Mettenheim, Pfarrkirche St. Michael
Pfarrkirche (Pfarrverband Altmühldorf), Gemeinde Mettenheim, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung Erzbistum Salzburg, Archidiakonat Gars. An der Kirche bestand seit 1713 eine Michaelsbruderschaft, die der Erzbruderschaft in Berg am Laim aggregiert war. Salzburgisches Vogtgericht Mühldorf, Gericht Neumarkt.
Patrozinium: St. Michael
Zum Bauwerk: Erste Pläne zum Neubau der baufälligen und zu kleinen (ca. 21,30×6,90 m) Kirche 1709. Grundsteinlegung am 9.4.1717. Maurermeister war Dominikus Glasl aus Freising, bis 1717 Maurermeister in Zangberg, Palier Corbinian Pachmayr, Zimmermeister Lorenz Pirbel von Kraiburg. Am 20.7.1719 berichtete der Pfarrer, das Gotteshaus sei »schor wirklich unter dem Dach ... und völlig ausgewölbt«. Datum 1720 am Aufgang zur Orgelempore. Weihe am 26. 10. 1720 durch Franz Anton Graf von Wagensberg, Bischof von Chiemsee. Der W-Turm mit noch gotischen Grundmauern (ursprünglich freistehend) wurde 1729/30 durch Silvester Mayerhofer barockisiert und in den Bau miteinbezogen.
Der Stuck ist dem Freisinger Stuckator Nikolaus Liechtenfurtner zuzuschreiben. Die gleichmäßigen feinen Ranken, oft mit Sonnenblumen durchflochten, die Verkleidung der Grate, im Zwickel mit Frucht- und Blumengehängen, die dann in Blütenstäbe übergehen, die Verkröpfung von Rahmen und Stuck sind bekannte Motive Liechtenfurtners, die sich auch in Au am Inn finden, das Mettenheim stilistisch benachbart ist. 1735 zeigten sich Risse im Gewölbe am Chorbogen und eine Kluft neben dem Turm. Der Chorbogen wurde 2½ Schuh hoch gesprengt, mit Klammern befestigt und mit dem Chor verschlaudert, der Dachstuhl ebenfalls mit Klammern verstärkt. Der Chorbogen wurde durch den Neumarkter Bildhauer Joseph Pösinger neu stuckiert (3 fl. für 6 Tage). Hochaltar 1748 von den Schreinern Tobias Lackner (Neumarkt) und Philipp Simmel (Weilkirchen), Malerarbeiten Johann Baptist Rabensteiner aus Neumarkt (Altarblatt und Fassung), Bildhauerarbeit von Johann Georg Kapfer aus Neumarkt. Die etwa gleichzeitig entstandenen Seitenaltäre sind Mühldorfer Meistern zuzuschreiben (renoviert 1755/56 vom Mühldorfer Stuckator Niclas Reismayr).
1770/71 Gewölbeschaden durch Nässe, Stuckreparatur von Johann Philipp Wagner (von ihm auch der Taufstein 1777).
Geräumiger Saal (17,30×12,30m) zu vier Jochen, eingezogener AR (9,50×9,25 m) zu einem Joch, halbrund geschlossen. Wandpfeilergliederung mit doppelten Pilastervorlagen und geradem Gebälk über korinthischen Kapitälen. Belichtung jochweise durch hohe Rundbogenfenster, im ersten westlichen LHs-Joch wegen der Empore nur halbhoch, im westlichen AR-Joch durch Oratorium ersetzt bzw. auf der Nordseite gemalt. Im N des AR zweigeschossiger Sakristeianbau, als Pendant dazu im S Anbau mit darüberliegendem Oratorium (1889). Doppelempore im W. Seitlich im N und S des Turms je eine Vorhalle, die nördliche ausgemalt (V).


Auftraggeber: Johann Baptist Didutsch, Pfarrer von Mettenheim (1697-1739). Während seiner Amtszeit wurden auch der prächtige Pfarrhof (1713, Dominikus Gläsl zuzuschreiben) und das Mesnerhaus (1726, Martin Pöllner aus Kraiburg) neu erbaut. Pfarrer Didutsch trug aus »seinem Säckhl wohl etliche hundert Gulden« bei (Mettenheim 1993, S. 32). Er ist auf dem Sieben-Zufluchten-Bild in der Vorhalle porträtiert und neben dem Sieben-Zufluchten-Altar begraben.
An den Kosten der Ausmalung beteiligte sich offenbar die Michaelsbruderschaft. Am Chorbogen befindet sich eine von Putten gehaltene Kartusche – Pendant zum Chronogramm über der Orgel – mit dem gemalten Abzeichen der bayerischen Michaelsbruderschaft, einem weißen Kreuz auf blauem Grund (in der Satzung sind die Farben umgekehrt), auf dessen Balken die vier goldenen Buchstaben F P F P (= Fideliter Pie Fortiter Perseveranter) gezeichnet sind, umrahmt von der Inschrift IN HOC SIGNO VINCES.
Autor und Entstehungszeit: Zuschreibung an Joseph Anton Haas (* um 1684 Schärding † 1742 Neumarkt, s. S. 346) 1720. Chronogramm über der Orgel SANCTO / MICHAELI ARCH:/ ANGELO ECCLESIAE / HVIVS ET POPVLI / PATRONO (= 1720); in Fresko B Datum 1720 auf einer aufgeschlagenen Buchseite.
