Ludwigsburg, Schloss Vorpommern

Dreyer, Angelika:Ludwigsburg, Schloss (Vorpommern), in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/e822c4a0-f826-4013-8fe1-b39035b7c442

Inventarnummer: cbdd10556

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Das östlich von Greifswald gelegene Schloss Ludwigsburg ist eines der letzten erhaltenen, mit der Geschichte des Herzogtums Pommern eng in Verbindung stehenden Schlösser. Das Renaissance-Schloss ist ein herausragendes Zeugnis von historischer, kunsthistorischer und sozialgeschichtlicher Bedeutung.

Ludwigsburg, Mecklenburg-Vorpommern
Ludwigsburg, Mecklenburg-Vorpommern

Lage, Besitzer-, Bau- und Ausstattungsgeschichte

 
Ludwigsburg, Mecklenburg-Vorpommern

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Die Autorin dankt zugleich für die Möglichkeit eingehender persönlicher Inaugenscheinnahme.

Lage

Das Schloss Ludwigsburg ist heute ein Ortsteil der Gemeinde Loissin. Mit seinen Gutshofanlagen und dem weiträumigen Park bildet das Schloss eine in sich homogene Bautengruppe, die nordwestlich an den Greifswalder Bodden grenzt. Bis in die heutige Zeit ist ihre ursprünglich idyllische Lage noch nachvollziehbar.

Besitzer-, Bau- und Ausstattungsgeschichte

Die Besitzer- und Baugeschichte von Ludwigsburg birgt vielzählige Aspekte der pommerschen Geschichte, die einen historischen Bogen vom Greifengeschlecht zum ritterschaftlichen und zuletzt bürgerlichen Besitz spannt.

„Herzog Ernst Ludwig von Pommern-Wolgast schenkte seiner Gemahlin Sophia Hedwig von Braunschweig-Wolfenbüttel (1561–1631) im Jahr 1586 den Ort Darsim. Dazu bekam sie von ihm 1000 Gulden, um sich ein Schloß mit dazugehörigem Gut errichten zu können. Nach dem Tode Ernst Ludwigs 1592 ließ Sophia Hedwig den Ort Darsim [zu Ehren ihres Gatten in Ludwigs-Hoff, dann] in Ludwigsburg umbenennen. Als sie das Schloss 1615 aufgeben musste, ging es in den Besitz ihres Sohnes Herzogs Philipp Julius von Pommern-Wolgast über. Nachdem dieser 1625 gestorben war, erhielt Sophia Hedwig lebenslangen Nießbrauch auf das Schloss.

1631 erhielt Anna von Croÿ Schloss Ludwigsburg von ihrem Bruder [...], der es ihr 1627 verschrieben hatte. Sie verkaufte das Schloss 1650 an den in schwedischen Diensten stehenden General und Stadtkommandanten von Greifswald, Burchard Müller von der Lühne. Seine Familie besaß das Schloss bis 1747.“[1] In die Lebenszeit von Müller von der Lühnen und seiner direkten Nachkommen fällt auch die Ausstattung des Schlosses mit den bemalten Balkendecken und Wandmalereien, welche die fürstliche Repräsentanz eindrucksvoll belegen.

Im 19. Jahrhundert begann mit den neuen Beisitzern, der Greifswalder Kaufmannsfamilie Weißenborn, eine neue Zeit des Auf- und Ausbaus, in dem sich das Schloss zu einem angesehenen Gutshof entwickelte.

Nach deren Enteignung 1945 setzte ein Verfallsprozess der Gesamtanlage ein, den die Familie Weißenborn durch den Rückkauf des Schlosses nach der Wiedervereinigung mithilfe eines tatkräftig engagierten Fördervereins zu verhindern wusste. Die Sanierungsmaßnahmen liegen jetzt in Händen des Landes Mecklenburg-Vorpommern.

