Kevenhüll, Pfarrkirche St. Ulrich
KEVENHULL
Pfarrkirche, von der Benediktinerabtei Plankstetten vikariert, Stadt Beilngries, Bistum Eichstätt; z. Z. der Ausmalung Filialkirche der Pfarrei Beilngries, Hochstift Eichstätt, seit 1713 mit quasipfarrlichen Rechten von der Benediktinerabtei Plankstetten betreut, 1864 zur Pfarrkirche erhoben. Bis 1876 Reg. Bez. Mittelfranken, dann Oberpfalz, 1972 Oberbayern.
Patrozinium: St. Ulrich
Zum Bauwerk: Erstes Weihedatum 1072. Nach jahrelanger Verhandlungen wurde 1739 mit dem Neubau der heutiger Kirche durch Eichstätter Künstler begonnen. Bauausführung von Giovanni Domenico Barbieri, dem Baumeister des Domkapitels. In den Pfarrakten liegt ein von »Pallier« Domenico Barbieri am 6. Oktober 1738 eingereichter Überschlag mit »Grund Riss des künftigen Neuen Gotteshaus in Khüvenhill« sowie einem Umgebungsplan mit der Kirchenmauer. In seiner Biographie führt Barbieri den Kirchenbau nicht namentlich auf. Für den fraglichen Zeitraum berichtet er eher allgemein »Dann begab ich mich nach Eichstätt; kaum angekommen bekam ich Anweisungen für den Beginn vieler Bauten... Doch was für Strapazen hatte ich in diesem Jahr gehabt! Ich musste... (Aufzählung einzelner Bauvorhaben)... und viele andere Renovationsarbeiten; und ich war ganz allein.«
Aus einem Schreiben in den Pfarrakten (DAEI) geht hervor, dass der Kirchenbau »ohne Stuckador und Mahlerei« von den Pfarrkindern selbst bestritten werde. Der Stuckateur wird nicht genannt; die Stuckdekoration ist in der Art des Franz Xaver Horneis, teilweise besonders qualitätvoll, vielleicht nach Vorgaben ausgeführt. 1741/42 wurden Altäre und Beichtstühle angeschafft. Nach den Rechnungen der Heilingfaktorei des Amtes Hirschberg fertigte Johann Barth, Schreiner in Plankstetten, den Hochaltar, den Jakob Forster, Maler in Plankstetten, fasste und vergoldete; Joseph Dietrich, Maler in Eichstätt, malte das Altarblatt. Johann Georg Waller, Bildhauer zu Parsberg, überarbeitete die alte Kanzel, die Jakob Forster marmorierte und mit den Bildern der Vier Evangelisten schmückte. Weihe am 20. Juni 1752.
Chorturmanlage, LHs (12,80×9,40 m) zu drei Achsen, zum Chorbogen hin mit abgerundeten Ecken, in denen die Seitenaltäre stehen. Wandgliederung durch flache Doppelpilaster, die in ein umlaufendes Kranzgesims münden. Stark eingezogener, quadratischer Chor (4×4 m) mit Klostergewölbe. Beleuchtung durch drei Stichbogenfensterpaare im Langhaus und eines im Chor. Empore im Westen. Schöne Altäre, die mit ihren türkis gefassten, gedrehten Säulenpaaren als Ensemble aufeinander abgestimmt sind. – Die Deckenbilder befinden sich im Langhaus, das Bildfeld im Chor zeigt keine Bemalung
Auftraggeber: In den Rechnungen der Heilingfaktorei des Amtes Hirschberg sind die Deckenbilder nicht abgerechnet; d. h. sie sind wohl gestiftet worden. P. Gregor Gietl von Plankstetten war amtierender Pfarrvikar in Kevenhüll (1735–42 und 1746–49), Abt war Dominikus Eisenberg (1726–42).
Autor und Entstehungszeit: Johann Dominikus Murmann (* um 1706, Ort unbekannt † 1745 Eichstätt) um 1740. Signatur auf dem Bild: Johannes (7) 1749/Joh Domin/Murmann/ Pinxit/Eichstätt.
