Hofolding, Kuratiekirche Heilig Kreuz


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 3, Teil 1: Stadt und Landkreis München. Sakralbauten. Hirmer, München 1987, ISBN 978-3-7991-6111-4, S. 122–126, geschrieben von Böhm, Cordula. Original (Passwortgeschützt)
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HOFOLDING

Kuratiekirche, Pfarrei Sauerlach, Gemeinde Brunntal, Erzdiözese München und Freising; z.Z. der Ausmalung Filialkirche der Pfarrei Hohenbrunn, die dem Stift St. Andreas in Freising inkorporiert war, kurfürstlich bayerische Hofmark Hofolding (Inhaber der Kurfürstliche Förster von Hofolding), Pfleggericht Schwaben (Markt Schwaben)

Patrozinium: Hl. Kreuz (inventio crucis)

Zum Bauwerk: Barocker Neubau 1701-23 durch den Münchner Maurermeister Johann Georg Ettenhofer. Weihe am 23. 8. 1723 durch Fürstbischof Franz Eckher von Freising. Ab 1760 war das Gewölbe bereits wieder schadhaft und stürzte am 19. 5. 1777 ein. Wiederherstellung Juni-Nov. 1777 durch den Münchner Hofmaurermeister Franz Anton Kirchgrabner. Amtierender Pfarrer von Hohenbrunn war Martin Augustinus von Hofstetten (1769-95).

Vierjochiger Saalbau (15,55 × 8,00 m), zweijochiger AR (8,30 × 6,30 m), halbrund geschlossen; im W Empore Gurtbogenteilung, Pilastergliederung, im AR Doppelpilaster, umlaufendes Gesims. Der AR ist höher als das LHs. Belichtung durch je drei Rundbogenfenster im LHs, im W Joch Rundfenster in den Lunetten, im AR je zwei Rundbogenfenster (im NW blind), darüber Rundfenster in der Lunetten

Autor und Entstehungszeit: Signatur in C rechts unter dem Stein Joseph Grass Pinx / 1779. (= Joseph Franz Xaver Grass *1737 Miesbach; vgl. Decken- und Altarbild in Thalham, CBD, Bd 2, S. 602). Von Grass sind die LHs-Fresken A-C und die Lunettenbilder 1–4.

Das Chorfresko D hat Augustin Demmel (* 1724 München † 12. 5. 1789 München, 1775 Hofmaler in München) 1778 gemalt (Eismann, 1953). In der Pfarrei Hohenbrunn malte er in den 80er Jahren in der Pfarr- und der Wallfahrtskirche von Siegertsbrunn (S. 160–68).

In der SGS Mü existiert ein Deckenbildentwurf Demmels (Halm-Maffei VI, Bl. 86r und v), der weitgehende Übereinstimmung mit der Figurengruppe in Fresko D aufweist.

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs (A, B, C) Flachtonnen, AR (D) Tonne mit Stichkappen, 1–4, a–b Lunetten der Stichkappen

Rahmen: A-C gemaltes Stuckprofil, D imitierter goldfarbener Stuckwulst, mit einem Band dekoriert

Technik: Fresko; A–D polychrom, 1–4, a–b monochrom ocker

Maße: A Höhe 8,60 m; 2,25 × 4,70 m B Höhe 8,60 m; 2,25 × 4,70 m C Höhe 8,60 m; 2,25 × 4,70 m D Höhe 8,80 m; 3,00 × 1,80 m

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Das 1777 nach einem Einsturz wieder eingezogene Gewölbe war vermutlich zu flach; 1879 und 1968 wurden Stützmaßnahmen vorgenommen, 1968 durch Betongurtbögen. Bei der Restaurierung 1879 wurden die Lunettenfresken 1-4 übertüncht, 1930/31 wieder freigelegt. Letzte Restaurierung 1968 durch Helmut Knorr, Grafing.

