Kirchwald, Filial- und Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung
Filial- und Wallfahrtskirche mit Einsiedelei, Gemeinde und Pfarrei Nußdorf am Inn, Erzdiözese München und Freising; z.Z. der Ausmalung Filiale der Pfarrei Erl (seit 1670), Vikariat Nußdorf, Erzdiözese Salzburg, Archidiakonat und Bistum Chiemsee. Das Gnadenbild, eine Kopie des Gnadenbilds Maria Schnee, befindet sich am Hochaltar. Gericht Rosenheim
Patrozinium: Mariä Heimsuchung
Zum Bauwerk: Gründung der Einsiedelei 1644 durch Michael Schöpfl, einen Rompilger aus Iglau in Mähren. Von Rom hatte er ein Marienbild mitgebracht, eine Kopie des 16. Jh. vom Gnadenbild Maria Schnee in S. Maria Maggiore. Auf dem Heimweg rastete Schöpfl in einer verlassenen Felsenwohnung im Kirchwald über Nußdorf, betete dort vor seinem Marienbild und hatte die Eingebung, das Bild wolle an diesem einsamen Ort bleiben. Er baute sich selbst eine Klause in den Felsen und errichtete dem Bild eine kleine hölzerne Hütte. Eine nahegelegene Quelle wurde auf wunderbare Weise zur Heilquelle: Schöpfl legte Reliquien in sie und vermischte ihr Wasser mit Wasser aus der neuen Gnadenquelle in Weihenlinden (S. 522). Bald entwickelte sich eine Wallfahrt, erste Wunder ereigneten sich
In einem Fragebogen, den er 1651 für das Konsistorium in Salzburg und das Archidiakonat Herrenchiemsee beantworten mußte, gab Schöpfl ausführlich über sich Auskunft (AEM, Filiale Kirchwald): Er gehe in das zweiunddreißigste Jahr, stamme aus Iglau in Mähren, sei protestantisch geboren »und erst im 14sten Jahr seines Alters als er auff das Tuechmacher Handtwerckh khommen, dann man ihne sonsten nit ufnehmen wolle, catholisch worden«. Auf seiner Reise nach Rom habe ihn in Mantua ein Predigermönch veranlaßt, »diesen seinen fierenden Standt zu erwöhlen, möchte nun mehr bei 12
Jahr seyn, dass ers versprochen«. Er sei ohne bestimmte Regel, orientiere sich aber an den Dominikanern, »machte es auf der Form der Prediger, mit dem Rosenkhranz, und hab ihm diße Weiß niemandt fürgeschrieben«. Seinen Unterhalt »bringe ei underschidlicher Ortt und Pfarreien zusamen«.
Als der Zulauf der Wallfahrer anhielt, erbaute Schöpfl eine größere Kapelle. Er blieb bis zu seinem Tod 1667 bei der neuen Gnadenstätte. (Zum Gnadenbild Maria Schnee s. Helmut Sperber, Unsere Liebe Frau. 800 Jahre Madonnenbild und Marienverehrung zwischen Lech und Salzach, Regensburg 1980, S. 27–31.)
Unter Schöpfls Nachfolger, dem Einsiedler Wolfgang Rieder (1667–80) wurde 1667/69 eine kleine steinerne Kirche auf einer Waldlichtung nahe der alten Kapelle erbaut. Grundsteinlegung am 27.7. 1667, die erste Messe zelebrierte am 14.4. 1670 Propst Rupert Kögl von Herrenchiemsee als Archidiakon, Weihe erst am 22.9.1698 durch Carl II. Sigmund Graf von Castel-Barco, Bischof von Chiemsee.