Die Jahreszahl 1749 muss bei der Freilegung irrtümlich so gelesen worden sein; zu diesem Zeitpunkt lebte Johann Dominikus Murmann aber nicht mehr. Aus der Sicht der Baugeschichte ist ein Entstehungsdatum 1740 wahrscheinlicher. Johann Dominikus Murmann war Maler in Eichstätt und Bruder des bekannteren Hugo Ernst Murmann. Er war technisch und künstlerisch der Ausmalung der Kirche nicht gewachsen; die Freskotechnik beherrschte er offenbar nicht; beide Hauptbilder sind naiv gemalte, mit Figuren dicht gefüllte Darstellungen; die Apostel und Kirchenväter malte er recht und schlecht nach dem Kupferstichzyklus von Johann Georg Bergmüller. Der schlechte Erhaltungszustand führte dazu, dass die Bilder heute nur noch als Rekonstruktionen vorhanden sind
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs Spiegelgewölbe mit hellgrün gefasster, schmaler Hohlkehle
Rahmen: weißes Stuckprofil bzw. Stuckkartuschen Technik: Secco auf Putz; polychrom. An einigen Stellen im großen Deckenbild war die Vorzeichnung mit Bleistift deutlich sichtbar
Maße: A Höhe 7,20 m; 4,00 × 3,30 B Höhe 7,20 m; 4,00 × 3,30
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Restaurierungen sind für die Jahre 1841, 1854, 1863 und 1892 belegt. Vermutlich bei der Restaurierung 1892 wurden die Deckenbilder mit Darstellungen im Nazarenerstil übermalt, die Apostel- und Kirchenvätermedaillons innen mit etwa 7 cm breiten, ockerfarbenen Rahmenbändern mit einer Ölgoldleiste bemalt (deren Spuren man noch erkennen kann) und der Stuck teilvergoldet. Die KDB enthalten 1908 die Bemerkung »Deckenfresken neu«. Bei der Innenrestaurierung 1919/22 durch Kirchenmaler und Vergolder Hans Vogt, Beilngries, wurden der Raum getüncht, die Bilder gereinigt und eines ergänzt und auch die Altäre neu vergoldet. 1950 Restaurierung des schadhaften Hochaltargemäldes durch Kunstmaler Hugo Müller-Berton, Mainburg. 1960/63 umfangreiche Innenrestaurierung durch Kirchenmaler Hugo Preis, Parsberg, der Deckenbilder durch Kunstmaler Walter Scheidemantel, Parsberg. Die Deckenbilder wurden freigelegt und großflächig retuschiert. Stuckrestaurierung durch Peter Berger, Seubersdorf, Figuren, Altäre, Kanzel durch Bildhauer Riepl, Pielenhofen. Im Rahmen der letzten Innenrenovierung 1988/89 durch Firma Baier und Orthgieß, Regensburg, wurde die Raumschale mit den Bildern durch Kunstmaler Eckhart Groß, Olching, und Kirchenmaler
Raymund Schuhwerk, Ettringen-Siebnach, erneuert. Starke Schäden waren durch eingedrungenes Regenwasser entstanden. An der gesamten Deckenfläche waren lose Putzteile und Hohlstellen mit einer Vielzahl von Schrauben mit Blechbeilagen an der Lattenunterkonstruktion festgehalten. Die neue Putzfestigung führte die Stuckfirma Walter Berger aus Friedberg aus, kleinere Hohlstellen innerhalb der Bildflächen Eckart Groß. Die Medaillons, die mehr oder weniger zerstört waren, wurden nach den Vorlagen von Bergmüllers Kupferstichzyklus rekonstruiert (s. BLfD, Restaurierungsbericht und Fotodokumentation von Eckart Groß). Besser erhalten waren Augustinus, Matthias und Judas Thaddäus. An der Chordecke wurde vorübergehend die Darstellung einer Hl. Dreifaltigkeit aus dem 19. Jh. freigelegt, unter der sich keine barocken Gemäldespuren fanden. Der technische Zustand der Fresken ist jetzt gut; barocke Substanz zeigen noch die Mittelbilder A und B. Die Medaillons nicht mehr
Beschreibung und Ikonographie
Das Kirchengewölbe ist reich dekoriert mit Bandwerkstuck, aus weißen Ranken mit hellgrünen Füllungen auf rosa getöntem Grund, er füllt den die Bildfelder umgebenden Raum vollständig aus. Die beiden Hauptbilder beziehen sich auf den Kirchenpatron St. Ulrich (A) und Maria (B), Patronin des Klosters Plankstetten.
