Kay, Pfarrkirche St. Martin
Pfarrkirche (Pfarrverband Tittmoning), Stadt Tittmoning, Erzdiözese München und Freising; z.Z. der Ausmalung Erzdiözese Salzburg. Das Besetzungsrecht auf die große Pfarre mit ihren sechs Filialen hatte der Erzbischof von Salzburg. An der Kirche bestand seit 1686 eine Allerseelenbruderschaft Fürstbischöflich Salzburgisches Pfleggericht Tittmoning
Patrozinium: St. Martin
Zum Bauwerk: Erbaut im frühen 16. Jh. als vierjochiger Saalbau mit eingezogenem Chor, barockisiert um 1695 mit Abschlagen der gotischen Rippen und Anbringen ornamentierter Deckenspiegel in Chor und Schiff. Die Wandpfeiler wurden durch Stuckvorlagen und verkröpfte Pilaster gegliedert. Gleichzeitig seitenschiffartiger Kapellenanbau im Süden, wo der Altar der 1686 gegründeten Allerseelenbruderschaft aufgestellt wurde (der Plan zum Bau eines entsprechenden nördlichen Seitenschiffs 1790 wurde nicht ausgeführt). Veränderungen an den Fenstern im Chor 1721. Oberteil des Turms und Turmabschluß 1732. Baureparaturen und Innenrenovierung 1751/52. Neue Kanzel 1766 (Tischler Wolfgang Sauerer, Bildhauer Johann Georg Itzlfeldner, Faßmaler Franz Herbst, alle Tittmoning). Hochaltar um 1780 nach einem Plan Wolfgang Hagenauers von dem Salzburger Steinmetzen Joseph Doppler unter Mitarbeit Itzlfeldners, Seitenaltäre 1790/91 von Lorenz
Valentin Stumpfegger. Bei einem Blitzschlag in den Turm 1792 blieben die Gewölbe unversehrt. 1914 gewann man durch einige Umbauten im Westen des LHs mehr Platz für Kirchenstühle.
LHs zu vier Jochen, Gliederung durch breite Pilaster, denen schmalere vorgelegt sind, Doppelempore im W mit stark geschweiften Brüstungen; Belichtung durch große Fenster in den beiden östlichen Jochen von N und S, im dritten Joch von N und durch ein kleines Rundfenster über dem Eingang, im Emporenbereich durch kleinere Fenster. Seitenschiff in gleicher Länge im S, von dem allerdings die beiden hinteren Joche als von Gittern abgeschlossener Eingang und als Kapelle dienen. Eingezogener AR mit dreiseitigem Schluß, Belichtung durch vier Fenster im östlichen Joch und in den beider Schlußschrägen.
Auftraggeber: Pfarrer von Kay war z.Z. der Ausmalung Michael Joseph Melchior Joly (1743-64), geboren um 1715 in Salzburg als Sohn des Hofkonfektmeisters und Kammerdieners Joly († 1743) und seiner Ehefrau Maria Anna Theresia Butelli († 1766). Michael Joseph Joly war von 1740–43 Consistorial-Registrator und Archivar in Salzburg und wurde am 6. 12. 1743 Pfarrer von Kay. Sein Vorgänger, Pfarrer Matthäus Strubegger († 20.11.1743) hatte der Pfarrkirche Kay 1604 fl. hinterlassen. Joly starb am 4.6.1764 in Kay.


Autor und Entstehungszeit: Zuweisung an Ignaz Andreas Dinzl (* 1700 Daurnburg in Tirol † 1753 Tittmoning), um 1751/52 (s. S. 379 f.)
Die Freskierung ist in den Kirchenrechnungen nicht erwähnt. Im Jahr 1708 malte der Tittmoninger Maler Anton Hammer die Apostelkreuze, 1713/14 arbeitete sein Nachfolger Adam Panhammer für Kay. 1718 wurden in der Kirche ein neues Fenster ausgebrochen und 1721 vier Fenster im Chor. Das könnten unter Umständen Hinweise auf Autor und Datum der Freskierung sein. So vermuten sowohl Nadler/Hildebrandt als auch Alois und Michael Stein, daß der Tittmoninger Maler Adam Panhammer (S. 379, 381) die Ausmalung von Kay um 1720 geschaffen habe. Dagegen sprechen zunächst die Rahmen der Fresken: sie treten in dieser Form in der Zeit um 1720 noch nicht auf, sondern sind um die Jahrhundertmitte zu datieren, also in die Zeit, in der die große Kirchenrenovierung stattfand (s.u.). Stilistisch haben die Bilder in Kay mit Panhammers 1718/23 entstandenen Ausmalung in Maria Ponlach (S. 182 ff.) nichts zu tun.