Bitte um den Konsens zum Bau der jetzigen Kirche anstelle der 1669 erbauten am 12.12.1718 mit Hinweis auf die zahlreichen Wallfahrer, für die die baufällige alte Kirche zu klein sei. Konsens des Salzburger Konsistoriums am 13.2.1719. Erlaubnis zur Grundsteinlegung am 19.5.1719. Neubau 1719/20 durch Wolfgang Dinzenhofer (Dientzenhofer), Maurermeister von Aibling, Zimmermeister war Hans Sagmeister von Nußdorf. Am 30.8.1720 berichtete der Nußdorfer Vikar Johann Joseph Dratner (Drattner), die Kirche sei »schier verfertiget« und bat um die Erlaubnis, »super altare portatile« Messe lesen zu dürfen, die er erhielt, doch war die Kirche nach einem späteren Schreiben erst im Sommer 1722 fertig ausgebaut. Als Hochaltar diente der alte, aber »in bössern Formb gesezt, und schöner geziert«, mit dem alten Marien-Gnadenbild. Die Seitenaltäre St. Joseph (rechts) und St. Anna (links)

waren neu. Weihe am 12.10.1722 durch Franz Adolph Graf von Wagensperg, Bischof von Chiemsee.
Der Stuckator ist unbekannt. Bomhard weist auf die auffällige Verwandtschaft des Stucks mit dem von Götting hin (1723/25 s. S. 162) und nimmt wegen der teilweise identischen Motive und Formen den gleichen - namentlich nicht bekannten - Stuckator an, der im Trupp Wolfgang Dientzenhofers mitgearbeitet haben muß. Neue Einrichtung mit drei Altären und Kanzel zur Säkularfeier 1756.
Die Kirche liegt einsam auf einer Waldwiese an der NW-Seite des Heubergs. LHs zu drei Jochen, Gliederung durch pilasterbesetzte Wandpfeiler, Doppelempore im W, gleichmäßige Belichtung in allen Jochen von N und S. Eingezogener AR zu einem Joch mit dreiseitigem Schluß (außen halbrund), Gliederung durch flachere, pilasterbesetzte Wandpfeiler, Belichtung in den Schlußschrägen. An jeder Seite des Chors schließt eine doppelstöckige Sakristei an. Die Einsiedlerklause liegt in der Nähe der Kirche. Den Weg von Nußdorf nach Kirchwald begleiten die fünfzehn Rosenkranzgeheimnisse. Die Wallfahrt findet vor allem an den drei »Goldenen Samstagen‹ (nach dem 29. September) statt.
Auftraggeber: P. Casimir Weiß, der damalige Eremit von Kirchwald (1710–28), der dem Hieronymitenorden angehörte. Die Baukosten bestritt er zum größten Teil selbst »Dieser hat bey gehörig hohen Obrigkeit um die erledigte Clausen angehalten, und, nach allerseits ausgewirkter Erlaubnis solche bewohnet: er hat auch von seinem väterlichen Erbtheil daselbst nicht nur eine neue Clause neben der Capelle errichtet, und fundiret, sondern überhin nach von hohen Orten ertheilt gnädiger Verwilligung diese Capelle niedergerissen, und mit Beyhülf eines grossen Gutthäters, des Namens Simon Untergruber, Bauer zu Überfültzen allda im Jahr 1720 ein annehmlich und viel weiteres Gotts-Haus erbauet, und mit einigen Stiftungen versehen« (Ursprung ... S. 8 f.). Das Klausnerhaus hatte P. Casimir Weiß 1716 errichten lassen.
P. Casimir Weiß war der Sohn des wohlhabenden Nußdorfer Wirts Georg Weiß (Schneiderwirt) und wurde am 7. 1. 1676 auf den Namen Johann Georg getauft. Er war acht Jahre Eremit in Schwarzlack, wurde 1710 in Freising zum Priester geweiht und starb am 26.7. 1728 in Kirchwald, wo er
Autor und Entstehungszeit: Autor unbekannt, 1720
Das Entstehungsdatum der Dekoration ist durch die Jahreszahl 17/20 gegeben, die das Stifterbild am Chorbogen flankiert. Die Malerei stammt von einem unbedeutenden lokalen Maler. Sie zeigt in der Ausführung der Mariensymbole zwar Verwandtschaft mit Götting, und da der Baumeister vor Kirchwald der gleiche ist wie in Götting, könnte an den gleichen Maler gedacht werden, doch finden sich in den Hauptbildern kaum Übereinstimmungen mit denen in Götting; sie sind von weit geringerer Qualität als diese. Die Darstellung der kleinen Figürchen geht über bäuerliche Votivbildmalerei kaum hinaus, bei den größeren Figuren (C) orientierte sich der Maler offensichtlich an graphischen Vorlagen.
