Die Wandmalerei
Die Wände sind in einzelne Felder unterteilt, als ob es Gefache geben würde. An der Süd- und Westwand sind die oberen mittleren Felder so weit erhalten, dass man die Darstellungen bestimmen kann.
An der Südwand ist eine Trinität zu erkennen. Gottvater und Jesus Christus am Wolkenhimmel sitzen einander gegenüber. Beide halten je eine Weltkugel mit Kreuz. Gottvater hat seine rechte Hand segnend ausgestreckt. Über ihnen in der Mitte fliegt die Taube des Heiligen Geistes.
An der Westwand wird Jakobs Traum von der Himmelsleiter dargestellt. Der untere Teil mit dem schlafenden Jakob fehlt heute, die Leiter mit der Öffnung in den Himmel ist jedoch in Resten erhalten.
Die Malereien an Nord- und Ostwand sind nahezu gänzlich verloren.
Die Bohlenstube im ersten Obergeschoss
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Die Bohlenstube[3] im ersten Obergeschoss dürfte zusammen mit dem Gebäude um 1567 entstanden sein. Sie wurde 1680 und erneut in einer nicht datierten, späteren Bauphase verändert. Die westliche Bohlenwand wurde damals ausgebaut und eine neue Binnenwand eingezogen. 2006 wurde Wandmalerei entdeckt.
Beschreibung
Der Raum ist an der Südostecke gelegen und hat einen annähernd quadratischen Grundriss. Es handelt sich um eine ehemalige Wohnstube mit reich dekorierter Bohlenwand sowie Wandmalereien. Die Westwand ist verloren. Süd- und Ostwand nehmen jeweils zwei Fenster auf. Die Eingangstür befindet sich aus der Mitte versetzt in der Nordwand.
Die Bohlenwand an der Nordseite
Ihre Bohlenwand ist mit dem von Werderschen Wappen und der Jahreszahl 1680 sowie den Initialen I.F.V.W. versehen. Vermutlich beziehen diese sich auf Joachim Friedrich von Werder. Es ist davon auszugehen, dass der gesamte Raum einheitlich gestaltet und die Malerei der übrigen Wände verkleidet und formal angepasst war. Die Vorhangmalerei im unteren Bereich der Nordwand sowie die Fruchtgehänge unter der Decke und der die Wand nach oben abschließende, laufende Hund stehen in keinen Zusammenhang zur Wandmalerei an Süd- und Ostwand.
Die Decke
Die profilierte Holzbalkendecke ist zusammen mit der Nordwand und 1680 geschaffen worden. Sie hat einen kräftigen Unterzug. Die ornamentale Malerei zeigt überwiegend florale Motive, aber auch den laufenden Hund.
Die Wandmalerei der Bohlenstube
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Wandmalerei[4] der Bohlenstube ist zusammen mit der Errichtung des Gebäudes um 1567 entstanden. Sie wurde in Seccotechnik auf eine in gebrochenem Weiß gefasste Kalkschlämme aufgetragen. Es liegen mehrere Fassungen übereinander. Nach ihrer Entdeckung wurde die Malerei bis 2012 restauriert.
Beschreibung und Ikonographie
Die Wandmalereien an den Außenwänden der Stube haben überwiegend die Jagd zum Thema. Die Malerei der Wandflächen, die Malerei in den Fensternischen und die Malerei der Fensterlaibungen sind zu unterscheiden.
Eine hohe Sockelzone imitiert mittels einer Malerei in schwarz und weiß eine ornamentale Stoffbespannung. Die dargestellten Ranken und Ornamente sind alle verschieden und daher ohne Schablonen freihändig ausgeführt worden.
Über dieser Sockelzone befindet sich die gegenständliche Malerei, weitgehend über dem Horizont der Fensteröffnungen, die mit einem meist roten Begleitstreifen nach oben abgegrenzt werden. In einer stilisierten Landschaft von Rankenwerk erkennt man zahlreiche Hunde, Reiter, einen Jäger und Jagdwild. Der Jäger ist an der Ostwand zwischen den Fenstern dargestellt. Er hat sein Gewehr angelegt und gerade einen Schuss auf einen ihm gegenüber stehenden Rehbock abgegeben. Der Pulverdampf ist zu sehen, der Bock aber noch nicht getroffen. Über die Fenster jagen überwiegend schlanke Windspiele, aber auch ein Hase. Über dem linken Fenster der Südwand fängt einer der Hunde gerade einen weiteren Hasen. Die Malerei hat zahlreiche Fehlstellen und nicht alle Tiere sind zu bestimmen.
An der Wand der linken Fensternische der Ostwand sind oberhalb der gemalten Stoffbespannung eine Rehkuh und ein Rehbock einander gegenübergestellt. Ähnlich ist ein Gamsbock an der Südwand rechts des linken Fensters gemalt. Die lagernden Tiere haben einen anderen Maßstab als die Jagdmalerei über den Fenstern und sind auf einem Bodenstreifen teilweise vor stilisierten Bäumen zu sehen.
