Kirchberg an der Jagst, Gartenhaus Hochheimer Tischbeinhäuschen

Seeger, Ulrike:Kirchberg an der Jagst, Gartenhaus Hochheimer (Tischbeinhäuschen), in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2025, URL: www.deckenmalerei.eu/67230ffa-676a-4900-b45c-5d446da259e5

Inventarnummer: cbdd20188

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Das 1968 translozierte, vermutlich von Johann Valentin Tischbein um 1755 ausgemalte Gartenhaus, gehörte 1753 dem Hofrat und Musikdirektor von Hohenlohe-Kirchberg Johann Philipp Hochheimer (1717–1781). Dargestellt sind Ideallandschaften, Jahreszeitallegorien und als Signatur (?) eine Kuchenbäckerin.

Das Gartenhaus von Johann Philipp Hochheimer in Kirchberg an der Jagst

 

Benennung und Translozierung des Gartenhauses

Das im CbDD nach seinem Auftraggeber Johann Philipp Hochheimer benannte „Gartenhaus Hochheimer“, ist in Kirchberg an der Jagst unter dem Namen „Tischbeinhäuschen“ bekannt. Es handelt sich um ein im Inneren ausgemaltes Gartenhaus aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Es befand sich ursprünglich im Garten des Anwesens Lendsiedlerstraße 2.[1] 1968 wurde es abgetragen, restauriert und an der Nordflanke von Schloss Kirchberg am Neuen Weg neu errichtet.[2]

Zuweisung an den Auftraggeber Hofrat Johann Philipp Hochheimer (1717–1781)

Auftraggeber des Gartenhauses war Johann Philipp Hochheimer (1717–1781), Sekretär und Expeditionsrat am Hof von Graf Carl August von Hohenlohe-Kirchberg (1707–1767), der seit 1737 als Graf, seit 1764 als Reichsfürst regierte.[3] Die Zuweisung basiert auf einer Notiz des Hohenloher Archivars Joseph Albrecht (1803–1871) aus den 1860er Jahren.[4] Unter der Überschrift „Tischbein“ vermerkte er: „In dem zur Zeit – 186[0er] – der Frau Forstmeister Bosch, Wtb, früher ihrem Vater, Hofrath Hammer[5] und noch früher dem Rath Hochheimer gehörigen Garten, steht ein Häuschen, das mit Landschaften von Tischbein bemalt ist. Auch die Innenseite der Thüre ist von demselben gemalt.“ [6]

Glücklicherweise hat Joseph Albrecht die Malereien in ihrem Sujet knapp benannt, denn in dem Areal, in dem das Gartenhaus Hochheimer damals stand, gab es offenbar mehrere solcher kleinen Gartenhäuser. Hermann Heuß schrieb 1937: „Der dritte Abschnitt (des Hofgartens) senkt sich mit knapper Drehung und Verschiebung der Achsen jäh nach Südwesten, niedere Futtermäuerchen bändern mehrfach den sonnigen Hang. In leichter Verwahrlosung erzählen heute noch niedliche Gartenhäuschen von der heiter schmückenden Kunst der Tischbeins.“[7]

Die Landschaften und insbesondere die Erwähnung der bemalten Innenseite der Tür erlauben es, Joseph Albrechts Beschreibung auf das translozierte Gartenhaus zu beziehen. Zudem konnte Grete Gonser die von Albrecht genannten Besitzer in alten Lagerbüchern des Hohenlohe-Zentralarchivs lückenlos nachweisen. 1753 ist Hofrat Hochheimer bezeugt.[8] Hofrat Hammer folgte 1798, Familie Bosch 1847, Familie Sandel 1907, Präzeptor Schäfer 1915 und Familie Wider als letzte Besitzerin des Gartenhauses 1968.[8]

Johann Philipp Hochheimer wurde 1717 in Langenburg als Sohn des dortigen Kanzlei- und Konsistorialrats Georg August Hochheimer (gest.1747) geboren.[9] Ab 1735 studierte in Leipzig, wo er Johann Sebastian Bach persönlich erlebt haben soll. Er spielte Cembalo und leitete am Kirchberger Hof die Musikaufführungen.[10] Im Jahr 1745 übernahm er die Patenschaft von Johann Valentin Tischbeins erstem Sohn Johann Ludwig Philipp.[11]Am 16. Mai 1747 scheint er einer vierseitigen Druckschrift zufolge in Kirchheim geheiratet zu haben.[12]

Beschreibung und ursprünglicher Gartenkontext

Das Gartenhaus präsentiert sich heute als rechteckiges eingeschossiges Fachwerkhaus mit dreiachsiger Eingangsfront und ansonsten nur einem Fenster in jeder weiteren Wand. An der Eingangsseite flankieren zwei Fenster die zentrale Tür.