Aus historischen Gründen kommt am ehesten Thomas Urscher in Betracht, der seit 1717 im nahegelegenen Neubeuern ansässig war und im engeren Bereich um Neubeuern viel freskierte; doch arbeitete um 1720 auch noch der gleichnamige Sohn des Malers Joseph Eder in Neubeuern. Eine sicher Zuweisung an einen der beiden Maler ist nicht möglich, zum einen wegen des schlechten Erhaltungszustandes der Fresken zum anderen, weil keine ausreichenden Vergleichsbeispiele erhalten sind.
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs (A–C, a–f) und AR (D, Da–d Stichkappentonne
Rahmen: Einfache Stuckprofile, A und C vierpaßförmig, B rund, D oval; a-f und Da-d Ovalmedaillons in den Stichkappen: fächerförmig umgeben Palmzweige die Medaillons (Form identisch mit der in Götting) und bilden so ornamentale Kartuschen
Technik: Fresko: polychrom
Masse: A Höhe 9,10 m; 2,60 x 2,60
B Höhe 9,10 m; 2,60 x 2,60
C Höhe 9,10 m; 2,60 x 2,60
D Höhe 8,00 m; 2,40 x 2,20
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Die Seitenaltäre wurden 1844 neu gefaßt. 1884 wurde der Innenraum renoviert und erhielt »eine unschöne Farbgebung« (BLfD); die Deckengemälde wurden durch neue Deckenbilder von Joseph Behamgruber aus Oberaudorf übermalt, in den Inschriftkartuschen wurden neue Inschriften angebracht. Die Aufdeckung der originalen Ausmalung und Raumtönung sowie der ursprünglichen Inschriften erfolgte 1956 durch Karl Eixenberger, München, die Restaurierung der aufgedeckten Deckenbilder durch Sebastian Hausinger, München. Der Stuck wurde unter mehreren Tünchschichten freigelegt. 1977 Außenrestaurierung. 1986 Dacherneuerung. Im Rahmen einer Gesamtrestaurierung ab 1992 legte Reiner Neubauer, Bad Endorf, 1993 zunächst eine Musterachse an. Die Fassung des 18. Jh. konnte nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden; bei der neuen Raumfassung orientierte sich Reiner Neubauer
Beschreibung und Ikonographie
Das Marienprogramm des Langhauses ist von der Lauretansischen Litanei bestimmt. Zusammen mit den Medaillons und den Schriftbändern der Engel am Chorbogen bringt es neunzehn Anrufungen. In den drei Hauptbildern wenden sich die Menschen an Maria als »Auxilium Christianorum« (A), »Consolatrix afflictorum« (B) und »Refugium peccatorum« (C). In der Inschrift am Chorbogen Unter deinen Schutz / und Schirm fliehen wir wird das Thema Maria als Schutzherrins noch einmal zusammengefaßt (zur Lauretanischen Litanei s. S. 205ff.).
Die Bilder im Chor beschäftigen sich mit der Unbefleckten Empfängnis Mariens.
A HILFE DER CHRISTEN – AUXILIUM CHRISTIANORUM Ansicht nach W. Inschrift am oberen Rand Du Helfferin der Christen. Bitt für Unß. Das Vierpaßfeld zeigt in Wolken die Muttergottes mit dem Kind. Unter ihr, auf der Erde, tobt eine Schlacht. Von links stürmen die Christen an, meist beritten, mit wehenden Fahnen - z. T. im Harnisch, z. T. in zeitgenössischen Kleidern. Das Heer rechts, durch den Ansturm der Christen in Bedrängnis geraten und schon im Begriff, sich zur Flucht zu wenden, ist durch Turbane, Krummsäbel und Halbmonde auf den Fahnenstangen als türkisches Heer gekennzeichnet.
