Hollenbach, Pfarrkirche St. Quirinus von Siscia
Pfarrkirche (Pfarrverband Ehekirchen), Gemeinde Ehekirchen, Diözese Augsburg. Hollenbach war eine Hofmark, z. Z. der Ausmalung des Jesuitenkollegs Neuburg bzw. des Malteserordens, Großballei Neuburg, als dessen Nachfolger. Das Präsentationsrecht auf die Pfarrei lag bei der Hofmarksherrschaft. Gericht Neuburg
Patrozinium: St. Quirinus von Siscia
Zum Bauwerk: Die Kirche wurde 1466 erbaut und in den 30er Jahren des 18. Jh. barockisiert, wie aufgrund des Stils der Stuckierung zu schließen ist. Diese Barockisierung ist wahrscheinlich mit einer für 1739 bezeugten »Renovierung« der Kirche identisch (ABA, Summarische Übersicht). Ein auch in Frage stehendes Datum vor 1732 (s.u.) ist aus stilistischen Erwägungen weniger wahrscheinlich. Erhalten haben sich von diesem Bau der AR und der Turm. Das LHs wurde nach langen Planungen schließlich 1922 durch den Münchner Architekten Lorenz Ungewitter umgebaut und erweitert unter Beseitigung der Deckenbilder und des Stucks. Das ursprüngliche Aussehen der Kirche vor dem Umbau ist durch einen Grundriß des Münchner Architekten Franz Baumann überliefert, der 1913 einen Erweiterungsbau der Kirche plante, sowie durch dessen gleichzeitige Photos des LHs und durch ein Gutachten des BLfD vom 11.12.1913. »Im Innern...eine hübsche, künstlerisch und kunsthistorisch interessante, erhaltenswerte Ausstattung. Im Chor Tonne mit Stichkappen, Mit-
telbild (St. Quirinus) und hübsche Stuckaturen um 1720 Chorbogenleibung stuckiert, Langhausdecke flach über Hohlkehle, mit 5 (stark übermalten) Bildern und Stuckaturen ähnlich wie im Chor. Geschweifte Westempore mit 3 Bildern und Stuckaturen«.
Eingezogener, dreiseitig geschlossener AR, im N ein, im S drei rundbogige Fenster. Quadratischer Turm im nördlichen Chorwinkel, im Untergeschoß die Sakristei. Die Stuckierung des LHs von 1922 orientiert sich an den Formen des Stucks im AR. Die barocken Deckenbilder (A, A1-2) befinden sich im AR
Auftraggeber: Für die erste Ausmalung vielleicht Johannes Binner, Pfarrer in Hollenbach (1706–32), seit 1727 auch Dekan des Kapitels Neuburg, oder eher dessen Nachfolger Johann Simon Gebhard (1732–46). Über Binner heißt es in der Inschrift auf seinem Epitaph (an der N-Wand im Innern des ARs), u.a.: »Templum hoc multo suo labore restauravit...« Die Barockisierung der Kirche läßt sich jedoch aus stilistischen Gründen mit seiner Amtszeit nicht in Einklang bringen. Unter ihm entstand aber das Hochaltarbild mit Maria als Himmelskönigin von dem Neuburger Hofmaler Franz Hagen (auf der Rückseite signiert und 1713 datiert). Binner ließ außerdem 1725 den Pfarrhof neu erbauen (StA Augsburg, Malteser-Orden). Der völlig einheitliche Stuck der Kirche, der spätes Bandwerk zeigt (im AR erhalten, im LHs durch die Photos von Baumann überliefert), läßt sich aus stilistischen Gründen

A1 VERKÜNDIGUNG AN MARIA Maria kniet links am Betpult und hält eine Lilie in Händen. Der Engel naht sich ihr von oben. Darüber erscheint die Taube des Hl. Geistes.
A1 VERKÜNDIGUNG AN DIE HIRTEN Drei Hirten begegnen dem Engel, der sie auf die im Hintergrund dargestellte Geburt Christi im Stall hinweist. Engel im Himmel halten ein Spruchband mit der Inschrift: GLORIA IN EXCELSIS DEO.
