Neustadt Rbge, Schloss Landestrost
Inventarnummer: cbdd10075
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In Schloss Landestrost haben sich geringe Malereireste aus dem 16. und 17. Jahrhundert erhalten. Diese sind überwiegend ornamental.

Schloss Landestrost
Baugeschichte
Schloss Landestrost[1] in Neustadt am Rübenberge wurde anstelle der 1563 größtenteils niedergebrannten Rouenburg ab 1573 für Herzog Erich II. von Calenberg errichtet. Erich II. ließ die Stadt Neustadt 1574 in Landestrost umbenennen – sie wurde zu einer der stärksten Festungen Norddeutschlands mit dem Schloss in Zitadellenlage ausgebaut. Nach dem Tode Erichs II. 1584 wurde diese Umbenennung rückgängig gemacht und der Name ging auf das Schloss über.
Das Schloss war vermutlich als Vierflügelanlage geplant. Beim Tode Erichs II. waren aber lediglich der Ost- und der Nordflügel vollendet. Der Südflügel stammte noch von der Rouenburg. Der Erbe von Erich II., Herzog Julius von Wolfenbüttel, brachte die Bauarbeiten lediglich zum Abschluss, ohne das ursprüngliche Konzept zu verwirklichen. Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Südflügel bei einer Belagerung 1635 schwer beschädigt und stürzte 1636 bzw. 1720 ein. 1925 wurde hier ein Nachfolgebau für die Kreissparkasse errichtet. Im 19. Jahrhundert kam es zum Abbruch der Westhälfte des Nordflügels. 1985–1991 wurde das Schloss restauriert, 2012–2014 wurde der Nordflügel saniert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Baubeschreibung
Der zweigeschossige Baukörper ist von Ziegelstein. So genannte Specklagen – helle, horizontale Bänder –, Quaderverzahnungen sowie Fenster- und Türgewände von Sandstein schmücken den Bau. An der Hofseite ruht die Fassade zudem auf einem Sandsteinsockel. Der Ostflügel war ehemals an der Feldseite in einen Festungswall integriert. Das Schloss wird durch Treppentürme in den Hofecken erschlossen sowie durch eine zentrale Tür im Ostflügel. Die landesherrlichen Wohnräume befanden sich vermutlich an der Südostecke. Im Erdgeschoss hat man ein Gemach Herzog Erichs II. lokalisiert, im Obergeschoss zwei Zimmer, die Herzog Julius nutzte. Der Ostflügel nahm im ersten Obergeschoss einen großen, den ganzen Flügel zwischen den Treppentürmen einnehmenden Saal von 50 auf 12 Metern auf. Das so genannte Herzog-Erich-Gemach ist an der Südostecke des Schlosses im Erdgeschoss gelegen. Es wird über einen Vorraum erschlossen, von dem aus man in den Treppenturm gelangen kann. Der Große Saal wurde an seinen Enden von den beiden Treppentürmen direkt erschlossen. Von ihm aus erreichte man die Räume von Herzog Julius durch je eine eigene Tür. Die heute Herzog-Julius-Saal und Dorotheensaal genannten Zimmer sind über eine Tür miteinander verbunden. Die Deckenkonstruktion in allen genannten Räumen ist bemerkenswert: Es handelt sich um Tonnengewölbe, bei denen die sehr flachen Ziegeltonnen auf Eichenbalken ruhen. Derartige Gewölbe sind sonst nur in der Maasregion bekannt.[2]
Die Malereireste in Schloss Landestrost
Zur Malerei
Nur geringe Malereireste[3] haben sich in den genannten Räumen erhalten, dem Großen Saal sowie dem vom großen Saal abgeteilten Herzogin-Sidonia-Raum und dem Herzog-Erich I.-Raum, ferner im Herzog-Julius-Saal und dem Dorotheensaal im zweiten Obergeschoss an der Südseite des Ostflügels und zuletzt im Herzog-Erich-Gemach im Erdgeschoss an der Südostecke. Es handelt sich um eine weitgehend ornamentale Gestaltung, die bei der Restaurierung ab 1985 – wenn möglich – wieder hergestellt wurden. Gemäß Kunze waren die Wände und Decken der Fürstenzimmer jedoch ursprünglich vollständig bemalt.[4]
Herzog-Erich-Gemach
Das Herzog-Erich-Gemach hat seine Deckenmalerei[5] aus der Zeit um 1580 am vollständigsten bewahren können. In die Gewölbekappen wurden Rahmen gemalt, die Beschlag- und Rollwerkkassetten sowie florale Ornamentik aufnehmen.