Hinweise auf den Autor gibt es nicht. Joseph Anton Haas war als Maler in Neumarkt und damit im Gericht ansässig und ist aus diesem äußeren Grund schon als Maler der Fresken wahrscheinlich. Diese sind bemühte, aber unbeholfene Kompositionen, besonders in den Hauptbildern B und D schlecht gelungen, während die Nebenfresken etwas gekonnter wirken. Der Grund hierfür liegt sicher in Stichvorlagen, die für die biblischen Szenen zur Verfügung standen, während die Wunder am Gargano und die Schlacht am Weißen Berg eher nach den Vorstellungen und Wünschen des Pfarrers bzw. der Bruderschaft ausgeführt wurden. In diesen Merkmalen stimmen die Bilder überein mit den Fresken des Joseph Anton Haas in Wimpasing (S. 294). Hier wie dort wird eine zentrale historische Darstellung eingefaßt von biblischen Szenen sehr ähnlicher Art, die sich auf das Patrozinium beziehen. Die Schlacht bei Ampfing in Wimpasing kann mit der Schlacht am Weißen Berg in Mettenheim gut verglichen werden. Die Bilder zeigen Gemeinsamkeiten in der Art, wie das Gemenge von Pferdeleibern und Reitern über dem Bildrand im Halbrund aufsteigt und sich, im Größenmaßstab abnehmend, nach hinten ordnet, über die aufgereihten Truppen mit Speeren bis zum detaillierten Hintergrund.
Die Ausmalung der Vorhalle entstand gleichzeitig und ist von derselben Hand.
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs und AR Tonnen mit Stichkappen, Vorhalle (V1-4) Kreuzgewölbe
Rahmen: A-D, 1–6 Stuckprofil mit gelber Innenleiste, D1 Stuckkartuschen aus ockerfarbenen Stuckleisten, von weißen Ranken des Gewölbestucks teilweise überwuchert, V1-4 ohne Rahmung
Technik: Fresko; A–D polychrom, 1, 4, D1, V1,3 monochrom ocker, 2, D4 monochrom grün, 5, D3 monochrom blaugrau, 3, 6, D2, V2,4 monochrom karmin
Maße: A Höhe 12,20 (von der Empore 5,50) m; 3,00 x 3,00
B Höhe 12,20 m; 5,80×4,90
C Höhe 12,20 m; 3,00 x 3,00
D Höhe 11,50 m; 3,80×3,60
I–6 ca. 1,70 × 1,50
EB1–6 0,60 x 1,60
Vorhalle V Höhe 4,00 m; 4,00 x 3,30
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Signatur an der Basis von B pinx. / 1720 / Renov. / 1920 / u. 1978. Der erste Gewölbeschaden mußte bereits 1735 repariert werden (s. o.). Wie in Oberflossing und Binabiburg, ebenfalls Bauten von Dominikus Gläsl, und bei seinem Umbau des Doms von Freising, war auch in Mettenheim das Gewölbe der Schwachpunkt des Kirchenbaus. 1771 war wieder eine Gewölbereparatur nötig, weil Wasser eingedrungen war. Chor und Langhaus waren so »versittert, daß zu befürchten, daß das Gwölb unumgänglich ein¬gehen müsse, alsowohl dieses und die neue Stockadorarbeit erfordern« seie. In zwei Überschlägen des Maurermeisters Georg Hechel und des Stuckators Johann Philipp Wagner über 444 fl. heißt es im Oktober 1773, daß das Gewölbe an verschiedenen Orten geschleudert und die ganze Kirche ausge¬weißt werden müsse, daß das Gewölbe »nicht nur mit vielen Flecken bemahlet, sondern auch die mehriste Stuckaturarbeith wegen der Näß gänzlich herabgefallen ist« (BHStA, Landshuter Abgabe Nr. 851). Von den Deckengemälden war nicht die Rede. Sie wurden vermutlich bei dieser Gelegenheit ebenso ausgebessert wie die Stuckaturen.
Nächste Restaurierung der Fresken 1867 durch Kunstmaler Heinrich Rupprecht. Dabei wurde »die Glorie um den Hl. Geist neu gemahlen mit Öhlfarbe für 30 fl.« (LRA). 1870 wurde das Gewölbe wiederum als einsturzgefährdet bezeichnet (LRA und AEM, Pfarrakten). Der Pfarrer beanstandete »schon wieder einige Rupturen« am Gewölbescheitel und über der Orgel, heruntergefallene Engelköpfe und Gewölbestücke, schlechte Fundamentierung, dünne Mauern, magere Seitenpfeiler. Eine erneute Verschlauderung des Gewölbes wurde 1881 durchgeführt, die auch eine Wiederherstellung von Stuck und Fresken notwendig machte.
