Mössling, Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 8: Landkreis Mühldorf am Inn. Hirmer, München 2002, ISBN 978-3-7774-9430-2, S. 157–159, geschrieben von Böhm, Cordula. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Pfarrkirche (Pfarrverband St. Pius Mühldorf), Stadt Mühldorf, Erzdiözese München und Freising; z.Z. der Ausmalung Filiale der Pfarrei Mettenheim, Erzbistum Salzburg, Archidiakonat Gars. Salzburgisches Vogtgericht Mühldorf, Gericht Neumarkt

Patrozinium: Mariä Himmelfahrt

Zum Bauwerk: Der Bau geht auf das 15. Jh. zurück. Im 18. Jh. fanden mehrere barockisierende Maßnahmen statt: Bauliche Veränderungen (Ausbrechen von Fenstern u.A.) 1725 und 1735 durch den Neumarkter Maurermeister Silvester Mayerhofer. 1753/54 wurde eine Empore errichtet mit hübschem Stuck von Mayerhofer. Der 1694 geschaffene Hochaltar wurde von Joseph Dietrich, Bildhauer von Neuötting, renoviert und erweitert. 1767/68 erfolgte die Barockisierung des Raumes und des Gewölbes durch den Baumeister Johann Georg Hechel von Neumarkt. Chronogramm am Chorbogen (rekonstruiert nach Resten von S. Benker, BLfD): HAEC / LIBERALES & / DEVOTI / IN VIRGINEM / FILII (= 1768).

Vierjochiger Saalbau (13,20×7,30 m), kaum eingezogener AR (8,00×6,90 m), zweijochig und dreiseitig geschlossen. Gliederung durch Wandpfeiler mit Pilastervorlagen. Belichtung im LHs durch 4 Fenster von Süden und drei von Norden, im AR durch ein Fenster von S und zwei von N, in den seitlichen Schrägen je ein Fenster. Empore im W; Seelenkapelle im SW der Kirche neben der Vorhalle.

Auftraggeber: Pfarrer von Mettenheim war Joseph Franz Xaver Neumayr (1763–92). Für die Fresken ist eine private Stiftung anzunehmen.

Autor und Entstehungszeit: Autor unbekannt, 1768. Die Deckenbilder sind einfache, durch Restaurierungen beeinträchtigte Arbeiten. Für die ornamentale Gewölbedekoration, die aus einzelnen steingrauen schmächtigen Rocaillen und Ranken aneindergereiht ist, findet sich in den Kirchen des Landkreises kein vergleichbares Beispiel.

0 1 Die Ausstattung wurde über das Gericht Neumarkt abgerechnet und erfolgte von den dort ansässigen Meistern. Die bürgerliche Malergerechtigkeit war 1766/69 nicht besetzt, die zweite in der Hofmark Adlstein hatte Anton Zelcker inne stammte aus Hofstetten bei Landsberg und ist in Neumarkt 1763/74 nachweisbar. Der schwäbischen Rokokomalerei stehen die Fresken durchaus nahe.

V1-4 Putten mit den Arma Christi: V1 Gefangennahme, Vorladung, V2 Geißelung, Dornenkrönung, Kreuzannagelung, V3 Kreuzigung, V4 Kreuzabnahme
B Krönung Mariens; B., Szenen aus dem Marienleben

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs und AR Tonne mit Stichkappen

Rahmen: Gemalte Rahmung; Stuckprofil mit Rocaillen

Maße: A Höhe 7,60 m; 5,00 × 2,80

B Höhe 8,30 m; 3,10 × 2,20

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Bei einer früheren Renovierung gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden einige barocke Gegenstände (Hochaltarzier, Altarbilder, Gewölbedekoration) entfernt bzw. ersetzt oder übertüncht. 1938 fand eine Renovierung des Innern durch Malermeister Karl Schluttenhofer statt: »die beiden Deckenbilder wurden sorgfältig gereinigt und die schadhaften Stellen ausgebessert«. Bei der letzten Renovierung 1976/78 durch Franz Holzner, Ampfing wurde die gemalte Rocailledekoration im Gewölbe mit den Kartuschen freigelegt und wiederhergestellt und der Kirche im wesentlichen der barocke Raumcharakter zurückgegeben. Die Deckenbilder geben einen überarbeiteten Zustand wieder. Besonders die Kartuschfresken in LHs und AR. A1-4 sind weitgehend rekonstruiert, B1-2 von Holzner neugemalt.