Die übrigen Wandflächen der Fensternischen zeigen heute Malereien anderer Ausstattungsphasen. Bereits der Rehbock ist von einem grauen Band mit Blütenornament überlagert. Die rechte Fensternische der Ostwand zeigt exotische Vögel, die teilweise an Papageien erinnern, die in Weinreben mit Trauben sitzen. Eine ähnliche Malerei ist auch links des linken Fensters der Südwand sowie rechts des rechten Fenster der Südwand teilweise erhalten. Allerdings handelt es sich um anderes Obst und die Vögel fehlen. Die rechte Fensternische der Südwand zeigt links eine spätere Fassung mit rosafarbene Rocaille mit Blüten.
Die Weinreben und das Blattrankenwerk gehen in die Nischenbögen und Fensterlaibungen über und sind meist auch dort vorhanden, wo auf den Wandflächen heute eine andere Malerei zu sehen ist.
Programm
Das Hauptthema der ursprünglichen Wandmalerei ist die Jagd. Zum Gut gehörte die Koppeljagd und vermutlich wird auf dieses Recht angespielt. Dazu passt auch, dass nur Rehe und Hasen, nicht aber Hirsche gejagt werden.
Weitere Räume im Obergeschoss
Beschreibung
2009 wurden im ersten Obergeschoss Wandmalereien entdeckt, die wohl aus der Zeit um 1800 stammen.
Zwei Supraporten aus der Zeit um 1800
Beschreibung und Ikonographie
In zwei Räumen des Obergeschosses haben sich Supraporten über den Türen erhalten. In Raum 1.2 erblickt man einen Teufel beim Entfachen des Feuers. Die Supraporte über der ehemaligen Türöffnung des Raumes 1.11 gibt wohl eine Ansicht des Hauses in Oberzetzscha um 1815 wieder.
Bibliographie
- Literatur:
- Brandenburg, Oberzetzscha, 2011. – Brandenburg, Julia: Die Malereien der Hauskapelle des Renaissance‐Herrenhauses in Oberzetzscha, Altenburg von 1567. Untersuchungen zu Bestand und Zustand, Erstellung eines Konservierungs‐ und Restaurierungskonzeptes und exemplarische Umsetzung an einer Referenzfläche. Diplomarbeit FH Erfurt 2011.
- Chrzanowski, Oberzetzscha, 2006. – Chrzanowski, Andreas von: Die Bohlenstube des Herrenhauses des ehemaligen Rittergutes Oberzetzscha. In: Putzke, Sibylle (Hrgs.): Aus der Arbeit des Thüringischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie, NF 23. Erfurt 2006, S. 18-23.
- Damrich, Oberzetzscha, 2001. – Damrich, Nicola: Herrenhaus des ehemaligen Rittergutes Oberzetzscha. In: Trützschler, Werner von (Hrsg.): Symposium Schlösser wieder entdecken und erhalten – nur eine Last? Erfurt 2001, S. 15–16.
- Fröhlich, Oberzetzscha, 2001. – Fröhlich, Jürgen: Die Übernahme des ehemaligen Rittergutes Oberzetzscha durch die Stadt Altenburg – Probleme und Chancen. In: Trützschler, Werner von (Hrsg.): Symposium Schlösser wieder entdecken und erhalten – nur eine Last? Erfurt 2001, S. 17–20.
- Nienhold, Rittergüter, 2007. – Nienhold, Christiane/Wolf, Gustav: … und nachmittags fuhren wir nach Nöbdenitz segeln! Rittergüter im Altenburger Land und ihre Gärten. Posterstein 2007.
- Archivalien:
- Keilwerth, Stephan/Brandenburg, Julia/Lauth, Thomas: Dokumentation über die Restaurierung der Bohlenstube im Herrenhaus Oberzetzscha. Altenburg 2012.
Einzelnachweise
- ↑ Nienhold, Rittergüter, 2007, S. 38–40; Damrich, Oberzetzscha, 2001.
- ↑ 2,0 2,1 Brandenburg, Oberzetzscha, 2011.
- ↑ Chrzanowski, Oberzetzscha, 2006, S. 18–20. Keilwerth, Stephan/Brandenburg, Julia/Lauth, Thomas: Dokumentation über die Restaurierung der Bohlenstube im Herrenhaus Oberzetzscha, Altenburg. 2012.
- ↑ Chrzanowski, Oberzetzscha, 2006. Keilwerth, Stephan/Brandenburg, Julia/Lauth, Thomas: Dokumentation über die Restaurierung der Bohlenstube im Herrenhaus Oberzetzscha, Altenburg 2012.