Der Freskant von Kay war zwar ein ganz guter Maler, aber kein geübter Freskant, sonst hätte er nicht die völlig ungewöhnliche Technik von Öl auf Kreidegrund verwendet. Er zeigt auch Unsicherheiten in der Figurenperspektive und -komposition. Es ist daher wenig wahrscheinlich, daß er ein vielbeschäftigter überörtlicher Freskant war wie etwa (ab 1761) der Trostberger Franz Joseph Soll, der viele Freskenaufträge außerhalb seines eigentlichen Bereichs ausführte, oder gar ein Salzburger Maler. Man hat den Autor wohl in Tittmoning zu suchen, wo 1728-53 Ignaz Andreas Dinzl die Malergerechtigkeit innehatte.
Die Kirchenrechnungen und mehrere Belege im Pfarrarchiv Kay (Nadler/Hildebrandt S. 32–34) stützen eine Zuweisung an Ignaz Andreas Dinzl und eine Datierung in die Jahrhundertmitte: 1751/52 wurde durch den Tittmoninger Maurermeister Abraham Rauscher eine Renovierung des Raums vorgenommen (»Ausweissung, und Ausbösserung des Ge mäuers«); Gerüste wurden aufgestellt. Im gleichen Zeitraum wurden die Altäre neu gefaßt; es existiert der Kostenvorantrag des Malers Dinzl vom 14.8.1751 über 124 fl. für die Renovierung des Hochaltars. Auch in anderem Zusammenhang wird mehrfach »der Maller« genannt - mit Sicherheit Dinzl. Die Fresken sind nicht erwähnt, wie meistens, da sie in der Regel aus privaten Spenden finanziert wurden. Die Spender nahmen dabei meist eine Innenrenovierung zum Anlaß der Freskierung, weil die Gerüste und die Maurerarbeiten, die von Seiten der Kirche bezahlt wurden, die Kosten dafür verminderten.
Ignaz Andreas Dinzl führte in der Zeit, in der er als Maler in Tittmoning ansässig war, alle anfallenden Malerarbeiten im Tittmoninger Bereich aus (neben Fassarbeiten auch Dekorationsarbeiten wie etwa Wappen und Totenköpfe in der Kirche von Kay beim Requiem Pfarrer Strubeggers 1743). An figürlichen Darstellungen von seiner Hand kennen wir die beider Seitenaltarblätter und zugehörigen Auszugsbilder in Maria Ponlach sowie die beiden Seitenaltarblätter mit den Auszugsbildern in der Tittmoninger Filialkirche Kirchheim.
Wenn auch der Vergleich von Decken- und Altarbildern immer problematisch ist, so ergeben sich doch viele Übereinstimmungen, die eine Zuweisung der Ausmalung von Kay an Dinzl stützen: etwa bei den weiten, faltenreichen Gewändern bei der Gesichtsbildung mit den oft ausgeprägten Nasen, den rollenden Augäpfeln und den kräftig-runden Kinnpartien sowie der ausgreifenden Gestik mit oft präzis gespreizten Fingern; bei Details wie der Sandalenform; bei der ausgesprochenen Vorliebe für die Darstellung von reichem Schmuck, edelsteinbesetzten Agraffen, Perlenschnüren und Perlenbesatz, bei üppig ausgestalteten Kronen und Mitren, beim Spitzenbesatz. Auch die Darstellung der Hermelinkragen und -mäntel stimmt überein: der Maler kann Fell nicht darstellen, er setzt die schwarzweißen Hermelinschwänzchen unvermittelt auf unbestimmten hellen Grund. Die Engelsschwingen sind kraftvoll ausfahrend dargestellt, mit ausgebogenen Gelenken und großen Schwungfedern. Der Raum bleibt immer unbestimmt, die Figuren erscheinen auf Wolken oder Podesten.
