Laß, Heiko:Keitum, Altfriesisches Haus, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/96690ac8-1776-41b6-b1ab-f85c4c086ba7

Inventarnummer: cbdd20153

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Im so genannten Altfriesischen Haus haben sich drei Räume mit Wand- und Deckenmalerei von 1784 erhalten. Dazu gehört eine Kreuzigungsgruppe an der Decke des Pesels, die eventuell von Niels Pedersen Baeller stammt.

Das Altfriesische Haus in Keitum

Kurzbeschreibung und Lage

Das so genannte Altfriesische Haus steht am östlichen Ortsrand von Keitum am Steilufer. Es handelt sich um ein Kapitänshaus, um ein typisches uthlandfriesisches quergelegtes eingeschossiges Langhaus mit Wohn- und Stallbereich unter einem Dach.

Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Ein Haus stand hier bereits 1640. 1739 wurde es vom Kapitän Peter Uwen und seiner Frau Christen Klausen renoviert oder neu erbaut. 1784 ließ es ihr Sohn, der Kapitän Bleick Peters, in Vorbereitung auf seine Hochzeit 1785 umbauen und an der Südseite verbreitern. Damals entstand der Giebel über dem Eingang. Der Enkel von Bleick Peters verkaufte das Haus 1850 an seinen Stiefvater Christian Peter Hansen. Hansen unterhielt bereits zu Lebzeiten ein kleines Museum im Haus. 1907 kaufte das Haus die Sölring Foriining. Der Wohnbereich im Osten blieb erhalten, der Wirtschaftsbereich im Westen wurde umgestaltet und die Scheune an der Südwestecke in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts abgebrochen.[1]

Beschreibung

Das eingeschossige Kapitänshaus unter einem Reetdach war ein typisches uthlandfriesisches Haus mit Wohnbereich auf der einen und Wirtschaftsbereich auf der anderen Seite. Die Wände sind von Backstein. Maueranker am Zwerchhaus über der Haustür stehen für Peter Uwen (P V) und Bleick Peters (B P). Unter ihm betritt man eine flurartige Vordiele, welche sich zwischen den beiden Bereichen des Hauses befindet und die ganze Tiefe des Hauses durchmisst. Sie erschließt die beiden Bereiche. Das Altfriesische Haus in Keitum ist von Ost nach West ausgerichtet. Der Eingang unter einem zweigeschossigen Giebel befindet sich an der Nordseite. Zur Linken geht es in die Küche mit einer angrenzenden Speisekammer. Die zweite Tür im Flur an der linken Seite führt in die Wohnstube – die Döns. Ihr Ofen wird von der Küche aus befeuert, und die Döns war der einzige beheizbare Raum. Von der Wohnstube geht eine Tür nach Osten in die Gute Stube – Pesel genannt. Der Raum ist an der Südostecke des Hauses gelegen. In der Verkleidung der Nordwand liegt eine Treppe verborgen, in die das Dachgeschoss führt. Durch eine Tür in der Nordwand gelangt man in die so genannte Kellerkammer. Sie befindet sich an der Nordostecke und verdankt ihren Namen dem Umstand, dass sie über einem Keller errichtet ist. Hinter ihrer Westwand ist die Küche gelegen.[2]

Die Wohnstube

 

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Die Wohnstube stammt von 1784. Die Malerei schuf vielleicht Niels Pedersen Baeller. Diese wurde 1908 von Franz Korwan erneuert und 1970 restauriert.[3]

Beschreibung

Die Wohnstube wird von der Vordiele im Westen betreten. Zwei Fenster weisen nach Süden auf den ehemaligen Garten hinaus. Gegenüber dem Eingang sind beiderseits der Tür in den angrenzenden Pesel zwei Alkoven angeordnet. An der Nordseite steht der Ofen. Alle Wände bis auf die Ostwand sind gefliest. Über dem Ofen befindet sich das Fliesenbild eines Segelschiffs. Die Alkovenwand ist wie die Alkoventüren bemalt. Den Bereich oberhalb der Türen zieren neun Kartuschen, die ebenfalls bemalt sind. Die Wand ist in Englischrot gestrichen. Da auch die Deckenbalken diese Farbe haben, wird sie zum bestimmenden Farbton der Döns. Die neun Kassetten und die Füllungsfelder der Zimmertür sowie der Alkoventüren nehmen große hellgrüne Flächen auf. Auf diese sind in kräftigen Farben Pflanzen mit dunkelgrünen Blättern und bunten Blumen in Weiß, Rot, Gelb und Blau gemalt, mit teilweise weißen Höhungen. Überwiegend handelt es sich um Tulpen.[4]

