Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 1: Die Landkreise Landsberg am Lech, Starnberg, Weilheim-Schongau. Hirmer, München 1976, ISBN 978-3-7991-5737-7, S. 419–421, geschrieben von Bauer-Wild, Anna, Böhm, Cordula, Lüdicke, Lore und Werner-Clementschitsch, Heide. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Heuwinklkapelle, Marienwallfahrt, Pfarrei Iffeldorf, Diözese Augsburg; z. Z. der Ausmalung war die Pfarrei Kloster Wessobrunn inkorporiert, Klosterhofmark Wessobrunn

Patrozinium: Maria und alle Heiligen

Zum Bauwerk: An Stelle einer älteren, hölzernen Kapelle ließ Abt Virgil Dallmayr unter Pfarrer Johann Urban Schwaiger (1695–1742) mit den Spenden der Gläubigen die Kapelle erbauen. Grundsteinlegung 1698, Weihe 1701. Baumeister Johann Schmuzer. - Vier-Konchen-Zentralbau mit niedriger, längsrechteckiger Vorhalle

Auftraggeber: Abt Virgil Dallmayr von Wessobrung (1697—1706)

Autor und Entstehungszeit: Die Entstehungszeit der Bil der liegt vor 1700. W. Mauthe nennt als Autor Nikolaus Prugger (Brucker). Diese Zuschreibung ist aus stilistischer und zeitlichen Gründen wenig wahrscheinlich. Nikolaus Prugger starb 1694 und lebte die letzten Jahre ohne Aufträge im Elend. Die Bilder müßten also älteren Datums und erst nachträglich in das Dekorationssystem der Pyramidenkuppel eingesetzt worden sein.

A Bathseba und Salomo

Befund

Träger der Deckenmalerei: Pyramidenkuppel Rahmen: Stuckprofil Technik: Öl auf Leinwand; polychrom Maße: A, B, C, D Höhe (Bildunterkante) 8,70 m; 2,60 × 1,70 Erhaltungszustand und Restaurierungen: Letzte Restaurierung 1951. Der Zustand ist gut

Beschreibung und Ikonographie

Die hochformatigen Bilder in der steilen Pyramidenkuppe sind tafelbildmäßig komponiert (Betrachterstandort unter halb der Kuppellaterne).

 

Der Bildraum aller vier Bilder ist sehr seicht; nur in D ist ein Durchblick auf eine Landschaft gegeben; doch steht dieser Tiefenraum nicht in logisch räumlichem und perspekti vischem Zusammenhang mit dem Bildvordergrund.

Bestimmend für den anschaulichen Charakter der Bilder ist vor allem die Bewegung der vielen Stoffe, Gewänder und Draperien. Besonders stark kommt das bei Bild B zum Ausdruck: Außer den Köpfen, den Händen und dem Schwert sind auf dem ganzen Bild nur Stoffe zu sehen. Diese Textilien sind meist schwer und prächtig bestickt oder gemustert; in der Oberfläche aber wenig differenziert.

Die Farben wirken schwer und dunkel. Auf allen Bildern ist die Spannung Rot-Blau beherrschend. Sie ist mit dunklem Gelb oder fahlen Mischtönen kombiniert.

A BATHSEBA UND SALOMO (3 Reg 2,19–20) Bildtitulus MATER. in einer Stuckkartusche. – Auf einem Podest, zu dem bildparallel Stufen emporführen, sitzt Salomo auf einem Thronsessel, zu seiner Rechten Bathseba. Auf den Thronstufen werden rechts zwei Löwen sichtbar. Im Hintergrund Hofleute. Vor den Stufen, im

 

Bildvordergrund links sind ein vornehmer Ritter und ein Knabe, die porträtartig in zeitgenössischer Tracht wieder- gegeben sind, wie Stifterfiguren der biblischen Szene hinzu gefügt. Bathseba geht zu ihrem Sohn, König Salomo, um eine Gunst für Adonias zu erbitten. Salomo ehrt seine Mutter, er heißt sie, zu seiner Rechten Platz zu nehmen.

