Kirchloibersdorf, Filialkirche St. Petrus
Filialkirche, Pfarrei St. Leonhard am Buchat (Pfarrverband Schnaitsee), Gemeinde Babensham, Erzdiözese München und Freising; z.Z. der Ausmalung war Kirchloibersdorf eine der zehn Filialen der großen und bedeutenden Pfarrei Schnaitsee, Erzdiözese Salzburg, Archidiakonat Baumburg. Gericht Kling
Patrozinium: St. Petri
Zum Bauwerk: Spätgotischer Bau anstelle einer älteren hölzernen Kirche, geweiht 1445 durch den Salzburger Weihbischof Berchtold. Neuer Hochaltar 1664. Beim Brand 1665 wurden der Turm schwer beschädigt, das Langhausdach und zwei Altäre zerstört; in der Folge Erneuerung des Innern mit Abschlagen der Gewölberippen. 1720 Neudecken und Ausbesserung des Turms, des Kirchendachs und der Totenkapelle auf dem Friedhof. 1740 Arbeiten an Glockenstuhl und Portaldachung, Friedhofsmauer und Totenkapelle. 1744 wurde die Kirche durch den Gerichtsmaurermeister Wolf Ganterer von Babensham in einem für 1744 altertümlichen und dürftigen Rankenwerk stuckiert (vgl. Straßkirchen 1732, S. 494; Leonhardspfunzen 1733/36, S. 343; Berg bei Schnaitsee, CBD Bd 11, S. 45 und Hirnsberg 1743, S. 259). Neben baulichen Veränderungen an Sakristei und Empore wurde damals auch der Hochaltar restauriert und Deckenbilder angebracht. Dem 1785 drohenden Abriß widersetzte sich die Gemeinde. 1843 Verlegung der Sakristei an die Ostseite, des Portals von Süden nach Westen.
Die Seitenaltarblätter stammen von Marcus Held, Maler aus Teisbach (signiert MarCVs heLD In teIspaCh pInXIt = 1769; Johann Markus Held, * 1743 Amerang † 1772 Teisbach war Sohn des Malers Simon Held aus Amerang im Gericht Kling). Saal zu drei Jochen mit Pilastergliederung, Empore im W,
Belichtung von S in den beiden östlichen Jochen. Eingezogener AR zu zwei Jochen mit dreiseitigem Schluß; Pilastergliederung, Gestaltung der Apsiswölbung durch eine große stuckierte Muschel; Belichtung von S durch ein Fenster im östlichen Joch und zwei Fenster in den Schlußschrägen.
Auftraggeber: Johann Michael Freundt, Pfarrer von Schnaitsee (1734–47). Die Barockisierung ist in den (vollständig erhaltenen) Kirchenrechnungen nicht erwähnt. Ein Repertorium des Pfarrarchivs Schnaitsee aus dem 19. Jh. (AEM, Pfarrbeschreibung Schnaitsee) nennt ein »Verzeichnis der Ausgaben des Pfarrers Freundt, welche derselbe zur Verschönerung der Filialkirche Loibersdorf aufgewendet hat«. Dieses Blatt ist erhalten (AEM): »Was zu den würdigen SS. Petri und Paul Gottshaus von meinem Gelt angewandt. Ao 1744 ... Das Gottshaus ausstuckhadoren zu lassen, dem Maurermaister accordiertermassen 115.-... Die 3 Feldungen im Gewölb auszumahlen dem Mahler 30 f.- ... Dem Mahler 6 geschnitne Bilder zu verneyen (Fassung der Statuen erneuern)«. Außer der nötigen Maurer- und Zimmererarbeiten bezahlte Freund auch zwei Seitenaltäre und die Renovierung des Hochaltars. Er wendete im Ganzen für Kirchloibersdorf 538 fl. auf.
1844 schreibt Pfarrer Bauer von Schnaitsee: »Dieser Pfarrer (Freundt) hat sich vorzüglich um die Kirchenzierde thätigst angenommen, und darauf von seinem eigenen Säckl sehr viel verwendet. Zur Verschönerung der Pfarrkirche gab er nach und nach aus 732 fl. 20 kr., für Berg (wo sich der Pfarrhof von Schnaitsee befand) 818 fl. 43 kr. und für Loibersdorf 526 fl. 12 Kr.«.
Johann Michael Freundt, Salzburgischer Geistlicher Rat, war schon über 60 Jahre alt, als er wegen Schwierigkeiten mit dem Pflegskommissar des Gerichts Eggenfelden, wo Freundt in Zeitlarn sieben Jahre Pfarrer gewesen war, nach Schnaitsee wechselte. Er hatte sich nach eigenen Aussagen (AEM, Investituren) schon in Zeitlarn mit Erfolg für die Verschönerung der Kirchen eingesetzt. Seine Zeit in Schnaitsee war überschattet vom Österreichischen Erbfolgekrieg, unter dem das Gericht Kling sehr zu leiden hatte. Lange Zeit standen für Reparaturen und Verbesserungen an landgerichtlichen Kirchen so gut wie keine Mittel zur Verfügung. So blieb dem Freund der Kirchenzier nur der Ausweg, sie selbst zu finanzieren.


