Illdorf, Pfarrkirche Johannes der Täufer


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 10: Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. Hirmer, München 2005, ISBN 978-3-7774-2365-4, S. 110–114, geschrieben von Volk-Knüttel, Brigitte. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

ILLDORF

Pfarrkirche (Pfarrverband Burgheim), Markt Burgheim; z. Z. der Ausmalung lag das Patronatsrecht beim Zisterzienserinnenkloster Niederschönenfeld. Gericht Rain (Kurbayern)

Patrozinium: Johannes der Täufer

Zum Bauwerk: Die gewestete Kirche ist ein Neubau von 1723. Der Eingang liegt auf der O-Seite im Erdgeschoß eines viergeschossigen romanischen Turms, der von einem Vorgängerbau erhalten blieb. Der Turm stürzte 1776 ein und wurde anschließend wieder aufgebaut. 1923 errichtete man eine neue Sakristei an der S-Seite; 1938 brach man die alte, im N gelegene Sakristei und den anschließenden Kanzelzugang ab und verlegte die Kanzel und den Anbau für den Aufgang auf die Südseite.

Gewesteter Saalbau zu drei Jochen, Empore im O, gleichmäßige Belichtung durch vier korbbogige Fenster in den beiden westlichen Jochen, über der Empore querovale Fenster. AR zu einem Joch von gleicher Breite wie das LHs und gegen dieses durch eine eingeschobene Chorbogenwand abgesetzt, korbbogiger Schluß mit querovalen Fenstern. Gliederung durch Pilaster. Hochaltar von 1729 (ABA, laut Eintrag im Matrikelbuch) mit Gemälde der Enthauptung Johannes d. T., im Auszug Figurengruppe mit der Taufe Christi. Weihe der Kirche am 25.9.1760. Die barocken Fresken befinden sich im AR und an der Emporenbrüstung.

Auftraggeber: Johann Michael Endress, Pfarrer in Illdorf (1713-53). Unter ihm wurde der Neubau errichtet. Pfarrer Endress war auch später bestrebt, die Kirche weiter auszuschmücken, s. Inschrift mit Chronogramm an der Emporenbrüstung: Effigies Istas svis fieri pingique. Veneratio. Vovit Ioannes Michael Endress (= 1738. Johann Michael Endress wollte, daß diese Bilder gemacht und gemalt wurden zur Verehrung; ABA, Pfarrarchiv Illdorf, Geschichtliche Mitteilung von 1856).

Am Hochaltar befindet sich das Wappen der Antonia von Prey, Äbtissin des Klosters Niederschönenfeld (1702–40).

Autor und Entstehungszeit:

a-d Autor unbekannt, um 1723. Die kleinen Nebenfresken im AR entstanden wohl noch während der Bauzeit. Ihr Zustand läßt keine Rückschlüsse auf den Autor zu.

EB1-7 Autor unbekannt, 1738 laut Chronogramm (s. Auftraggeber).

Befund

Träger der Deckenmalerei: AR (a-d) Tonne mit Stichkappen; LHs Emporenbrüstung (EB1-7)

Rahmen: a-d gemalt, oben und unten mit Ornament; EB1-7 Stuckrahmen

Technik: Fresko; a-d camaieu ocker; EB1-7 polychrom. Maße: Höhe AR 6,90 m; EB1-7 je 0,75 × 0,86 m

Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1856 wurde die damals vorhandene Ausmalung der Kirche folgendermaßen beschrieben: »An der gewölbten Kirchendecke zunächst des Choraltars sind an den 4 Ecken 1 Papst, 2 Bischöfe und der hl. Markus (gemeint sind vielleicht die Vier Kirchenväter), in der Mitte der Bußprediger Johannes, mitten in der Kirche die Taufe Christi und an den 4 Ecken die 4 Evangelisten angemalt, über den Bohren (= Emporen) und den Musikchor zu«.