B JUDITH MIT DEM HAUPT DES HOLOFERNES (Judith 13,9–11) PROTECTRIX. – Judith steht vor der Lagerstätte, die wie eine Nische von schweren Draperien umrahmt ist. Auf dem Bett liegt der Leichnam des Holofernes; Judith reicht das Haupt einer Dienerin, die von links herbeieilt. Sie hält das Schwert noch in der Hand. Helm und Rüstung des Holofernes liegen im Vordergrund. Beide Frauen sind in schweren und prächtigen Gewändern dargestellt. Judith errettete durch ihre Heldentat ihre Heimatstadt Bethulia und damit ganz Israel.

C DEBORA UND BARAK (Jud 4,6–9) ADUOCATA. – Hochaufgerichtet auf seinem Roß sitzt Barak, in prächtiger Feldherrnkleidung, Rüstung und Mantel, den Feldherrnstab in Händen, auf dem Haupt einen Helm busch. Debora, in malerisch-orientalischer Tracht wieder gegeben, sitzt am Wege und spricht auf Barak ein. Rings um die Gruppe Soldaten mit Pferden und Lanzen. Die Prophetin Debora, Richterin in Israel, ruft Barak zum Kampf gegen die Kanaaniter auf und begleitet Barak zur Schlacht, deren glücklichen Ausgang sie voraussagt.

D ESTHER VOR ASSUERUS (Esth 5–8) PATRO- NA. – Assuerus sitzt erhöht auf einem prachtvollen, baldachingekrönten Thronsessel. Vor ihm kniet Esther, reich geschmückt, in königlicher Kleidung; dahinter zwei Hofdamen und ein Knabe. Durch eine Bogenöffnung im Hintergrund sieht man in eine Landschaft mit einem hoch- aufragenden Palast und einem Galgen, an den Aman ge- hängt wird. Die Jüdin Esther bittet ihren Gemahl König Assuerus für ihr Volk um Gnade. Aman, der die Juden verderben wollte, wird auf Geheiß des Königs erhängt.

Die vier Frauen des Alten Testaments sind traditionelle typologische Vorbilder der Mutter Christi und Miterlöserin der Welt. Die Bildtituli geben jeweils den speziellen thema- tischen Bezug an. Maria wird in ihren Vorbildern als Mutter, Beschützerin, Fürsprecherin und Patronin der Christen dargestellt. Debora ist in der barocken Ikonogra- phie in diesem Zusammenhang selten zu finden, an ihrer Stelle steht eher Jael, die den Feldherrn der Kanaaniter, Sisera, getötet hat (Jud 4,17–22) und die zusammen mit Judith und Esther zu den exemplarischen Heldinnen Israels gehört (vgl. Walleshausen, s. LKr. Landsberg am Lech freskiert 1732 von Johann Georg Wolcker).

Die Marientitel als Bildüberschriften beziehen sich im typologischen Vergleich auch auf die Personen des Alten Testaments: MATER. – Bathseba, PROTECTRIX. – Judith, ADUOCATA. – Debora, PATRONA – Esther.

 
 
D Esther vor Assuerus

Quellen und Literatur

Leutner, Cölestin, Historia Monasterii Wessofontani Augsburg 1753, S. 458 ff.

Gailler, Franciscus Salesius, Vindeliciae Sacrae Tomus 3... Capitulum Weilheimense, Augsburg 1756, Cap. 26, 11;44,7.

Braun-Augsburg, Bd 1, S. 346

Hager, Georg, Die Bauthätigkeit und Kunstpflege im Kloster Wessobrunn, in: OAVG 48, 1893/94, S. 193 f.

KDB I OB (1), S. 706.

Gernhardt, Ludwig, Iffeldorf, in: Weilheimer Sonntags- blatt 7, 1930, Nr. 12.

Thieme-Becker, Bd 36, S. 435 (s. v. Zeiller).

Kiesselbach, Dorothee, Iffeldorf, in: Unbekanntes Bayern Bd 2, München 1956, S. 133.

Mauthe, Willi, Der Pfaffenwinkel, Weilheim 21964, S. 39

Photographische Aufnahmen von A. Scheler, Bad Oberdorf, Allgäu