Lengenfeld, Filialkirche St. Nikolaus


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 1: Die Landkreise Landsberg am Lech, Starnberg, Weilheim-Schongau. Hirmer, München 1976, ISBN 978-3-7991-5737-7, S. 164–166, geschrieben von Bauer-Wild, Anna, Böhm, Cordula, Lüdicke, Lore und Werner-Clementschitsch, Heide. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

LENGENFELD

Filialkirche, Gemeinde und Pfarrei Stoffen (z. Z. von Landsberg vikariert), Diözese Augsburg; z. Z. der Ausmalung mit Stoffen der Abtei Andechs inkorporiert, Gericht Landsberg

Patrozinium: St. Nikolaus

Zum Bauwerk: Grundlegende Erneuerung des Baus unter Verwendung älterer Mauerteile unter Abt Bernhard Schütz durch Lorenz Sappel (Zuschreibung Neu). Hochaltarbild 1756 (Signatur J. B. Baader). — Saalbau mit eingezogenem halbrund geschlossenem Altarraum; im W Empore

Auftraggeber: Abt Bernhard Schütz von Andechs (1746-1759), Wappen am Chorbogen

Autor und Entstehungszeit: Die Deckengemälde sind gleichzeitig mit der Gewölbestuckierung entstanden; der stilistische Befund weist auf das 5./6. Jahrzehnt des 18. Jh als Entstehungszeit hin. Der Autor der Deckenbilder ist unbekannt. Bildanlage und figürlicher Stil sind dem LHs-Fresko in Stoffen verwandt, möglicherweise handelt es sich in beiden Fällen um den gleichen Maler.

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs und AR Stichkappentonnen

Rahmen: A, B, A1-4 Stuckprofil; Aa-b, B1-2, Ba Rocaillekartuschen

Technik: Fresko; polychrom Maße: A Höhe 7,20 m; 3,50 × 3,00 B Höhe 7,25 m: 3,10 × 9,40

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Restaurierungen 1926, 1955 durch A. Dasser. Die Bilder machen einen stark restaurierten Eindruck. A scheint einigermaßen originalgetreu überarbeitet, B zeigt stärkere Übermalungen, die Figur des Ährenspendenden Engels am rechten Bildrand ist erneuert (Dasser), die Gesamtfarbigkeit ist auffallend flau. B1-2 sind in schlechtem Zustand.

 
4 Lukas

Beschreibung

A ST. WENDELIN ALS PATRON Die Darstellung ist ohne höhenillusionistische Mittel rein tafelbildmäßig konzipiert, sie erinnert in ihrer Komposition eher an Kupferstiche der Rokokozeit. Die symmetrische Komposition ist horizontal in Himmels- und Landschaftsdarstellung gegliedert, während die Vertikale durch eine rahmenparallel verlaufende Säulenarchitektur auf der linken Seite bestimmt ist, der auf der rechten ein in eine vertikal aufsteigende Wolkensäule überleitender Baum entspricht. In der Mittelachse kniet auf Wolken der hl. Wendelin unter dem im Strahlenkranz erscheinenden Auge Gottes. Puttoköpfchen und Putti umschweben die Gloriole und tragen die Attribute des hl. Wendelin: Hirtenstab und Hut, Abtstab und Mitra. In einer bergigen Landschaft haben Landleute ihre Schafe, Kühe und Pferde zusammengeführt, um sie St. Wendelin, dem Patron des Viehs, zu empfehlen. Der hl. Wendelin war der Legende nach ein iroschottischer Königssohn, der die Krone ausschlug, um Einsiedler und Hirt, später Benediktinerabt von Tholey (bei St. Wendel) zu werden (AASS Oct., Tomus 9, 21. 10., S. 342–351).

 
St. Nikolaus Patron der Toten

Aa Perto Lucror. – Junger Baum, dessen drei Sprossen von einer Hand aus Wolken mit je einer Krone geschmückt werden, während zwei Kronen achtlos am Boden liegen.

Ab Cruore Triumpho. – Einem Dornengestrüpp entwächst eine prachtvolle Lilie. Das aus dem Hohen Lied (Cant 2,2) stammende Bild der Reinheit ist hier mit einem Lemma versehen, welches inhaltlich nur auf einen Martyrer paßt. Wendelin hingegen ist ein Ordensheiliger, jedoch kein Martyrer.

A1-4 Die Evangelisten Johannes (A1), Matthäus (A2), Markus (A3) und Lukas (A4).

 
 
B Patron St. Nikolaus

B PATRON ST. NIKOLAUS Die gleichfalls ohne Untersicht wiedergegebene Darstellung zeigt in seichter, dichtgedrängter Szenerie, in der sich himmlische und terrestrische Zone überschneiden, den hl. Nikolaus vor der Dreifaltigkeit, von Kranken und Notleidenden – Kranke auf Bettstellen, Knaben mit Krückstock und Pestglöckchen, Mutter mit Kind und ein halbnackter Jüngling – bedrängt. Ein Engel spendet den Hilfesuchenden aus einem Korb Brot und Ähren. Die Darstellung zeigt nicht nur ganz allgemein den hl. Nikolaus als Patron von Lengenfeld – die Kirche von Lengenfeld ist im Hintergrund zu sehen –, sondern spielt mit dem brotspendenden Engel auf ein Ereignis aus seinem Leben an, wonach der Bischof Nikolaus einen Handelsmann bewog, seine Kornladung nicht wie geplant in Spanien, sondern in Myra abzusetzen, und so die Stadt aus einer Hungersnot errettete (Ribadeneira-Hornig, Bd 2, S. 937 ff.).

 

B1 St. Nikolaus Patron der Seeleute

B2 St. Nikolaus Patron der Toten

 
 
 
 
 

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Ba Über dem Hochaltar das Lamm auf dem Buch, Sinnbild der Eucharistie (keine Abbildung)

Quellen und Literatur

Braun-Augsburg, Bd 1, S. 380 f

KDB I OB (1), S. 533

Müller-Hahl, Bernhard (Hg.), Heimatbuch Stadt- und Landkreis Landsberg am Lech, Aßling-München 1966 S. 522.

Fried, Pankraz und Sebastian Hiereth, Die Landgerichte Landsberg und Schongau (= Historischer Atlas von Bayern Bd 22/23), München 1971, S. 154.

Neu, Wilhelm, Beiträge zum Werk Münchener Hofmaurermeister in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts im südwestlichen Oberbayern, in: Festschrift Norbert Lieb, Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 35, H. 1, 1972 S. 302.