Fürstenzimmer
Der sogenannte Herzog-Julius-Saal im ersten Obergeschoss liegt über dem Herzog-Erich-Gemach. Zusammen mit dem angrenzenden Dorotheensaal gehört er zu den so genannten Fürstenzimmern.[6] In beiden Räumen haben sich die Tonnen nicht original erhalten, sondern wurden im 20. Jahrhundert rekonstruiert. An den tragenden Eichenbalken fanden sich Reste der ursprünglichen Grisaillemalerei, die Grundlage für die Rekonstruktion mit u.a. Blatt-, Blüten und Rankenornamentik war. Ursprünglich zeigten die Wände eine gemalte Scheinarchitektur mit Säulen und Balken. Im Dorotheensaal haben sich Reste davon neben den beiden Türlaibungen erhalten. Die Deckenausmalung selbst stammt aus dem 19. Jahrhundert.[7]
Großer Saal
Der Große Saal[8] ist heute in mehrere Räume unterteilt. Ehemals wurde seine Decke von 44 Balken getragen und er maß 12 auf 50 Meter. Zwei Kamine schmücken den Raum. Heute sind hier von Nord nach Süd der Herzogin-Sidonia-Raum, der Große Saal und der Herzog Erich II. Raum (aus dem der Kielmannsegge-Raum an der Ostseite ausgeschieden ist) gelegen. Der Große Saal wurde bereits im 18. Jahrhundert in verschiedene Räumlichkeiten aufgeteilt,[9] diese Aufteilung ist heute rückgängig gemacht und durch die aktuelle ersetzt. Im Herzogin-Sidonia-Raum ist noch die ursprüngliche Decke mit Tonnengewölbe aus Ziegeln zwischen Eichenbalken erhalten. Im Nordteil des heutigen Großen Saals hat sich ebenfalls die Decke erhalten. Im Herzog-Erich I.-Raum gibt es keine originale Decke mehr. Die Deckengestaltung ist schlicht und rein ornamental.
Stellenwert der Malerei
Die Ausstattung des Schlosses ist bemerkenswert schlicht, vergleicht man sie mit dem wenige Jahre zuvor ausgestattetenWelfenschloss in Hannoversch Münden. Erklärung könnte zum einen der nachgeordnete Status von Landestrost sein, zum anderen der Umstand, dass die Arbeiten nicht vollendet wurden.
Bibliographie
- Literatur:
- Dehio, Niedersachsen, 1992. – Dehio, Georg: Bremen – Niedersachsen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Gerd Weiß. München/Berlin 1992.
- Faber, Landestrost, 2015. – Faber, Carola: Dieser Bau ist das Schmuckstück der Stadt, Schloss Landestrost - Zentrum vielfältiger Kulturangebote. In: Francke, Bettina/Kamiße, Annika (Red.): 800 Jahre Neustadt am Rübenberge. Mehr als Schloss und Moor. Geschichte, Gegenwart, Zukunft .... Hannover 2015, S. 20–21.
- Grote/Königfeld, Katalog, 1991. – Grote, Rolf-Jürgen/Königfeld, Peter: Katalog. In: Dies. (Hrsg.): Raumkunst in Niedersachsen. Die Farbigkeit historischer Innenräume, Kunstgeschichte und Wohnkultur. München 1991, S. 219–266.
- Kunze, Leben, 1993. – Kunze, Wolfgang: Leben und Bauten Herzog Erichs II. von Braunschweig-Lüneburg. Katalog zur Ausstellung im Schloss Landestrost, Neustadt am Rübenberge. Hannover 1993.
- Archivalien:
- Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Hannover, Foto-, Schrift- bzw. Plansammlung und Sammlung der Restaurierung, 032-3781-003-02(2).
Einzelnachweise
- ↑ Dehio, Niedersachsen, 1992, S. 977–978; Kunze, Leben, 1993; Faber, Landestrost, 2015. Vgl. besonders Kunze, Leben, 1993, S. 143–155, 235–247, 250–256.
- ↑ Kunze, Leben, 1993, S. 144.
- ↑ Grote/Königfeld, Katalog, 1991, S. 248–249; Dehio, Niedersachsen, 1992, S. 978; Kunze, Leben, 1993, S. 236.
- ↑ Kunze, Leben, 1993, S. 145.
- ↑ Vgl. ferner: Kunze, Leben, 1993, S. 150, 240, 251.
- ↑ Vgl. ferner: Kunze, Leben, 1993, S. 254, 256.
- ↑ Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Hannover, Foto-, Schrift- bzw. Plansammlung und Sammlung der Restaurierung, 032-3781-003-02(2).
- ↑ Vgl. ferner: Kunze, Leben, 1992, S. 252, 254.
- ↑ Kunze, Leben, 1993, S. 224.