Notzing, Filialkirche St. Nikolaus
NOTZING
Filialkirche, Pfarrei Aufkirchen (von Altenerding betreut), Gemeinde Oberding, Erzdiözese München und Freising; z.Z. der Ausmalung war die Pfarrei Aufkirchen dem Domdekanat in Freising inkorporiert. Notzing war Hofmark der Freiherren von Rauber. An der Kirche bestand ein Benefizium, auf das die Hofmarksherren das Präsentationsrecht hatten. Gericht Erding
Patrozinium: St. Nikolau
Zum Bauwerk: Ältester Teil der Kirche ist der Sattelturm aus romanischer Zeit. Spätmittelalterlicher Bau (Turm romanisch). Veränderungen im LHs, Ersetzen der Holzdecke durch eine Weißdecke, Vergrößern der Fenster in der erster Hälfte des 18. Jh., wohl in zeitlichem Zusammenhang mit der Freskierung 1734. Geringfügige Erweiterung durch Ausbrechen der Mauer zwischen LHs und Seelenkapelle 1916.
Einfacher Saal mit flacher Decke über Hohlkehle, Empore im W; AR zu zwei Jochen mit dreiseitigem Schluß, Gliederung durch seichte spätgotische Wandpfeiler; Belichtung durch je ein Fenster von N und S und in den Schlußschrägen. Das Deckenbild befindet sich im AR.
Auftraggeber: Peter Fieger, Pfarrer von Aufkirchen (1731- 45). Benefiziat in Notzing war Anton Augustin Schluttenhofer (seit 1714), Hofmarksherr Veit Christoph Freiherr von Rauber (durch Heirat, 1696–1740).
Autor und Entstehungszeit: Johann Michael Rieder (* unbekannt † 1760 Erding) 1734. Signatur unten an der Albe des hl. Korbinian RIEDER F./ 1734
Das Fresko in Notzing ist das einzige bekannte Deckenbild von Johann Michael Rieder, der in Erding als Bürger und Maler ansässig war und hauptsächlich Fassarbeiten und Vergoldungen ausführte. Er kam 1727 aus Freising nach Erding. 1731 arbeitete Rieder für Aufkirchen, die Mutterkirche Notzings: Renovierung der drei Altäre, Fassung der Kanzel und der Portale (873 fl.), Vergoldung des Turmknopfs. Von Rieders Hand ist das große Votivbild der Stadt Erding aus dem Jahr 1736 im Städt. Heimatmuseum und das Blatt des ehem. Hl.-Leiden-Altars in St. Johann Erding (frdl. Mitt. Gerhard Koschade, Erding). Rieder starb am 10. 2. 1760.
Befund
Träger der Deckenmalerei: Ehem. Rippengewölbe, von dem die Rippen abgeschlagen wurden. Rahmen: Einfaches Stuckprofil Technik: Fresko; polychrom Maße: AR Höhe 6,00 m; 5,60×2,40
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Innenrestaurierung 1867: Die Raumschale, die vorher weiß war, wurde farbig gefaßt (kräftig grüne Wände, Rosaton im Gliederungsbereich), das »Plafondgemälde erneuert«. Laut Inschrift an der Innen- seite des Chorbogens Restaurierung und Neufassung der Raumschale 1958 durch Christian Seibold, Freising. Weitere Raumfassung 1965 in rosa und grauen Tönen auf Weiß. Letzte Restaurierung des Deckenbildes 1991/92 durch Manfred Fronske, Tiefenbach, des Innenraums durch Wilhelm Böck Langenbach, wobei man sich an die rein weiße Erstfassung hielt, nur die Dienste sind in hellem Grau hervorgehoben.
Beschreibung und Ikonographie
0 1 DIE BISCHÖFE NIKOLAUS, WOLFGANG, ULRICH UND KORBINIAN Die vier heiligen Bischöfe im Chorfresko erscheinen auf Wolken, in Pontifikalkleidung, mit Mitra und Pedum. Zuunterst kniet auf einem Wolkenkissen der hl. Korbinian, Patron der Diözese Freising, der auf sein Attribut weist, den Bären mit dem Packsack. Auf einer Wolkenbank darüber ist in der Bildmitte Nikolaus von Myra dargestellt, der Kirchenpatron von Notzing mit dem Buch und den drei goldenen Kugeln. Nikolaus wird flankiert von Wolfgang von Regensburg und Ulrich von Augsburg, den Neben- patronen des Notzinger Hochaltars. Der hl. Wolfgang hat als Attribut das Kirchenmodell bei sich, der hl. Ulrich den Fisch auf dem Buch (diese drei Heiligen sind auch als spätgotische [um 1475] Statuen in der Mittelnische des Hochaltars vertreten). Über ihnen erstrahlt in einer hellen runden Glorie das Dreieck als Dreifaltigkeitssymbol.
Quellen und Literatur
StAM, LRA 147492: Restaurierung 1867; LRA 147494 und 147493: Erweiterung 1913.
AEM, Pfarrakten Aufkirchen, 126 0001 01: Pfarrbeschreibung; 126 8332 01: Filiale Notzing.
AEM, Kunsttopographie der Erzdiözese, Dekanat 23/Erding Pfarrei Aufkirchen, St. Nikolaus Notzing (Georg Brenninger).
BLfD, Akt Notzing, St. Nikolaus. Schmidtsche Matrikel, Bd 1, S. 536 Mayer-Westermayer, Bd 1, S. 354. Landkreis Erding 1963, S. 295.
Brenninger, Georg, Die Kirchen Aufkirchen, Kempfing, Notzing, Oberding, Niederding, Schwaig und Franzheim, Kirchenführer, Aufkirchen 1981, S. 7–13.
Landkreis Erding 1985, S. 383 f. Dehio 1990, S. 889.
Historischer Atlas I, Bd 58, Erding (Susanne Margarethe Herleth-Krentz), 1997, S. 154–57. A.B.