B KAMPF DER KIRCHE GEGEN DIE LASTER Unter Mithilfe des Erzengels Michael, des Kirchenpatrons von Haselbach, kämpft Ecclesia gegen die Laster. Sie steht auf einem Hügel neben einem Zentralbau und umfaßt mit der Linken das dreifache Vortragekreuz, während sie mit der Rechten einen Kelch hochhält, über dem eine strahlende Hostie schwebt. Von dieser Stelle aus gehen Blitze nach unten, denen der von links herbeifliegende hl. Michael mit seinen Handbewegungen Nachdruck verleiht. Die Blitze treffen auf die in die Tiefe stürzenden Laster, die zum Teil über den gemalten Bildrand hinab zu fallen drohen. Ein Drache speit dem hl. Michael Feuer entgegen. Unter den nackten, vor Schlangen umwundenen Männern ist einer durch Fledermausflügel und Fackeln, die er in der Hand hält, als Allegorie der Ketzerei ausgewiesen. In der Bildmitte liegt ein Kapitell (?). Links am Bildrand sitzt eine Frau mit tiefem Dekolleté, wohl Frau Welt, die die Blitze mit der Hand abzuwehren sucht. Den rechten Arm legt sie auf ein Sieb (?). Neben ihr sitzt mit verbundenen Augen Amor und zielt mit dem Bogen; neben ihm sein Köcher.
B1-4 ENGELSSZENEN Das Hauptbild des Chors wird von vier Kartuschen begleitet, in denen, bezugnehmend auf das Kirchenpatrozinium St. Michael, Szenen aus dem Alten Testament dargestellt sind, in denen jeweils ein Engel handelt. Obwohl der Engel in diesen Szenen des Alten Testament nicht namentlich genannt ist, wird er häufig mit St. Michael identifiziert (LCI, Bd 3, Sp. 257 f.; LThK Bd 7, 2 1998, Sp. 227–231, hier Sp. 227 mit Verweis auf Dictionary of Deities and Demons of the Bible, Leiden 1995, Sp. 1066).
B1 VERTREIBUNG AUS DEM PARADIES Der Engel mit dem Flammenschwert vertreibt Adam und Eva aus dem Paradies. Inschrift: Genesis.III.
B2 OPFERUNG ISAAKS Isaak liegt mit verbundenen Augen auf dem Scheiterhaufen für das Brandopfer. Sein Vater Abraham hat die Hand zum Schwertstreich bereits erhoben, der durch das Eingreifen des Engels verhindert wird. Inschrift: Genesis. XXII.
B3 EIN ENGEL FINDET HAGAR NEBEN DER QUELLE Hagar, die vor Sara in die Wüste geflohen ist, wird vom Engel neben einer Quelle gefunden und zur Rückkehr bewegt. Inschrift: Gen. XVI.
B4 SPEISUNG DES ELIAS Der Prophet Elias flieht in die Wüste und wird von dem Engel mit einem Brot und einer Kanne Wasser gespeist. Inschrift: Reg. XIX.

eher in die Zeit seines Nachfolgers Johann Simon Gebhard datieren. Gebhard legierte dem Gotteshaus 515 fl. (StA Augsburg, Malteser-Orden, Kirchenrechnung 1746/47). Zusammen mit dem Stuck, der mit der überlieferten Renovierung von 1739 in Zusammenhang gebracht werden kann, entstanden wohl auch die verlorenen Deckenbilder des LHs. Für die zweite Ausmalung Pfarrer Johann Baptist Lehmayr (1784–1803). Er war ein ehemaliger Jesuit und der erste von den Maltesern, d.h. durch den Großbailli Albrecht Freiherrn von Oberndorf präsentierte Pfarrer von Hollenbach. Unter ihm wurde 1795 das Innere der Kirche instandgesetzt und verschönert, u.a. gab man zwei neue Seitenaltäre mit Skulpturen von Thaddäus Kronenbitter in Auftrag, deren Fassung durch den Faßmaler Schindele allein 500 fl. kostete. Bei dieser Gelegenheit entstand die heutige Ausmalung des Chors.
Autor und Entstehungszeit:
Ausmalung um 1739 (Fresken im Langhaus und an der Emporenbrüstung; nicht erhalten, durch Photos dokumentiert) Autor unbekannt.
