Leipzig, Katharinenstraße 21

Hertzig, Stefan:Leipzig, Katharinenstraße 21, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2023, URL: www.deckenmalerei.eu/65bcc612-dd39-4ca8-899d-9b5c648ea5ab

Inventarnummer: cbdd20101

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Das Gebäude in der Katharinenstraße 21 wurde 1750-1752 unter Einbeziehung älterer Teile errichtet und enthält eine solche Menge an originaler innerer Bausubstanz aus jener Zeit wie kein anderes Leipziger Bürgerhaus. Auch ein Deckengemälde mit den Allegorien von Frieden und Fülle findet sich hier.

Das Haus Katharinenstraße 21

Baugeschichte / Beschreibung

Das Haus Katharinenstraße 21 war 1750–52 durch den Maurermeister Johann Friedrich Seltendorff für den Kaufmann Gottlieb Benedikt Zehmisch unter Einbeziehung älterer Teile errichtet worden. Im Zweiten Weltkrieg erhalten geblieben, war es 1969 und erneut bis 1997 umfangreich restauriert worden, wobei es einen neuen Dachstuhl und ein neues Hofgebäude erhielt.

Das fünfachsige und insgesamt fünfgeschossige Haus, das im sogenannten Knöffelschen Lisenenstil errichtet ist, weist im Erdgeschoss in der Mittelachse ein breites Stichbogenportal mit dekorativem Rokokoschmuckwerk auf. Die ersten drei Obergeschosse zeigen mit fein profilierten Gewänden ausgestattete Fenster, über und unter die die zeittypischen, mit Rocailledekor versehenen quadratischen Stuckfelder gesetzt sind. An der mittleren Achse sind als zusätzliche Betonungen ferner noch gerade bzw. eine Stichbogenverdachung hinzugefügt. Die letzte Etage ist als Mezzaningeschoss über einem breitem Stockwerksgesims wohl auf eine Aufstockung zurückzuführen. Einfache Stichbogenfenster mit Schlusssteinen und wenigem Dekor über der Mittelachse kennzeichnen es. Ein hohes Mansarddach mit fünf großen stehenden sowie drei kleinen ovalen Gaupen bildet den Abschluss des Hauses.[1]

Bauwerksabschnitt (Geschichte)

Im Inneren des um einen geschlossenen, rechteckigen Hof (mit Speicher und Schreibstuben) errichteten Hauses sind die Obergeschosse über die im rechten Flügel gelegene und mit Delfter Platten an der Brüstung belegte Treppen zu erreichen. In keinem anderen Leipziger Bürgerhaus aus jener Zeit ist eine solche Menge an originaler innerer Bausubstanz erhalten geblieben: Parkettfußböden, Wandvertäfelungen, sowie Türen mit reichen Profilierungen.[2]

Der Raum im ersten Obergeschoss mit größerem Deckengemälde

Hier befindet sich ein größeres Deckengemälde, das sich wohl zuvor in der Etage darüber befunden haben soll.

Das Deckengemälde im ersten Obergeschoss

Gesamtdecke

In einem Raum im ersten Obergeschoss befindet sich ein größeres Deckengemälde, was wohl um 1780 von Adam Friedrich Oeser geschaffen worden war und das sich – Gurlitt zufolge – zuvor in der Etage darüber befunden haben soll. Die Thematik des in einem weiten Wolkenhimmel angesiedelten Gemäldes ist unbekannt. Die Szenerie zeigt in antikische Gewänder gehüllte und in zwei Zweiergruppen angeordnete allegorische Gestalten. Die größere Gruppe rechts zeigt zwei Frauengestalten, die, einander zugewandt, sich die Hände reichen: Die linke, barbusig und in einem dunkelblauen Untergewand, ist die Allegorie der Fülle (Abundantia), zu deren linker Seite zahlreiche Früchte am Boden liegen. Die rechte in einem roten Kleid ist hingegen die Figur des Friedens, die in ihrer Hand einen kleinen Olivenzweig hält. Zu ihren Füßen, wo auch ein Putto sitzt, befinden sich eine Porträtbüste, sowie ein Palmzweig und ein aufgeschlagenes Buch. Ein zweiter Putto erscheint ferner hinter ihr. Wohlstand und Frieden sind hier als die wichtigsten Grundlagen für das Gedeihen der Künste – insbesondere der Bildenden Künste, verkörpert durch die antikische Büste, zu sehen. Die zweite, auf der linken Seite und etwas mehr im Hintergrund angeordnete Figurengruppe sitzt um ein großes korinthisches Kapitell herum – eventuell soll sie die Baukunst verkörpern.[3] Weitere Putten sind noch im weiten Luftraum zu sehen: Über den letzteren Figuren einer mit hellrotem Gewand und einer Fackel in der Hand, ein zweiter in gelbem Gewand versteckt sich rechts von ihm halb hinter einer Wolke. Über der ersten Figurengruppe schweben schließlich zwei Putten mit einer roséfarbenen Stoffbahn und einem Lorbeerkranz durch die Lüfte.

Bibliographie

  • Schulze, Friedrich: Gottlieb Benedict Zehmisch, der Bauherr des Alten Theaters, in: Schriften des Vereins für die Geschichte Leipzigs, 23 (1939), S.69.
  • Gurlitt, Cornelius: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. Band 18, Stadt Leipzig, Dresden 1896, S.495f.
  • Dehio, Georg: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Sachsen II. Regierungsbezirke Leipzig und Chemnitz, München/Berlin 1998, S.526.
  • Trajkovits, Thomas: Die Bürgerhäuser von Leipzig, In: Landesamt für Denkmalpflege Sachsen (Hrsg.): Denkmalpflege in Sachsen 1894–1994, Weimar 1997, S. 305f.

Einzelnachweise

  1. Gurlitt, Stadt Leipzig, 1896, S.495f. erwähnt hingegen Gottfried Winkler als Bauherrn; Dehio, Sachsen II, 1998, S.526.
  2. Gurlitt, Stadt Leipzig, 1896, S. 496; Trajkovits, Bürgerhäuser, 1997, S.305f.
  3. Der Bauherr des Bürgerhauses, Gottlieb Benedict Zehmisch, welcher wohl auch den Auftraggeber des Deckengemäldes darstellte, war für sein Kunstmäzenatentum bekannt. So gründete er nicht nur eine private Konzertgesellschaft, sondern stiftete im Jahre 1766 auch das „Comödienhaus“, den ersten Leipziger Theaterneubau. Schulze, Zehmisch, 1939, S.69.