Die Deckenbilder sind verschmutzt, zahlreiche Risse, teilweise verkittet, Feuchtigkeitsflecken. D, 1-4 stark abgerieben und verblaßt, in Fresko D sind Binnenzeichnung und Farbigkeit, d. h. die oberste Freskoschicht, fast verschwunden; das Rot im Lendentuch Christi und in der Fahne ist nur noch in Spuren zu erkennen. Die einzige Buntfarbe im fast monochrom wirkenden Bild, das blaue Tuch des Engels, ist offenbar erneuert.

Beschreibung und Ikonographie

Die Deckenbilder sind in ein gemaltes Dekorationssystem eingebunden, das der Jochteilung folgt: Die Gurtbögen sind mit grüngrundigen Rocaillefeldern bemalt. Der AR ist in grau- und goldgrundige Brokatfelder eingeteilt, das Emporenjoch in W trägt auch eine Brokatmusterdekoration. Den Kartuschen 1-4 und a-b in den Lunetten über dem umlaufenden Gesims entsprechen die Rundfenster im westlichen LHs-Joch und in den AR-Jochen.

 
∇ C Das siegverheißende Zeichen des Kreuzes
 
A Kreuzesüberführung
 
 
 
 
D Christus mit den Zeichen des Sieges

Die Fresken A-C sind sich in Bildanlage und Komposition sehr ähnlich, bedingt schon durch das einheitliche Breitformat. Es sind einansichtige Darstellungen in geringer Untersicht; Betrachterstandpunkt jeweils unter dem westlichen Bildrand. Der Schauplatz ist nach dem traditionellen Schema gebildet: eine seichte terrestrische Rampe, seitlich von Architektur-Kulissen (Tor, Mauer, Terrasse oder Portal) abgegrenzt, rückwärts Ausblick in einen landschaftlichen Hintergrund, teilweise mit Figuren besetzt, die Tiefenillusion vermitteln sollen; im Vordergrund als Repoussoir ein Erdbuckel, auf dem ein Soldat in Rückenansicht bzw. in Dreiviertelprofil sitzt (in A rechts, in B links). Den freibleibenden Raum füllt leichtbewölkter Himmel.

Die Figuren posieren theatralisch vor dieser Kulisse. Ihre manieriert gestreckten Körper sind in der Relation zum Schauplatz zu groß, sie füllen etwa zwei Drittel der Bildhöhe.

Die Grundfarbigkeit ist durch das Grau der Architekturen, das Grünbraun der Erdrampe und das Blau des Himmels festgelegt; Buntfarben (der Gewänder) in Kombinationen von Karminrot mit Blau, Grün, Gold und Weiß.

A KREUZESÜBERFÜHRUNG Die Szene spielt vor dem Stadttor von Jerusalem; hinter der Mauer ragt die kuppelgekrönte Grabeskirche auf, links wird der Schauplatz von einer säulengeschmückten Portalarchitektur abgeschlossen. Kaiser Heraklius, der dem Perserkönig Chosroas das geraubte Kreuz wieder abgenommen hatte, bringt es nun nach Jerusalem zurück: er trägt es auf der Schulter und ist in ein Büßergewand gekleidet. Als er zuvor in kaiserlicher Pracht einziehen wollte, war ihm durch ein Wunder das Fortschreiten verwehrt worden. Er weist auf die abgelegten Insignien seiner Würde, die links von seinen Begleitern gehütet werden. Vor dem Tor steht der Patriarch von Jerusalem.

B KREUZESPROBE Vor dem Stadttor von Jerusalem stehen die Kaiserin Helena und der Bischof Makarius mit ihren Begleitern. Vor ihnen liegt ein Kreuz auf der Erde, auf dem sich ein nackter, in Leichentücher gehüllter Mann aufrichtet; ein Helfer nimmt ihm die Tücher ab. Rechts im Hintergrund zwei Männer mit Hacke und Spaten.

Auf göttliche Weisung hin hatte Kaiserin Helena nach der Schlacht an der Milvischen Brücke die Reise nach Jerusalem unternommen, um das Kreuz Christi zu finden. Auf Golgotha wurden die drei Kreuze Christi und der beiden Schächer gefunden; das richtige Kreuz erkannte man, als man einen Toten auf die Kreuze legte und er auf dem Kreuz Christi zum Leben erweckt wurde.

