München-Mittersendling, Pfarrkirche St. Achaz
Pfarrkirche St. Achaz, Plinganserstraße 117, Erzdiözese München und Freising; z.Z. der Ausmalung Pfarrei Sendling (Pfarrkirche St. Maria Thalkirchen, Pfarrwohnsitz bei St. Achaz), Gericht Dachau; 1927 abgebrochen
Patrozinium: St. Achaz
Zum Bauwerk: Anstelle des gotischen Baues wurde 1732/33 ein barocker Neubau errichtet; Datierung des Dachstuhls 1732, Altäre Frühjahr/Sommer 1733, Weihe am 21. 9. 1733 durch den Weihbischof von Freising Johannes Ferdinand von Pollenheim. – Baumeister Johann Georg Ettenhofer, Baukosten 2952 fl. (StadtA Mü, Kultusstiftungen 504/70: 1733 »Ausgab auf daß Löbl: St. i Achatij Gottshaus allda benöttigten Kürchenund Thurm Pau von 16. Aprill 1732 bis 14ten Aug. 1733«)
1927 wurde eine Vergrößerung der Kirche notwendig, ein Erweiterungsplan von Architekt Lochbrunner befriedigte nicht, Pläne für einen Neubau von Richard Steidle kamen zur Ausführung. Abbruch der barocken Kirche, Grundsteinlegung für den Neubau am 11. 9. 1927; Weihe am 22. 4. 1928. Aus der alten Kirche wurde die bewegliche Ausstattung, Altäre, Figuren, Apostelbilder, übernommen.
Die barocke Kirche war ein Saalbau zu drei Jochen, das östliche Joch mit gekurvten Wänden, vor denen die Seitenaltäre standen; eingezogener quadratischer AR, halbrund geschlossen. Pilastergliederung, hohe Rundbogenfenster. Turm an der W-Front.
Autor und Entstehungszeit: Zuschreibung an Cosmas Damian Asam (*1686 Benediktbeuern †1739 München) 1732/33 (BLfD, Akten St. Achaz, Hinweis von Hans Habel in einer Kurzbeschreibung vom 8. 6. 1978)
Die erhaltenen photographischen Schwarz-Weiß-Aufnahmen der Deckenbilder zeigen in Bildanlage und Komposition wie im Figürlichen eine auffallende Übereinstimmung mit Werken C. D. Asams. Die Köpfe mit ausladender Lockenpracht, die Art der Gesichtsbildung, der massige Hals und Oberkörper der Figuren entsprechen Asams Stil (vgl. Beschreibung). Das beim Neubau wiederverwendete Hochaltarbild und das Auszugsgemälde weisen ebenfalls auf Asam als Autor hin (Zuschreibung durch

Michael Hartig, bestätigt durch Sigmund Benker, BLfD, Akten St. Achaz). In der genau geführten und offenbar lückenlosen Bauabrechnung (loc. cit.) sind die Decken- und das Hochaltargemälde nicht aufgeführt. Der Maler Johann Georg Sang wurde 1733 mit 76 fl. für die Seitenaltargemälde und 1735 mit 7 fl. für drei Altarantependien quittiert; für die Decken- und Hochaltargemälde steht er stilistisch außer Betracht. Zu Cosmas Damian Asam läßt sich eine Verbindung herstellen über die 1730/32 von ihm gestiftete und erbaute Kapelle Maria Einsiedel bei seinem 1724 erworbenen Landhaus, dem sog. Asam-Schlößl in Thalkirchen (s. S. 38).

Sie gehörte zur Pfarrei Sendling und sollte zusammen mit der neuerbauten St.-Achaz-Kirche eingeweiht werden (AEM, Akten St. Achaz: Briefwechsel wegen der Einweihung im Mai bzw. Herbst 1733). Vielleicht hatte Asam für seine Kapelle Hilfe von der Pfarrei erhalten und als Gegenleistung Hochaltar- und Deckengemälde von St. Achaz gemalt?
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs und AR flache Tonnengewölbe mit Stichkappen
Rahmen: Stuckprofil
Technik: Fresko; polychrom
Verbleib: Die Deckenbilder existieren seit dem Abbruch der Kirche 1927 nicht mehr. Sie sind durch photographische Aufnahmen dokumentiert. Nach diesen zu urteilen, waren sie vor der Vernichtung in gutem Zustand
Beschreibung und Ikonographie
A BESTATTUNG DES HL. ACHATIUS UND SEINER GEFÄHRTEN DURCH ENGEL (ehem. LHs-Fresko) Hochovales Bildfeld, einzige, in einem sehr seichten Bildraum gedrängte Figuralkomposition in betonter Höhenillusion. Die Szene ist beherrscht von den zahlreichen nebeneinander und hintereinander aufgestellten, grobgefügten Marterkreuzen, von denen die Leiber des hl. Achatius und seiner Gefährten herabgenommen und bestattet werden. An dem Kreuz im Bildzentrum hängt mit
== SENDLING == vornübergebeugtem Oberkörper der hl. Achatius, ausgezeichnet durch einen Nimbus. Ein schwebender Engel stützt seinen Körper, ein zweiter hüllt ihn in ein Leichentuch, ein dritter, am Fuß des Kreuzes, hält seine Martyrer-Attribute, Palmzweig, Kreuz und Dornenkrone. Vom Himmel bringt ein weiterer Engel einen Palmzweig herab. Am linken Bildrand ist als Repoussoirfigur ein Putto mit zwei Hacken zu erkennen. Der Rahmen überschneidet seitlich die Bildfiguren.