A HL. ULRICH UND DIE SCHLACHT AUF DEM LECHFELD 955 Prall gefüllter Kriegsschauplatz. In der Mitte des Schlachtengetümmels sprengt auf weißem Pferd Bischof Ulrich heran. In einer Vision empfängt er aus den Händen eines Engels das sog. Ulrichskreuz, das ihm zum Sieg gegen die Hunnen/Ungarn verhalf. Links das Heer der Christen mit Kreuzbannern, rechts das der Ungarn, erkennbar an Turbanen und Krummsäbeln.
Das Hochaltarbild zeigt eine Patronatsdarstellung des hl. Ulrich. Er steht als Bischof mit ausgebreiteten Händen; über ihm präsentieren Putten das Ulrichskreuz an einem Schriftband mit den Worten IN HOC SIGNE VINCES, die auf die Vision Kaiser Konstantins in der Schlacht an der Milvischen Brücke anspielen. Hinter Ulrich hält ein Mönch den Bischofsstab, links unten ist in einer kleinformatigen Szene das Fischwunder des hl. Ulrich dargestellt.
B AUFNAHME MARIENS IN DEN HIMMEL Dicht gedrängte Himmelsszenerie mit einer großen Engelsschar. Im Umriss einer Raute erscheint die Hl. Dreifaltigkeit, davor, auf einer halbrund geschwungenen Wolke, Maria inmitten von musizierenden Engeln.
1–12 ZWÖLF APOSTEL, a–d VIER KIRCHENVÄTER: Die umgebenden 16 Medaillons zeigen Zwölf Apostel und Vier Kirchenväter. Bildvorlage für den Zyklus war die 24teilige Radierfolge Johann Georg Bergmüllers »Abbildung der Heiligen Apostel, Evangelisten und einiger Kirchenlehrer, net inventiret, gemacht und zu haben von und bey Johann Georg Bergmiller, Historien Mahler in Augspurg« (Abb. der Apostel in CBD Bd 10, S. 31-33), mit Ausnahme von Jakobus d. Ä., der hier seitenverkehrt und ohne Helm dargestellt ist. Alle Bilder sind stark erneuert und nur vom Bildgegenstand her noch als barock zu erkennen.
Petrus erhält die Schlüssel von Christus, der mit der Linken auf einen Kirchenbau im Hintergrund verweist.
2 Paulus, rot und grün gewandet, hält in der Linken das Schwert, am Bildrand ist ein Rauchgefäß mit Inschrift Vas Eleaion. Aus einer Wolke erscheint im Strahlennimbus das
3 Andreas mit Andreaskreuz
4 Matthias mit Beil
5 Jakobus der Altere mit Muschel und Pilgerhut
6 Judas Thaddäus mit Keule
7 Johannes Evangelist: Vor ihm steht der Giftbecher auf einer Truhe, deren Seitenwand die Signatur Murmanns zeigt.
8 Simon mit Säge
9 Philippus mit Kreuzstab
10 Jakobus der Jüngere mit Walkerstange
11 Bartholomäus mit Schabmesser
12 Thomas mit Lanze, den Blick auf eine Vision des durchbohrten Herzens Jesu gerichtet.
a Ambrosius, schreibend
b Hieronymus, der Posaune aus dem Himmel lauschend (seitenverkehrt zum Bergmüller-Stich)
c Augustinus, die Hand am flammenden Herzen
d Gregor, von der Geisttaube inspiriert.
Quellen und Literatur
DAEI, Pfarrakten Kevenhüll I,1: Baulichkeit an der Pfarrkirche 1725 ff.; R14: Rechnungen der Heilingfaktorei des Amtes Hirschberg; Pfarrarchiv Kevenhüll: Bausachen, I. Restaurierungen der Pfarrkirche 1841, 1854, 1863, 1892, 1922; Buchner Eichstätter Bistumsgeistliche.
BLfD, Akt Kevenhüll, Pfarrkirche St. Ulrich
Kunstinventar Diözese Eichstätt, Kevenhüll, bearbeitet von Emanuel Braun, 1991.
KDB II OP (12), S. 99–100
Buchner Bistum Eichstätt 1938, S. 23-26.
Mardagant, Silvio und Emanuel Braun (Hg.), Giovanni Domenico Barbieri (1704–1764). Ein Graubündner als Hofmaurermeister des Fürstbischofs von Eichstätt. Autobiographie und Ausgabenjournal, Regensburg 2004, S. 101. Dehio OB 1990, S. 524; 2006, S. 570f.
C. B