Kemathen, Pfarrkirche St. Martin


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 12, Teil 2: Stadt und Landkreis Rosenheim. Hirmer, München 2006, ISBN 978-3-7774-3355-4, S. 308–309, geschrieben von Bauer-Wild, Anna und Sinkel, Kristin. Original (Passwortgeschützt)
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KEMATHEN

Pfarrkirche, Pfarrei Kemathen-Dettendorf (Pfarrverband Au bei Bad Aibling), Gemeinde Bad Feilnbach, Erzdiözese München und Freising; z.Z. der Ausmalung Filialkirche der Pfarrei Irschenberg: Kemathen bildete zusammen mit Dettendorf (St. Korbinian) den abgelegenen Kooperaturbezirk der Pfarrei, Gericht Aibling

Patrozinium: St. Martin

Zum Bauwerk: Der erste Kirchenbau, ursprünglich Pfarrkirche, war 1141 durch Bischof Otto von Freising geweiht worden. Ab 1315 Pfarrverlegung nach Irschenberg. Der heutige Bau ist im Kern spätgotisch. 1765 wurde der Chor durch Johann Thaller von der Hausstatt erweitert. Das mittelalterliche Langhaus, durch kleine Fenster nur ungenügend belichtet, bestand bis 1814. Damals wurde das »Spitzgewölbe ... mit großer Mühe eingeschlagen, die Form des alten vertilgt, Fenster, Gewölbe und Pfeiler dem Presbyterium conform gemacht« (Pfatrisch). Vom mittelalterlichen Langhaus ist also nur der Mauerkern erhalten.

Die Deckenmalerei befindet sich im Chor. Der einjochige Raum auf annähernd quadratischen Grundriß mit dreiseitigem Schluß ist gegenüber dem Langhaus leicht eingezogen. Belichtung durch zwei Fenster im S und je ein Fenster in der Schrägen neben dem Altar.

Auftraggeber: Alexander Joseph Streiter, Pfarrer von Irschenberg (1759-97). Kooperator der Kooperatur Kemathen/Dettendorf war Joseph Anton Ehrlich (1761-70). Pfarrer Streiter, der schon als Kooperator in Aibling mit den Freskierungen von Willing (S. 556) und Westerham (S. 544) befaßt war, führte als Pfarrer von Irschenberg die unter seinem Vorgänger Philipp Eyrainer begonnene Dekoration von Wilparting zu Ende; Alb wurde 1759, Frauenried 1763 ausgemalt (CBD, Bd 2, S. 447–50, 497–502, 628–33).

Autor und Entstehungszeit: Zuweisung an Martin Heigl (* unbekannt † 1776 München) 1765

Das Bild war nach Angaben des Restaurators signiert, die Signatur war aber nicht mehr lesbar. Es ist aus stilistischen Gründen Heigl zuzuweisen und entstand sicher im Zusammenhang mit der barocken Chorerweiterung, die für das Jahr 1765 überliefert, aber nicht urkundlich belegt ist. Kupferschmied hält eine Entstehung um 1768 für möglich, da das Fresko stilistisch eher an Heigls Ausmalung der Kirchen in Altenerding und Langengeisling 1766/67 anzuschließen sei, als an das »sehr hohe Niveau« der Fresken von 1764 in der Wallfahrtskirche Maria Thalheim (alle LKr. Erding, s. CBD, Bd 7; s. Kupferschmied, S. 100).

Befund

Träger der Deckenmalerei: AR (A) flache Hängekuppel Rahmen: Gekurvtes Stuckprofil, Kartuschen gemalt Technik: Fresko; A polychrom, Kartuschen Grisaillen auf Goldgrund

Maße: Höhe 7,20m; 4,70×4,70

Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1814 wurde anläßlich der Erneuerung des Langhauses die Deckenmalerei im Chor weitgehend übertüncht. Sichtbar blieb nur noch der Mittelteil des Freskos von etwa 2,00 m Durchmesser mit der zentralen Figurengruppe. Der Freskenrest wurde von einem etwa 15 cm breiter Stuckprofilrahmen umfaßt. Weitere Restaurierung 1888. Innenrestaurierung 1920 durch Georg Hilz Bad Aibling. Bei einer erneuten Innenrestaurierung 1967 wurde der Raum nach dem Originalbefund neu gefaßt, der Stuckring abgenommen und der übertünchte Teil des Freskos durch Hugo Williroider, Höchstätt, unter mehreren Putzschichten freigelegt, wobei auch die vier gemalten Kartuschen in den Zwickeln zum Vorschein kamen. Die freigelegten Partien wurden überarbeitet bzw. retuschiert, Fehlstellen neu gemalt. Diese Freskenteile haben von ihrer originalen Substanz so viel eingebüßt, daß sie nur noch in der Anlage als barocke Malerei bezeichnet werden können. Der Mittelteil des Deckenbildes ist in gutem Zustand.

Beschreibung und Ikonographie

Das Fresko wird begleitet von vier imitierten Rocaille-Kartuschen; deren Ornamentik und pflanzliche Formen die Zwickelfelder ganz ausfüllen, den Freskorahmen jedoch nicht übergreifen. In den Kartuschen monochrom rote Puttenköpfchen auf goldgelbem Grund.

DER HL. MARTIN ALS PATRON Der Heilige im Bischofsgewand ist im Bildzentrum in einer Gloriole dargestellt. Er thront auf einem Wolkenkissen, das von Engeln und Putten getragen wird, und hat die Linke erhoben. Zu seiner Rechten hält ein großer Engel den Gewandbausch seines Umhanges, an Martins linker Seite spielen drei Putten, zwei davon sind wie unter seinem schützenden Mantel angeordnet. Engelspaare und Putten schweben in einem Wolkenring um die zentrale Gruppe. Unten, im irdischen Bereich, ist in einer hügeligen Landschaft mit dunkler, baumbestandener Repoussoirzone eine Kirche mit zwei Bauernhöfen zu sehen – das Dorf Kemathen, als dessen Patron der Heilige dargestellt ist.

Quellen und Literatur

BHStA, GL Aibling, Fasz. 98 Nr. 107: Zustand der Kirche 1781.

 

Der hl. Martin als Patron (Martin Heigl 1765

AEM, Pfarrakten Irschenberg, Pfarrbeschreibung; Bauten II; Filiale Kemathen.

BLtD, Akt Kemathen, Pfarrkirche St. Martin.

1, 1, 1, 1, 1, 1, 1, 1, 1, 1, 1, 1, 1, 1 Mayer-Westermayer, Bd 2, S. 23, 29. KDB I OB (2), S. 1617. Bernrieder, Wolfgang, Kirche Kemathen mit Verehrung heiliger I aanhand : D M (1)

Gruber, Gertruda, Dorfskizzenblätter, Rosenheim 1985, S. 121f.

Kupferschmied, Thomas Johannes, Der Freskant J. Martin Heigl. Arbeiten für Johann Baptist Zimmermann und selbständige Werke (= Schriften aus dem Institut für Kunstgeschichte der Universität München Bd 41), München 1989, S. 88 f.

Dehio 1990, S. 521f.

A. B./K.