Das Augustiner-Chorherrenstift Au am Inn (Lkr. Mühldorf), das in Loibersdorf ein Sommerschlößchen besaß, hatte mit der Barockisierung nichts zu tun.
Autor und Entstehungszeit: Zuweisung an Johann Georg Schrott (* Braunau † 1762 Wasserburg) 1744.
Johann Michael Freundt, Pfarrer von Schnaitsee, nennt in seinen Verzeichnissen (s.o.) den Namen des Freskanten von Kirchloibersdorf nicht, doch er beschäftigte in den zwölf Kirchen, die ihm anvertraut waren, fast ausschließlich Johann Georg Schrott, der seit 1717 im nahegelegenen Wasserburg als Bürger und Maler ansässig war.
In Frage kommt auch Franz Krenzner, der Mesner und Maler aus Prutting im Gericht Kling. Von ihm sind mehrere Freskierungen im Gericht überliefert (wenn auch nicht erhalten) und er arbeitete mehrfach mit Wolf Ganterer zusammen. Das einzige erhaltene Werk, das von Bomhard (Bd 1, S. 351) aufgrund der historischen Gegebenheiten mit Krenzner in Verbindung gebracht wird, ist die Ausmalung von Leonhardspfunzen 1733 (S. 343).
Ein Vergleich mit diesen stark überarbeiteten Fresken läßt einen gemeinsamen Autor für Leonhardspfunzen und Kirch- loibersdorf immerhin möglich erscheinen. Daß Krenzner als Mesner von Prutting wegen seiner Amtspflichten ausschließlich an den engeren Pruttinger Bereich gebunden gewesen sei, ist kein Gegenargument, da Krenzner als Mesner schon 1738 in Austrag ging, als Maler aber weiter tätig blieb.
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs (A und B) und AR (C) verschliffenes Kreuzgewölbe mit Stichkappen. Stuckprofil
Technik: Fresko; polychrom
Maße: A Höhe 8,35 m; 2,60 × 2,60
B Höhe 8,35 m; 2,60 × 2,60
C Höhe 8,20 m; 2,60 × 2,10
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Reparaturen an Dach und Außenbau 1865. 1884 war eine Gotisierung geplant, die aus Geldmangel unterblieb. Bei der Renovierung des Innern 1890 (Inschrift am Chorbogen Renovirt 1890) handelte es sich um die Erneuerung der »gänzlich herabgekommenen« und verwahrlosten Kirche durch den Schnaitseer Maler Sebastian Ametsberger nach Plänen von Georg Hauberrisser, München: Renovierung der Einrichtung, farbige Fassung und teilweise Vergoldung des Stucks, mehrfarbige Fassung der Raumschale. »Im Gewölbe des Presbyteriums das Freskobild des hl. Petrus mit zwei Engel welches durch schadhafte Mauer theilweise ganz herunter gefallen neuzumalen 105 Mark. Im Mittelschiff des Gewölbes 2 Bilder 6 qm, aus der Lebensgeschichte des hl. Petrus mit 4-5 Figuren zu restaurieren 80 Mark« (StAM, LRA, mit mehreren Entwürfen).
Als 1989 eine Innenrestaurierung ins Auge gefaßt wurde, war der ganze Kirchenraum in sehr schlechtem Zustand und verschmutzt; in allen drei Deckenbildern waren Längsrisse, teilweise Feuchtigkeitsschäden. Die geplante gründliche Innenrestaurierung fand nicht statt, wohl aber eine Reinigung des Raums. Die Farbigkeit der Deckenbilder ist erstaunlich frisch und gut erhalten.
Beschreibung und Ikonographie
A PRIESTER ALS SEELENFISCHER Ansicht nach W. In einer weiten Meereslandschaft mit bergigem Ufer im Hintergrund nimmt ein Schiff den Bildmittelgrund ein. Links rudert Petrus; ihm gegenüber, am Bug des Schiffes, sitzt Christus und hat die Rechte segnend erhoben. Im Schiff sitzen vier Priester. Die beiden vorderen werfen ein Netz aus und fangen Fische. Sie haben unverkennbar porträthafte Physiognomien. Es ist anzunehmen, daß sich der Stifter der Ausstattung Johann Michael Freundt, der Pfarrer von Schnaitsee, in dem weißhaarigen Priester (er war z.Z. der Ausmalung schon 70jährig) hier zusammen mit Geistlichen seiner Pfarrei darstellen ließ.
Das Bild basiert auf der Szene der Berufung Petri (Mt 4,19), wo Jesus zu Petrus und seinem Bruder Andreas sagt: »Ich will Euch zu Menschenfischern machen«, ein Wort, das hier auf die Priester bezogen ist.