Der Auftraggeber: Burchard Müller von der Lühne (1604–1670)

„Burchard Müller von der Lühne (1604–1670) war während des Dreißigjährigen Krieges Offizier und zuletzt General in schwedischen Diensten. [...] Nach dem Westfälischen Frieden wurde er Stadtkommandant von Greifswald. Dort bewohnte er das Haus Langestraße 55. Im Dezember 1650 wurde er von der schwedischen Königin Christine geadelt [...]. [...] Im gleichen Jahr erwarb er die vorpommerschen Güter Ludwigsburg, Mellenthin mit Gothen, und Neetzow.“[2]

„Der Verkauf ändert[e] nichts an der Dominaleigenschaft des Gutes.“[3] Erst nach dem Tod von Burchard Müller von der Lühne zeigt sich bei seinen Erben das „schwedische Königshaus [...] erneut für die Verdienste der Familie von der Lühnen erkenntlich und löst das Gut aus seinem Dominalverband. Ludwigsburg ist von nun an ritterliches Erb- und Lehngut. [...] Im Inneren des Schlosses werden wahrscheinlich die bemalten Balkendecken sowie die Ausmalung des ehemaligen Festsaales des zweiten Obergeschosses im Auftrag der Familie Müller von der Lühnen hinzugefügt.“[3]

Das Bauwerk

Bei dem Gebäude handelt es sich um einen dreigeschossigen, verputzten Ziegelbau, den man auf dem Grundriß eines lateinisches Kreuzes errichtete. Die proportional beeindruckende Höhenerstreckung ist das bauliche Ergebnis einer Aufstockung des Gebäudes nach 1650, das mit steilen, sich kreuzenden Satteldächern versehen ist.

Die Gliederung der einzelnen Wandabschnitte erfolgt nicht mit den klassischen Elementen der sogenannten Säulenordnungen wie Pilaster oder Säulen, so dass allein die Verteilung der hochrechteckigen Fenster in den Wandflächen für die harmonische Strukturierung des Gebäudes sorgt. Dieser Verzicht auf klassisches Formengut und die alleinige Konzentration auf die Distribution der Fenster in der Wandfläche verleiht dem Bauwerk eine fast moderne Erscheinung.

Das Innere zeichnete sich durch künstlerisch qualitätvoll ausgestattete Räumlichkeiten aus, die alle in ihrem heutigen Zustand allerdings nur noch eine leise Ahnung davon vermitteln.

Die Saalkammer im 1. OG

In Verlängerung des nördlichen Kreuzarmes befindet sich ein kleiner querrechteckiger Raum mit den Maßen von 4,2m Breite, 3,5 Tiefe und 2,5m Höhe. „Ursprünglich wahrscheinlich ein kleines privates Kabinett des Besitzers, von dem aus der Innenhof überblickt werden konnte.“[4] Für einen rein privat genutzten Aufenthaltsraum spricht auch der vorhandene Kamin.

Die Fensterlaibung: Ornamentband

Auf den beiden Fensterlaibungen des Nordfensters sind die Reste einer ursprünglichen Bemalung zu sehen. Auf gelbem Untergrund sind braunrote Ornamente ersichtlich.

Kamineinfassung: Scheinarchitektur mit Akantusschleifen und Pflanzenmotiven

Der in der nordöstlichen Wandschräge eingebaute Kamin besitzt eine bemalte Einfassung. „Auf den Seitenwangen der Kaminöffnung sind die Abbildungen roter Säulen mit Kelchkapitellen zu erkennen, ein weiteres gemaltes Kelchkapitell wurde zentral über der Kaminöffnung platziert.“[5] Den oberen Abschluss bildet eine symmetrisch angelegte Ornamentierung aus roten Akanthusschleifen, die seitlich von grau-blauen Pflanzenmotiven gestützt werden.

Diese Art der Prunkkamine war im 17. Jahrhundert sehr beliebt und das Ludwigsburger Beispiel fügt sich typenmäßig gut in diese Modeerscheinung ein.[5]

Der Festsaal im 2. OG

Der ehemalige Festsaal ist in seiner räumlichen Ausdehnung identisch mit dem gesamten Südtrakt der Schlossanlage. Erst spätere Zeiten haben den weiträumigen Saal in einzelne Raumkompartimente zerteilt, so dass die ursprünglich repräsentative Raumwirkung nur noch imaginiert werden kann.