Das Haus wird von einem ziegelgedeckten Walmdach mit leicht geschweiften Graten überfangen. Einer Fotografie des Gebäudes vor seiner Translozierung ist zu entnehmen, dass es damals ein provisorisch wirkendes, kaum ursprüngliches Flachdach besaß.[13] Nach Abnahme der bemalen Holzverkleidung im Inneren kam die Fachwerkkonstruktion der Wände zum Vorschein.[13]

Der Heimatdichter Georg Harro Schaeff-Scheefen (1903–1984) überlieferte den ursprünglichen Kontext des Gartenhauses im Anwesen Lendsiedlerstraße 2. Im Jahr 1970 erinnerte er sich: „Ein Garten samt Häuschen besonderer und künstlerisch bemerkenswerter Art war bis vor einigen Jahren an das Südostende des hiesigen ehemals fürstlichen Hofgartens angrenzend [...] der sogenannte Präzeptors-Garten [...]. Das Grundstück war noch vor einigen Jahren deutlich als geometrische Gartenanlage mit genauer Einteilung [...] erkennbar.“[14]

„Der Hauptweg führte vom Eingang auf ein Häuschen zu, das am Südende stand. Es war ein kleiner Bau in Fachwerk und hatte ein barockes Dach. Die große Überraschung im Inneren war jedoch, daß die Holzwände mit großen Ölgemälden bemalt waren, die allerdings sehr vernachlässigt waren. Wie überhaupt der Innenraum in einem verwahrlosten Zustand war, es wurde Holz gelagert und sonstige Gartenutensilien dort aufbewahrt. Das Häuschen war so baufällig, daß es über kurz oder lang eingestürzt wäre.“[14]

Das heutige Grundstück Lendsiedlerstraße 2 war auf dem 1747 von J. Z. Krieg gefertigten Plan der Residenzstadt Kirchberg noch nicht bebaut.[15] Es hat den Anschein, als habe Hochheimer von seinem Dienstherrn ein Stück des unteren, nicht mehr formal angelegten Hofgartens überlassen bekommen.

Das Innere des Gartenhauses

Es handelt sich um einen rechteckigen Raum mit umlaufenden Lambris. Die heutige flache Holzdecke wird durch Leisten in große Felder unterteilt. Die Wandvertäfelung setzt sich aus breiten, im Hochformat nahtlos aneinandergefügten Tafeln zusammen.

Zuweisung der Malereien an Johann Valentin Tischbein

Zuweisung an den Maler Johann Valentin Tischbein (1715–1768)

Johann Valentin Tischbein wurde 1715 im ehemaligen Kloster Haina südwestlich von Kassel geboren.[16] Sein Vater war Klosterbäcker und Klosterschreiner. Er war eines von neuen Kindern, von denen die meisten Maler wurden.

Seine Ausbildung erhielt Johann Valentin in Frankfurt am Main als Tapetenmaler. Daneben sammelte er Erfahrung im Porträt, der Landschaft, der Perspektive und im Stillleben.[17] 1744 wurde er von seinem damaligen Wirkungsort Laubach bei Gießen, wo er als Hofmaler des Grafen zu Solms-Laubach angestellt war, abgeworben und als Hofmaler in Kirchberg an der Jagst verpflichtet.[18]In Kirchberg stand damals die innere Ausgestaltung des von Leopoldo Retti modernisierten Residenzschlosses an. Der zugehörige Vertrag vom 1. Januar 1744, zu dem Tischbein eine ausführliche Vorlage lieferte, hat sich erhalten.[19]

1750 verließ Johann Valentin Kirchberg zuerst nach Maastrich, dann Den Haag.[20] Zwar hielt er sich in den folgenden 10 Jahren vorwiegend in Holland auf, doch entstanden während dieser Zeit „immer wieder Bilder für Kirchberg, z. B. das des jüngsten Sohnes von Carl August oder Tischbeins Selbstbildnis von 1755, das heute in Neuenstein hängt.“[21] Erst 1761 entstanden die letzten datierten Bilder für Kirchberg.[22] Offenbar hielt Tischbein von Holland aus Kontakt zu seinem vorherigen Wirkungsort, was seine Urheberschaft in dem ja erst 1753 für Hochheimer bezeugten Gartenhaus möglich erscheinen lässt.