Auf dem Gürtel des im Bildzentrum von C dargestellten Mannes findet sich das Monogramm I. M. G. Es sei auf die Möglichkeit hingewiesen, daß es sich um das falsch restaurierte Monogramm I. A. D. handeln könnte und bei der Figur um ein Selbstbildnis des Malers. Dagegen spricht aber die Kleidung, die eher bäuerlich als bürgerlich ist. Vielleicht handelt es sich um die Initialen des Stifters der Fresken.
Befund
Träger der Deckenmalerei: verschliffene Kreuzgratgewölbe; die abgeschlagenen Rippen sind stellenweise noch sichtbar. Rahmen: A-C unruhig gebogte und geknickte Stuckprofilrahmen; 1-6 einfache Stuckkartuschen ohne Ornamentik: K
Stuckprofilrahmen
Technik: Ölmalerei auf mit Leim und Kreide grundiertem Putz, polychrom
Maße: A Höhe 11,80m; 2,80 x 3,20
B Höhe 11,80m; 8,80 x 5,20
C Höhe 8,20m; 4,80 x 3,90
K Höhe 6,70 m; 2,20 x 1,10
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Die Deckengemälde von Kay sind mit Ölfarben auf Kreidegrund gemalt und hatten deshalb nie die Haftfähigkeit und Widerstandskraft von Fresken. Ihr Schicksal war entsprechend bewegt. Schon 1833 hatte das Deckenbild K über dem Bruderschaftsaltar starke Feuchtigkeitsschäden und wurde durch den Maler Johann Laberger weitgehend neu gemalt. 1861 wird berichtet, daß zwar das Gewölbe in gutem Zustand sei; aber »an der Decke sind allenthalben Fresko-Gemählde angebracht, und mit Stuck-Arbeit eingefaßt, die im Laufe der Zeit, von jeder Temperatur beeinflußt, an Frische der Farben verloren haben, und schadhafte Stellen weisen« (AEM). 1864 »Restaurierung der ganz dunkel und schmutzig gewordenen Gemälde am Plafond..., welche aus dem Leben des hl. Kirchenpatrons Martinus mehrere Begebenheiten in sonst korrekter Zeichnung und guter Malerei darstellen« (AEM) durch Joseph Baumann aus Freising (Datum 1864 ganz unten auf den Stufen von C). Nächste Innenrestaurierung 1896/98 durch den Maler Alois Rauchensteiner von Tittmoning. Die geplante neue dekorative Malerei am Gewölbe wurde genehmigt; die »beachtenswerten und gut erhaltenen« Deckengemälde sollten aber »gewissenhaft geschont« werden. 1912 Planung einer erneuten Restaurierung mit Untersuchung der Deckengemälde 1914 durch Karl Weinzierl, Isen, »ob sich nicht unter der jetzigen, unkünstlerischen Ölfarbenmalerei alte Gemälde vorfinden« (BLfD). Innenrenovierung 1923 mit Kirchenmalerarbeiten von Peter Keilhacker, Taufkirchen, und Restaurierung der Deckengemälde sowie Bemalung des Chorbogens mit den Sieben Werken der Barmherzigkeit von Wilhelm Geromiller (Photos im Pfarrarchiv, Abb. bei Nadler/Hildebrandt). »Es waren 9 Deckengemälde ... zu restaurieren, welche (er) mit größter Sorgfalt reinigte, ausbesserte und wieder gut auffrischte... Neu gefertigt hat (er) in sehr anspruchsvoller Weise die Werke der Barmherzigkeit für den großen Chorbogen.« Die Kirche sei »bereichert durch prächtige Rokoko Umrahmungen und symbolische Bilder« von Michael Gottschalk (Nadler S. 13). Bei der Innenrestaurierung 1964 durch Willibald Stein, Inzell, wurde »die schlechte neue Malerei an Decken und Wänden« entfernt. Von der Ausmalung 1923 blieben nur die sechs Zwickelbilder Gottschalks am Chorgewölbe erhalten. Die »echten alten« Deckenbilder wurden gereinigt und, um sie zu festigen und die Oberfläche weniger anfällig zu machen für Ruß und mechanische Schäden, mit einer Art Kunststoffbeschichtung versehen.