Dieser für den Eintretenden spürbare und überwältigende Raumeindruck wurde durch zwei weitere Komponenten noch gesteigert: erstens durch die Anwesenheit von den auf die Wände gemalten lebensgroßen Nischenfiguren und zweitens durch die bemalte Balkendecke, die den gesamten Saal überspannte. Während die Wandbilder, gerade durch ihre anschauliche Nähe zum Betrachter, zur symbolischen Identifizierung mit Personen der höfischen Gesellschaft einluden, lebte die Ludwigsburger Balkendecke eher von der allgemein gehaltenen Kontrastierung von gereihter Ornamentik, in der sich figürliche Darstellungen locker verteilten.

Bemalte Balkendecke

„Der Saal im 2. Obergeschoss umfaßte [...] den gesamten Südflügel des Baues.

Die bemalten Bretter der Balkendecke des Festsaales [...] (ca. 112 x 28–33 x 3 cm) waren zwischen den Balken schräg bzw. bahnweise sparrenförmig zueinander verlegt. Es wechselt jeweils ein Brett mit Beschlagwerkornament mit einem mit floraler Ornamentik, wobei auf einigen der Bretter Tiere, teils Fabelwesen, und Figuren locker eingestreut sind. Die Bretter mit floralem Ornament weisen profilierte Ränder auf, die Stöße zu den nebenliegenden randlosen Brettern mit Beschlagwerkornament überlappen. Die Randprofile sind auf einer Seite des Brettes rot und auf der anderen weiß, so daß optisch je ein Brett mit floralem Ornament und eines mit Beschlagwerkornament zu einem Kassettenfeld zusammengezogen werden.

Der Grund der Malerei ist weiß [...], die Ornamentik ist in grau, schwarz, rot und ocker Tönen ausgeführt. Auffällig ist die sehr lockere und freie Malweise, die den floralen Ornamenten entgegenkommt, während die freie, organische Zeichnung dem Charakter von Beschlagwerk eigentlich widerspricht.

Auch die Balken waren an den drei sichtbaren Seiten mit wechselnder Ornamentik bemalt. Es wechseln Ranken mit Beschlagwerk und Arabesken [...]. Die Bemalung der Balkenunterseiten ist heute größtenteils verloren [...].

Die Ludwigsburger Balkendecke wirkt [...] nicht ,stilrein‘, sondern lebt von der kontrastierenden Reihung der Ornamente auf den einzelnen Brettern, in denen figürliche Darstellungen locker eingestreut sind.“[6]

Diese bemalte Holzbalkendecke entdeckte man im November 1990, baute sie Anfang des Jahres 1992 aus und lagerte sie unsachgemäß und ungeschützt ein, was fast zu ihrer Zerstörung geführt hätte.

Ab Oktober 1997 leitete man Maßnahmen zur Schwammbekämpfung ein, sicherte die Malereien und lagerte sie im Speicher Lüssow ein.[7]

2015 mussten die mittlerweile in der Junkerstube des Schlosses aufbewahrten Bretter „im Zuge der Maßnahmen an den Wänden des Raumes umgelagert [und neu aufgeschichtet] werden.“[8]

Figürliche Darstellung: Papagei

In der ersten Reihe (8/9) ist eine Papagei zu sehen.[9]

Figürliche Darstellung: auffliegender Vogel

In der zweiten Reihe (11/12) ist ein auffliegender Vogel vorgestellt.[10]

Figürliche Darstellung: Papagei

In der dritten Reihe (7/8) ist ein weiterer, variierender Papagei gezeigt. [10]

Figürliche Darstellung: Hundekopf

In der dritten Reihe (10/12) ist ein Hundekopf dargestellt.[10]

Figürliche Darstellung: Papagei

In der vierten Reihe (5/6) folgt erneut die Darstellung eines Papageien.[10]

Figürliche Darstellung: Edelleute (Paar)

In der vierten Reihe (9/10) ist ein höfisches Paar dargestellt.[11]

Figürliche Darstellung: Wildschwein (oder Bär)

In der sechsten Reihe (1) ist laut Witt ein Wildschwein erkennbar.[11] Es soll hier die Möglichkeit erwähnt werden, dass es sich bei dem Tier anschaulich auch um einen Bären handeln könnte.

