Keitum, Haus Alter Kirchenweg 24
Inventarnummer: cbdd20156
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In zwei Räumen hat sich Decken- und Wandmalerei aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erhalten. Es handelt sich zum einen um eine bunte ornamentale Malerei, zum anderen um die Darstellung einer Justitia in Grau- und Grüntönen.

Das Haus Alter Kirchenweg 24 in Keitum
Kurzbeschreibung und Lage
Das Haus steht am Nordrand des alten Keitums an der seeabgewandten Seite des Alten Kirchenwegs und ist parallel zu diesem von Nord nach Süd ausgerichtet.
Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Das Haus stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts mit einer noch im 18. Jahrhundert angefügten Erweiterung nach Nordwesten. 1998/99 wurde das Gebäude im Innen in verschiedene Wohneinheiten aufgeteilt.[1]
Beschreibung
Der langgezogene eingeschossige Backsteinbau unter Reetdach hat aufgrund der Erweiterung im Nordwesten einen L-förmigen Grundriss. Der ursprüngliche Hauseingang unter einem Zwerchhaus ist in der Mitte der Ostseite situiert. Heute gibt es weitere Nebeneingänge. Ehemals erschloss der Eingangsraum die im Norden und Süden an der Ostseite gelegenen Räume ebenso wie einen Raum, der an seiner Westseite angrenzt. Nach Norden folgte eine Stube mit drei Fenstern. Diese ist heute unterteilt in einen etwas kleineren Raum im Süden mit zwei Fenstern sowie einen schmalen Eingangsraum im Norden. Dieser erschließt nun im Norden den an der Hausecke gelegenen Pesel. Auf diesen folgt nach Westen eine weitere Stube. Es haben sich mehrere Farbfassungen der Innenräume erhalten, teilweise unter späteren Farbschichten. Im Pesel und in der Stube an der Nordseite sind die Malereien restauriert.[1]
Der Pesel
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Der Raum wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ausgestattet und 1999 restauriert.[2]
Beschreibung
Der an der Nordostecke gelegene Pesel wird von Süden aus betreten. Er misst 5,3 auf 7,69 Meter. Nach Westen folgt eine weitere Stube. Die Alkoven an der Westwand haben eine zusätzliche Tiefe von 1,2 Metern. Zwischen diesen ist hinter einem Rundbogen auf Pilastern der Durchgang zur Tür gelegen. In der Ostwand befinden sich zwei Fenster, in der Nordwand ein Fenster und eine Tür. Die Innenwände im Westen und Süden sind mit Holz verkleidet, die Außenwände im Norden und Osten sind über einen Sockelbereich ab der Höhe der Fensterbänke gefliest.[3]
Die Decken- und Wandmalerei
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Decke sowie die West- und Südwand sind aus Holz und in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Ölfarbtechnik dekorativ bemalt worden. Zu einem unbekannten Zeitpunkt erfolgte nachträglich ein rötlich-brauner transparenter Überzug. 1999 wurde die Malerei restauriert.[4]
Beschreibung und Ikonographie der Decke
Drei Balken von Ost nach West teilen die Decke in vier Fachen – drei große im Norden und einen schmalen vierten Streifen im Süden. Decke und Balken sind rotbraun bemalt. Goldene Zierstriche betonen die Balkenkanten und Ränder der Fachen. Die drei großen Fachen sind mit virtuos gestalteten goldfarbenen Rocaillen geschmückt.[5]
Beschreibung und Ikonographie der West- und Südwand
Die Süd- und Westwand sind gleich der Decke bemalt. Während die Südwand vertikal gegliedert ist, zeigt die Westwand zwei mit Doppeltüren verschlossene Alkoven und oberhalb derselben eine Reihe von Kassetten. Die Wandfelder, Türfüllungen und Kassetten sind von blauen Rahmen begrenzt und wie die Decke mit goldfarbenen Rocaillen bemalt. Um die Pilaster beiderseits des Durchgangs winden sich blauschwarze Blattgirlanden mit Früchten.[6]