Nicht unwesentlich spricht für Johann Valentin Tischbein als Urheber der Wandmalereien, dass dieser für Graf Carl August von Hohenlohe-Kirchberg auch als Ornamententwerfer hervorgetreten ist. Überliefert sind Entwürfe für Treppengeländer, Türrahmen, Tapeten, Tapeteneinfassungen und Stuckdecken.[23] Folgerichtig hat an der inneren Ausgestaltung des Gartenhauses die fingierte Stuckrahmung mit bewegter Rocaille einen großen Anteil.

Mögliche Datierung der Wandmalereien um 1755

Gestützt wird die Ausmalung des Gartenhauses möglicherweise 1755 durch Johann Valentin Tischbein durch die zwischen Hochheimer und Tischbein bestehende „wahre“ Freundschaft. Sie ist nicht nur durch die oben erwähnte Patenschaft Hochheimers von Tischbeins Sohn im Jahr 1745 belegt, sondern bereits im August 1744 anlässlich von Tischbeins Hochzeit, die im Herkunftsort seiner Ehefrau Maria Margarete Dieffenbach, Kirchberg in Hessen, vollzogen wurde.[24]

Hochheimer verfasste damals eine achtseitige Schrift zur Jugend als dem einzigen wahren Grund einer beständigen Liebe, was er als „wahrer Freund“ anlässlich der Hochzeit Tischbeins zu behaupten versuche.[25] Die Schrift wurde 1744 in Gießen gedruckt. Es ist also gut möglich, dass Tischbein bei seinen Besuchen in Kirchberg nicht nur Aufträge für seinen ehemaligen Arbeitgeber, sondern auch für seinen dortigen „wahren“ Freund wahrnahm.

Die Möglichkeit, dass Johann Valentins jüngerer Bruder Anton Wilhelm Tischbein (1730–1804), der seinen großen Bruder 1744 nach Kirchberg begleiten durfte und bei ihm zum Maler ausgebildet wurde, die Malereien des Gartenhauses angefertigt hat, scheidet nach Ansicht der Autorin aus.[26]Anton Wilhelm begleitete seinen Bruder nach Holland, wo er sich 1753 an der Akademie in Den Haag einschrieb.[27] Auch er müsste für die Ausmalung des Gartenhauses aus Holland zurückgekehrt sein.

Im Dehio-Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler wird ebenfalls Johann Valentin Tischbein als Maler des Gartenhauses vermutet.[28] Die dortige, in Anbetracht der Ornamentik sicher zu frühe Datierung in die 30er/40er Jahre entstand noch ohne Kenntnis der erst 2008 von Grete Gonser recherchierten Archivalien sowohl zur Besitzgeschichte des Gartenhauses als auch zur Anstellung von Tischbein in Kirchberg an der Jagst.[28] Stilistisch sind die Rocaillen der fingierten Stuckrahmen gut mit einer Entstehungszeit um 1755 zu vereinbaren.

Die Ideallandschaften an den Wänden und das Türblatt

Ideale Landschaften mit bäuerlicher Staffage

Die Landschaftsgemälde malte Tischbein in der Art von Tapisserien jeweils über zwei Wände hinweg. Sie werden von schmalen goldenen Leisten mit Blattagraffen in den Ecken gerahmt. Konzeptionell changieren sie zwischen Tapisserien, großen in Gold gerahmten Gemälden und Landschaftsausblicken. Der Aspekt eines imaginären Ausblicks in die Landschaft wird zwar nicht durch eine scheinarchitektonische Balustrade oder gar Loggia gestützt. Er trägt aber dennoch wesentlich zur Aufweitung des kleinen Innenraums bei.