1919/20 Restaurierung des Stucks und der Fresken unter Leitung von Architekt Hermann Selzer, München. In einem Bericht des Mühldorfer Tagblatts vom 19.8.1919 heißt es: »Schwach, sehr schwach sind die 2 Deckenfresken, die sicher der Hand eines ländlichen Meisters entstammen. Es wäre besser, sie mit dem Schabeisen in Staub aufzulösen und durch künstlerische Arbeiten zu ersetzen. Das Thema der Bilder wäre verlockend zu Entwürfen.« Der Stuck hatte sich an vielen Stellen gelockert. Es wurde versucht, die barocke Farbigkeit wiederherzustellen, die Deckenbilder zu reinigen und zu fixieren. Neugemalt wurden 3 monochrome Bilder an der oberen Emporenbrüstung. Die Restaurierung mit teilweiser Übermalung der Fresken wurde im Gutachetn von 1975 als »willkürlich« beurteilt. 1947 Restaurierung durch Ludwig Keilhacker, Taufkirchen.
Letzte Restaurierung 1975/78 durch Karl Holzner, Ampfing. Fresko A war – durch erneute Sicherungsmaßnahmen am Gewölbe und durch einen Blitzschlag – weitgehend zerstört, so daß bei Abnahme der Übermalungen nur noch Reste zum Vorschein kamen, die nicht einmal den Bildgegenstand erkennen lassen. Fresko C zeigt Malerei des 19.Jh. Die übrigen
Fresken zeigen eine überarbeitete Malerei mit fleckiger Oberfläche und ergänzender Binnenzeichnung. Gut erhalten sind die Zwickelfresken im LHs 1–6 und die 3 Engelsbilder an der unteren Emporenbrüstung (EB1-3). Die Zwickelfresken des Chors (D1-4) sind hingegen fast ganz erneuert. Die Bilder an der oberen Emporenbrüstung wurden von Georg Bierler Mühldorf neu gemalt. (Datum 1921 unter dem Jahwe-Zeichen des Mittelmedaillons, ergänzt durch Datum und Inschrift restauriert 1977.)
Beschreibung und Ikonographie
Das Gewölbe ist durchgehend hellgrün getönt und mit weißem Rankenwerk aus Akanthus dekoriert, in das einzelne Blüten, Blumengehänge oder Blumengebinde aus Sonnenblumen eingeflochten sind.
Die Farbigkeit der Bilder ist bestimmt von Ocker, Blau, Rostrot, Schwarzbraun, die Lokalfarben sind wie in einen Teppich kleinteilig verwebt. Das ergibt zusammen mit den monochromen Kartuschfresken einen unbunten Gesamteindruck.
A THRON GOTTES? Das Bild ist eine Ruine; erkennbar sind nur vereinzelte Figuren, der Schauplatz nicht. In einer Lichtgloriole könnte der Thron Gottes dargestellt gewesen sein, flankiert von Engeln. Bei den übrigen Figuren dürfte es sich um Heilige, Apostel oder Propheten handeln.
B HILFE MICHAELS IN DER SCHLACHT AM WEIßEN BERG Einansichtige Bildanlage, geringe Untersicht, starke Verringerung der Figurengröße zum Hintergrund hin. Das Bild zeigt das Kampfgetümmel zu Beginn der Schlacht. Überall sind Truppenformationen zu sehen, teils noch geordnet, teils schon im Kampf begriffen, wobei auf Details in Waffen und Uniformen großer Wert gelegt ist. Die Bildmitte ist von einer Figurengruppe vor einem prächtigen, mit Spitzdach und Goldknauf versehenen Rundzelt besetzt. Von diesem Zelt wie von einem Thronbaldachin hinterfangen steht als zentrale Figur ein Mönch in weitem braunen Habit. Es ist der spanische Karmeliter-Ordensgeneral P. Dominicus a Jesu Maria, dessen Einfluß der Sieg am Weißen Berg zugeschrieben wurde. Er hält ein aufgeschlagenes Buch, in das auf die rechte Seite IN HOC / SIGNO / VINCES / 1620, auf die linke das Datum der hundertjährigen Wiederkehr dieses Sieges (und der Freskierung), 1720, geschrieben ist. Zu seiner Rechten steht Herzog (seit 1623 Kurfürst) Maximilian I. von Bayern, der auf sein weiß-blau gekleidetes bayerisches Heer weist. Zur Linken steht der österreichische Kaiser Ferdinand II. mit einem jungen Feldherrn. Diese beiden weisen mit den Armen auf das rot gekleidete Heer im Hintergrund. Hinter dem Zelt dringen zu beiden Seiten gegnerische Truppen aufeinander ein. Im Vordergrund überragen zwei Feldherrn zu Pferde das Getümmel. Der weiß-blau gekleidete bayerische Feldherr auf der linken Seite eröffnet mit einem Fanfarenstoß den Kampf. Vor ihm befindet sich eine ockerfarben gekleidete Truppe mit ihrem Anführer bereits mitten im Gefecht. Es dürfte sich um die aufständischen Böhmen und die mit ihnen verbündeten Pfälzer handeln. Als himmlische Erscheinung kommt in Wolken St. Michael zu Pferd angesprengt in Begleitung weiterer berittener Engel. Ganz rückwärts sieht man die Tore und Türme der Stadt Prag und die Moldau, aus der die Köpfe und Arme von Ertrinkenden ragen.
