Lippstadt, sog Haus Köppelmann

Laß, Heiko:Lippstadt, sog. Haus Köppelmann, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2025, URL: www.deckenmalerei.eu/375139c4-8674-4d94-86ef-07718d516587

Inventarnummer: cbdd20268

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In zwei Räumen sind umfangreiche Malereien erhalten: Im Festsaal verbinden Decken- und Wandmalereien von 1750/70 Planetengötter, Jahreszeiten und einen Monatszyklus mit Tierkreiszeichen zu einem Zeit-Programm. Es wird in einem Nebenraum von einem Herrscher mit Juno und den vier Tageszeiten ergänzt.

Der große Saal 1994
Der große Saal 1994

Das sog. Haus Köppelmann in Lippstadt

Kurzbeschreibung und Lage

Das so genannte Haus Köppelmann [1] steht zentral in der Altstadt von Lippstadt an der Ecke Lange Straße/Poststraße. Die Lange Straße war eine Durchgangsstraße.

Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Das so genannte Haus Köppelmann wurde 1721 als Adelspalais für die aus Lippstadt stammenden Grafen von Rittberg erbaut. Mitte des 18. Jahrhunderts und/oder um 1770 fanden Umbauten statt, die vermutlich mit einem Besitzerwechsel 1761 in Zusammenhang stehen. Um 1795 wechselte das Haus erneut den Eigentümer und diente anschließend bis 1966 als Hotel und Gasthaus und noch bis 1974 nur als Hotel. Bereits 1966 war im Erdgeschoss ein Totalumbau für Ladengeschäfte durchgeführt worden, der dort sämtliche historische Räume vernichtete und die Fassade mit Arkadenbögen zur Langen Straße hin öffnete (die Bögen wurden 2007 zurückgebaut). 1969 konnte eine aus dem Erdgeschoss gerettete Stuckdecke im Obergeschoss eingebaut werden.[2]

Beschreibung

Das zweigeschossige Eckhaus besitzt zwölf Fensterachsen zur Langen Straße und fünf zur Poststraße. Es handelt sich um einen verputzten Fachwerkbau über massivem Kellergeschoss mit Mansardwalmdach. Ursprünglich entsprachen die Fenster im Erdgeschoss denen des Obergeschosses. An der Langen Straße befand sich in den mittleren zwei Achsen der über eine Freitreppe zu erreichende Eingang. Ehemals folgte auf seine Tür eine zentrale Flurdiele, in deren hinterem Teil eine Holztreppe das Obergeschoss erschloss. Nach Süden lagen beiderseits eines Flurs insgesamt sechs Zimmer, nach Norden ein Gastraum mit anschließendem Zimmer. Aus letzterem stammt die ins Obergeschoss versetzte Stuckdecke. Im Obergeschoss konnte von einer Treppendiele aus ein großer Saal an der Nordostecke des Hauses betreten werden, an den sich im Nordwesten ein weiterer Raum anschließt, der als Damenzimmer bezeichnet wurde. Über dem ehemaligen Hauseingang liegt nach Westen ein Mittelraum mit der translozierten Stuckdecke. Der Südteil des Hauses wird – bei abweichender Raumaufteilung, jedoch analog zum Erdgeschoss – durch einen Flur erschlossen.[3]

Der große Saal

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Der Saal stammt aus dem Jahr 1721 und wurde gegen 1770 umgestaltet. Sein Erscheinungsbild hat er seither weitgehend bewahrt. Zwischen 1904 und 1910 erfolgte eine Restaurierung. Nachdem bereits in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts infolge des zunehmenden Autoverkehrs Schäden am Saal aufgetreten waren, musste 1950 der Stuck ausgebessert und 1955 der gesamte Saal restauriert werden. Ferner wurde vor den Fenstern eine Heizung mit moderner Verkleidung installiert, die den Wechsel von Fensternischen und Trumeau-Tischen ersetzte. Die Tische sind verloren. Die Stuckfelder über den Trumeaus der Nordwand stammen von 1939. 1993-95 wurden Wand- und Deckenbilder gereinigt sowie kleinere Schäden beseitigt.[4]

Künstler

Der Stuck stammt aus der Werkstatt von Bernhard und Johann Nepomuk Metz.[5] Diese arbeiteten irgendwann zwischen 1764 und 1767 in Schloss Schwarzenraben sowie 1767-70 in der Kirche des Jesuitenkollegs in Büren. Mummenhoff vermutete, dass der in Schwarzenraben tätige Maler mit den Brüdern Metz zusammenarbeitete und auch für die Malerei im Haus Köppelmann verantwortlich zeichnen würde.[6] Dieser war, wie auch in Büren, Joseph Gregor Winck. Da die Malerei im Haus Köppelmann zurzeit (2025) nicht besichtigt werden kann, ist ein stilistischer Vergleich im Moment nicht möglich. Die Fotos von 1943/45 sind hierfür unzulänglich.

