Markt Kraiburg, Aukapelle
MARKT KRAIBURG
Aukapelle Ehemalige Deckenbilder aus der Bruckmühle S. 141
Aukapelle, Bahnhofstr. 18, Pfarrei St. Bartholomäus in Kraiburg, Erzdiözese München und Freising; z.Z. der Ausmalung Pfarrei Taufkirchen, Expositur Kraiburg. An der Kirche bestand ein Benefizium, auf das der Magistrat von Kraiburg das Präsentationsrecht hatte. Gericht Kraiburg
Patrozinium: Ursprünglich St. Nikolaus als Patron der Schiffahrt am Inn, ab 1614 auch St. Sebastian als Patron gegen die Pest
Zum Bauwerk: Die sog. Au- oder Schwaigerkapelle, die in Gegensatz zur ehemaligen erhöht gelegenen Marktkirche in der Bürgerau steht und ihr ursprüngliches Nikolaus-Patrozinium dem nahen Inn verdankte, wurde 1614 durch einen Neubau ersetzt. Barockisierung um 1730 mit Umbau der Sakristei, neuem Altar und Kirchenstühlen.
LHs zu zwei Jochen (8,50×6,10m), gleichbreiter AR (4,60×6,10m), dreiseitig geschlossen. Gliederung durch Pfeiler, in LHs rundbogige Stichkappen, im AR spitzbogige. Rotstein farbene Renaissanceornamentierung der Gurte und eine gemalte, außergewöhnliche Renaissancedekoration um die Fenster aus Grotesken. Genordet. Das Deckenbild befindet sich im Altarraum.
Auftraggeber: Neubau aufgrund eines Pestgelübdes 1614 durch den Handelsmann Markus Schwaiger, Mitglied des Inneren Rats. Sein Sohn Johann Schwaiger stiftete 1628 das Schwaigersche Benefizium St. Sebastiani und St. Nikolai, auf das noch 1655 die Familie Schwaiger das Präsentationsrecht hatte; danach der Magistrat. Benefiziat war Sebastian Zehetmayr (1732–36).
Autor und Entstehungszeit: Zuschreibung an Johann Nikolaus Miller (* um 1708 † 1781 Erding) 1735.
Das Altarbild der Kirche, ein Gnadenstuhl, trägt die Signatur N. Miller f MDCCCCXXXV. Der stilistische Zusammenhang zwischen Decken- und Altarbild ist eindeutig.
Nikolaus Miller war von 1729–1740 in Kraiburg als Gerichtsmaler ansässig.
Befund
Träger der Deckenmalerei: Kalotte mit Stichkappen Rahmen: Stuckprofil, ockerfarben Technik: Fresko; polychrom Maße: Höhe 5,60 m; Durchmesser 2,00 Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1963 Instandsetzung durch Kunstmaler Kaseder und Fa. Ludwig Keilhacker, Taufkirchen, dabei Freilegen der Renaissance-Groteskenmalerei um die Fenster. 1984 Restaurierung durch Karl Holzner, Ampfing
Beschreibung und Ikonographie
VIER HEILIGE Das kreisrunde Bildfeld zeigt eine Wolkenzenerie mit einem puttengesäumten Trinitätssymbol im hellen Strahlenglanz. Darunter erscheinen auf Wolken vier Heilige, links beginnend mit Franz von Assisi in der braunen Kutte, Lilie und Kruzifixus in der Hand. Es folgt Leonhard von Noblac im Benediktinerhabit, den Abtstab und die Gefangenenkette in Händen. Rechts sitzt Barbara in reichem Gewand mit Krönchen auf dem Haupt, sie hält Hostienkelch und Schwert, und schräg hinter ihr Elisabeth von Thüringen mit Krug und Brot. Die Auswahl der Heiligen läßt auf Namenspatrone der Stifter schließen.
Quellen und Literatur
AEM, Pfarrakten Taufkirchen-Lafering, Expositur Kraiburg, Kapellen, V.6
AEM, Pfarrei Kraiburg, Pfarrmatrikeln.
Wening, Michael, Rentamt Burghausen, München 1721, S. 10. Riedl, Karl, Geschichte des Marktes und der Grafschaft Kraiburg, München 1867, S. 106. Mayer-Westermayer, Bd 2, S. 126.
Mayer-Westermayer, Bd 2, S. 126. KDB IOB (3), S. 2178 f. Dehio 1990, S. 561 f.