In der Schlacht am Weißen Berg bei Prag ging es um die Vormachtstellung zwischen Katholiken und Protestanten. Herzog Maximilian I. von Bayern zog als Begründer der katholischen Liga gegen den Führer der protestantischen Union Friedrich V. von der Pfalz. Dieser war 1619, als Folge des Aufstands nach dem sog. Prager Fenstersturz, von aufständischen Böhmen zum protestantischen Gegenkönig in Böhmen gewählt worden, nachdem zuvor 1617 Erzherzog Ferdinand von Österreich gegen den Widerstand Böhmens zum böhmischen König gekrönt worden war. Maximilian verband sich mit dem katholischen Erzherzog Ferdinand, mit dem er von Jugend an befreundet war, unter Zurücksetzung persönlicher machtpolitischer Interessen zugunsten der Katholischen Liga (ihm war von seinem Verwandten Kurfürst Friedrich von der Pfalz 1619 nach dem Tod des Kaisers Matthias die Kaiserwürde angeboten worden, die dann auf Ferdinand fiel, vgl. CBD Bd 3/II, S. 262 f.).
Am 7.11.1620 trat der Kriegsrat der Katholischen Liga zusammen. Maximilian hatte den spanischen Exprovinzial der Karmeliter, P. Dominicus a Jesu Maria, von Papst Paul V. zur Unterstützung erbeten und als Berater mit in die Schlacht genommen. Dieser hatte nach der unblutigen Einnahme von Linz in einer Vision die Niederlage der Feinde, den genauen Verlauf der Schlacht bei Prag und auch die Hilfe des hl. Michael vorausgesehen. Nach der Belagerung von Pisek und Pilsen zogen sie in Prag ein. P. Dominicus a Jesu Maria hielt Maximilian und den Heerführern eine begeisterte Ansprache, in der er ihnen den Sieg verhieß, und forderte zum sofortigen Angriff auf. So wagten Herzog Maximilian und sein Feldherr Tilly zusammen mit Kaiser Ferdinand II. und dem kaiserlichen Obristfeldmarschall Charles de Buquoy am 8.11. den Angriff, der am Weißen Berg in blutiger Schlacht entschieden wurde.
der nach einstündigem Kampf zu ihren Gunsten entschieden wurde. Friedrich V., der sog. Winterkönig, wurde vertrieben. Dieser Sieg war von entscheidender Bedeutung für die katholische Kirche
Im Fresko sind die Helden der Schlacht porträthaft wiedergegeben, Dominicus a Jesu Maria nach überlieferten Darstellungen. Herzog Maximilian ist mit kinnlangem, grauen Haar und Spitzbart, mit eckigem Spitzenkragen und in Ritterrüstung dargestellt, das goldene Vlies auf der Brust. Dieser Porträttyp bezieht sich auf die späteren Jahre ab 1640 (vgl. Kat. Um Glauben und Reich II,1, Tafel 26-30). Kaiser Ferdinand II. ist mit Geheimratsecken, langer Nase und Kinnbart charakterisiert; auch er trägt den Orden vom Goldenen Vlies (vgl. ebd. Nr. 483). Der große langlockige Heerführer mit Stab an seiner Seite ist vermutlich der kaiserliche Obrist-Feldmarschall Charles de Longueval, Comte de Buquoy (1571-1621), der den Oberbefehl über das kaiserliche Heer hatte, aber gegen den Angriff war (ebd. Nr. 486). Auf den bayerischen Heerführer Tilly paßt die Personenbeschreibung nicht (vgl. ebd. II,1, Tafeln 82–83; Tilly war damals schon 60jährig).
Die Inschrift In Hoc Signo Vinces in dem Buch von P. Dominicus bezieht sich auf die Siegesvision des Paters, der dann auch mit hocherhobenem Kruzifix in die Schlacht zog und die Kämpfenden anfeuerte, und ist ein Verweis auf den Sieg Kaisers Konstantins bei der Milvischen Brücke im Jahre 313, der ebenfalls ein Sieg der Kirche war, und die vorausgehende Vision Konstantins. Die Vorstellung von einem Eingreifen Michaels in die Schlacht geht zurück auf die Schlacht bei Sipont, in der Odoaker im Jahre 492 die Stadt erobern wollte, der hl. Michael aber in einer Vision dem Bischof Laurentius von Sipont den Sieg versprach und das feindliche Heer daraufhin durch Wolkenbrüche zerstreut und vertrieben wurde. In Mettenheim wird nicht die legendäre Schlacht bei Sipont, sondern das jüngsten Eingreifen des hl. Michael in einer Schlacht dargestellt. In seiner Eigenschaft als Heerführer und christlicher Bannerträger, als Beschützer der christlichen Kirche und Bekämpfer aller gottfeindlichen Mächte (Apoc 12,7ff.) ist der hl. Michael zwar Patron der christlichen Krieger, doch wird er in der christlichen Ikonographie sonst mit der Schlacht am Weißen Berg nicht zusammengebracht. Es ist auch der hl. Joseph, dessen Hilfe man den Sieg am Weißen Berg zuschrieb (s. Riding CBD, Bd 7, S. 268 f.).