Beschreibung

Der Saal liegt im ersten Obergeschoss an der Nordwestecke des Hauses. Er misst 11,17 auf 6,98 Meter und hat drei Fenster nach Norden sowie fünf nach Osten. Das untere Viertel der Wände nimmt eine Lambris ein. Die Wände darüber und die Decke sind mit Stuck verziert, in den Spiegel und Gemälde eingelassen sind. Der Raum wird von Süden aus in der Südostecke betreten. Eine weitere Tür im Süden verbindet den Saal mit dem Mittelzimmer. Zwischen den beiden Türen befindet sich ein Wandschrank. In der Mitte der Westwand steht ein Kamin mit Spiegel. Diese Wand wird von zwei Türen begrenzt, von denen die nördliche in das so genannte Damenzimmer an der Nordwestecke des Hauses führt. Zwischen den Türen und dem Kamin ist je eine Porzellanetagere mit Spiegel an die Wand gebracht.[7]

Die Planetengötter an der Decke des Großen Saals

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Das Fresko ist zwischen 1750 und 1770 entstanden. Anfang der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts wurde sie gereinigt.[8]

Beschreibung und Ikonographie

Das längsrechteckige Deckenbild zeigt verschiedene antike Gottheiten an einem Wolkenhimmel, die als Personifikationen der Planeten des Sonnensystems auftreten. Die Sonne selbst im Zentrum des Bildes ist nicht durch eine Gottheit personifiziert, sondern als leuchtender Himmelskörper dargestellt. An ihrem Platz ist der Kronleuchter aufgehängt. In der südlichen Bildhälfte erscheinen Jupiter, Venus und Mars, in der nördlichen Saturn, Luna und Merkur. In der Südhälfte reitet der bekrönte Jupiter auf seinem Adler unter der Sonne und hält ein Biltzbündel mit Donnerkeil in der Hand. Rechts unter ihm sitzt Venus, halb auf einer Wolke und halb in ihrem Wagen. Sie hält einen Granatapfel in der Hand und wird von ihrem Sohn Amor begleitet. Links unten sitzt der gewappnete Mars mit einem seiner Wölfe. In der Nordhälfte hat sich der geflügelte Saturn mit seiner Sense unter der Sonne auf einer Wolke niedergelassen. Er ist gerade im Begriff, eines seiner Kinder zu verschlingen. Links unter ihm lagert die verträumte Luna vor der Scheibe des Vollmonds. In der unteren rechten Ecke eilt Merkur mit Caduceus und Flügelhelm herbei.

Komposition und Ansichtigkeit

Die Ansichtigkeit des Bildes ist in der Mitte bei der Sonne geteilt und entweder auf die Nord- oder die Südwand bezogen.

Die vier Jahreszeiten an der Decke des großen Saals

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die vier Deckengemälde sind zwischen 1750 und 1770 entstanden. Anfang der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts wurden sie gereinigt und kleinere Schäden beseitigt.[9]

Beschreibung und Ikonographie

In den vier Ecken der Stuckdecke sind in Kartuschen Allegorien der vier Jahreszeiten gemalt.[10]

Frühling

Beschreibung und Ikonographie

In der Nordwestecke wird der Frühling ins Bild gesetzt. Zwei Genien sitzen auf einer Wolke und haben Blumen in ihren Schoß gelegt. Eine hält dabei einen Blumenstrauß empor.

Sommer

Beschreibung und Ikonographie

In der Nordostecke allegorisieren zwei Genien den Sommer. Auch sie sitzen auf Wolken und halten zwischen sich eine Korngarbe empor. Eine Genie hält zudem eine Sichel in der Hand. Am Himmel fliegen drei Schwalben.

Herbst

Beschreibung und Ikonographie

In der Südostecke wird der Herbst durch zwei Genien auf einer Wolke dargestellt. Die Genie auf der Spitze der Wolke hält in ihrer Linken eine Weinrebe in empor, in der Rechten ein Traubenzepter. Links hinter ihr kommt eine weitere Genie mit Obst hervor.