Bei den Landschaften handelt sich um zwei große und eine kleine Ideallandschaft mit bäuerlicher Staffage. Eine Sonderstellung nimmt das Wandgemälde mit einem höfischen Garten ein. Da die Beschreibung der Wandgemälde linker Hand des Eingangs beginnt, um im Uhrzeigersinn weitergeführt zu werden, steht das Gemälde mit dem höfischen Garten am Anfang.

Ikonographische Sonderstellung der Bemalung des Türblatts

Ebenfalls eine Sonderstellung nimmt das innere Türblatt ein mit einem Blumenstrauß und einem Kücheninterieur jeweils in einer fingierten Nische ein. Beide Bilder scheinen besondere Bedeutung zu haben. Wie unten ausgeführt wird, könnte der Blumenstrauß mit kniendem Putto für Freundschaft, das Kücheninterieur, in dem eine Frau einen Teig auswellt, auf Tischbeins Herkunft aus einem Bäckerhaushalt anspielen.

Blick in einen höfischen Garten

Über ein im Vordergrund angeschnittenes Blumenparterre schweift der Blick über eine niedrige Balustrade in ein weiteres Parterre, dessen Mitte eine Fontäne mit vielleicht einem Faun neben einer Wasserpflanze einnimmt. Zwischen den beiden Parterres vermittelt eine flache Treppe, flankiert von Herkules und vielleicht Apoll (mit Hut?). Das zweite Parterre wird von Arkadengängen gerahmt, hinter denen Zypressen hochragen. Als Point de vue dient ein Pavillon mit rotem Dach in einem dritten, nochmal erhöht liegenden Gartenteil.

Der mit mehreren Parterres, Skulpturenprogramm und Wasserspielen eindeutig höfische Garten wird von mehreren Personen belebt. Prominent kommt dem Betrachter ein Paar entgegen. Die Dame im roten Rock schützt sich mit einem Sonnenschirm und scheint ihren Begleiter mit einer Handbewegung zurückzuweisen. Der Herr im blauen Justaucorps, in Kniebundhose und weißen Strümpfen, mit schwarzen Dreispitz, Degen und einem Spazierstock ist ihr zugetan.

Landschaft mit Wanderern und Brücke zu einer Insel
 

In einer breitformatigen Seenlandschaft, an deren Ufer links im Bild als Rückenfigur ein Wanderer mit Rucksack zu sehen ist, ragt in der rechten Bildhälfte eine Insel mit einem von Efeu überwucherten Rundturm hervor. Zur Insel führt eine hölzerne Brücke, die ein Wanderer mit Stab und Bündel im Begriff ist, zu überschreitet. Er hat den Kopf zur Seite gedreht und wird von einem Hund angebellt. Am rechten Bildrand, in der Mitte und am linken Bildrand wachsen Bäume als rahmende Elemente und Repoussoirs.

Landschaft mit Angler, Jäger und Vogelfangvorrichtung am Fischteich

Im Zentrum der breitformatigen Landschaft liegt ein Fischteich, an dessen Ufer ein als Rückenfigur zu sehender Mann seine Angel ausgeworfen hat. In der linken Bildhälfte führt ein Weg zu einem Steinhaus, vor dem eine Vorrichtung zum Vogelfang steht. Am rechten Bildrand kniet ein Jäger, während er mit einer Flinte auf einen fliegenden Vogel zielt.

Landschaft am Seeufer mit Baum

Das Hochformat zeigt hinter einem im Vordergrund auf einer Erhebung stehenden Baum einen See und dahinter das Ufer mit Häusern.

Das Türblatt mit Blumenstrauß und Kuchenbäckerin

Das Türblatt bemalte Tischbein in der unteren und in der oberen Füllung mit je einer illusionistischen Nische. In der oberen Nische steht ein goldener Pokal mit Rocaillefuß, in dem ein Blumenstrauß mit seitlich überhängenden Blüten steht. Ein links daneben kniendes nacktes Kind pflückt eine rote Blüte vom herabhängenden Stängel. Auf der rechten Seite liegt eine rote Rose.

Die untere Nische gibt den Blick in eine Backstube frei. Dort wellt eine Frau einen Kuchenteig aus. Da Johann Valentin Tischbein aus einer Bäckerfamilie stammte, konnte hier eine sprechende Signatur vorliegen. Insgesamt scheint das Türblatt persönliche Botschaften von Maler und Auftraggeber zu enthalten.

