Mainau, Deutschordenskommende, Schlosskirche
Inventarnummer: cbdd10411
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Noch vor dem Komtursgebäude wurde in Mainau die Kirche erneuert und 1737 durch Franz Joseph Spiegler ausgemalt. Das Programm mit Maria Himmelfahrt im Langhaus, der Verherrlichung der Trinität im Chor und Agnus Dei in der Kalotte steht mit IN CRUCE SALUS am Hochaltar im Zeichen des Deutschen Ordens.

Mainau, Deutschordenskommende
Mainau war seit 1272 Deutschordenskommende.[1] Initiatoren des 1732 begonnen Neubaus von Johann Kaspar Bagnato war der Mainauer Komtur Reinhard Ignaz Franz von Schönau (amt. 1731–1736), der den Landkomtur Franz Ignaz Anton Freiherr von Reinach (amt. 1730–1735) um Vermittlung bat, die Genehmigung beim Hoch- und Deutschmeister Clemens August von Bayern (amt. Juli 1732–1761) einzuholen.[2]
Bagnato legte einen Schloss und Kirche umfassenden Idealplan vor, mit dessen Realisierung im Herbst 1732 begonnen wurde. Noch vor dem Schloss entstand die Kirche, deren Ausmalung es im Folgenden knapp zu besprechen gilt. Sie ist mit dem Schloss über einen Korridor verbunden und ist deshalb als Bauteil zu betrachten.
Die Errichtung des Schlosses, dessen Decken stuckiert wurden, begann 1739.[3] Sie zog sich bis ins Jahr 1756.[4]
Ordenskirche St. Marien
Mit dem Bau der Kirche wurde im Herbst 1732 nach Entwürfen von Johann Kaspar Bagnato und der Aufsicht seines Paliers Seiler begonnen. Mit der inneren Ausgestaltung hätte bereits im April 1734 begonnen werden können, doch verzögerten sich die Arbeiten kriegsbedingt bis 1737.[5]
Langhaus
Mariologisches Programm des Langhauses
Franz Joseph Spiegler ist schriftlich als Freskant der Schloss- und Ordenskirche in den Jahren 1737 und 1738 bezeugt. Er begann die Ausmalung im Juli 1737 im Langhaus, um sie im Oktober desselben Jahres mit Vorchor und Apsis zu beenden.[6] Von Mai bis Juni 1738 folgten die kleinformatigen Fresken an der Orgelempore. Spieglers Lohn betrug 988 fl, 10 kr.[6]
Maria Himmelfahrt
Im Zentrum des hochovalen Deckengemäldes in der Mitte des Langhausplafonds schwebt Maria im blauen Gewand vor einer leuchtend gelben Lichtgloriole. Von rechts oben fliegt ein Engel mit Krone herbei, um sie ihr aufzusetzen. Rechts fliegt ein Engel mit weißer Lilie, wohingegen links Putti einen Laubkranz bringen.
Am unteren Bildrand steht in Untersicht der antikisch verzierte gebauchte Sarkophag, dessen abgenommener Deckel effektvoll über eine illusionierte Mauerkante hinausragt. Ein Engel schwenkt ein Weihrauchfass während vermutlich der jugendliche Johannes Christus und Maria besonders nahestehender Apostel das zurückgebliebene Leichentuch leicht anhebt. Mit traurig ehrfürchtiger Miene schaut er ins leere Grab.
Zu beiden Seiten des Grabs gruppieren sich entlang des Bildrands unterschiedlich große Gruppen von Aposteln in verschiedenen Haltungen des Erstaunens. Zur Rechten des Grabs sitzt Paulus im gelben Gewand mit blauem Mantel. Er wird durch den Schlüssel gekennzeichnet, tritt jedoch vor allem durch seinen aufmerksamen jugendlichen Gesichtsausdruck, die markante Handgeste und das zur Seite geglittene aufgeschlagene Buch hervor. Sein Pendant zur Linken des Sarkophags gebärdet sich ergriffen mit erhobenen Armen und zerzausten Haaren. Paulus, der sich vermutlich in ein aufgeschlagenes Buch auf seinen Knien vertieft hat, führt eine Gruppe am rechten Bildrand an.
Die Apostel nehmen etwa drei Viertel des Bildrands ein. Im Scheitel steht eine Palme, die das Geschehen im Heiligen Land verortet.
Verkündigung an Maria
Besuch Marias und Elisabeth
Christi Geburt
Darbringung Christi im Tempel
Mariologische Embleme über der Orgelempore
„LUNA SUB PEDIBUS EIUS“ Adler bringt Mondsichel
„ELECTA UT SOL“ Adler fliegt zur Sonne
Brüstungsbilder der Orgelempore
Christus unter den Schriftgelehrten
Musizierende Putti mit Flöte
Musizierende Putti mit Laute und Posaune
Vorchor
Die Heilige Dreifaltigkeit umgeben von einem Engelskonzert
Apsis
Die Anbetung des Agnus Dei durch die Apostel in der Kalotte
Der Hochaltar
Das Hochaltargemälde mit der Heiligen Sippe
Das wie die Deckengemälde ebenfalls von Franz Joseph Spiegler gemalte Hochaltargemälde wurde Anfang Juli 1738 aufgehängt.[7]
Märtyrer im Auszug „IN CRUCE SALUS“
Bibliographie
- • AK Kreuz und Schwert, 1991 = Ausst.-Kat. Kreuz und Schwert. Der Deutsche Orden in Südwestdeutschland, in der Schweiz und im Elsaß, hg. von der Blumeninsel Mainau GmbH, Redaktion Udo Arnold, Konstanz 1991.
- • Gubler, Bagnato, 1985 = Hans Martin Gubler, Johann Caspar Bagnato 1696–1757 und das Bauwesen des Deutschen Ordens in der Ballei Elsaß-Burgund im 18. Jahrhundert. Ein Barockarchitekt im Spannungsfeld von Auftraggeber, Bauorganisation und künstlerischem Anspruch, Sigmaringen 1985.
- • KDM Kreis Konstanz, 1887 = Die Kunstdenkmäler des Großherzogtums Baden, Bd. 1: Kreis Konstanz, hg. von Franz Xaver Kraus, Freiburg im Breisgau 1887, S. 299–306.
- • Kolb, Spiegler Kostbarkeiten, 1991 = Nanette und Raimund Kolb, Franz Joseph Spiegler. Historien- und Freskenmaler. Kostbarkeiten barocker Malerei 1691–1757. F. J. Spiegler zum 300. Geburtstag (Peda-Kunstführer, 100), Passau 1991.
- • Kolb, Spiegler, 1991 = Raimund Kolb, Franz Joseph Spiegler (1691–1757). Barocke Vision über dem See. Erzähltes Lebensbild und wissenschaftliche Monographie, Bergatreute 1991.
- • Neubert, Spiegler, 2007 = Michaela Neubert, Franz Joseph Spiegler 1691–1757, Weißenhorn 2007, S. 146–150 mit Abb. 158–165.
- • Platen, Mainau, 2012 = Amelie-Claire von Platen: Die ehemalige Deutschordenskirche St. Marien auf der Insel Mainau. Zur Ikonographie der Innenausstattung, in: Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens. Würzburg-Mainau-Rixheim. Kirche und Schloss des Deutschen Ordens, Weimar 2012.
- • Seiler, Mainau, 2021 = Jörg Seiler, Kommende Mainau (Erstveröffentlichung 2003), in: 800 Jahre Deutscher Orden an Ober-, Hochrhein und in der Schweiz, hg. von Pascal Paul Schneller, Freiburg im Breisgau 2021, S. 245–255.