Winter
 

Beschreibung und Ikonographie

Der Winter wird in der Südwestecke allegorisiert. Zwei Genien, von denen eine den immergrünen Efeu hält, wärmen sich an einem Feuer, das auf einer Wolke brennt. Ganz links fällt Schnee hernieder. Unten blasen aus der Wolke zwei kalte Wind.

Die Allegorie der Zeit und der Monatszyklus an den Wänden

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Malereien sind zwischen 1750 und 1770 in Öl auf Leinwand entstanden. Anfang der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts wurden sie gereinigt und kleine Schäden beseitigt.[8]

Beschreibung und Ikonographie

Rund um den Raum ist umlaufend in ungefähr 2 Metern Höhe ein dreizehnteiliger Gemäldezyklus in Stuckrahmen in die Wand eingelassen. Es handelt sich um zwölf Monatsbilder mit integrierten Tierkreiszeichen. Sie werden um ein 13. Bild ergänzt, das Janus und Saturn in einer antiken Ruinenlandschaft zeigt. Es ist an den Anfang des Zyklus gestellt und bindet die Monate des Jahres damit in eine übergeordnete Weltordnung der Vergänglichkeit im Lauf der Zeit ein. Dieses Gemälde befindet sich an der Westwand gleich neben dem Eingang. Es folgen im Uhrzeigersinn die zwölf Monate. An der Westwand sind Januar, Februar, März, April und Mai zu sehen. An der Nordwand in der Nordostecke erblick man den Juni. Gleich daneben an der Ostwand ist der Juli dargestellt. Zwischen den Fenstern der Ostwand folgen beiderseits des mittleren Fensters August und September. In der Südostecke ist der Oktober zu finden. An der Südwand – beiderseits des Wandschranks – beschließen November und Dezember den Zyklus.[10]

Janus und Chronos in einer Ruinenlandschaft
 
Janus und Chronos in einer Ruinenlandschaft

Beschreibung und Ikonographie

In einer antiken Ruine ist in der Mitte vor einer Bogenöffnung der doppelgesichtige Janus zu sehen. Er steht für den Anfang und das Ende der Geschichte sowie für Zukunft und Vergänglichkeit, Leben und Tod. Rechts hinter ihm sitzt Saturn als Personifikation der Zeit, der die Darstellung auf die Vergänglichkeit des Seins präzisiert.

Januar
 
Januar

Beschreibung und Ikonographie

Der Januar wird durch Schlittschuhläufer auf einem zugefrorenen Gewässer allegorisiert. Zentral ist ein vornehmes Paar positioniert: Der Cavalier trägt eine Fellmütze und einen roten Mantel, die Dame ist blau gekleidet und hat einen Muff. Ein Diener fegt das Eis frei. Links vor einer Ruine ist ein weiteres Paar zu erkennen. Einer der beiden ist ausgeglitten. Am Himmel erscheint auf Wolken der Wassermann als Tierkreiszeichen des Monats Januar.

Februar
 
Februar

Beschreibung und Ikonographie

Für den Februar steht der Karneval: Vor einem Gasthof tanzt ein Paar, begleitet von maskierten Menschen. Das Wirtshausschild zeigt das Tierkreiszeichen Fische.

März
 
März

Beschreibung und Ikonographie

Auf dem Bild des Monats März sind mehrere Bauern bei für die Jahreszeit typischen Arbeiten dargestellt. In der Bildmitte ist ein Sämann zu sehen. Der Widder bei den Schafen rechts vorn steht für das Tierkreiszeichen Widder.

April
 
April

Beschreibung und Ikonographie

Die Aprilallegorie gewährt den Blick in einen Garten, in dem ein junges Paar der für diesen Monat üblichen Gartenarbeit nachgeht. Der Boden wird umgegraben und neue Pflanzen werden gesetzt. Am Himmel nimmt eine Wolke die Gestalt eines Stiers an und verweist damit auf das Tierkreiszeichen.

Mai
 
Mai

Beschreibung und Ikonographie

Im Zentrum der Monatsallegorie des Mai ist ein aufgestellter Maibaum zu sehen. Vor ihm steht ein junges Paar. Er hält einen Spaten und sie trägt Blumen. Links gießt eine weitere Frau ein frisch bepflanztes Beet, und rechts spielen zwei junge Knaben. Sie stehen als Zwillinge zugleich für das Tierkreiszeichen.