Die Stube im Nordwesten
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Die Stube wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ausgestattet und 1999 restauriert.[2]
Beschreibung
Der Raum wird vom Pesel im Osten aus betreten. Nach Norden gehen zwei Fenster ab. Im Westen befinden sich hinter Türen zwei Alkoven. Der linke hat ein Fenster nach Westen. Die Ost- und Westwand sind mit Holz verkleidet, die Nord- und Südwand gefliest.[7]
Die Stubendecke
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Holzdecke wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit Ölfarben bemalt. Die ehemals transparente, porzellanartige Malerei wurde durch spätere Übermalungen verunklärt. 1999 erfolgte ihre Restaurierung und die Überfassungen wurden abgenommen.[8]
Beschreibung und Ikonographie
Die Decke nimmt auf hellem Fond in der Mitte eine fingierte große Stuckkartusche mit einer Allegorie der Justitia auf. Diese hält Schwert und Waage in Händen, ist barfuß und hat die Augen – was in Norddeutschland durchaus üblich ist – nicht verbunden. Sie trägt ein Kleid mit Blume im Ausschnitt und um den Hals eine Perlenkette mit Anhänger. In den vier Ecken der Decke erblickt man je einen geflügelten Puttenkopf mit einem floralen Ornament als Unterleib.[9]
Gestalterische Mittel – Komposition und Ansichtigkeit
Alle Figuren sind in grauen und grünen Farbtönen gemalt. Sie haben dieselbe Haartracht: Ihre Stirnhaare sind aus dem Gesicht über den Kopf gekämmt und seitlich fallen die Haare in Locken an den Ohren vorbei herab. Justitia ist perspektivisch verzerrt mit kurzen Beinen und langem Oberkörper. Ihre Ansichtigkeit ist von Westen her.[10]
Vorlagen und Vergleiche
Die Figur der Justitia ähnelt sehr jenen in der Gerichtsstube aus Nordstrand, vor allem, was Gesicht und Haare anbetrifft. Sie haben eine hohe Stirn und über den Ohren Locken.[11]
Bibliographie
- Literatur:
- Dehio, Schleswig-Holstein, 2009. – Dehio, Georg: Hamburg. Schleswig-Holstein (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Johannes Habich, Christoph Timm, Lutz Wilde. München/Berlin 2009.
- Seefried, Friesenhaus, 2000. – Seefried, Matthias: Ein Friesenhaus in Keitum auf Sylt. Bericht über die Restaurierung zweiter historischer Raumausstattungen, in: DenkMal! Zeitschrift für Denkmalpflege in Schleswig-Holstein 7 (2000), S. 61-65.
- Archivalien:
- Seefried, Kirchenstr. 24, 1998. – Seefried, Matthias: Gebäude Kirchenstr. 24 in Keitum auf Sylt. Dokumentation zu restauratorischen Arbeitsproben. Bremen 1998, im Aktenarchiv des Landesamts für Denkmalpflege Schleswig-Holstein.
- Hehr, Kirchenweg 24, 1997. – Hehr, Wolfgang Martin: Keitum/Sylt. Kirchenweg 24, Kreis Nordfriesland. Untersuchungsbericht zu den restauratorischen Voruntersuchungen der Raumfassungen. Dezember 1997, im Aktenarchiv des Landesamts für Denkmalpflege Schleswig-Holstein.
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 920; Seefried, Friesenhaus, 2000, S. 61.
- ↑ 2,0 2,1 Seefried, Friesenhaus, 2000, S. 61.
- ↑ Seefried, Friesenhaus, 2000, S. 61-62. Seefried, Kirchenstr. 24, 1998.
- ↑ Seefried, Friesenhaus, 2000, S. 61, 64. Hehr, Kirchenweg 24, 1997, S. 2-5.
- ↑ Seefried, Friesenhaus, 2000, S. 62. Hehr, Kirchenweg 24, 1997, S. 5.
- ↑ Seefried, Friesenhaus, 2000, S. 62-63. Hehr, Kirchenweg 24, 1997, S. 2.
- ↑ Seefried, Friesenhaus, 2000, S. 61, 63.
- ↑ Seefried, Friesenhaus, 2000, S. 64. Hehr, Kirchenweg 24, 1997, S. 1, 4.
- ↑ Seefried, Friesenhaus, 2000, S. 63.
- ↑ Seefried, Friesenhaus, 2000, S. 63. Seefried, Kirchenstr. 24, 1998.
- ↑ https://www.deckenmalerei.eu/3d995307-5b4f-4c5f-8937-baff675462f0.