In einem Festzug, der 1693 zur Hundertjahrfeier von St. Michael in München stattfand, trat der Erzengel Michael zwischen den Herzögen Wilhelm und Maximilian auf. Wilhelm wurde als Erbauer von Kirche und Kolleg der Jesuiten gefeiert, Maximilian als Sieger der Schlacht am Weißen Berg, und Michael reichte ihm den Kurfürstenhut (Trost, S. 18). Eine Folge von 13 Gemälden zum Wirken des Dominicus a Jesu Maria im 30jährigen Krieg, um 1700 entstanden, schildert die betreffenden Begebenheiten (BSGS Inv. Nr. 4442-4454, lat. Unterschriften mit Übersetzungen bei Stubenvoll, S. 109-11). Mit den Fresken von Mettenheim haben sie nichts zu tun. Als bildliche Parallele läßt sich das Fresko in Wimpasing mit der Schlacht bei Ampfing heranziehen, besonders das Motiv der übereinanderstürzenden Pferdeleiber im Vordergrund, das auf ein Gemälde Werles zurückgeht (s. S. 295).
C PUTTEN UM DIE HL.-GEIST-ÖFFNUNG In den Ausbuchtungen des Vierpasses sind jeweils drei Puttenköpfchen in Wolken gemalt, an der O-Seite nur zwei (sehr stark übermalt).
D WUNDER AM MONTE GARGANO Schauplatz ist eine steil ansteigende bergige Landschaft am Meeresufer. Auf der linken Seite ragen die Kuppeln, Türme und Minarette der ummauerten Stadt Sipont in Apulien mit ansehnlichen Gebäuden auf, am rechten Bildrand erhebt sich ein Hügel, über dem weidende Kühe, Schafe und Ziegen mit ihren Hirten verteilt sind. An der steilen Böschung ist in Begleitung seiner Bedienten der Gutsherr zu sehen, den der abgeschossene Pfeil im Rückprall trifft. Ein hohes zackiges Felsengebirge überragt den Hang; zuoberst steht vor einem Höhleneingang ein Stier. In Wolken die Erscheinung des hl. Michael, das Flammenschwert hoch erhoben, bei seinen Füßen Luzifer in Gestalt eines nackten braunen menschenähnlichen Tiers mit Klauen. Vor der Höhle sieht man einen Brunnen in Form einer riesigen Muschel, der die Gnadenstätte bezeichnet. Drei einzelne Pilger sind bereits auf dem Weg dorthin, der oberste neigt sich über den Brunnen. Von der Stadt Sipont herauf schreitet eine Prozession mit dem Bischof Laurentius hügelan.
Das Bild erzählt die Legende von der ersten Erscheinung des hl. Michael. Aus der Herde des Gutbesitzers Elvio Emanuele war ein Ochse ins Gebirge entlaufen, der Herr setzte ihm nach, erblickte ihn an einer Höhle auf dem Monte Gargano und schoß einen Pfeil auf ihn ab. Der Pfeil prallte zurück und traf die Brust des Schützen. Die Begleiter des schwerverletzten Herrn erzählten dem Bischof von Sipont von dem unerklärlichen Ereignis. Dieser ordnete ein dreitägiges Beten und Fasten an. In der dritten Nacht erschien ihm der hl. Michael mit den Worten: »Ich bin der Erzengel, und es hat mir gefallen an die sem Ort auf Erden zu wohnen und sein zu hüten. Also wollte ich mit diesem Zeichen kund tun, daß ich selber dieses Ortes Hüter und Wächter will sein« (LA Benz, S. 744). Auf diese Erscheinung hin zogen die Einwohner der Stadt in einer Prozession zu dem Gnadenort.
Die Erscheinungen des hl. Michael auf dem Berg Gargano sind in München in St. Michael in Perlach (1729, CBD Bd. 3/I, S. 93) von Anton Zächenberger und in der Bruderschaftskirche St. Michael in Berg am Laim von Johann Baptist Zimmermann freskiert worden (1743/44, ebd. S.64). Das Motiv des Gnadenbrunnens ist in diesem Zusammenhang sonst nicht dargestellt. Die Legenda aurea berichtet von einer Erscheinung des hl. Michael in Tumba, wo ein Bischof im Jahr 710 auf Geheiß Michaels eine Kirche bauen sollte. Michael benannte Platz und Größe sowie die Stelle, wo man Wasser suchen sollte und wo eine reichliche Quelle entsprang (LA Benz, S. 745)
D1-4 SZENEN AUS DEM LEBEN JESU Die Nebenbilder im Chor sind weitgehend erneuert.
1-6 ENGELSERSCHEINUNGEN Die Kartuschen in den Stichkappen des LHs zeigen Engelserscheinungen, die mit den Emporenfresken zusammen eine Serie bilden. Fünf der Erscheinungen sind aus dem Alten Testament, die sechste ist der Vita des hl. Isidor von Madrid entnommen. Die Bilder stehen in Zusammenhang mit den Engelfiguren im Langhaus: Raphael, Uriel, Barachiel, Sealtiel, Jehudiel und Abdiel. Die Heilige Schrift weist die Engel als Boten Gottes aus, die den Menschen zur Seite stehen, seine Botschaften übermitteln und seinen Willen vollstrecken
I ABRAHAM UND DIE DREI ENGEL Gen. C. V8 (sic!) V.1 (= Gen 18,1-33) Schauplatz ist das Anwesen Abrahams mit Laube und Garten. Ein Diener trägt ein Tablett, Sara hält
sich versteckt hinter der Türöffnung. Abraham ist in erregtem Gespräch mit den drei Engeln; einer von ihnen deutet auf die Stadt im Hintergrund.