Die Decke der Wohnstube

 

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Decke wurde 1784 bemalt, vielleicht von Niels Pedersen Baeller. Die Malerei wurde 1908 von Franz Korwan erneuert und 1970 restauriert.[5]

Beschreibung und Ikonographie

Zwei Balken teilen die Decke in zwei große Fachen sowie eine sehr schmale. Die beiden großen Felder nehmen auf altgelbem Grund zwei große skizzenhaft gestaltete grüne Rocaillen in roten Rahmen auf.[6]

Gestalterische Mittel – Komposition und Ansichtigkeit

Im Vergleich zu den Decken im Pesel und in der Kellerkammer sind die Rocaillen an der Decke der Döns sehr schlicht.

Der Pesel

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Der Pesel stammt von 1784. 1970 wurden seine Malereien restauriert.[7]

Beschreibung

Die Gute Stube ohne Beheizung ist an der Südostecke des Hauses gelegen, mit großen Fenstern nach Osten und Süden. Der Pesel wird von Osten aus der Döns betreten. Nach Norden schließt sich die Kellerkammer an. Ferner gibt es an der Nordseite einen Wandschrank, hinter dem sich eine Treppe verbirgt. Die Außenwände sind gefliest, die anderen Wände wie auch die Decke sind von blaugrün gestrichenem Kiefernholz. Die Türen sowie der Wandschrank haben blau-gelb gemusterte Rahmen. Die Türfüllungen schmücken grüne und goldene Rocaillen auf altgelbem Grund in roten Rahmen. An der Westwand steht ein Wandschrank mit Schubladen und Vitrinentüren. Eine weitere Schranktür links daneben zeigt auf der Füllung eine schlichte grüne Rocaille auf altgelbem Grund, die in der Darstellung jenen an der Decke der Döns gleicht. Die Spruchbretter an den Deckenbalken gehören nicht zur ursprünglichen Ausstattung. Sie kamen erst im dritten Viertel des 19. Jahrhunderts in den Raum und stammen aus der Keitumer Kirche.[8]

Die Decke des Pesels

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Deckenmalerei auf Kiefernholz stammt von 1784 und ist eventuell von Niels Pedersen Baeller ausgeführt worden. 1970 wurde sie restauriert.[9]

Beschreibung und Ikonographie

Die grünblau gestrichene Decke wird durch zwei Balken in drei Fachen unterteilt. Die beiden äußeren zieren rotgerahmte Felder, die auf hellem Grund hellgrüne Akanthusschlingen präsentieren. Das mittlere Feld nimmt in fingiertem kräftigem goldenem Rahmen eine Kreuzigungsdarstellung auf. In der Mitte erhebt sich hoch aufragend das Kreuz mit dem Heiland und der Inschrift INRI über seinem Haupt. Rechts des Kreuzes stehen Maria und Johannes, links kniet die verzweifelte Maria Magdalena und umschlingt die Beine des Toten. Der Himmel ist verdunkelt. Links im Hintergrund ist Jerusalem auszumachen.[10]

Gestalterische Mittel – Komposition und Ansichtigkeit

Die Decke ist mit einem Gemälde die aufwendigste im Haus. Die Kreuzigungsgruppe könnte inspiriert sein von einer gleichen Darstellung im Pesel des Hauses Lorens Petersen de Hahn im Westerland von vor 1747.[11]

Die Kellerkammer

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Der Raum war ehemals von der Küche aus zugänglich. Im Rahmen der Umbauten für Bleick Peters 1784 wurde der Zugang geschlossen und an die Ostwand ein Alkoven sowie ein Vitrinenschrank eingebaut. Die Malerei auf Kiefernholz an Wand und Decke stammt vielleicht von Niels Pedersen Baeller. 1970 wurde sie restauriert.[12]

Beschreibung

Der in der Nordostecke gelegene Raum hat zwei Fenster nach Norden und Osten. Die Wände sind mit Holz verkleidet und in dunklem Blaugrün gestrichen. Lediglich an der Nord- und Ostwand gibt es oberhalb einer hohen Sockelzone Fliesen. Wie bereits im Pesel, dessen Farbigkeit übernommen ist, hat die Tür einen blau-gelb gemusterten Rahmen. Die Türfüllung schmückt goldfarbenes Rocailleschlingwerk. Die Decke wird von einem Balken in zwei Fachen unterteilt. Beide nehmen in roten Rahmen auf ebenfalls dunklem grünblauem Grund Rocailleschlingen in Gold auf.[13]