B TRÖSTERIN DER BETRÜBTEN – CONSOLATRIX AFFLICTORUM Du Trösterin der Betrübten. Bitt für Unß. Maria, in der gleichen Form wie in A, erscheint in Wolken über einer weiten Landschaft. Von der hellen Glorie, die sie umfängt, gehen Strahlen aus und fallen auf die Erde. Dort sind Menschen zu sehen, die in ihrer Not zur Gottesmutter um Hilfe rufen: Im Vordergrund ist ein lichterloh brennendes Haus dargestellt, davor zwei Männer mit weitgebreiteten Armen und weiter im Hintergrund eine kniende Frau. Im Mittelgrund der Landschaft fließt der Inn. Dort ist ein Kahn in Wassersnot: die Insassen rufen Maria um Hilfe an. Am jenseitigen Ufer sieht man links ein Bauerspaar mit flehend ausgebreiteten Armen und rechts ein Bett mit einem Kranken, neben dem eine Frau die Hände im Gebet um Hilfe gefaltet hat. In den Berichten von Wundern, die in Kirchwald geschahen, treten neben Krankenheilungen vor allem Errettungen aus Feuers- und Wassersnot auf.
C ZUFLUCHT DER SUNDER – REFUGIUM PECCATORUM Du bittetest der Sünd, Gott für Unß. (Die Inschrift bezieht sich auf die Anrufung »Zuflucht der Sünder, bitt für uns« und ist wohl verdorben.) In einer von dunklen, grauen Wolkenballen umgebenen Glorie erscheint Christus, in der Rechten das Blitzbündel, mit dem er die sündige Erde strafen will. Maria kniet vor ihm und hält ihm das Skapulier vor Augen, während sie auf die Menschen unten auf der Erde Weist. Dort, in einer Landschaft, die sich sanft bis zu den Bergen im Hintergrund dehnt, sind zwei Menschen zwischen Erlösung und Verdammnis gezeigt. Einer steht und fleht mit erhobenen Händen den Himmel um Hilfe an, der zweite sitzt im Vordergrund und hält einen Rosenkranz. Michael, der Seelenwäge mit dem Flammenschwert, steht links. Seine Waage senkt sich auf der Seite, wo Skapuliere und Rosenkränze in der Wagschale liegen; in der andern Wagschale stellt ein kleines schwarzes Teufelchen die Sündenlast der Menschen dar. Rechts, wo die Landschaft in ein Höllenfeuer übergeht, sind zwei Teufel mit Ketten zu sehen.
a-f LAURETANISCHE MARIENSYMBOLE In den Medaillons der Stichkappen im LHs sind die einzelnen Symbole meist in einer kleinen Landschaft dargestellt. Über den Fenstern sind Inschriftkartuschen; die Inschrift bezieht sich jeweils auf das darüber dargestellte Symbol. Zählung von der NW-Kartusche im Uhrzeigersinn.
a TURM DAVIDS - TURRIS DAVIDICA Auf einer Wiese mit Bergen im Hintergrund steht ein gewaltiger Festungsturm, mit zwei Kanonen bewehrt und von Lanzen starrend. davidischer Thurn / mit waffen versechen / Lass unß o Maria / all darunter bestehen.
b GEHEIMNISVOLLE ROSE – ROSA MYSTICA Rosenstrauch in einem kleinen Beet, im Hintergrund Berge (die Rose wurde bei der Restaurierung sonnenblumenähnlich gestaltet, doch weisen Blätter und Dornen sowie die Inschrift eindeutig darauf hin, daß ursprünglich eine Rose gemeint war). Ein Geistliche Rosen / Maria wirst gnennt / mach daß unser herz / zu gott sich stätts wendt.