Gesamtrestaurierung 1996–2001. Bei der Restaurierung der Orgel fanden sich an der Wand barocke Malereien, Putten, die ein Zifferblatt hielten; sie wurden nicht wieder hergestellt. Restaurierung der Raumschale und der Deckenbilder 1997/99 durch Alois und Michael Stein, Inzell. Bei der Fassung der Raumschale orientierte man sich an der Fassung von 1964, da von den ornamentalen Fassungen 1896 und 1922 zwar Skizzen erhalten sind, die Reste aber so fragmentarisch waren, daß eine Wiederherstellung unmöglich war. Die gemalten Rahmungen, die 1964 verändert worden waren, wurden reduziert. Die Technik der Deckenbilder, Ölmalerei auf Kreidegrund »führte zu gravierenden Haftungsproblemen, vielen Abplatzungen und Aufschuppungen« (Stein); die Malereien waren wieder sehr verschmutzt und außerdem bei den vielen Restaurierungen mehrfach unsachgemäß überarbeitet worden. Das alles stellte große Anforderungen an die Restauratoren, doch war das Ergebnis nach »Sicherung der Malschicht, Hinterfüllen von Hohlräumen, Festigen, Reinigen, Abnahme von Retuschen früherer Restaurierungen und Retuschieren von Fehlstellen« (Stein) weit besser als erwartet. Die Bilder können bei allem, was im Laufe der Jahrhunderte mit ihnen gemacht wurde, zwar nicht als original gelten, aber es ist doch gelungen, eine sehr problematische barocke Ausmalung weitgehend zu erhalten.
Beschreibung und Ikonographie
A ST. MARTIN ALS PATRON DER PFARREI KAY Ansicht nach W. Über einer weiten hügeligen Landschaft thront auf einer Wolke Bischof Martin von Tours mit seinem Attribut, der Gans. Segnend hat er die Rechte erhoben. Breite Gnadenstrahlen fallen aus Wolken auf die Kirche von Kay und ihre sechs Filialen. Kay ist in der Mitte dargestellt. Die Filialen sind von links außen beginnend St. Nikolaus in Hof, folgend im Uhrzeigersinn St. Vitus in Törring, St. Johann Baptist in Weilham, St. Ulrich in Salling, St. Leonhard in Meggenthal und am rechten Bildrand unten St. Peter und Paul in Lanzing. Heute gehören zu Kay nur mehr Lanzing, Hof und Meggenthal.
B AUFNAHME DES HL. MARTIN IN DEN HIMMEL Langgezogenes Feld, eine Himmelslandschaft mit kräftig geballten gelbgrauen Wolken vor tiefblauem Himmelsgrund darstellend. Zuunterst kniet Martin in sorgfältig ausgeführtem Gewand, mit spitzenbesetzter Albe, blauem Untergewand mit Goldfransen und goldgesticktem grünen Pluviale. Zu seinen Füßen liegen die goldverzierte Mitra und das Pedum als Zeichen seiner Bischofswürde, hinter ihm ist die Gans als sein
LANDKREIS TRAUNSTEIN · KA
Attribut zu sehen. Dicht hinter und über ihm steht Joseph, auf ihn niederblickend und mit der Linken zum Himmel weisend. Joseph ist als noch junger Mann mit dunklem Bart und Haar dargestellt, mit ockerfarbenem Mantel über dem blauen Gewand, die Lilie in der Rechten. Auf einer schräg darüber gesetzten Wolke thront Maria in rosafarbenem Kleid mit weißem blauen Mantel. Um das Haupt hat sie den Sternenkranz. Sie blickt nach oben und empfiehlt den hl. Martin mit weit aus gebreiteten Armen der Dreifaltigkeit. Im obersten Bilddrittel thronen Gottvater mit dem Zepter über der Weltkugel und Christus, mit ausgebreiteten Armen seine Wunden weisend. Hinter ihm hält ein Engel das hochaufragende Kreuz (das Gewand Gottvaters ist gegen die ikonographische Tradition blau/grün statt gelb/violett). Engel und Putten begleiten die göttlichen Personen. Über ihnen bilden weiße Wolkenkränze in konzentrischen Kreisen eine Glorie, in der lichtumstrahlte Taube des Geistes schwebt.