Figürliche Darstellung: Jäger mit Spieß

In der sechsten Reihe (5/6) erinnert ein Jäger mit Spieß an das höfische Privileg.[10]

Figürliche Darstellung: Einhorn

In der sechsten Reihe (7/8) ergänzt ein Einhorn die vielfältigen Motive.[10]

Figürliche Darstellung: Papagei

In der sechsten Reihe (11/12) folgt erneut ein Papagei.[10]

Figürliche Darstellung: Puttenkopf

In der sechsten Reihe (12/13) ist ein Puttenkopf im Beschlagwerkornament zu erkennen.[10]

Figürliche Darstellung: Hirsch

In der sechsten Reihe (13/14) ist ein Hirsch dargestellt.[10]

Figürliche Darstellung: Mutter mit Kind

In der siebten Reihe zeigt sich eine sitzende Mutter mit Kind.[10]

Figürliche Darstellung: Schlangenweib

In der siebten Reihe (6/7) befindet sich laut Witt ein Schlangenweib mit menschlichem Oberkörper und einer Schlange.[10] Hierzu ist hier keine Abbildung bekannt, eine nähere Bestimmung daher ausgeschlossen.

Figürliche Darstellung: Affe mit Hut und Kröte

In der siebten Reihe (7/8) hat sich die Darstellung eines Affe mit Hut und einer Kröte(?) erhalten.[11]

Figürliche Darstellung: Vogel (Schwan?)

In der achten Reihe (10/11) hat sich ein Vogel, möglicherweise ein Schwan, erhalten.[10]

Figürliche Darstellung: Papagei

In der neunten Reihe (20/21) kann erneut ein Papagei erkannt werden.[10]

Figürliche Darstellung: Fuchs auf einer Leiter am Mörser

In der zehnten Reihe (9/10) ist ein Fuchs dargestellt, der auf einer Leiter am Mörser steht.[10]

Figürliche Darstellung: Kriegerkopf

In der zehnten Reihe (10/11) ist in dem Beschlagwerkornament der Kopf eines Kriegers zu erkennen, der eine Sturmhaube trägt.[11]

Figürliche Darstellung: Gärtnerin

In der zehnten Reihe (11/12) ist eine Frau mit einer Tragestange und Korb abgebildet, die man vielleicht als Gärtnerin bestimmen könnte.[10]

Figürliche Darstellung: Diener

In der zehnten Reihe (19/20) ist ein Bediensteter dargestellt, der möglicherweise ein Tablett hält.[10]

Programm

„Ein einheitliches Programm ist aus den figürlichen Darstellungen nicht ablesbar. Einige der Motive haben waidmännischen Bezug (Jäger, Wildschwein, Hirsch, Vögel, Reh, Hunde), daneben gibt es Fabelwesen (Schlangenweib, Einhorn, Fuchs am Mörser, Affe mit Hut und Kröte), Figuren des höfischen Alltags (edles Paar, Dame, Gärtnerin) und – häufiger wiederkehrend – Papageien [als Ausdruck des Exotischen]. Es handelt sich also um ein dekoratives Bildproramm, das dem Charakter eines Festsaale in einem adeligen Lust- und Jagdhaus entspricht.“[6]

Ob sich dahinter zudem christliche Tugendvorstellungen verbergen, muss Aufgrund des rudimentären Erhaltungszustandes offen bleiben.

Eingebauter Teilraum im ehem. Festsaal: Grüne Stube im 2. OG

Das heute annähernd quadratische Zimmer mit einer Länge von 4,7m, einer Breite von 3,9m und einer Höhe von 4,3m ist das räumliche Ergebnis eines späteren Umbaus. Hierbei zerteilte man den ehemals bestehenden großen Festsaal, deren Ausmaß den gesamten Südflügel des Schlosses einnahm, in mehrere Einzeleinheiten.

Figurengalerie, Teil I

Auf der Ostwand des Raumes sind die Reste einer lebensgroßen Standfigur zu erkennen, deren Kleidung sie als eine herrschaftliche Person des ausgehenden 16. Jahrhundert charakterisiert. Ihre überzeitliche Bedeutung erfährt sie über das Motiv der gewölbten Nische, in der sie nicht nur steht, sondern von dieser symbolisch überhöht wird.

Sie ist wohl als Fragment eines ehemals bestehenden Figurenzyklus` zu verstehen, der die Innenwände des ehemaligen Festsaales im Südtrakt zierte und vielleicht sogar Bestandteil einer Ahnengalerie war.[12]

Bemalte Balkendecke, Teil I

Von der möglicherweise vorhandenen bemalten Holzdecke hat sich nichts außer den Tragbalken erhalten, die weiß gefasst waren. Durch die später erfolgte Aufbeilung sind eventuell vorhanden gewesene Dekormotive zerstört worden.