Juni
 
Juni

Beschreibung und Ikonographie

Die Juniallegorie zeigt Menschen an einem Teich, aus dem ein Hund trinkt. Rechts ist ein Krebs dargestellt, der zugleich für das Tierkreiszeichen des Juni steht. Im Hintergrund wird Vieh getrieben.

Juli
 
Juli

Beschreibung und Ikonographie

In der Julilandschaft ist im Bildvordergrund ein Paar an einem Wasserfall zu sehen. Im Bildmittel- und -hintergrund wird Heu gemacht – eine typische landwirtschaftliche Tätigkeit im Monat Juli. Die Wolkenformation nimmt teilweise die Gestalt eines Löwen an und verweist somit auf das Tierkreiszeichen Löwe.

August
 
August

Beschreibung und Ikonographie

Der Monat August wird durch die Kornernte definiert. Im Vordergrund sind drei Personen im Begriff, sich zu einem Picknick niederzulassen. Eine junge Frau trägt Obst in ihrer Schürze. Sie steht zugleich für das Tierkreiszeichen Jungfrau. Am Boden liegt eine Sichel.

September
 
September

Beschreibung und Ikonographie

Im September wird das Obst geerntet: Vier Personen sind dabei es zu pflücken, aufzusammeln oder in einen Korb zu legen. Sie werden von einem kleinen Kind und ein paar Ziegen begleitet. Rechts hinter dem Kind liegt eine Waage – das Tierkreiszeichen für den September.

Oktober
 
Oktober

Beschreibung und Ikonographie

Der Oktober wird durch die Weinlese charakterisiert. Im Vordergrund ist eine Gruppe mit in einem Korb liegenden Weintrauben an einem kleinen Wasserfall zusammengekommen. Im Mittelgrund erkennt man einen Weinberg sowie einen Hottenträger. Der Skorpion -- Tierkreiszeichen des Oktober – befindet sich rechts im Vordergrund.

November
 
November

Beschreibung und Ikonographie

Im November wird gejagt. Im Vordergrund stehen eine Jägerin und zwei Jäger, die offenbar dem höfischen Umfeld zuzuordnen sind. Im Bildmittelgrund schießt ein Jäger einen Vogel, andere Vögel werden mit Netzten gefangen. Jagdhunde und Jagdbeute sind ebenfalls dargestellt. Der Schütze steht zugleich für das Tierkreiszeichen des Schützen.

Dezember
 
Dezember

Beschreibung und Ikonographie

Der Dezember wird durch eine Schlachtung versinnbidlicht. Links im Vordergrund liegt ein Ochse, dessen Blut in einem Bottich gesammelt wurde. Rechts lagert ein Steinbock, der zugleich für das gleichnamige Tierkreiszeichen steht. Im Mittelgrund ist eine Schneelandschaft mit einem Pferdeschlitten dargestellt.

Drei Tugenden über dem Kamin an der Westwand

 

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Der Tugendzyklus ist zwischen 1750 und 1770 entstanden. Anfang der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts wurden seine Gemälde gereinigt und kleinere Schäden beseitigt.[9]

Beschreibung und Ikonographie

Über den Kamin sind drei Tugendallegorien gemalt. Oben thront die Weisheit, links darunter ist die Nächstenliebe und rechts die Gerechtigkeit dargestellt.

Sapientia
 

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Das Gemälde ist in Öl auf Leinwand gemalt.

Beschreibung und Ikonographie

Die Personifikation der Weisheit trägt ein langes Gewand und eine Sonne auf der Brust. In ihrer rechten Hand hält sie eine von einer Schlange umwundene Fackel, mit ihrer linken blättert sie in einem Buch. Putten assistieren ihr.

Caritas
 

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Das Gemälde ist in Öl auf Putz gemalt.[9]

Beschreibung und Ikonographie

Die Nächstenliebe wird, wie üblich, durch die Darstellung einer jungen Frau mit zwei Kindern, von denen eines gestillt wird, allegorisiert.

Justitia
 

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Das Gemälde ist in Öl auf Putz gemalt.[9]

Beschreibung und Ikonographie

Die Gerechtigkeit hat, wie in Norddeutschland weit verbreitet, keine verbundenen Augen. Mit ihrer rechten Hand hält sie lässig ihr Schwert. Eine Putte trägt ihre Waage.