 
Der Kirchenraum
 

rechts Johannes im Gefängnis und links den Hohenpriester Zacharias« (ABA, Pfarrarchiv Illdorf, Geschichtliche Mitteilung von 1856). 1860 wurde die Kirche instandgesetzt, Kirchenstühle und Pflaster repariert, Dachrinnen angebracht, das Innere gestrichen und getönt, die Maler- und Vergolderarbeiten durch Kaspar Nerlinger, Neuburg, ausgeführt. Von den Fresken ist dabei nicht die Rede. Bei einer erneuten Innenrenovierung von 1878 wurde die Kirche getüncht und dabei an der Decke das Fresko mit der Taufe Christi überstrichen (Schreiben des Pfarrers von Illdorf an das BLfD vom 12.11.1913 anläßlich einer geplanten Neutünchung), wahrscheinlich auch alle andern Fresken in der Kirche. 1903 wurde der Chor neu ausgemalt. Dafür reichte Adolf Mock, Maler und Bildhauer in Neuburg, am 23. 3. 1903 einen Kostenvoranschlag ein, der vorsah, den Plafond und die Wände in Leimfarbe nach beigelegten Zeichnungen zu malen sowie in die Felder ornamentale Verzierungen, unten dagegen einen Sockel von 1,50 Meter Höhe in Ölfarbe. Dieser Zustand, mit einem IHS-Zeichen in rundem Feld in der Mitte der Decke, ist auf einer alten Postkarte zu sehen (StA Augsburg, BA Neuburg, Nr. 4673 f, Foto Nr. 65677).

Anläßlich einer geplanten Restaurierung 1913 empfahl das BLfD, die im Jahre 1878 übertünchte »Taufe Christi« freizulegen. Damit wurde Kirchenmaler Karl Glaubacker, Regensburg, betraut. Bei seiner versuchten Freilegung kamen ornamentale und figürliche Malereien zum Vorschein, doch löste sich der Bildträger vom Untergrund (Lattengerüst), außerdem hatte man für die Tünchung von 1878 die Oberfläche aufgepickt, sodaß die Malerei so schlecht erhalten war, daß sich eine Freilegung nicht lohnte. Glaubacker machte mit zwei aquarellierten Zeichnungen Vorschläge für eine neue Bemalung der Decke und der Stichkappen (ABA, Pfarrarchiv Illdorf). Vorgesehen waren dabei im AR in der Mitte ein großes rundes Feld mit dem Auge Gottes, in den Stichkappen vier Embleme auf die Vier Kardinaltugenden; im LHs in der Mitte der Wölbung das Apokalyptische Lamm, in den vier Stichkappen die Evangelisten in Gestalt der apokalyptischen Tiere, letzteres ein Vorschlag, der beanstandet wurde. Über der Empore sollten ein Mittelspiegel und zwei Kartuschen in den Stichkappen nur ornamental bemalt werden. Wie ein vor 1938 aufgenommene Foto mit Blick in den Chor zeigt (StA Augsburg, BA Neuburg, Nr. 4673 g), kamen Glaubackers Vorschläge, zumindest im Chor, zur Ausführung. Anstelle eines runden wurde allerdings ein vierpaßförmiges Mittelfeld gewählt. Vermutlich wurde auch das LHs von Glaubacker ausgemalt. Die von ihm vorgeschlagene Darstellung des Apokalyptischen Lamms war nur als Zwischenlösung gedacht bis Geld für eine richtige Ausmalung vorhanden wäre.

1936 wurde eine neue Orgel gekauft. Bei ihrer Installation »stieß man beim Austünchen bzw Abwaschen der Orgelempore auf alte Barockfresken des hl. Johannes« (BLfD, Schreiben des Bezirksamtes Neuburg vom 4.6.1936). Die Malerfirma legte sie frei, restauriert und konserviert wurden sie vor Erwin Vogt, München; eine Dokumentation wurde nicht angelegt. Die Fresken wurden in der Folgezeit wieder überstrichen, wahrscheinlich 1939. Heute zeichnen sich über der Empore an der Decke an einigen Stellen noch von Stuckrahmungen umgebene Felder unter dem Putz ab, z. B. an der N-O-Seite ein Herz und ein Oval.

Anläßlich einer umfassenden Innenrestaurierung erhielt die Kirche 1939 durch Kunstmaler Josef Eberz, München, einen Freskenzyklus, der das Leben Johannes des Täufers zum Thema hatte. Er umfaßte im Chor in der Mitte Johannes den Täufer in der Glorie, im Langhaus die Taufe Christi durch Johannes und in vier Stichkappen des LHs Szenen aus dem Leben des Johannes. Die Stichkappen über der Empore wurden nicht bemalt. Die Rahmen von Eberz sind angeblich neu, doch ist bei Glaubacker und Eberz das Mittelbild des LHs im Format gleich. Die heute im AR vorhandenen emblemähnlichen Darstellungen a-d aus der Erbauungszeit der Kirche wurden 1939 freigelegt und dem Zyklus von Eberz integriert. Sie sind stark restauriert.