Eingebauter Teilraum im ehem. Festsaal: Mittelstube 2. OG

Die heutigen Ausmaße des Zimmers mit einer Länge von 5m, einer Breite von 3,9m und einer Höhe von 4,3m sind das räumliche Ergebnis eines späteren Umbaus. Hierbei zerteilte man den ehemals bestehenden großen Festsaal, deren Größe den gesamten Südflügel des Schlosses einnahm, in mehrere Einzelräume.

Figurengalerie, Teil II

Auf der Ostwand und der Südostecke des Raumes sind die Reste zweier lebensgroßer Standfiguren en face zu erkennen, die von einer gewölbten Nische hinterfangen werden. Die herrschaftlich gekleideten Personen in der Kleidermode des ausgehenden 16. Jahrhunderts erfahren auf diese Weise ihre sie überhöhende, überzeitliche Bedeutung.

Beide sind wohl als Fragment eines ehemals bestehenden Figurenzyklus` zu verstehen, der die Innenwände des ehemaligen Festsaales im Südtrakt zierte und vielleicht sogar Bestandteil einer Ahnengalerie war.[13]

Bemalte Balkendecke, Teil II

Von der ehemals ganzflächig bemalten hölzernen Balkendecke haben sich nur die Tragelemente erhalten, deren Untersicht alle einen weißen Farbton als Bemalung aufweisen.

Die gestalterisch innovative Besonderheit der Balken zeigt sich an der ornamentalen Behandlung der Seitenflächen, die alle unterschiedliche Dekormuster aufweisen, ohne sich zu wiederholen.

Eingebauter Teilraum im ehem. Festsaal: Blaue Stube

Das heute relativ schmale Zimmer in der Südostecke des Südtraktes weist eine Länge von 6,1m, eine Breite von 3,9m und einer Höhe von 4,3m auf. Dieser Raum ist das Ergebnis eines späteren Umbaus, als man den ehemals bestehenden großen Festsaal, deren Ausmaß den gesamten Südflügel des Schlosses einnahm, in mehrere Raumeinheiten zerteilte.

Figurengalerie, Teil III: Mann und Frau

Auf der Südwand des Raumes sind rechts und links des Mittelfensters die lebensgroßen Standfiguren einer Frau (rechts) und eines Mannes in einer Nische mit Kalottenwölbung sichtbar. Ihre Kleidung charakterisiert beide als Personen höheren Standes, wobei man die „Darstellung einer Dame in einem roten Kleid mit einer Schürze oder seitlichen Faltenpartien [...], mit einer schmalen Taille und einem Mieder“[5] identifizieren kann.

Ihr gegenüber steht ein Edelmann „mit einem weiß-rotem Umhang, gelockten Haaren und einem ockerfarbenen Rock.“[5] Der Hut auf seinem Kopf entspricht nicht nur seinem Modebewusstsein, sondern ist auch Ausdruck von Sozialprestige.

Die zwei hochrangigen Personen sind wohl als Mitglieder eines ehemals bestehenden Figurenzyklus` zu verstehen, der die Außenwände des ehemaligen Festsaales im Südtrakt zierte und vielleicht sogar als eine Ahnengalerie zu werten ist.[12]

Bemalte Balkendecke, Teil III

Von der ehemaligen hölzernen bemalten Balkendecke hat sich außer den Tragelementen nichts erhalten. Die Balken sind an der Untersicht weißfarbig, während die Seitenteile mit stilisiertem Dekormuster verziert sind.

Eingebauter Teilraum im ehem. Festsaal: Plättstube

Das relativ große Zimmer in der Südwestecke des Südtraktes ist 4,7m lang, 6,2m breit und 4,3m hoch. Die Existenz des Raumes ist das Ergebnis eines späteren Umbaus, als man den ehemals bestehenden großen Festsaal, deren Ausmaß den gesamten Südflügel des Schlosses einnahm, in mehrere Raumeinheiten aufteilte.

Figurengalerie, Teil IV

Auf der Südwand des Raumes sind die spärlichen Reste einer lebensgroßen Standfigur zu erkennen, deren Kleidung sie als eine herrschaftliche Person des ausgehenden 16. Jahrhundert charakterisiert.