Als drei Engel (= Männer) zu Abraham kamen, empfing er sie gastlich. Sie verhießen ihm und seiner Frau Sara, die wegen ihres Alters als unfruchtbar galt, einen Sohn. Im Anschluß daran bereiteten sie Abraham auf die Zerstörung Sodoms und Gomorras vor. Er flehte um Gnade mit den Worten: »Willst du wirklich den Gerechten mit dem Frevler verderben?«.
2 VERLOBUNG DES TOBIAS MIT SARA Tob C.8 V.3 (Tob 7) In einer hohen Halle steht das junge Paar, das von einem bärtigen Greis zusammengegeben wird, in Anwesenheit von Begleitern und zwei Engeln, von denen einer, Raphael, Tobias berührt.
Tobias und der Erzengel Raphael kehrten bei Raguel und Edna ein, reichen Verwandten des jungen Tobias. Auf deren einzige Tochter Sara hatte Tobias als Verwandter nach dem Gesetz des Moses Anspruch. Sara wurde jedoch von einem Dämon verfolgt, der alle ihre sieben bisherigen Freier in der Brautnacht getötet hatte. Raphael machte Tobias Mut, um Sara zu werben. In der Brautnacht betete Tobias mit Sarra auf Weisung Raphaels und verbrannte Herz und Leber des Fisches, den er am Tigris gefangen hatte. Vor dem Rauch floh der Dämon in die Gefilde Oberägyptens und wurde dort von einem Engel gefesselt.
3 ENGEL BESCHÜTZEN LOT Gen. C:19. V.1 (Gen 19,10–11) Zwei Männer (= Engel) kamen nach Sodom; Lot nahm sie gastlich auf. Die Bewohner Sodoms verlangten von Lot die Herausgabe der Männer, um sie zu mißbrauchen. Lot weigerte sich, und die Männer Sodoms drangen auf ihn ein. »Da streckten die Männer ihre Hand aus und zogen Lot zu sich in das Haus und schlossen die Tür ab. Die Leute vor der Haustür aber schlugen sie mit Blindheit ...«. Vor der Haustür Lots stehen die beiden Engel, im Haus ist eine weibliche Figur zu sehen (wohl ursprünglich Lot). Rechts flieht ein Mann und hält den Arm über die Stirn, links im Hintergrund irren zwei Geblendete umher. Ein Mann liegt geblendet am Boden. Die aufgehende Sonne verweist auf den weiteren Verlauf der Geschichte. Als die Morgenröte aufsteigt, drängen die Engel Lot, mit seiner Familie aufzubrechen. In einem Regen aus Schwefel und Feuer gehen hinter ihnen die Städte Sodom und Gomorra unter.
4 DER ENGEL LÄSST DEM HOHENPRIESTER JOSUA FESTKLEIDER ANLEGEN Zach: Cap.3 (Zach 3) vierte Vision, die Investitur Josuas) Im Inneren des Tempels steht der Hohepriester mit ausgebreiteten Armen, links von ihm der Engel, rechts der Teufel. Der Engel läßt dem Hohenpriester reine Kleider und einen reinen Kopfbund anlegen und spricht »Siehe, ich habe deine Schuld von dir genommen«. Von der Bundeslade geht ein Strahl auf den Satan mit der Inschrift Der Herr richte dich du Satan. Nach Zach 3,2a spricht der Engel: »Der Herr möge dich schelten, Satan«. Im Bild geht der Satz direkt von der Bundeslade aus. Der Engel des Herrn wird mit dem Herrn gleichgesetzt. Das rauchende Weihrauchfaß symbolisiert die Bereitschaft Josuas, den priesterlichen Dienst wieder zu vollziehen. Die Architektur zeigt die Bundeslade auf einem Altar in einem barocken Kirchenraum mit chorähnlichem Halbrund. Die Brüstung aus Balustern mit Engelsfiguren erinnert an eine Kommunionbank.
5 JAKOB SEGNET EPHRAIM UND MANASSE Gen. 48. V.12. (Gen 48, 13-16) Im Bett liegt ein Greis, dem ein jüngerer Mann zwei Knaben zuführt, die am Bett niederknien. Der Greis legt seine Hände überkreuz auf ihre Häupter. Über der Szene ist ein Engel schwebend dargestellt. Als Jakob dem Tod
6 EIN ENGEL HILFT DEM HL. ISIDOR BEI DER ARBEIT In Vita (AASS, Maii, Tom. 3, 15.5., S.512). Der Heilige kniet betend vor einer Kapelle, den Rosenkranz in Händen. Im Hintergrund sät ein Engel, ein zweiter pflügt und ein dritter kleinerer führt das Gespann. Isidor von Madrid war Knecht eines reichen Herrn. Er verbrachte während der Arbeitszeit viele Stunden im Gebet. Als dies dem Herrn hinterbracht wurde und er ihn zur Rede stellen wollte, sah er, wie die Engel säten und pflügten. – Der hl. Isidor war der ländlichen Bevölkerung, aus der die Mettenheimer Gemeinde bestand, ein Vorbild dafür, wie Arbeit und Gebet verbunden werden können. Wer Gott Lob und Anbetung schenkt, erhält von ihm Hilfe.