 
Vorschlag für eine Neubemalung von Karl Glaubacker 1913, Augsburg
 
 
 
a-d Weissagungen des Isaias zu Johannes d.T
 

Die Apostelbilder an der Empore von 1738 waren wohl im 19. Jahrhundert übermalt worden; sie wurden 1939 ebenfalls restauriert. Anläßlich einer erneuten Restaurierung schrieb das BLfD am 9.6.1960: »Bei den stark übermalten Apostelbildern der Emporenbrüstung wäre evtl. eine Entfernung der Bemalungen durch einen Restaurator zu versuchen«.

1968 wurde die Kirche erneut renoviert, 1995 erfolgte eine Außenrenovierung mit Dachsanierung. Anläßlich einer Innenrestaurierung von 1997/99 beschloß man auf Wunsch der Kirchengemeinde, der die Bilder von Eberz nie gefallen hatten, diese abzudecken und durch andere Gemälde zu ersetzen. Zunächst wurde noch einmal versucht, eventuell vorhandene barocke Fresken freizulegen, doch ergaben Untersuchungen an der Decke keine Aufschlüsse über die Gemälde aus der Zeit vor 1939 (BLfD, Archiv: Befunduntersuchung VON 1997).

Die Bilder von Eberz blieben in situ und wurden 1998/99 durch neue, sich dem Raumcharakter stärker anpassende »barockgemäße« Deckenbilder auf Leinwand von Franz Kugelmann, Kleinaitingen, überdeckt. Die barocken Fresken an der Emporenbrüstung und im Chor wurden durch die Kirchenmalerfirma Hans Pfister, Heinrichshofen, gereinigt und konserviert.

Beschreibung und Ikonographie

Die Deckenbilder aus der Erbauungszeit gingen zum größten Teil zugrunde. Da die Kirche Johannes dem Täufer geweiht ist, kann man aber annehmen, daß von den 1856 beschriebenen Darstellungen die Taufe Christi an der Decke des LHs und der Bußprediger Johannes d.T. an der Decke des AR zur ursprünglichen Bemalung gehörten oder wenigstens deren Themen tradierten. Für den AR bestätigen das die 1939 freigelegten emblemähnlichen Darstellungen a-d in den Stichkappen, die sich thematisch auf Johannes beziehen. Zum ursprünglichen Bildkonzept gehörten auch die 1856 erwähnten zwei Deckenbilder über der Empore mit Johannes im Gefängnis und dem Hohenpriester Zacharias, letzteres vielleicht die »Namensgebung des Johannes«. Sie sind identisch mit den 1936 aufgedeckten und dann wieder überstrichenen »alten Barockfresken des hl. Johannes«, die leider damals nicht dokumentiert wurden. Ihr Platz war in den sich über der Empore abzeichnenden, ehemals mit Stuckrahmen umgebenen Feldern, für die eine Bemalung auch durch die Befunduntersuchung von 1997 nachgewiesen ist. Eine weitere Darstellung war laut dieser Untersuchung auf der Emporenunterseite.

Nach der Beschreibung von 1856 befanden sich keine Gemälde in den Stichkappen, sondern alle an der »gewölbter Kirchendecke«. Demnach dürften auch die im LHs beschriebenen Vier Evangelisten sowie die Vier Kirchenväter (?) des AR am Gewölbe angebracht gewesen sein, und zwar jeweils seitlich des Mittelbildes, in Entsprechung zu den zwei seitlichen Deckenbildern über der Empore. Unerwähnt gelassen hat die Beschreibung die emblemähnlichen Darstellungen a-c in den Stichkappen des AR. In Analogie zu deren Bemalung ist zu vermuten, daß auch die Stichkappen des LHs ursprünglich mit Darstellungen en camaieu, vielleicht Emblemen, bemalt waren. Bei der Befunduntersuchung von 1997 konnten hier jedoch keine Freskenreste aus der Bauzeit festgestellt werden. Der Putz der ursprünglichen Bildfelder ist im 19. Jh. (oder 1914 ?) abgeschlagen worden.