Die fingierte Stuckrahmung mit Jahreszeiten- und Lebensalterzyklus sowie Surfenêtres

Jahreszeiten- und Lebensalterzyklus

Die Fenster versah Tischbein mit einer fingierten Stuckrahmung in Rocaille. Unterhalb der Fenster vermitteln Rocaillekartusche mit jeweils einem menschlichen Gesicht zum Lambris. Die Gesichter bilden einen Jahreszeitenzyklus, der durch entsprechende Attribute zweifelsfrei zu erkennen ist.[29]

Der Frühling wird durch eine Frau im Profil, umgeben von großen Blumen dargestellt. Für den Sommer steht ein junger Mann mit Strohhut und Ähren. Den Herbst mit Trauben und Efeublättern repräsentiert eine Frau mit gesenktem Blick. Für den Winter steht eine alte Frau mit Schleier. Übrig bleibt bei dieser Interpretation zwei einander liebevoll zugeneigte Kinderköpfe. Vielleicht hat Tischbein in diesem frontal dem Eingang gegenüberliegenden Paar (verstorbene?) Kinder des Auftraggebers verewigt.

Gleichzeitig könnten die Gesichter die Altersstufen des Menschen vergegenwärtigen.[30] Die Kindheit repräsentierten in diesem Fall die beiden Kinderköpfe. Für die Jugend stünden der weibliche Herbst und der männliche Sommer. Die Reife könnte im Frühling dargestellt sein. Das Alter bildet die alte Frau des Winters. Darüber hinaus scheinen Herbst und Sommer in einer besonderen Beziehung zueinander zu stehen, da der Sommer mit empfindsam großen Augen in die Ferne blickt, während der weibliche Herbst die Augen züchtig gesenkt hält.

Die Surfenêtres

Die ovalen Surfenêtres, also die über den Fenstern gemalten Bilder in gemalten Stuckrahmen stellen Landschaften mit Gehöften dar. Sie variieren, indem einmal ist ein markanter Rundturm, einmal ein markanter Baum und einmal eine Steilküste zu sehen ist.

Programm und Synthese

 

Am Programm der Wandmalereien faszinieren insbesondere in den fingierten Stuckrahmen der Fenster die beiden sensibel empfundenen Zyklen zu den vier Jahreszeiten und den Lebensaltern des Menschen. Dort und in der sehr persönlich wirkenden Ikonographie des Türblatts mit dem Blumenstrauß und der Kuchenbäckerin könnte die mehrfach verbürgte Freundschaft zwischen dem Auftraggeber Johann Philipp Hochheimer und dem wahrscheinlichen Maler Johann Valentin Tischbein ihren Niederschlag gefunden haben.

Da auch Hochheimer als Hofrat und Musikdirektor am Hof von Herzog Carl August von Hohenlohe-Kirchberg eine künstlerische Stellung bekleidete, könnte das im Detail in seiner Bedeutung noch verborgene Programm außer durch das Bedürfnis, den Raum durch Landschaftsausblicke zu weiten, von einer Künstlerfreundschaft bestimmt worden sein.

Bibliographie

  • Dehio BAW I, 1993 = Georg Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Baden-Württemberg I: Regierungsbezirke Stuttgart und Karlsruhe, bearbeitet von Dagmar Zimdars und anderen, München /Berlin 1993.
  • Findeisen, Kirchberg an der Jagst, 1997 = Ortskernatlas Baden-Württemberg, hg. vom Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, Bd. 1.13: Stadt Kirchberg an der Jagst, bearbeitet von Peter Findeisen, Stuttgart 1997.
  • Gonser, Tischbein, 2008 = Grete Gonser, Johann Valentin Tischbein 1715–1768. Hofmaler in Kirchberg (Kirchberger Hefte, 6), Kirchberg an der Jagst 2008.
  • Heuß, Barock und Zopf, 1937 = Hermann Heuß, Hohenloher Barock und Zopf. Schloß- und Stadtbaugeschichte der ehemaligen hohenlohischen Residenzen vornehmlich nach dem dreißigjährigen Kriege, Öhringen 1937.
  • Lang, Tischbeinhäuschen, 2021 = Malin Lang, Das „Tischbeinhäuschen“ in Kirchberg an der Jagst. Bachelorarbeit im Studiengang Kunstgeschichte, Universität Stuttgart, Institut für Kunstgeschichte, 2021.
  • Traub, Musikleben, 2018 = Andreas Traub, Zum Musikleben an den hohenlohischen Residenzen im 18. Jahrhundert, in: Silke Leopold und Bärbel Pelker (Hrsg.), Süddeutsche Hofkapellen im 18. Jahrhundert. Eine Bestandsaufnahme (Schriften zur Südwestdeutschen Hofmusik, 1), Heidelberg 2018, S. 117–137 DOI: https://doi.org/10.17885/heiup.347.479