Beschreibung und Ikonographie

Marienszenen und -symbole nach traditionellem Schema; die Bildfelder und Kartuschen erscheinen auf einheitlich grauem Gewölbegrund und sind umrahmt von Rocaillen und Zweigen in Weiß und Grau.

A HIMMELFAHRT MARIENS Die Komposition beschränkt sich auf die nötigsten Angaben. In die östliche Rundung des Bildfelds ist ein einfacher Sarkophag einbeschrieben, unter dem eine graue Bodenfläche angedeutet ist. Der größte Teil ist Himmelsschauplatz, farbig belebt mit grauweißen und gelbrosa Wölkchen, am westlichen Ende in eine Glorie mit der Geisttaube mündend. Maria schwebt mit ausgebreiteten Armen Christus entgegen, der sie mit der gleichen Geste empfängt. Mehrere Putten und Puttenköpfchen beleben die Szene. Ein Engel trägt auf einem roten Kissen Krone und Zepter der Himmelskönigin. Mit dem Putto, der sich unter einen roten Tuch verbirgt, ist ein geläufiges barockes Motiv zitiert.

 

A1-4 LAURETANISCHE SYMBOLE Darstellungen in den Kartuschen der LHS-Stichkappen.

A1 FONS SIGNATUS Brunnenbecken, das von einer überquellenden Muschel mit Wasser gespeist wird, darüber in Wolken das Marienmonogramm.

A2 VAS INSIGNE DEVOTIONIS In einer wolkengerahmten Monstranz ist die Hostie dem Leib Mariens einbeschrieben.

A3 VAS SPIRITUALE Kelch mit Hostie (Monogramm IHS), umgeben von Brokatmantel mit Krone.

A4 IANUA CAELI Barockes Portal mit gesprengtem Giebel und schmiedeeisernem Gitter, ein Flügel offen. Als Wächter steht der hl. Michael mit Schild und Flammenschwert davor.

B KRÖNUNG MARIENS Wolkengrund wie in Fresko A; Maria schwebt auf einer Wolke nach oben, wo Christus mit dem Kreuz und Gottvater mit der Weltkugel thronen, die gemeinsam eine Krone über Mariens Haupt halten. Darüber die Geisttaube.

B1-2 SZENEN AUS DEM MARIENLEBEN Mehrfigurige Darstellungen an den Stichkappen des Chors.

B1 HEILIGE SIPPE Links Joseph und Maria, die den Jesusknaben auf ihrem Schoß hat. Vor ihm knien Elisabeth und Johannes, dahinter ist Zacharias zu sehen.

B2 GEBURT MARIENS Anna liegt im Wochenbett und fasst besorgt nach dem Kind Maria, das von einer Magd gehalten wird. Links Joachim.

Quellen und Literatur

StAL, Pfleggericht Neumarkt, Kirchenrechnungen 1700–1800. AEM, Pfarrei Neumarkt St. Veit, Pfarrmatrikeln 1700–1800. BLfD, Akt Mössling, Kirche Mariä Himmelfahrt.

Mayer-Westermayer, Bd 2, S. 134. KDB I OB (3), S. 2185. Historischer Atlas, Bd 36, Mühldorf (Helmuth Stahleder), München 1976, S. 310f.

Dehio 1990, S. 644 f.

Kupferschmied, Thomas Johannes, Das barocke Mühldorf, in Mühldorf, Stadt am Inn, Mühldorf 1995, S. 242.

Mettenheim, Zur 1250-Jahrfeier des Orts (Hg. Reinhard Wanka), Mettenheim 1993.