Dass sie eigentlich in einer kalottengewölbten Nische steht und von dieser symbolisch überhöht wird, ist nur von den anderen, besser erhaltenen Standfiguren der anderen Räume erschließbar.

So ist auch dieses figürliche Fragment als ein hochrangiges Mitglied eines ehemals bestehenden Figurenzyklus` zu verstehen, der die Innenwände des ehemaligen Festsaales im Südtrakt zierte und vielleicht sogar Bestandteil einer Ahnengalerie war.[12]

Das Kinderzimmer im 2. OG

Der nordöstliche Eckraum hat mit seinen Abmessungen von 5m Länge und knapp 5m Breite einen annähernd quadratischen Zuschnitt, der von zwei Nordfenstern belichtet wird.

Die gestalterische Besonderheit des Raumes bietet die bemalte Ostwand.

Bemalte Ostwand

Die raumtrennende Ostwand zeigt die Balkenstruktur eines Fachwerkaufbaues. Ein Großteil der vertikalen und horizontalen Stützelemente sind weiß gefasst. Die Felderungen zwischen dem Gefache waren ursprünglich mit hochrecht stehenden Brettern ausgefüllt, die mit einem stilisiertem Dekormuster von Blütenkelchen und herausquellenden Trauben verziert waren.

Die Schlafstube im 2. OG

Der nordöstliche Eckraum besitzt zwei Ost- und Nordfenster. Von seiner ursprünglichen Ausstattung haben sich in der ausgefachten Westwand noch einige bemalte Bretter erhalten, die auf den gestalterischen Reichtum der ehemaligen Ausstattung verweisen.

Bemalte Westwand

Auf einer der gut überlieferten bemalten Brettfelder sind auf weißem Grund stilisierte geöffnete Blumenkelche erkennbar, aus denen Trauben herausquellen.

Renovierungen

Das Renaissanceschloss Ludwigsburg verfiel nach der Enteignung der Familie Weißenborn 1945 zusehends. Die folgenden Nutzungen des Gebäudes als Flüchtingswohnheim und LPG-Küche sowie Plünderungen machten dem Bauwerk schwer zu schaffen.

Erste notdürftige Instandhaltungsmaßnahmen sind zwar ab 1977 bekannt, die aber nicht ausreichten, das Schloss vor weiteren Schäden zu bewahren.

Diesen andauernden Verfallsprozess zu verlangsamen gelang erst mit einem Besitzerwechsel, als die Familie Weißenborn das Schloss nach der Wiedervereinigung 1990 zurückkaufte. In Kooperation mit dem 1997 gegründeten Förderverein Schloss- und Gutshofanlage Ludwigsburg e.V. bemühte sich die Familie sowohl um bestanderhaltende Maßnahmen als auch gleichzeitig darum, das Schloss einer dauerhaften Neu-Nutzung zuzuführen.

„Im Dezember 2017 beschloss die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern die Sanierung von Schloss Ludwigsburg und die künftige Nutzung als Museum unter dem Mantel der Stiftung Pommersches Landesmuseum. [...] Im November 2018 beschloss der Haushaltsausschuss des Bundestages, die Sanierung [...] mit 20 Millionen Euro zu fördern. Der Bund verlangt jedoch als Voraussetzung, dass das Land Eigentümer des gesamten Areals wird.“[1]

In den Jahren 2020/21 gingen Teile der Liegenschaft für einen symbolischen Kaufpreis in das Eigentum des Landes über, in deren Händen seither die Planung und Ausführung der Sanierungsmaßnahmen liegt.