Drei Früchtestilleben an der West- und Südwand

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die drei Stillleben sind zwischen 1750 und 1770 in Öl auf Leinwand entstanden. Anfang der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts wurden jene an der Westwand gereinigt und kleine Schäden beseitigt. Die Malerei an der Südwand wurde zu einem späteren Zeitpunkt freigelegt und restauriert.[8]

Beschreibung und Ikonographie

Zwei Stillleben sind an der Westwand in die beiden Wandfeldern zwischen den Türen und dem Kamin eingelassen. Das dritte Stillleben befindet sich über dem Wandschrank an der Südwand.

Die Stillleben an der Südwand zeigen verschiedene Früchte in je einer Vase. Dazu gehören Weintrauben, Pfirsiche, eine Ananas und Pflaumen.

Das Stillleben über dem Schrank an der Südwand zeigt in der Mitte eine steinerne Deckelvase, die an den Seiten von Weintrauben flankiert wird.

Die Supraporten an der Westwand

 
Der große Saal 1994

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die beiden Supraporten sind zwischen 1750 und 1770 entstanden. Anfang der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts wurden sie gereinigt und kleine Schäden beseitigt.[9]

Beschreibung und Ikonographie

Die Supraporten an der Westwand zeigen jeweils eine vornehme Gesellschaft beim Spiel.

Paar beim Damespiel mit Begleiter, rechts ein lesender und pfeiferauchender Herr mit Begleitung
 

Beschreibung und Ikonographie

Ein Paar sitzt sich im Freien an einem Tisch gegenüber und spielt Dame. Schräg hinter der Frau steht ein Mann und scheint sie zu beraten. Von rechts treten ein Pfeife rauchender Mann und eine weitere Frau hinzu. Der Mann liest einen Brief.

Zwei Paare an einem Tisch beim Kartenspiel mit einer weinreichenden Dame
 

Beschreibung und Ikonographie

Zwei Paare haben sich im freien an einem Tisch versammelt, spielen Karten und trinken Wein. Eine dritte Dame mit erhobenem Weinglas steht hinter dem Tisch.

Synthese

Gesamtprogramm des Raums

Das Programm der Planeten an der Decke ist Mittelpunkt der weiteren Bildzyklen an der Decke und den Wänden. Noch nicht genannt wurde die den Deckenspiegel einfassende Stuckleiste mit Zeichen von sechs Wochentagen. Der Sonntag fehlt. Für diesen steht ebenfalls die Sonne im Mittelbild.[10] Die Allegorien der Jahreszeiten an der Decke und die der zwölf Monate an den Wänden vervollständigen das Programm. Insgesamt geht es um die Planetengötter mit ihren Platenkindern in der Zeit – in den Jahreszeiten, den Monaten und den Wochentagen. Für die Vergänglichkeit des menschlichen Tuns stehen die Spielenden in den Supraporten, denn das Glück im Spiel ist nicht von Dauer. Für die Vergänglichkeit des Lebens stehen wiederum die Stillleben. Als Schlüssel zum Verständnis dient das erste Bild an der Wand mit Janus und Saturn. Die Tugenden über dem Kamin formulieren schließlich eine Anleitung, wie sich die Planetenkinder aus der Abhängigkeit der Planetengötter lösen können.

Das Damenzimmer

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Das so genannte Damenzimmer stammt von 1721 und wurde gegen 1770 umgestaltet. Es hat sein Erscheinungsbild seither weitgehend bewahrt. 1955 wurde der Raum restauriert.[11]

Beschreibung

Das so genannte Damenzimmer wird vom Saal im Osten aus betreten. Es besitzt zwei Fenster nach Norden. Im Süden schließt sich ein Nebenraum an. In der Stuckdecke des annähernd rechteckigen Raums sind ein Hauptbild im Zentrum und vier Nebenbilder in den Ecken eingelassen.[12]

Thronender Herrscher mit Juno an der Decke des Damenzimmers

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Malerei stammt von 1750/70.

Beschreibung und Ikonographie

Auf einer Wolke hat sich lässig ein Mann niedergelassen. Mit seiner linken Hand hebt er einen roten Mantel empor, unter dem er bis eben scheinbar verborgen war. In seiner Rechten hält er ein Zepter. Auf einem daneben liegenden roten Samtkissen befinden sich eine Zackenkrone und Orden. Rechts von diesem Mann steht auf der Wolke eine verschlossene Truhe – möglicherweise eine Schatztruhe? Ganz rechts beobachten zwei Stieglitze das Geschehen. Am linken unteren Rand der Wolke ist eine Frau mit Pfauendiadem zu erkennen. Sie scheint unter der Wolke emporzukriechen. Ferner ist hinter dem Mann auf der Wolke ein Flügel zu sehen.