DAS SIEGVERHEISSENDE ZEICHEN DES KREUZES Achsensymmetrische Komposition, bedingt durch die runde Öffnung in der Bildmitte (auf der z.Z. der photographischen Aufnahme die Darstellung der Geist-Taube fehlte). Am Himmel das Kreuz Christi in der Strahlengloriole, das Kaiser Konstantin in einer Vision den Sieg bei der Schlacht an der Milvischen Brücke verhieß. Der Kaiser und seine Mutter Helena mit Gefolge knien verehrend unter dem Himmelszeichen.

Die drei Szenen sind der Kreuzlegende entnommen, chronologisch von O her – C, B, A – zu lesen. (vgl. Ribadeneira-Hornig, Bd 1, 3. 5., Fest der Erfindung des Hochheiligen Kreuzes, S. 678 f., Konstantin- und Helena-Geschichte, Bd 2, 14. 9., Fest der Erhöhung des Hl. Kreuzes, S. 989 f., Herakliusgeschichte; LA-Benz, Sp. 455–63).

D CHRISTUS MIT DEN ZEICHEN DES SIEGES Illusionistische Himmelsöffnung über einem perspektivisch angelegten Kuppelring; Betrachterstandpunkt unter dem westlichen Bildrand. Verkürzungen und Untersichten sind kühner gehandhabt als in den LHs-Fresken, wenngleich die Figur des Christus in dieser Absicht verzeichnet ist. Der Auferstandene schwebt, von Engeln gestützt, auf Wolken. Er zeigt die Wundmale und Fahne und Palmzweig, die Zeichen des Sieges über den Tod. Engel tragen das Kreuz Christi empor, es ist Zeichen des Heiles, des Sieges und der Wiederkunft Christi.

Zur Farbigkeit siehe Erhaltungszustand

 

1-4 TYPOLOGISCHE VERWEISE AUF DAS KREUZ

1 Die Schlange verführt Adam und Eva im Paradies (Gen 3, 1–7). Der Baum der Erkenntnis, der den Menschen den Tod brachte, ist antithetisch zu verstehen zum Kreuz Christi, das den Menschen das Leben erwirkte (Gleichsetzung des Kreuzes mit dem Lebensbaum).

2 Moses weist auf die Eherne Schlange am T-förmigen Kreuz hin. Vorbild der Erhöhung Christi am Kreuz (Num 21, 9 und Io 3, 14).

3 Der Engel des Herrn geht in Ägypten an den Häusern der Israeliten vorüber (Pascha; Ex 12, 7–29). Das T-Zeichen am Himmel erläutert das Blutzeichen an den Türen der Israeliten typologisch als Vorbild.

4 Moses schlägt mit dem Stab Wasser aus dem Felsen (Ex 17, 6). Der Stab deutet auf das Kreuz, das Wasser auf das Blut aus der Seitenwunde Christi hin. a und b PUTTOKÖPFCHEN auf Wolken in Rocaillekartuschen.

 
 
 

Quellen und Literatur

Schmidtsche Matrikel, Bd 2, S. 510f. Mayer-Westermayer, Bd 2, S. 627, 630. E[ismann], J[osef], Die Herrenmühle von Thalham, in: Holzkirchner Merkur Nr. 81, 24./25. Juni 1950. -, Die Heilig-Kreuz-Kirche zu Hofolding und ihre Schöpfer, in: Holzkirchner Merkur 28./29. 3. 1953. Neu, Wilhelm, Beiträge zum Werk Münchner Hofmaurermeister der 2. Hälfte des 18. Jh. im südwestlichen Oberbayern, in: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte, Bd 35, 1972 (Festschrift Norbert Lieb), S. 298.

 
1 Baum der Erkenntnis
 
4 Moses schlägt Wasser aus dem Felsen