EB1-7 ENGELS-ERSCHEINUNGEN Von den Engelserscheinungen an den Emporenbrüstungen stammen EB1-3 (untere Brüstung) aus der Ausmalungszeit, EB4-7 (obere Brüstung) von 1921. In der Mitte der Brüstung das Jahwe-Zeichen mit Datum 1921 (Abb. S. 148).
EB1 TEICH BETHESDA (Jo 5,4) Um ein großes Wasserbecken mit abschließender zweistöckiger Arkadenhalle und Vorhof sind Kranke dargestellt. Ein Engel schwebt auf das Becken zu, um das Wasser in Wallung zu bringen. Das Bild von der Heilung des Gelähmten am See ist bewußt über dem Gang durch das Langhaus zum Chor dargestellt. Es soll der Gläubigen daraufhinweisen, daß der direkte Weg in den Himmel über die heilende Liebe Christi geht.
EB2 ENGELSHILFE NACH EINEM ÜBERFALL In weiter Landschaft liegt unter einem Baum ein schwer verwundeter Jüngling, den ein Herr beklagt. Am Bildrand fliehen drei Räuber. Ein Engel führt den Überfallenen zwei Mönche zu. Das Ereignis der Rettung ist nicht sicher zu deuten. Das Bild ist ein Hinweis auf den Beistand der Engel auf unserem Lebensweg.
EB3 MICHAEL BEKÄMPFT DEN SATAN IN DER STERBESTUNDE Ein Priester, begleitet von einem Ministranten, steht einem Sterbenden bei, dessen Angehörige an seinem Bett knien. Michael vertreibt mit dem Flammenschwert den Satan. Die Seele wird von einem Engel zum Himmel geleitet. Michael war Patron der Sterbenden und ein Ziel der Bruderschaft war die Hilfe des Erzengels in der Todesstunde. Sie war gegründet als »Confraternitas sancti Michaelis archangeli, ducis militiae caelestis et agonizantium singularissimi patroni contra infernalis hostis insidias«. Das Kreuz auf Michaels Schild mit dem Monogramm FPFP weist noch deutlicher auf das Anliegen der Bruderschaft.
EB4 Elias wird vom Engel gestärkt (3 Reg 19,4–8) Ein Engel bringt Elias in der Wüste Brot und einen Krug Wasser. EB5 Hagar in der Wüste (Gen 21,19) Ein Engel zeigt Hagar in der Wüste einen Brunnen (Abb. S. 148). EB6 Raphael und Tobias (Tob 6,2-6) Auf Weisung Raphaels bereitet Tobias Leber, Galle und Herz eines gefangenen Fisches als Heilmittel zu.
EB7 Heilung des blinden Vaters (Tob 11,7–15) Tobias heilt seinen Vater auf Weisung Raphaels durch die Galle des Fisches von seiner Blindheit.
Freänzung zur Ikonographie
Der Mettenheimer Michaelszyklus ist in seinem Umfang im oberbayerischen Raum ohne Beispiel; spätere Michaelszyklen finden sich in Berg am Laim (CBD Bd 3/I, S.) und in Gaissach (CBD Bd 2, S.), beide im Auftrag der Michaelsbruderschaft in Berg am Laim entstanden. Die Mettenheimer Michaelsbruderschaft, 1713 gegründet, war ebenfalls der Bruderschaft in Berg am Laim angeschlossen, die 1693 von Fürstbischof Joseph Clemens gegründet worden war und in wenigen Jahren große Bedeutung erlangte. 1725 zählte die Bruderschaft bereits 53 inkorporierte Orte, darunter seit 1729 auch Kirchdorf bei Haag. In Mettenheim scheint mit der Gründung der Bruderschaft ein neuer Impuls in die Verwirklichung des wegen Geldmangels stagnierenden Bauvorhabens gekommen zu sein. Die Aktualität des Programms mit der erstmaligen Darstellung des jüngsten Eingreifens Michaels in eine Schlacht zeugt von außergewöhnlichem Anspruch einer ländlichen Pfarrkirche. Das Gedenken des hundertsten Jahrestags dieses historischen Geschehens könnte auch als eine Huldigung an das Haus Wittelsbach verstanden werden. Mettenheim lag an der Straße nach Altötting, wohin die bayerischen Kurfürsten jährlich wallfahrten. Oft machten sie in Schloß Zangberg Besuch, dessen Fürstensaal den Wittelsbachern gewidmet ist (s. S. 316). Es lag außerdem im Isental, wo 1322 die Schlacht bei Ampfing stattgefunden haben soll. Für das 400jährige Jubiläum dieser Schlacht entstand, nur wenige Kilometer von Mettenheim, auf kurfürstliche Anweisung 1720/21 der Neubau der Kirche in Wimpasing mit der Darstellung der Schlacht bei Ampfing (s. S. 294 f. Für Hilfe bei der Deutung des Michael-Programms danke ich Manfred Scharnagel, Diakon in Mettenheim).
Literatur zum hl. Michael und zur Schlacht am Weißen Berg: (Hueber, P. Fortunat), Allerley Englische Geschichten ... welchen allen vorstehet der Heil. Ertz-Engel Michael, nach Ordnung der Täg und Monath des Jahrs, aus H. Schrift und Kirchen-Geschichten zusammengezogen von der Erzbruderschaft St. Michael zu Josephsburg 1727 (Bibliothek des Metropolitankapitels, 4 Asc. 21).