ben) roten Soldatenmantel. Darüber erscheint Christus mit ausgebreiteten Armen, um die Hüften ebenfalls einen (halben) roten Soldatenmantel. Nach Sulpicius Severus (Vita Sancti Martini 3) hatte Martin einem frierenden Bettler vor dem Stadttor von Amiens die Hälfte seines Mantels geschenkt. In der Nacht darauf hatte Martin ein Traumgesicht: Christus erschien ihm, bekleidet von einem Mantelstück, und forderte ihn auf, in diesem Mantel den zu erkennen, den er selbst dem Bettler geschenkt hatte; mit Hinweis auf Mt 25,40: »Was ih dem Geringsten meiner Brüder getan habt, habt ihr mit getan.«
2 TOTENERWECKUNGEN Palastarchitektur. Auf der Substruktion steht ein Sarg, in dem ein Toter liegt. Bischof Martin im Rauchmantel kniet am Sarg und betet. Auf der anderen Seite des Sarges steht eine Frau, die ihr totes Kind hält. Unter der Substruktion liegt ein weiterer Toter, in ein Leichentuch gehüllt. Strahlen fallen aus dem Himmel. Manda T 1 1 D 1 1 D
Martin von Tours gilt als Erwecker dreier Toter, wobei die drei Erweckungen gelegentlich simultan dargestellt werden (»trium mortuorum surgator magnificus«, s. CBD, Bd 7 S. 235). Sulpicius Severus überliefert allerdings vier Erweckungen. Von diesen sind hier wohl die des Katechumenen dargestellt (Vita 7), an dessen Sarg Martin kniet, dann die des Erhängten auf dem Landgut des Lupicinius (Vita 8), der in dem Toten unter der Substruktion zu sehen ist, und die eines
Knaben, dessen Leichnam seine Mutter dem hl. Martin auf dem Weg nach Chartres entgegenhielt (Sulpicius Severus, 2. Dialog 4; in: Bibliothek der Kirchenväter [=BdK], Bd 20, Kempten und München 1914).
3 MARTIN VOR DEM KAISER
Ein Herrscher mit Krone und Hermelinmantel ist vom Thron aufgesprungen. Martin in Bischofskleidung steht vor ihm. Die blaue Baldachindraperie des Thrones brennt an mehreren Stellen. Links im Hintergrund Soldaten.
Auch diese Szene ist bei Sulpicius Severus überliefert (2. Dialog, 5). Gallus, ein Schüler des hl. Martin berichtete, daß diese einst den Kaiser Valentinian um etwas bitten wollte. Der Kaiser hatte davon erfahren und verweigerte dem Bischof die Audienz. Martin fastete und betete sieben Tage und ging dann zum Palast, wo er auf wunderbare Weise ungehindert bis zu dem Raum vordrang, wo sich der Kaiser befand. Dieser, zornig über Martins Erscheinen, blieb auf dem Thron sitzen »bis Flammen unter dem Thronsessel aufloderten und Feuer am sitzenden König hinaufzüngelte. Jetzt schnellte der stolze Mann rasch von seinem Sitze empor; er erhob sich wider seinen Willen vor Martinus und schloß den vielmals in seine Arme, dem er doch vorher Mißachtung bezeugen wollte. Umgewandelt gestand er, er habe eine göttliche Kraft an sich verspürt. Ohne auf des Martinus Bitten zu warten gewährte er schon zum voraus alles« (BdK Bd 20, S. 110f.).
gestellt, rechts ein Benediktiner mit blauer Stola. Am Boden liegen Mitra und Stab, die Würdezeichen des Bischofs, am Himmel sind zwei Puttenköpfchen zu sehen.