c PFORTE DES HIMMELS – JANUA CAELI Das Himmelstor ist von Säulen flankiert und von einem Obelisken bekrönt. Die Torflügel sind halb offen, und man sieht in eine strahlende Helle, wo das Zeichen für den Namen Jesu IHS erscheint. O himmlisch Porten, / so offen thuet stehen / die Mariam lieben, / da können eingehen.
d GOLDENES HAUS – DOMUS AUREA Vor Bergen steht ein großes, zweistöckiges Haus mit ornamental gestalteten Giebeln. Maria man nenet / ein Güldens Haus / Ach schlies doch von disem / uns Sinder nit auß.
e MORGENSTERN – STELLA MATUTINA Landschaft mit Stadt und Bäumen. Im Osten lichtet sich der Himmel über den Bergen. Am Sternenhimmel strahlt ein großer Stern besonders hell. Maria man auch / ainen Morgenstern gleicht / Wür bitten das diser / von unß niemall weicht.
f SITZ DER WEISHEIT – SEDES SAPIENTIAE In drei löwenflankierten Stufen. Über dem Sitz ein pinienbekrönter Baldachin. Der ›Sitz der Weisheit‹, das symbolische V
Bild für Maria als Verkörperung der Gottlichen Weisheit (LCI, Bd 4, Sp. 305) ist als Thron Salomons dargestellt: »Dann ließ der König einen großen Thron aus Elfenbein anfertigen und mit Feingold überziehen. Sechs Stufen waren an dem Thron, Stierköpfe hatte der Thron oben rückwä Seiten waren am Sitz Armlehnen, und neben den Armlehnen standen zwei Löwen. Auf den sechs Stufen standen zu beiden Seiten zwölf Löwen« (3 Reg 10,18–20). o Siz der Weisheit / du Salomons Thron / erhalt fir uns alle / Bey Christo Pardon.
Am Chorbogen sind zehn Engel dargestellt, die in Schriftbändern zehn Anrufungen Mariens aus der Lauretanischen Litanei vorweisen (von den Anrufungen als Mutter fehlt nur »Mutter des guten Rates - Mater boni consilii«). Muetter Christi - Mater Christi; Muetter der göttlichen gnaden - Mater divinae gratiae; Allerreinste Muetter - Mater purissima; Allerkeuscheste Muetter - Mater castissima; Unversehrteste Muetter - Mater inviolata; du unbefleckte Muetter - Mater intemerata; du liebliche Muetter - Mater amabilis; du wunderbarliche Muetter - Mater admirabilis; Muetter unseres Schöpfers - Mater creatoris; Muetter unseres Erlösers - Mater Salvatoris (Abb. S. 321).
sind. Schön weiß in der Schallen / daß perl thuet prangen / Also Auch Rein / ist Maria Empfangen. »Petrus l'Abbe Mariam Virginem sine labe originaria conceptam, margarithae symbolo repraesentavit; quae in conchae utero recumbens, epigraphen habui; INTRA UTERUM JAM PURA FUI« (Picinelli, Lib. XII, Nr. 245, s.v. margarita).
Dd LORBEER Zwischen zwei toten Bäumen, die von Blitzen getroffen sind, steht hochaufgerichtet der unverletzte Lorbeerbaum. Andere zertrimert, der Lorbeer frey geht / Allein Maria ganz / ungeschwecht steht. Das Emblem beschreibt Picinelli: »Laurus undique virescens, pulchra, & inter complures arbores, fulmine prostratas, epigraphen tenet; INTACTA TRIUMPHAT. Mariam Virginem, inter omnes creaturas solam nullius peccati fulmine temeratam, haec imago spectat« (Lib. IX, Nr. 205, s.v. laurus).
Das Portal, das von der Vorhalle im Westen in das Kircheninnere führt, ist von einer breiten hölzernen Rahmung umgeben, die wohl zur Säkularfeier 1756 angefertigt wurde. Auf ihr ist die Gründungsgeschichte von Kirchwald dargestellt und mit ausführlichen Inschriften erklärt.