Stubenvoll, P. Beda, Geschichtliche Skizze über das ehemalige Karmelitenkloster und Karmelitengottshaus in München, in: OAVG Bd 25 1875/76 S.88-111.
Trost, Ludwig, Die Geschichte des St. Michaels-Ordens in Bayern und der St. Michaels Bruderschaft seit dem Jahre 1693 bis auf die Gegenwart, München und Leipzig 1888.
LTHK Bd 2 S. 295. s. v. Dominikus a Jesu Maria.
Kat. Bayerische Frömmigkeit, Stadtmuseum München 1960 (Kat. Nr. 507–09).
Katalog der Ausstellung Um Glauben und Reich, Kurfürst Maximilian I München 1980
Katalog der Ausstellung im Diözesanmuseum Freising, Quis ut Deus, 300 Jahre Erzbruderschaft St. Michael Berg am Laim 1693–1993, München 1994.
Quellen und Literatur
BHStA, Landshuter Abgabe 1993 Nr. 851 (vorher StAL, Rep. VII, V.6, F. 69, Nr. 99-102).
StAL, Kurbaiern Geistl. Rat, Kirchen-und Stiftungsrechnungen Neumarkt 1720.
StAL, Pfleggericht Neumarkt, Kirchenrechnungen 1721 1724–26, 1729, 1735, 1737, 1747/48.
StAM, LRA 51763: Baureparaturen 1919/20; 51767: Baureparaturen 1881/82; 61782: Kostenvoranschlag zur Restaurierung 1919.
AEM, Pfarrakten Mettenheim.
BLfD, Akt Mettenheim, Pfarrkirche St. Michael
Mayer-Westermayer, Bd 2, S. 132–35
KDB I OB (3), S. 2184 f.
Historischer Atlas Bd 36, Mühldorf (Helmuth Stahleder), München 1976, S. 230.
Pfarrkirche St. Michael Mettenheim, Kirchenführer (Typoscript), Pfarramt Mettenheim.
Neumann, Hans, Die Weihe der Pfarrkirchen in Flossing und Mettenheim sowie der Kapelle in Engfurt, in: Das Mühlrad 23 1981, S. 94–106.
Dehio 1990, S. 632
Mettenheim, Zur 1250-Jahrfeier des Orts (Hg. Reinhard Wanka), Mettenheim 1993. C. H
Vorhalle
Die nördliche Vorhalle (4,05 × 3,30 m) ist ein rechteckiger, an das Turmjoch anschließender Raum aus der Bauzeit von 1720 (mit Pendant im S) mit Eingang von N und Zugang zur Kirche im O. Fenster im W. Altar im S mit einem Altarbild der Sieben Zufluchten mit der Ansicht von Mettenheim und dem Porträt des Pfarrers J.B. Didutsch. Der Raum ist kreuzgewölbt, die sich ergebenden vier Zwickel sind monochrom bemalt.
»Vorhäusl« oder Seelenkapellen waren zu Beginn des 18. Jh. in diesem Bereich üblich, auch häufig verbunden mit der Sieben Zufluchten-Andacht, für die fast jede Kirche ein Gemälde besaß. In Schönberg, Oberbergkirchen und St. Veit gab es ausgemalte Seelenkapellen mit Passionsdarstellungen, in Fraham, Mittergars, Riedbach, Isen und Weilkirchen existieren noch Sieben-Zufluchten-Bilder aus der Zeit.
V1-4 PUTTEN MIT ARMA CHRISTI Die vier Zwickelfelder zeigen zwei Bildpaare unterschiedlichen Formats, einmal ein sehr breitschenkliges Trapezpaar mit monochrom karminfarbenen Malereien (V2,4), einmal ein schmales Paar (V1,3 mit monochrom ockerfarbenen Malereien. Die Bilder sind mit
Dreizeilern beschriftet, V1 und V4 mit jeweils zwei Versen. Die inhaltliche Reihenfolge der Verse und der Leidenswerkzeuge beginnt im N im Eingangsjoch und endet im W.
V1 Gefangennahme, Vorladung – Putten mit Kette, Lanze, Hellebarde, Ampel Der kein Böses hat begangen / Jesus wird mit Spies und Stangen / wie ein Mörder eingefangen (unten) Um der Schulden und zu sagen / Lasset Jesus sich verklagen (nördlich).
V2 Geißelung, Dornenkrönung, Kreuzannagelung – Putten mit Schwamm, Schweißtuch, Nägeln, Lanze, Wasserbecken
Schmerz: der auch bewegt den Heiden / Jesu Häubt muß dörner leiden / Geissel seinen leib durchschneiden (links). Sper und Nägel Jesu haben / Händ u: Füß und Herz durchgraben, / tut mid Essiggall Ihn Laben (rechts).
V3 Kreuzigung – Putten mit Kreuz, Essigkrug und Patene, Tuch Ach! das Creuz daran man schläget / Jesum wird auf Ihn geleget / daß Er's selbst zum Tode träget.
V4 Kreuzabnahme – Putten mit Kreuz, Leiter, Zange Nun ist alles voll entkommen / Jesus wird zu unsern frommen / von dem Kreuz herabgenommen.