Die vier Tageszeiten an der Decke des Damenzimmers

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Malerei stammt von 1750/70.

Beschreibung und Ikonographie

In den vier Ecken der Decke sind in monochrom roter Malerei die vier Tageszeiten durch Putten allegorisiert. Am Morgen trinkt eine weibliche Putte Kaffee – wie in der Zeit üblich von der Untertasse; hinter ihr steht ein Hahn. Mittags nimmt eine männliche Putte mit einer Gabel ein Mahl zu sich. Am Abend entspannt sich eine männliche Putte mit einem Buch, raucht Pfeife und trinkt. In der Nacht schläft eine männliche Putte in einem Bett. Auf dem Nachtschrank stehen eine brennende Öllampe und eine Uhr.

Bibliographie

  • Literatur:
  • Dehio, Westfalen, 2011. – Dehio, Georg: Nordrhein-Westfalen II. Westfalen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Ursula Quednau. München/Berlin 2011.
  • Birkert/Münz, Köppelmann. – Birkert, Barbara/ Münz, Heinrich: Wo in Lippstadt der Himmel wohnt oder Götterdämmerung in Lippstadt? Der Rokokosaal im Haus Köppelmann (Lange Straße). https://www.heimatbund-lippstadt.de/mitteilungen/seite/3.
  • Mummenhoff, Köppelmann, 1982. – Mummenhoff, Karl Eugen: Glanz und Rang eines Festsaales. Haus Köppelmann im Gutachten. in: Heimatblätter Lippstadt. 62 (1982). S. 113 –118.
  • Winkelbach, Köppelmann, 1999. – Winkelbach, Jochen: Hotel Köppelmann – Lippstädter Bürgerhaus des 18. Jh. Beiträge zur Hausforschung. Möbelkatalog. Hildesheim 1999.
  • Archivalien:
  • Mummenhoff, Gutachten, 1991. – Wissenschaftliches Gutachten für das Hotel Köppelmann, Lippstadt, Langestr. 30 von Prof. Dr. K. E. Mummenhoff vom 24.04.91. in: Landschaftsverband Westfalen-Lippe – Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen. Archiv. Lange Straße 30. Hotel Köppelmann. Lippstadt. Kreis Soest. Akte II.
  • Hotel Köppelmann III. – Landschaftsverband Westfalen-Lippe – Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen. Archiv. Lange Straße 30. Hotel Köppelmann. Lippstadt. Kreis Soest. Akte III.
  • Rokokosaal. – Landschaftsverband Westfalen-Lippe – Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen. Archiv. Lippstadt. Haus Köppelmann Rokokosaal u. 20 Gemälde.

Einzelnachweise

  1. Dehio, Westfalen, 2011, S. 585; Mummenhoff, Köppelmann, 1982. Mummenhoff, Gutachten, 1991.
  2. Dehio, Westfalen, 2011, S. 585; Birkert/Münz, Köppelmann; Winkelbach, Köppelmann, 1999, S. 14-22, 51-66; Mummenhoff, Köppelmann, 1982, S. 114-116. Mummenhoff, Gutachten, 1991, S. 1, 4, 6.
  3. Dehio, Westfalen, 2011, S. 585; Winkelbach, Köppelmann, 1999, S. 24-41. Mummenhoff, Gutachten, 1991, S. 1-2.
  4. Dehio, Westfalen, 2011, S. 585. Mummenhoff, Gutachten, 1991, S. 3-5; Rokokosaal.
  5. Dehio, Westfalen, 2011, S. 585.
  6. Winkelbach, Köppelmann, 1999, S. 42-48; Mummenhoff, Köppelmann, 1982, S. 117-118. Mummenhoff, Gutachten, 1991, S. 2, 6.
  7. Mummenhoff, Köppelmann, 1982, S.113-114, 117. Mummenhoff, Gutachten, 1991, S. 5.
  8. 8,0 8,1 8,2 Winkelbach, Köppelmann, 1999, S. 36. Rokokosaal.
  9. 9,0 9,1 9,2 9,3 9,4 Rokokosaal.
  10. 10,0 10,1 10,2 Mummenhoff, Gutachten, 1991, S. 8; Hotel Köppelmann III.
  11. Dehio, Westfalen, 2011, S. 585. Mummenhoff, Gutachten, 1991, S. 4-5.
  12. Mummenhoff, Gutachten, 1991, S. 5.