München, Residenz, Prunktreppenhaus
Treppenhaus, z.Z. der Ausmalung zeremonieller Zugang zur Grünen Galerie und zu den Reichen Zimmern; Raum und Deckenbilder 1764 durch Umbau zum Speisesaal (s. u.) zerstört
Zum Bauwerk: Neubau 1731, Stuckierung durch Johann Baptist Zimmermann, Beginn der Vergoldung 1732. 1764 wurden die Stiegenläufe abgetragen und das Obergeschoß in einen Speisesaal (S. 344 f.) verwandelt. Treppenhaus, im O an den Galeriebau anschließend, mit Anlauf und zwei Gegenläufen, die in einen Vorraum vor der Grünen Galerie mündeten. Wandverkleidung in rotem Marmor mit weißen Marmorsäulen; vergoldete Stukkaturen an Wänden und Decke
Auftraggeber: Kurfürst Karl Albrecht von Bayern (1726–45; ab 1742 Kaiser Karl VII.)
Autor und Entstehungszeit: Balthasar Augustin Albrecht (* 1687 Berg am Starnberger See † 1765 München, s.S. 335) 1732
Voranschlag Albrechts vom 28. 1. 1732 (GHA, Korr. Akt. 1712 J 35) »Underthenigster Yberschlag. Das yber mallung der Mittern feltung, dann der vier Eckstuckh in der Cuppl, ober der New erpawenten Residenz Stiegen zu hof alhier, vermög alschon underthenigst vorgezeigter Riss, an uncossten ergehen würdt ... Gedacht Mittere feltung in der Cuppl, ober der Neuen Residenz Stiegen zu hof alhier, welche ausgemessenermassen 20 franz. Schuech lang, und 16 solche Schuech hoch, dann die 4 Eckhstuckh, die ieds 10 franz. Schuech hoch, und 7 1/2 solchen Schuech breith seint, beweise nebenligenter Riss, mit ölfarb auf das fleissigste zu mahlen im welch sambent: Mallerey bey 60 figurn komen, würdtet mit einschluss der hierzue erforderlichen farbe, und Pembsl solcher massen man zu solcher arbeith, weillen es auf die Maur kömbt, 3 mahl mehrerer farben, und Pembsl braucht, auch vill mehrere müehe cösstet, als wanns auf Leinwath gemahlen würdtet yber sothanne arbeithen, doch mit ausnahmb
des hierzu bedürfftigen Maurers, und handlangers, welcher ohne meinen entgelt beyzuschaffen seint, uncossten ergehent zu 1500 fl.
... Balthasar Albrecht churfrt: hof Maller«.
Befund
Träger der Deckenmalerei: vermutlich Muldengewölbe (Kuppel ?) Rahmen: Vergoldeter Stuckrahmen Technik: Öl auf Putz Rekonstruierte Maße: Mittelbild ca. 5,80 × 6,50
Verbleib: Die Deckendekoration wurde 1764/65 nach dem Umbau in einen Speisesaal durch ein neues Deckenbild Albrechts ersetzt.
Der oben erwähnte Entwurf Albrechts gelangte in den Besitz des Augustiner-Chorherrnstifts Herrenchiemsee und wurde nach der Säkularisation versteigert (Versteigerungsliste vom 29. 4. 1803 »Nro 16. Eine Skizze vom Albrecht von dem Plafond ob der großen Stiege in der Residenz zu München, 2 Schuh 10 Zoll hoch, 2 do: 6 do breit«, BHStA I, KL 140/8 fol. 243 f.). Sie ist seitdem verschollen.
Darstellungen
Bei der Ausmalung des Treppenhauses handelte es sich um ein Mittelbild und vier Eckbilder; über den Bildinhalt ist nichts bekannt.
Quellen und Literatur
BHStA III, GHA, Korr. Akt 1712 J 35 (Voranschlag Albrechts). BHStA I, HR II / 25, 1732, 1733.
BHStA, Beschreibung 1748, HR I, 25/89 (Brief Cuvilliés vom 4. 4. 1764 über Abtragung der Stiege und Bau eines Speisesaals und einer Küche).
Haeutle 1883, S. 109. Brunner 1977, S. 103. Thon 1977, Kat. Nr. 59
Bachter, Falk, Balthasar Augustin Albrecht, Mittenwald 1981, S. 83.