Hintersee, Kapelle St. Antonius von Padua


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 11: Landkreis Traunstein. Hirmer, München 2005, ISBN 978-3-7774-2695-2, S. 214–216, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

HINTERSEE

Kapelle, Pfarrei Ramsau, Ortsteil Hintersee der Gemeinde Ramsau, Erzdiözese München und Freising; z.Z. der Ausmalung exempte Propstei Berchtesgaden. Die Verehrung des hl. Antonius in dieser Kapelle hat sich bis heute erhalten. Fürstpropstei Berchtesgaden

Patrozinium: St. Antonius von Padua

Zum Bauwerk: Als Erbauungszeit wird das 17. Jh. angenommen. Veränderungen in der zweiten Hälfte des 18. Jh. Das Niveau der Kapelle war ursprünglich tiefer gelegen und wurde durch den Straßenbau erhöht.

Kleine Kapelle am Westufer des Hintersees, einst einsam am Salzweg gelegen; jetzt ist das Westufer des Hintersees völlig verbaut und die Kapelle liegt zwischen Gasthäusern. Sie ist gewestet, im Halbrund geschlossen und hat zwei kleine Fenster nach Süd und Nord. Großer offener Eingangsbogen nach Osten, nur durch ein Gitter geschlossen. Rokokoaltärchen mit einem Altarblatt, das dem Salzburger Maler Franz Nikolaus Streicher zugeschrieben wird, was anzuzweifeln ist.

Auftraggeber: Die Pfarrei Ramsau hatte mit der Kapelle nichts zu tun. Sie lag an der Salzstraße zum Hirschbichl: Roßhofschmiede - Taverne (Oberwirt) - Marxenbrücke - Zauberwald - »Rodelbahn« mit Pferdetränke - Hintersee - Wörndlhof - Auzinger Wirt. Dies alles waren Bauten der Fürstpropstei am Salzweg und auch die Antoniuskapelle wurde mit Sicherheit vom Stift erbaut (BLfD, Bericht des Pfarrers Bräutigam von Ramsau 1999).

Autor und Entstehungszeit: Autor unbekannt, zweite Hälfte des 18. Jh.

 
Das Gewölbe der Kapelle mit A Maria Immaculata, B Gottvater und Heiliger Geist, 1–5, W1–2, Antonius-Zyklus (2. H. 18. Jh.)

Die bescheidenen, stark veränderten Deckenbilder stammen von einem Maler, den man historisch nicht eingrenzen kann. In der zweiten Hälfte des 18. Jh. war in Berchtesgaden nur der völlig unbedeutende Maler Kajetan Schmidt als Faßmaler tätig. Zwei Maler aus Hallein sind mit Arbeiten im Berchtesgadener Land genannt, Joseph Prandtstetter und Jakob Schemberger, beide auch nur als Faßmaler. Der Anifer Maler Georg Wenger tritt in den Berchtesgadener Kirchenrechnungen mehrfach mit unbedeutenden Arbeiten auf.

Befund

Träger der Deckenmalerei: Im O halbrund abgemuldete Tonne mit zwei kleinen Stichkappen über den Fenstern

Rahmen: Gemalte Rippen

Technik: Fresko; polychrom

Maße: Höhe 3,60 m; 3,40×2,60 (Deckenmaß)

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Restaurierung der Fresken 1968 durch den Maler Franz Xaver Marchner mit starken Übermalungen. Nach der Außeninstandsetzung 1999 folgte 2002/03 die Innenrestaurierung durch Alois und Michael Stein, Inzell. Ihre Voruntersuchungen 2001 ergaben, »daß eine Rückführung auf einen älteren baulichen und ästhetischen Zustand aus verschiedenen Gründen ausscheidet« »daß eine Rückführung auf einen älteren baulichen und ästhetischen Zustand aus verschiedenen Gründen ausscheidet« (BLfD, 16.5.2002). Die mehrfach überarbeitete Raumfassung wurde nur erneuert. Die Malereien (wurden) »in der vorgefundenen Art« beibehalten und restauratorisch behandelt »in der vorgefundenen Art« (BLfD, 4.10.2001). Die Deckenmalereien wurden gefestigt, gereinigt und ausgebessert. Risse wurden geschlossen und Fehlstellen eingestimmt. An den Schriften waren größere Ausbesserungen nötig.

Beschreibung und Ikonographie

Der mittlere Gewölbezwickel mit der Darstellung der Immaculata ist umgeben von fünf dreiseitigen Gewölbeteilen. Im östlichen über dem Altar ist Gottvater dargestellt, die übrigen vier und die Lunettenbilder unter den Stichkappen zeigen Wundertaten des hl. Antonius von Padua. Am unteren Rand dieser Bilder befinden sich jeweils Inschriften, die im 19. Jh. wohl überarbeitet wurden. A und B sind auf die Ansicht zum Altar hin bezogen, das Bild 5 in der Gegenansicht; 1–4 sind nach den Seiten hin zu betrachten.

A IMMACULATA Maria in weißem Gewand und blauem Mantel, das Haupt von einem Sternenkranz umgeben, hat die Linke auf die Brust gelegt und hält mit der Rechten eine Lilie. Sie steht auf einer vom Rahmen überschnittenen blauen Weltkugel, um die sich die Schlange windet, im Maul den Apfel. Maria tritt auf den Kopf der Schlange. In den seitlichen Spitzens des Bildfeldes wolkenähnliche Abdunklungen.

 

LANDKREIS BERCHTESGADEN · HINTERSEE

 
 
W. Antonius rettet einer Ehefrau das Leben

Antonius mit ausgebreiteten Armen. Durch Fürsprache Antonius wird ein vom Dach fallender beim Leben erhalten.

Bei vier der sieben Szenen (2, 3, W1-2) handelt es sich um bekannte Wunderszenen des hl. Antonius. Das Wunder des abgehackten und geheilten Fußes (1) ist als die Heilung eines Sohnes überliefert, der sich vor Kummer, seine Mutter getreten zu haben, das Bein abhackte. Zwei Szenen, die Rettung des vom Dach Stürzenden (4) und die Rettung eines Mannes aus dem Wasser mit einem Seil (5), scheinen lokale Wunderszenen zu sein, sie erinnern an Votivbilder.

Quellen und Literatur

  • RI fD Akt Hintersee Antonikapelle

Mayer-Westermayer, Bd 1, S. 116. KDB I OB (3), S. 2984. Dehio 1990, S. 430.

A. B.