Darstellungen im Altarraum

a-d WEISSAGUNGEN DES ISAIAS ZU JOHANNES DEM TÄUFER Die kleinen Nebenbilder beziehen sich auf die ehemals im Chorscheitel gemalte Darstellung Johannes des Täufers als Bußprediger und Vorläufer Christi. Die gewählten Schriftstellen enstammen alle den Weissagungen des Propheten Isaia. Nach Mt 3, 3 ist Johannes der Täufer derjenige, von dem Isaia gesagt hat: »Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn. Macht seine Straßen eben«. Durch seinen Ruf zu Buße und Umkehr wird das Wirken Johannes des Täufers in Parallele gesetzt zur Sendung des Isaia, gleichzeitig weist es auf den Messias voraus. Die Bilder sind keine eigentlichen Embleme, sondern Illustrationen zu den Textstellen in Emblemform.

 
 

EB1-7 CHRISTUS, MARIA UND DIE ZWÖLF APOSTEL Die Dargestellten sind paarweise als Dreiviertelfiguren wiedergegeben, Christus und Maria erscheinen in der Mitte der Emporenbrüstung, flankiert von den vier Aposteln, die in der Aufzählung bei Mt 10,2 als erste genannt werden. Zur Rechten Christi sind Petrus und sein Bruder Andreas dargestellt, zur Linken Mariä Johannes und sein Bruder Jakobus d. Ä. Für die Kleidung der Apostel wurden die traditionellen Farben gewählt, z. B. trägt Petrus ein bläuliches Kleid und einen ockergelben Mantel, Johannes ein grünes Gewand mit rotem Mantel. Für einige der Darstellungen diente eine radierte Apostelserie von Johann Georg Bergmüller als Vorbild (Abb. S. 31 ff.), auf die auch Johann Anwander 1735 in Ammerfeld (s. S. 19) und Carl Conrad Prauneck in Bertoldsheim (s. S. 74) zurückgegriffen hat; Zählung von Norden nach Süden.

EB1 BARTHOLOMÄUS mit Buch und Messer, MATTHÄUS mit aufgeschlagenem Buch und Hellebarde. EB, PHILIPPUS betend, mit dem Stabkreuz im Arm. JAKOBUS d. J. mit der Walkerstange. EB3 ANDREAS mit Andreaskreuz, PETRUS mit den beiden Schlüsseln. EB4 CHRISTUS mit der Weltkugel und segnend erhobener Hand, MARIA im Gebet. EB, JOHANNES mit Buch und Giftbecher, JAKOBUS d. Ä. mit Pilgergewand und Buch sowie Helm, Rüstung und Fahne als Miles Christianus.

 

EB6 MATTHIAS mit dem Beil auf einem Tisch, THOMAS mit der Lanze und dem Attribut eines umstrahlten Herzens mit der Seitenwunde. EB7 SIMON mit der Säge, JUDAS THADDÄUS mit Keule und Winkelmaß.

Quellen und Literatur

ABA, Pfarrarchiv Illdorf: Geschichtliche Mitteilung von 1856; 2 Aquarelle von Karl Glaubacker; Matrikelbuch 2, S. 206; ebd. Siegelamtsprotokolle 25, 1748–1764, S. 640. StA Augsburg, BA Neuburg, Nr. 4673: Restaurierungen. BLfD, Registratur, Akten Illdorf, Pfarrkirche Johannes d. Täufer; ebd. Archiv, Abtlg. R. Wandrestaurierung: Befunduntersuchung der Raumschale von 1997 durch Peter Niederhauser, Wolfgang Reitschuster, Bertram Streicher und Sigrun Jantzen, Egling an der Paar. Braun-Augsburg, Bd 1, S. 465; Bd 2, S. 280. Steichele, Bd 2, S. 730. Hopp, Bd 2, S. 184. Heider, Josef, in: Nordschwäbische Chronik, 3. Jg. (1950), S. 185ff. Baader, Joseph, Geschichte des Frauenklosters NiederSchönenfeld, Cistercienser Ordens, in: Archiv für die Geschichte des Bistums Augsburg, hg. von Anton Steichele, Augsburg 1856, S. 173–460, hier S. 438. Horn/Meyer 1958, S. 519–21. B. V.-K.

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