Ausmalung 1795 (Fresken im Chor) Joseph Franz Schuster (Schuester), (nachweisbar 1787/95). In der »Ausgab auf Gebäu und Reparationen« von 1795, fol. 14 v heißt es: »Dem Mahler Franz Schuster für verschidenen Arbeit 45 fl.« (StA Augsburg Malteser-Orden). A trägt die Signatur TH Schucker pinxit. Hierbei handelt es sich vermutlich um eine verderbte Inschrift die ursprünglich J. F. Schuester (oder Schuster) pinxit gelautet haben könnte. In der Pfarrkirche von Ensfeld/Markt Mörnsheim, Lkr. Eichstätt, weist ein Altarbild mit einer Beweinung Christi unter dem Kreuz die Bezeichnung Joseph Franz Schuester pinxit 1791 auf (Dehio 1990, S. 252). Abgesehen von der Ubereinstimmung der Namen deutet auch der geringe zeitliche Abstand der Entstehung von vier Jahren daraufhin, daß es sich um denselben Künstler handelt. Der stilistische Befund spricht nicht dagegen, der Vergleich wird erschwert durch den schlechten Erhaltungszustand der Fresken.
Befund
Träger der Deckenmalerei: A, A1-2 Tonne mit Stichkappen Rahmen: A geschwungener Stuckprofilrahmen, stellenweise von Akanthus übergriffen, A1-2 Stuckkartusche Technik: Fresko; A polychrom, A1-2 camaieu grün-braun Maße: A Höhe 6,80 m; 4,00 × 2,70
Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1822 wurde die Kirche renoviert. 1842 wird zum ersten Mal von Schäden am Turm berichtet, mit denen man in der Folgzeit immer wieder zu tun hatte. 1853/54 mußte er wegen bedenklicher Risse verschlaudert werden. Seit 1899 plante man einen Neubau bzw. eine Vergößerung der Kirche, wozu viele Pläne eingereicht wurden. 1914 mußte die Kirche vorübergehend wegen Baufälligkeit des Turms und Chorgewölbes gesperrt werden. Im Zusammenhang mit dem Umbau des LHs 1922 gingen die Fresken des 18. Jh. an der Decke und an der Emporenbrüstung zugrunde. 1923 malte Oswald Völkel Deckenbilder für das neu errichtete LHs, der Bildhauer Hermann Knüpfer, Regensburg, stuckierte es und restaurierte im Chor den alten Stuck, wobei er ein Viertel neu antrug, und besserte auch das Deckengemälde aus. 1953 wurde der Innenraum mit Ausnahme der Einrichtung restauriert. Die Arbeit lag wahrscheinlich in Händen der Fa. Hermann Glaubacker, Regensburg, da diese 1955 Voranschläge für die Restaurierung der Altäre einlieferte. Am 30.6. 1958 wurde das gesamte Kircheninnere einschließlich des Chors durch einen Orgelbrand stark beschädigt. Im LHs waren die 1923 von Oswald Völkel gemalten Deckenbilder völlig vernichtet und der Stuck abgeplatzt. Deckenbilder und Stuck im AR waren stark verrußt und sind anschließend von H. Krönninger, Kirchtrudering, gereinigt und restauriert worden. Da die wiederholten Restaurierungsmaßnahmen bei den Deckenbildern des LHs erfolglos blieben (Abblättern der
Farbe), wurden diese durch den Kunstmaler Hummel 1964 neu gemalt. 1966 führte man eine Außenrestaurierung der Kirche durch. 1984 bildeten sich wegen Absinken des Turms Risse an der Decke des AR. Nach Stabilisierung der Fundamente mußten die aufgetretenen Schäden durch Maurer, Stuckatoren und Maler beseitigt werden. Bei der Restaurierung der Deckenbilder durch die Fa. Bernd Holderried, Pfaffenhofen wurden Risse verkittet und retuschiert und die Malfläche gereinigt. Bei einer Restaurierung 2002 reinigte Bernd Zeiler Kirchenmaler in Pfaffenhofen, die Deckenbilder und besserte die Schadstellen gerinfügig aus. Die Rest
Beschreibung und Ikonographie
and monograph A. A. Fresken im Altarraum
A DER HL. QUIRIN ALS PATRON VON HOLLENBACH Bildanlage in leichter Untersicht mit Blick nach O. Dargestellt ist der Bischof und Martyrer Quirin von Siscia, der unter Kaiser Diokletian das Martyrium erlitt, indem er mit einem Mühlstein um den Hals ins Wasser geworfen und ertränkt wurde. – Der Heilige kniet in der Bildmitte auf dem Mühlstein und wird mit diesem von Engeln zur Dreifaltigkeit emporgetragen. Er ist als Bischof mit Mitra und Pluviale wiedergegeben, in der Rechten den Palmzweig des Martyrers, während einer der Engel seinen Bischofsstab hält. Quirin blickt nach oben und weist mit der linken Hand zur Erde, wo links auf einem schmalen Geländestreifen zwei Frauen und drei Männer in der Tracht der Zeit knien, während rechts Pferde, Kühe und Schafe zu sehen sind. Hinter einem Flüßchen, an dessen Ufer eine Stelle mit einem Kreuz markiert ist als Hinweis auf das Martyrium des Heiligen, ist der Ort Hollenbach dargestellt mit der wirklichkeitsgetreu wiedergegebenen gotischen Kirche. Die betenden Bauern, die Porträtzüge aufweisen, empfehlen sich, ihr Vieh und den Ort der Fürbitte des hl. Quirin.