Bischof Martin fühlte sein Ende bereits nahen, als ein Streit der Kleriker in der Pfarrei Candes bei Tours ihn zwang, dorthin zu reisen und den Frieden wiederherzustellen (Sulpicius Severus 3. Brief). »Schon dachte er daran, zum Kloster zurückzukehren, als ihn ganz unerwartet die Körperkräfte verließen. Er rie die Brüder herbei und erklärte ihnen, er fühle sein Ende naher ... Er war auf seiner vornehmen Lagerstätte, auf Asche und ir einem Bußgewande, gebettet« (BdK Bd 20, S. 66–69). Bischof Martin von Tours starb in Candes am 8. 11. 397.
C VEREHRUNG DES ALTARSAKRAMENTS
Weite Himmelsszenerie, in der im Rund geführte Wolken eine lichte Glorie ausbilden, vor der eine prachtvolle Monstranz mit dem Allerheiligsten steht, von Putten und Puttenköpfchen angebetet. Unten auf einem Stufenpodest haben sich in Anbetung des Altarssakraments geistliche und weltliche Würdenträger versammelt. Links kniet ein Papst, in einem reichgeschmückten Pluviale, der mit ausgebreiteten Händen zum Himmel aufblickt. Vor ihm steht auf rotem Samtkissen die Tiara. Um den Papst sind geistliche Würdenträger versammelt. Dicht bei ihm kniet einer in goldenem Rauchmantel mit tiefgeneigtem Haupt, an seiner anderen Seite einer, der einen roten Talar und ein spitzenbesetztes Chorhemd trägt sowie eine rote Mozzetta. Im Hintergrund der Gruppe auf dieser Bildseite sind noch einige nicht näher bezeichnete Köpfe zu sehen.
Gegenüber sind weltliche Würdenträger dargestellt. Vorne kniet mit weit ausgestreckten Armen ein junger Kaiser in Rüstung und hermelingefüttertem roten Mantel. Er trägt die Ordenskette des goldenen Vlieses, vor ihm liegen auf einem Kissen die Krone des Heiligen Römischen Reiches und der Reichsapfel. Hinter dem Kaiser ist ein weiterer Fürst am Hermelinkragen zu erkennen sowie ein Gelehrter an seinem schwarzen Gewand und Mantel. Neben dem Kaiser kniet ein sehr beleibter Adeliger mit Ordensstern auf dem blauen Rock über goldfarbener Weste. Ein Herr in grünem Rock hat beim Knien sich so tief geneigt, daß sein Gesicht fast den Boden berührt.
Kompositionell überzeugend ist nur die Personengruppe im Zentrum des Bildes, während die weiter hinten plazierten Personen ziemlich ungeschickt angeordnet sind. In den Physiognomien der Figuren findet man nicht die üblichen Typisierungen, sondern das Bemühen um Porträtähnlichkeit. Das Bild wurde vermutlich nach einem Stich gemalt, wobei die Personen der zentralen Gruppe übernommen, die übrigen aber vom Maler selbständig angeordnet wurden. Beim Papst handelt es sich wohl um Benedikt XIV. (1740–58): die Figur zeigt große Ähnlichkeit mit dessen zeitgenössischen Porträts. Kaiser in der fraglichen Zeit war Franz I. Stephan von Lothringen (1745–65). Der nach dem Papst wichtigste geistliche und nach dem Kaiser wichtigste weltliche Würdenträger im Gericht Tittmoning, der Fürsterzbischof von Salzburg, ist auf dem Bild nicht zu identifizieren. Den Pfleger Wolfgang Ludwig Graf Überacker, Freiherr zu Sighartstein und Pfongau, kann man vielleicht in dem vornehmen Herrn rechts sehen. Das Bild stellt die Verehrung des Altarssakraments durch die geistlichen und weltlichen Würdenträger dar.
lichen Stände dar; dabei wollte man in Kay wahrscheinlich auf die historische und lokale Situation um 1750 eingehen. Genaueres kann man dazu nicht sagen.
