Mechterstädt, Rittergut, sog Altes Steinhaus

Laß, Heiko:Mechterstädt, Rittergut, sog. "Altes Steinhaus", in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2022, URL: www.deckenmalerei.eu/9d437b29-eb42-4603-86a5-4548a84fa796

Inventarnummer: cbdd10145

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Im sogenannten Alten Steinhaus von 1558/59 hat sich Seccomalerei an der Decke des Saales erhalten, die von ca. 1600 stammt und in Akanthus- und Weinranken u.a. Engel, Menschen, Mischwesen sowie Blüten und Früchte zeigt.

Das Rittergut Mechterstädt

Bau-, Ausstattungs- und Funktionsgeschichte

Das sogenannte Alte Steinhaus[1] oder auch Steinerne Haus des Edelhofs in Mechterstädt wurde 1558/59 errichtet oder doch zumindest tiefgreifend umgebaut. Mechterstädt und sein Rittergut waren damals an die Herren von Reckrodt und die Herren von Hopfgarten verlehnt. Unter diesen müssen Baumaßnahmen stattgefunden haben, denn eine steinerne Inschrift am Fenstersturz trägt die Jahreszahl 1526. 1532 war Jobst von Reckrodt dann alleiniger Lehennehmer. In ihm dürfen wir den Bauherrn des Hauses vermuten. Nach 1592 verkaufte Hermann von Reckrodt das Gut mit allen Gerechtigkeiten an die Herren von Hopfgarten. Die Hopfgarten verkauften das Gut 1642.

1838/39 ging das Gut in den Besitz der Landesherrschaft über und vier Jahre später wurde das Rittergut aufgelöst. Das Gutsgebäude wurde zu Wohnzwecken ungenutzt.

Baubeschreibung

Das Alte Steinhaus ist ein zweigeschossiger, schmuckloser Bruchsteinbau mit Gewölbekeller. Es misst ungefähr 10 auf 17 Meter. Die Außenmauern sind ca. 1 Meter stark. An den Bau mit Krüppelwalm schließt sich rechtwinkelig ein ebenfalls zweigeschossiger Fachwerkflügel aus der Zeit um 1700 an.

Der Saal im Obergeschoss

Geschichte und Beschreibung

Im ersten Obergeschoss befindet sich ein heute teilweise verbauter Saal.[2] Er wurde um 1600 unter Friedrich von Hopfgarten ausgestattet und 1747 in zwei Räume unterteilt. Die gegenwärtige Aufteilung ist jüngeren Datums. Die Decke wird von zwei Unterzügen getragen. An ihr haben sich, wie auch an der Wand, Malereireste erhalten. Die Wand zierte ein umlaufender Fries mit Festons, Masken und Cherubim.

Die Deckenmalerei im Saal

 

Die Gliederungselemente

Die Decke[2]des Saals wurde um 1600 unter Friedrich von Hopfgarten gestaltet. Sie wird von zwei Unterzügen getragen, auf denen wiederum Querbalken aufliegen. Bruno Kestner, der die Deckenmalerei 1931 entdeckte, berichtet, dass die Unterzüge an beiden Seiten mit Porträtmedaillons verziert waren, und zwar mit geharnischten Männern sowie mit Frauen.

Die Deckenfelder werden von den Querbalken sowie in Ocker aufgemalten Querhölzern in 30 rechteckige gemalte Felder von ca. 60 auf 90 Zentimeter gegliedert. Die fingierten Hölzer sind in secco ornamental verziert. An den Kreuzungspunkten sind illusionistisch gemalte Hängezapfen zu sehen.

Die Felder

In die Füllungen ist eine polychrome, florale Dekorationsmalerei in secco aufgetragen worden. Sie zeigt neben Akanthus- und Weinranken, Blüten und Früchten auch Mischwesen und Männer sowie Cherubim. Am Ausganspunkt der Ranken ist meist ein akanthusartiges, florales Ornament angebracht sowie in den mittleren Feldern eine groteske Darstellung männlicher Figuren. Der Künstler ist unbekannt.

Bibliographie

  • Literatur:
  • Dehio, Thüringen, 1998. – Dehio, Georg: Thüringen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Stephanie Eißing und Franz Jäger. Berlin/München 1998.
  • Hilfenhaus/Hopf/Rudolph, Mechterstädt, 2014. – Hilfenhaus, Annina/Hopf, Udo/Rudolph, Benjamin: Zur Baugeschichte des Edelhofs in Mechterstädt (Landkreis Gotha). In: Aus der Arbeit des Thüringischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie, NF 47 (2014), S. 42–56.
  • Archivalien:
  • Kestner, Mechterstädt. – Kestner, Bruno: Die Kemenate in Mechterstädt. O.O, o.J.

Einzelnachweise

  1. Dehio, Thüringen, 1998, S. 787; Hilfenhaus/Hopf/Rudolph, Mechterstädt, 2014.
  2. 2,0 2,1 Hilfenhaus/Hopf/Rudolph, Mechterstädt, 2014, S. 48–50; Kestner, Mechterstädt.