B SCHLÜSSELÜBERGABE AN PETRUS In bergiger Landschaft ragt hinten ein steiler Berg auf, der von einer Kirche gekrönt ist. Diese Kirche hat einen Chor in Form eines strahlenumgebenen Rundtempels mit Laterne und abschließendem dreifachen Kreuz, Symbol der katholischen Kirche. Davor steht auf einem Hügel Christus und überreicht Petrus die Schlüssel, indem er auf die Kirche im Hintergrund weist. Etwas tiefer als Petrus knien fünf junge Priester und verfolgen die Szene mit Gesten der Andacht und Devotion. Die Worte Jesu bei der Schlüsselübergabe (Mt 16,19) »Ich will Dir die Schlüssel des Himmelreiches geben: Was Du auf Erden bindest, wird auch im Himmel gebunden sein, und was Du auf Erden lösest, wird auch im Himmel gelöst sein« wird damit auf die Priester und ihr Amt bezogen.
Auch hier bemühte sich der Maler sichtlich um Individualisierung in den Gesichtszügen. Er stellte nicht Priester allgemein, sondern bestimmte Personen dar. Am Hinterkopf des jungen Priesters im Vordergrund sieht man die Tonsur, die für Kleriker obligatorisch war, in der seit dem 16. Jh. üblichen Form einer kleinen kreisrunden Kahlstelle
Wie in A sind wohl auch hier Geistliche der Pfarrei Schnaitsee dargestellt. Das waren um 1744: Adam Stuhlhuber, Benefiziat in Schnaitsee (1732-61); Johann Anton Rieder, Benefiziat von St. Leonhard; Johann Georg Mieser, Expositus in Durrhausen, der Stephanskirchen und Kirchensur betreute; und Johann Georg Hebenstreit, Kooperator in Schnaitsee, dem die Filialen Kirchloibersdorf und Tötzham anvertraut waren (er wurde später Pfarrer in Babensham). Die jungen Koadjutoren wechselten häufig (zur Reihenfolge der Geistlichen s. AEM, Bauer 1844).
C GLORIE DES HL. PETRUS (Ametsberger 1890, s. Erhaltungszustand) Petrus thront in Wolken; erhält zwei große Schlüssel als Attribut. Zwei Engel zu seinen Seiten weisen das umgekehrte Kreuz, das Instrument seines Martyriums, sowie Mitra und Stab mit dem dreifachen Kreuz als Hinweis auf seine päpstliche Würde vor. Das ursprüngliche Fresko, 1890 »teilweise ganz heruntergefallen« und von Sebastian Ametsberger erneuert, zeigte wohl die gleiche Darstellung.
An der Emporenbrüstung befinden sich elf Ölbilder auf Leinwand mit Szenen aus dem Leben des hl. Petrus. Für 1744 sind zwar auch Bauarbeiten an der Empore überliefert (s. o.), doch sind die Bilder für das mittlere 18. Jh. doch wohl zu altmodisch. In der Aufstellung des Pfarrers Freund sind die Emporenbrüstungsbilder nicht genannt.
Annähernd chronologischer Ablauf der Szenen von links nach rechts: Petrus und seine Brüder beim Fischfang; Berufung Petri; Schlüsselübergabe; Verklärung Christi; Christus wäscht Petrus die Füße; Predigt Petri (Mitte); Heilung des Lahmen; Verleugnung Petri (im Hintergrund) und Reuiger Petrus; Bekehrung und Taufe des Cornelius; Befreiung Petri aus dem Kerker; Kreuzigung Petri.
Quellen und Literatur
StAM, Geistlicher Rat, Kirchen- und Stiftungsrechnungen, Kirchenrechnungen Gericht Kling.
StAM, Rentamt München, Unterbehörden, Kirchenrechnungen Gericht Kling, 1700–1800.
StAM, LRA 47632: Restaurierung 1890/91.
StAM, Pfarrakten Schnaitsee, Pfarrbeschreibung: Ms von Franz Bauer, Pfarrer in Schnaitsee, 1844 »Reihenfolge der Pfarrer von Schnaitsee«, das auch Benefiziaten, Expositi und Kooperatoren nennt; Investituren 1537–1805: Pfarrer Freundt 1734; Resignations- und Verlassenschaftsakten: Pfarrer Freundt 1747; Bauten II: Reparaturen des 19./20. Jh.;
Filiale Kirchloibersdorf: bei den Jahrtagsstiftungen das Blatt Freundts: »Was zu dem würdigen SS. Petri und Pauli Gottshaus von meinem Gelt angewandt. Ao 1744«. BLfD, Akt Kirchloibersdorf, Filialkirche St. Petrus.
Lechner, Joseph, Versuch einer beurkundeten Darstellung des Kirchenwesens in Baiern, Salzburgischen Diözese-Antheiles. Von den ersten Spuren des Christenthumes daselbst bis auf unsere Zeiten. Aus dem Baumburgischen Archidiakonal- Archive bearbeitet von Joseph Lechner, Salzburg 1810: Schnaitsee S. 226–31, 326.
Mayer-Westermayer, Bd 2, S. 702
KDB I OB (3), S. 2008
Braun, Michael, Beiträge zur Geschichte der Pfarrei Schnaitsee, Schnaitsee 1928. 8. Kirche St. Peter zu Loibersdorf, S. 115–18.
Historischer Atlas I, Bd 15, Die Landgerichte Wasserburg und Kling (Tertulina Burkard), München 1965, S. 153, 251. Dehio 1990, S. 534f.