Im Hintergrund, zwischen den beiden Gruppen, ist in der Mitte ein eher einfach gekleideter Mann dargestellt, der der Hut in Händen hält und zum Himmel blickt. Auf seinem Gürtel sind die Buchstaben I. M. G. eingestickt (möglicherweise bei einer Restaurierung verändert, s.s. unter Autor).
a-f SYMBOLE DER EUCHARISTIE (Gottschalk 1923) An den Gewölbezwickeln des Chors begleiten sechs kleinere gemalte Kartuschen das Hauptbild. Sie zeigen sämtlich Geschehnisse oder Symbole, die sich in irgendeiner Form auf das Thema des Hauptbildes, die Eucharistie, beziehen. Einige Darstellungen stützen sich vielleicht auf 1923 noch vorhanden gewesene Bildreste (keine Abb.).
K BRUDERSCHAFTSBILD/GEBET FÜR DIE ARMEN SEELEN Im südlichen Seitenschiff befindet sich im östlichen Joch ein kleines Deckenbild (Ansicht nach O), das sich auf den dort befindlichen Altar bezieht, den Bruderschaftsaltar der 1686 in Kay eingeführten Allerseelenbruderschaft. Es zeigt das Kreuz auf Golgatha vor finsteren Wolken und roter Sonne. Zwei Bruderschaftsmitglieder knien auf der Wiese zu seiten des Kruzifixus, in der schwarzen Bruderschaftstracht. Einer blickt betend zum Gekreuzigten auf; er hält einen Bruderschaftsstab und einen Rosenkranz. Unter dieser Szene ist Einblick in eine unterirdische Höhle gegeben, wo das Fegfeuer lodert. Vier Arme Seelen, mit Ketten gefesselt, sind in den Flammen dargestellt. Von oben neigt sich das zweite Bruderschaftsmitglied den Armen Seelen zu, mit um den Rosenkranz gefalteten Händen, während eine der Seelen die Hände nach diesem Heilsmittel ausstreckt. – Zu den Hauptaufgaben der Allerseelenbruderschaft gehörte das Gebet für die Armen Seelen, die sich noch im Zustand der Läuterung befanden. Den Ort der Läuterung stellte man sich als das Fegfeuer vor. Durch das Gebet konnten die Qualen der Armen Seelen abgekürzt werden
Quellen und Literatur
StAM, Landbauämter 1705: Restaurierung 1896; Zustand 1920.
AEM, Pfarrakten: Pfarrbeschreibung; Kirchenbauten 1700-1792; Bauten II: Restaurierungen 1861/64, 1896, Kirchenerweiterung 1913; Pastoral- und Kultusgegenstände; Resignationen und Verlassenschaften (Tod und Verlassenschaft der Pfarrer Strubegger und Joly).
AEM, Plansammlung 20042, 30069–71, 40008
Kunstreferat der Erzdiözese München und Freising: Stefan Nadler und Maria Hildebrandt, Kath. Pfarrkirche St. Martin in Kay. Dokumentation zur Bau-, Ausstattungs- und Restaurierungsgeschichte (mit Bearbeitung aller einschlägigen Archivalien), Typoskript 1999.
BLfD, Akt Kay, Pfarrkirche St. Martin
Hübner, Beschreibung des Erzstiftes und Reichsfürstenthums Salzburg in Hinsicht auf Topographie und Statistik, Bd 1, Salzburg 1796: III. Das Pfleg- Stadt- und Landgericht Tittmoning. S. 63–99. Kay S. 78.
KDB I OB (3), S. 2692
Mayer-Westermayer Bd 3, S. 387–90
Preiß, Roswitha, Johann Georg Itzlfeldner 1704/05–1790. Ein Bildhauer des Salzburger Rokoko in Bayern, Weißenhorn 1983. Kanzel in Kay S. 79.
Historischer Atlas I, Bd 55, Laufen an der Salzach (Helga Reindel-Schedl), München 1989, S. 688.
Dehio 1990, S. 520.
Schmidt, Yvonne, Die Ausstattung der Kirchen, in: Heimatbuch des Landkreises Traunstein, Bd V, Trostberg 1990, S. 201–60. Kay S. 242 f., Abb. 43.
Stein, Alois und Michael, St. Martin in Kay, in: RENOVAVIT (= Jahrbuch des Vereins für christliche Kunst in München e.V., Sonderband 2000, Festschrift für Georg Schneider), Lindenberg 2001, S. 183–98.
A. B.