Die Kirche hat drei Altäre. In der Mittelnische des Hochaltars hängt, von geschnitzten und vergoldeten Strahlen umgeben das Gnadenbild Maria Schnee. Im Auszug ist ein Bild des Eremiten Franz von Paula (Joseph Anton Höttinger zugeschrieben). Als Seitenfiguren erscheinen Franz von Assisi und Antonius von Padua, Arbeiten des Rosenheimer Bildhauers Jakob Dibeller.
Der nördliche Seitenaltar ist der hl. Anna geweiht, das Altarbild ist nazarenisch (Anna lehrt Maria), das Auszugsbild zeig die Heimsuchung. Die Seitenfiguren, Barbara und Katharina sind wie die Seitenfiguren des zweiten Seitenaltars wohl vor Dibeller. Der südliche Seitenaltar, der Josephsaltar, hat ebenfalls ein nazarenisches Altarblatt (Joseph mit dem Jesuskind) der Auszug zeigt die Taufe Jesu (beide Auszugsbilder stammen wohl von 1756). Die Seitenfiguren stellen die Pestheiliger Sebastian und Rochus dar.
Quellen und Literatur
AEM, Pfarrakten Nußwald, Pfarrbeschreibung; Bauten II; Filiale Kirchwald: Entstehung der Klause, Erweiterung und Konsekration der Kirche; Verlassenschaft des Eremiten Casimir Weiß.
AEM, Kunsttopographie des Erzbistums München und Freising, Dekanat 39/Inntal, Pfarrei Nußdorf am Inn, Wallfahrtskirche Kirchwald (Peter von Bomhard und Georg Brenninger).
BLfD, Akt Kirchwald, Wallfahrtskirche Maria Heimsuchung.
Gumppenberg, P. Wilhelm SJ, Marianischer Atlaß. Vom Anfang und Ursprung zwölffhundert wunderthätiger Maria-Bilder (Übersetzung des Atlas Marianus, München 1672, von P. Maximilian Wartenberg SJ), München 1673, Bd 2, Nr. 554, S. 302 f.
Ursprung, Aufnahm und Fortpflanzung des marianischen Gnadenbildes am Kirchwald in dem Vicariat Nußdorf, Landes Baiern ..., München o.J. (um 1770).
Dachauer, Sebastian, Chronik von Brannenburg und den nächsten Orten der Umgebung, in: OAVG 4, 1843, S. 326–28. Kalender für katholische Christen 23, 1863, S. 51–56: Denkwürdigkeiten aus Bayern. II. Der Kirchwald in der Pfarrei Nußdorf.
Mayer-Westermayer, Bd 2, S. 760
Gierl, Johann von Gott, Geschichtliches aus den Nußdorfer Matrikeln, in: Das Bayerische Oberland am Inn 2, 1903, S. 39–44.
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Wenig, Anton, P. Casimir Weiß von Kirchwald, in: Inn-Oberland 8, Rosenheim 1921, Nr. 4.
Mayer, Franz Seraph, Kirchwald im Inntal (gekürzte Veröffentlichung eines Manuskripts von 1841/43), in: Inn-Oberland 8, Rosenheim 1921, Nr. 4.
Gartner, Anton und Hugo Schnell, Nußdorf am Inn (= KKI Nr. 165), München 1936, S. 9–11.
Dürnegger, Josef, Nußdorf. Ein kulturgeschichtlicher Beitrag, Törwang 1951, S. 61–80.
Leiß, August, Einsiedler und ihre Kirchen im Inntal, in: Heimat am Inn 1951, Nr. 8, S. 50 f.
Bomhard, Bd 1, S. 338–43, 433 f., 461 (noch vor der Wiederaufdeckung der Fresken).
Kriß, Rudolf, Die Volkskunde der altbayerischen Gnadenstätten Bd 1, München-Pasing 1953, S. 230f.
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Historischer Atlas I, Bd 38 Rosenheim. Die Landgerichte Rosenheim und Auerburg und die Herrschaften Hohenaschau und Wildenwart (Gertrud Diepolder, Richard van Dülmen und Adolf Sandberger), München 1978. Kirchwald 5. 52.
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