Komposition und perspektivische Anlage der Marterkreuze mit den pathetisch bewegten Figuren erinnern an Asams Inventio-Crucis-Szene von 1733 in der ehem. schlesischen Benediktinerklosterkirche Wahlstatt. Die Figur des Engels mit dem Leichentuch findet sich in der Haltung nur gering variiert als Weihrauchengel in der Darstellung von 1731 der Vision Bernhards in der ehem. Zisterzienserklosterkirche Fürstenfeld (OB). (Abb. bei Bernhard Rupprecht, Die Brüder Asam, Photographien Wolf-Christian von der Mülbe, Regensburg 1980, Wahlstatt: S. 243, 245, Fürstenfeld: S. 121.)
B VISION DES HL. ACHATIUS (ehem. AR-Fresko) Das runde Bildfeld ist ausgefüllt von der Figurengruppe des hl. Achatius zu Pferd und des zu ihm herabschwebenden Engels. Unter und hinter dem Reiter deuten die stark überschnittenen Figuren der Kämpfenden und die in den Himmel ragenden Lanzen ein Schlachtgetümmel an. Der Engel zeigt dem Heiligen Kreuz, Lanze und Dornenkrone Christi, zugleich die künftigen Marterwerkzeuge des römischen Feldherrn, und hält einen Palmzweig (?) über sein Haupt.
Der kraftvoll bewegte Pferdeleib ist sowohl mit den Pferden der thematisch verwandten frühen Ensdorfer Darstellung der Schlacht von Clavigo (1714, OPf, LKr. Amberg) als auch mit späteren Fresken Asams: den Apollogespannen von Schloß Mannheim (1728/29, zerstört) und Alteglofsheim (1730, OPf, LKr. Regensburg) oder dem Flügelroß Pegasus von Ingolstadt (1734, OB) zu vergleichen. Der Reiter Achatius gleicht der Figur des Kurfürsten in der Europadarstellung von Ingolstadt (Rupprecht, loc. cit., Alteglofsheim: S. 155, 157, Ingolstadt: S. 231).
Ergänzungen zur Ikonographie: Patrone der Kirche waren der hl. Achatius und die 10000 Martyrer von Armenien. Der Feldherr Achatius kämpfte der Legende nach mit seinem Heer für Kaiser Hadrian und Antoninus in Kleinasien. Durch himmlische Vision, die den Sieg verheißt, werden der heidnische Anführer und seine ihm folgenden 9000 Soldaten bekehrt und auf ihr Martyrium in der Nachfolge Christi vorbereitet (Szene B). Auf dem Berg Ararat haben sie das Martyrium am Kreuz (aus dornentragendem Gehölz) erlitten und werden von Engeln bestattet (Szene A). Im Hochaltarbild ist der Heilige im römischen Lederpanzer mit Seitenwunde und Palmzweig dargestellt. Engel weisen die Folterinstrumente, die den Arma Christi entsprechen, vor: links Lanze und Rohr mit dem Schriftband ACHACIV, dem Kreuztitulus nachgebildet, und rechts Dornenkrone, Geißel und Nägel. Im Hintergrund sind Fahnen des Heeres und Kreuze zu erkennen.
Quellen und Literatur
StadtA Mü Kultusstiftungen 504/70, 1733 Schmidtsche Matrikel, Bd 1, S. 432. Mayer-Westermayer Bd 2, S. 476.
50 Jahre St. Achaz-Kirche, 1928–1978 München-Sendling, hg. vom Katholischen Pfarramt St. Achaz, München 1978 (mit Ansicht des barocken Innenraums).
Böhm, Cordula, Die Münchner Maler J. A. Wolff, C. G. und N. G. Stuber sowie C.D. Asam als Freskanten in drei Kirchen der ehem. Pfarrei Sendling, in: Jahrbuch des Vereins für christliche Kunst in München e.V., Bd 16, 1987, S. 170–75.
2. Durch Quellen und Literatur überlieferte Deckenbilder nicht erhaltener Kirchen und Klöster