Die Westwand der Kellerkammer

 

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Wand wurde im Auftrag von Bleick Peters geschaffen. Die Malerei auf Kiefernholz stammt vielleicht von Niels Pedersen Baeller. Sie wurde 1970 restauriert.[14]

Beschreibung und Ikonographie

Die Wand wird von drei gedrehten Säulen – rechts, links und in der Mitte – gegliedert, die auf vor die Wand gesetzte Bretter gemalt sind. Um die Säulen windet sich Wein mit roten Trauben. Auf die hellen Postamente sind in Braun Rocaillen gemalt. Die Kapitelle sind marmoriert. Es gibt kein Gebälk. Links befindet sich zwischen den Säulen ein Wandschrank, rechts ein offenes Wandbett von gleichen Maßen. Die unteren Schranktüren sind mit Rocailleschlingen gleich der Decke bemalt, oben gibt es Vitrinentüren. Der Alkoven wird lediglich von einem Vorhang verschlossen. Über Schrank und Alkoven sind an die Wand beiderseits einer zentralen Rocaille je zwei Posaunenengel gemalt.[13]

Bibliographie

  • Literatur:
  • Ahrens/Jahnke/Lappoehn/Römer, Altfriesisches Haus, 2020. — Ahrens, Dörte/Jahnke, Marion/Lappoehn, Sven/Römer, Alexander: Altfriesisches Haus seit 1640. Sylter Wohnkultur des 18./19. Jahrhunderts. Keitum 2020.
  • Röper, Innenraumgestaltung, 1984. – Röper, Gerhard: Die Innenraumgestaltung der ländlichen Profanarchitektur Schleswig-Holsteins vornehmlich des 18. Jahrhunderts. Lüdinghausen 1984.
  • Archivalien:
  • Winger, Haus, 1980. — Winger, Annemarie: Altfriesisches Haus, in: Aktenarchiv des Landesamts für Denkmalpflege Schleswig-Holstein, Akte NF Sylt, Keitum, Altfriesisches Haus. ONR. 638.

Einzelnachweise

  1. Ahrens/Jahnke/Lappoehn/Römer, Altfriesisches Haus, 2020, S. 4-7. Winger, Haus, 1980, S. 2-4.
  2. Ahrens/Jahnke/Lappoehn/Römer, Altfriesisches Haus, 2020, S. 7-9. Winger, Haus, 1980, S. 5, 12-13.
  3. Ahrens/Jahnke/Lappoehn/Römer, Altfriesisches Haus, 2020, S. 11; Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 366. Winger, Haus, 1980, S. 6, 13, 19.
  4. Ahrens/Jahnke/Lappoehn/Römer, Altfriesisches Haus, 2020, S. 10-11; Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 365, 381. Winger, Haus, 1980, S. 13.
  5. Ahrens/Jahnke/Lappoehn/Römer, Altfriesisches Haus, 2020, S. 11; Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 366. Winger, Haus, 1980, S. 19.
  6. Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 382.
  7. Winger, Haus, 1980, S. 19.
  8. Ahrens/Jahnke/Lappoehn/Römer, Altfriesisches Haus, 2020, S. 11, 17, 14-15; Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 375-377. Winger, Haus, 1980, S. 19.
  9. Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 377. Winger, Haus, 1980, S. 19.
  10. Ahrens/Jahnke/Lappoehn/Römer, Altfriesisches Haus, 2020, S. 14; Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 376. Winger, Haus, 1980, S. 19.
  11. https://www.deckenmalerei.eu/d0d401c1-ee0a-4270-8436-1c1c2232253d.
  12. Ahrens/Jahnke/Lappoehn/Römer, Altfriesisches Haus, 2020, S. 18; Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 380. Winger, Haus, 1980, S. 19.
  13. 13,0 13,1 Ahrens/Jahnke/Lappoehn/Römer, Altfriesisches Haus, 2020, S. 18; Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 379-380.
  14. Ahrens/Jahnke/Lappoehn/Römer, Altfriesisches Haus, 2020, S. 18; Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 366, 380. Winger, Haus, 1980, S. 19.