Bibliographie

  • Behn, Holzbalkendecke, 2003 — Behn, Arthur: Kurzmitteilung, 30.09.2003, in: Schwerin, Landesamt für Kultur und Denkmalpflege, Archiv: Akte Mecklenburg-Vorpommern, Dokumentation und wissenschaftliche Inventarisierung der Bau- und Kunstdenkmale, Landkreis: OVP, Gemarkung Ludwigsburg 3353, Schloß, Mappennummer: 05 (13.1.2003–15.12.2003)
  • Danzl, Sommerschule 2015 — Danzl, Thomas (Projektleitung): Maßnahmendokumentation Schloss Ludwigsburg Loissin. Akademische Sommerschule 2015, in: Schwerin, Landesamt für Kultur und Denkmalpflege, Archiv: Akte Mecklenburg-Vorpommern, Dokumentation und wissenschaftliche Inventarisierung der Bau- und Kunstdenkmale, Landkreis: OVP, Gemarkung Ludwigsburg 3353, Schloß, Mappennummer: 11 (2.9.2008–22.9.2012)
  • Hartmann/Jörend/Schmitt, Ludwigsburg, 2001 — Hartmann, Anne/Jörend, Britta/Schmitt, Andrea: Denkmalpflegerische Zielstellung – Schloß Ludwigsburg (Mecklenburg-Vorpommern), o.O., 2001 (=Abschlußarbeit für das Aufbaustudium Denkmalpflege der Otto-Friedrich-Universität Bamberg und der Fachhochschule Coburg), in: Schwerin, Landesamt für Kultur und Denkmalpflege, Archiv: Akte Mecklenburg-Vorpommern, Dokumentation und wissenschaftliche Inventarisierung der Bau- und Kunstdenkmale, Landkreis: OVP, Gemarkung Ludwigsburg 3353, Schloß, Mappennummer: 04 (3.2.2001–3.12.2002)
  • o.A., Renaissancedecke, 2007 — o.A., Renaissancedecke, 2007, in: Schwerin, Landesamt für Kultur und Denkmalpflege, Archiv: Akte Mecklenburg-Vorpommern, Dokumentation und wissenschaftliche Inventarisierung der Bau- und Kunstdenkmale, Landkreis: OVP, Gemarkung Ludwigsburg 3353, Schloß, Mappennummer 11: (2.9.2008–22.9.2012)
  • Rosenmüller, Wanddekoration, 2003 — Rosenmüller, Katrin: Wanddekoration, 2003, in: Schwerin, Landesamt für Kultur und Denkmalpflege, Archiv: Akte Mecklenburg-Vorpommern, Dokumentation und wissenschaftliche Inventarisierung der Bau- und Kunstdenkmale, Landkreis: OVP, Gemarkung Ludwigsburg 3353, Schloß, Mappennummer: 06 (12.2.2004–15.12.2004)
  • Witt, Ludwigsburg, 1998/99 — Witt, Detlef: Ludwigsburg, 1998/99, in: Schwerin, Landesamt für Kultur und Denkmalpflege, Archiv: Akte Mecklenburg-Vorpommern, Dokumentation und wissenschaftliche Inventarisierung der Bau- und Kunstdenkmale, Landkreis: OVP, Gemarkung Ludwigsburg 3353, Schloß, Mappennummer: 08 (15.1.2006–5.6.2007)
  • online

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Schloss_Ludwigsburg_(Vorpommern)&oldid=238927139.
  2. https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Burchard_Müller_von_der_Lühne&oldid=235971281.
  3. 3,0 3,1 Hartmann/Jörend/Schmitt, Ludwigsburg, 2001, S. 12.
  4. Witt, Ludwigsburg, 1998/99, S. 39.
  5. 5,0 5,1 5,2 5,3 Rosenmüller, Wanddekoration, 2003, o.S.
  6. 6,0 6,1 Witt, Ludwigsburg, 1998/99, S. 52.
  7. Behn, Holzbalkendecke, 2003.
  8. Danzl, Sommerschule, 2015, S. 9.
  9. Alle Angaben über die figürlichen Darstellungen sind aus Witt, Ludwigsburg, 1998/99, S. 53 entnommen. Die bildliche Dokumentation in: o.A., Renaissancedecke 2007.
  10. 10,00 10,01 10,02 10,03 10,04 10,05 10,06 10,07 10,08 10,09 10,10 10,11 10,12 10,13 10,14 10,15 Angaben aus Witt, Ludwigsburg, 1998/99, S. 53.
  11. 11,0 11,1 11,2 11,3 Angaben aus Witt, Ludwigsburg, 1998/99, S. 53. Die bildliche Dokumentation in: o.A., Renaissancedecke 2007.
  12. 12,0 12,1 12,2 Diese Idee nach: Witt, Ludwigsburg, 1998/99, S. 44.
  13. Diese Idee nach: Witt, Ludwigsburg, S. 44.