Einzelnachweise

  1. Findeisen, Kirchberg an der Jagst, 1997, S. 26.
  2. Findeisen, Kirchberg an der Jagst, 1997, S. 26. Gonser, Tischbein, 2008, S. 12. Der vorliegende Eintrag basiert auf der von Malin Lang am Institut für Kunstgeschichte der Universität Stuttgart vorgelegten Bachelorarbeit, die von der Autorin angeregt und betreut wurde (Lang, Tischbeinhäuschen, 2021).
  3. Die Lebensdaten bei Traub, Musikleben, 2018, S. 125.
  4. HZAN (Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein) GA 55 Bü 108 (Notizen über den Maler Tischbein). Die Nennung und Transkription dieser wichtigen Quelle bei Gonser, Tischbein, 2008, S. 11. Aufgegriffen bei Lang, Tischbeinhäuschen, 2021, S. 2 mit Abb. S. 64.
  5. Findeisen, Kirchberg an der Jagst, 1997, S. 26 gab als einzigen Besitzer Hofrat Hammer an.
  6. HZAN GA 55 Bü 108 (Notizen über den Maler Tischbein).
  7. Heuß, Barock und Zopf, 1937, S. 40. Die Textstelle zuerst zitiert von Gonser, Tischbein, 2008, S. 11.
  8. 8,0 8,1 Gonser, Tischbein, 2008, S. 12.
  9. HZAN GA 90 Nr. 1273 (http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=3-155823).
  10. Traub, Musikleben, 2018, S. 125.
  11. Gonser, Tischbein, 2008, S. 9.
  12. HZAN GA 97 (Gelegenheitsdruckschriften) Nr. 732 (http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=3-217780).
  13. 13,0 13,1 Lang, Tischbeinhäuschen, 2021, Abb. 38–41 aus dem Privatarchiv von Herrn Alfred Albrecht.
  14. 14,0 14,1 Zitiert nach Lang, Tischbeinhäuschen, 2021, S. 35. Lang hat ein Typoskript aus dem Jahr 1970 im Besitz der Evangelischen Heimstiftung in Kirchberg an der Jagst ausgewertet.
  15. Eine gute Abb. des Plans bei Findeisen, Kirchberg an der Jagst, 1997, S. 17.
  16. Die Angaben zum Lebenslauf mit ihren Quellen bei Gonser, Tischbein, 2008, S. 3–13.
  17. Gonser, Tischbein, 2008, S. 4–5.
  18. Gonser, Tischbein, 2008, S. 5–6.
  19. Gonser, Tischbein, 2008, S. 8.
  20. Gonser, Tischbein, 2008, S. 23–24.
  21. Gonser, Tischbein, 2008, S. 24.
  22. Gonser, Tischbein, 2008, S. 28.
  23. Gonser, Tischbein, 2008, S. 13.
  24. Die Hochzeit: Gonser, Tischbein, 2008, S. 5.
  25. HZAN GA 97 (Gelegenheitsdruckschriften) Nr. 729, eingesehen von Lang, Tischbeinhäuschen, 2021, S. 21 mit Abb. S. 70. http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=3-217777
  26. Diese Ansicht verfolgte Lang, Tischbeinhäuschen, 2021, S. 23. Zu Anton Wilhelm Tischbein: Gonser, Tischbein, 2008, S. 23.
  27. Gonser, Tischbein, 2008, S. 24. Anton Wilhelm Tischbein – Wikipedia
  28. 28,0 28,1 Dehio BAW I, 1993, S. 419.
  29. Lang, Tischbeinhäuschen, 2021, S. 17–19. Ebenso bereits Georg Harro Schaeff-Scheefen 1970 (siehe Lang, Tischbeinhäuschen, 2021, S. 18).
  30. Lang, Tischbeinhäuschen, 2021, S. 17–19.