A1-2 EMBLEME Die begleitenden Embleme beziehen sich auf das Martyrium des hl. Quirin. Die Inschriften befinden sich jeweils in Kartuschen unter dem Bild.
A1 dabo ei sedere / in throno meo / apoc. 3,21 ([wer überwindet], dem werde ich geben, mit mir auf meinem Stuhl zu sitzen) Ein Engel weist auf einen auf Wolken stehenden Stuhl.
A, dabo ei edere / de ligno Vitae / apoc. 2.7 ([wer überwindet], dem werde ich zu essen geben von dem Holz des Lebens] Ein Engel mit einer Schale voller Früchten vor einem Obstbaum.
B, B1-4, Ba-d, EB1-3 Die verlorenen Fresken im Langhaus und an der Emporenbrüstung
Die Bildthematik der verlorenen Fresken im LHs und an der Emporenbrüstung bezog sich auf Maria. Eine von einem Stuckvorhang gerahmte Kartusche am Chorbogen trug die Inschrift (19. Jh.) HL. Kirchenpatrone / Mutter Maria u. / Bischof und Martyrer / Quirinus / Seid unser Schutz u. / Schirm. Die Darstellungen können auf den Fotos nicht alle zweifelsfrei identifiziert werden. Die Deckenbilder waren ziemlich grobschlächtig übermalt.
Bildfolge
B Himmelfahrt Mariä (Maße ca. 2,20×2,20m) Maria wird von einem großen Engel hochgehoben, ja hochgestemmt, unten stehen die Apostel um das Grab
B1 Marienkind (Immaculata Conceptio). Maria als Kind, halb liegend, zertritt den Kopf der Schlange, die einen Apfel im Maul hält. Am Himmel ist das Marienmonogramm sichtbar, von Rosen umgeben. Ein kleiner Engel links übergibt Maria Krone und Zepter, ein weiterer rechts schüttet aus einem Füllhorn Blüten auf sie herab.
B2 Vermählung Mariä
B3 Tempelgang Mariä (?)
B4 Verkündigung an Maria
Ba-d Embleme (?)
An der Emporenbrüstung
EB1 Herz Jesu
EB2 Hl. Familie in der Zimmermannswerkstatt. Josef zimmert ein großes Kreuz
EB3 Herz Mariä
Quellen und Literatur
ABA, Pfarrarchiv Hollenbach: Projekte Kirchenerweiterung ab 1899; ebd. BO, Pfarreiakten Hollenbach; ebd. Dekanatsarchiv Neuburg, Pfarrei Hollenbach: Summarische Über sicht...von 1892.
BLfD, Registratur, Akten Hollenbach, Pfarrkirche St. Quirin StA Augsburg, Malteser-Orden, Großballei Neuburg, Nr. 103 Kirchenrechnungen von Hollenbach, ab 1746.
StA Augsburg, BA Neuburg, Nr. 4577a-n: Photos von 1913 ebd. Regierung Nr. 12692: Instandsetzungen ab 1842.
Böhaimb, Carl August, Hollnbach, in: NK 19, 1853, S. 27-44. Hopp, Bd 2, S. 71.
Sturm, S. 20, 30, 92 und 104
Leinfelder, K., Das Mirakelkreuz in der Pfarrkirche zu Hollenbach, in: Donau-Kurier (Aichach), Nr. 36 vom 31. 3. 1949. Horn/Meyer, 1958, S. 501–504. V
B. V.-K