Heilig Blut bei Erding, Wallfahrtskirche


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 7: Landkreis Erding. Hirmer, München 2001, ISBN 978-3-7774-7830-2, S. 134–145, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

HEILIG BLUT BEI ERDING

Wallfahrtskirche, Nebenkirche der Pfarrei Erding, Stadt Erding, Erzdiözese München und Freising; z.Z. der Ausmalung Pfarrei Altenerding. Das Vermögen der Heilig-Blut-Kirche war mit dem der Johanneskirche in Erding vereint und wurde vom Magistrat der Stadt Erding verwaltet. An der Kirche bestand seit 1654 eine Todesangst-Christi-Bruderschaft und seit 1706 eine Herz-Jesu-Bruderschaft. Heilig Blut war ein bedeutender Wallfahrtsort. Die Heilig-Blut-Reliquie, von der Schmidt 1739 berichtet, wurde unter Pfarrvikar Peter Fleißanderl 1738 beschafft. Stadt Erding

Patrozinium: Weihe auf den Titel St. Salvator, genannt Heilig Blut (Schmidt: »Templum dictum ad sacrum cruorem«)

Zum Bauwerk: Als Datum des Hostienwunders, das zum Bau einer hölzernen Kapelle führte, ist 1417 überliefert, doch ist die »Chapellen dez heyligen Pluetz« schon 1360 erwähnt (Bauer). Von ihrem Nachfolgerbau, einer spätgotischen Tuffsteinkirche, ist Mauerwerk im Kryptabereich der heutigen Kirche erhalten (die alte Gnadenstätte liegt tiefer als die heutige Kirche). Eine neue Blüte der Wallfahrt brach nach der Mitte des 17. Jh. an. Die gotische Kirche wurde 1662 durch den Erdinger Maurermeister Kaspar Kogler barockisiert und von Wolf Trost von Gotzing auf Miesbacher Art stuckiert; sie soll ein AR-Fresko von der Hand des Malers und Ratsherrn Egic Adam aus Erding gehabt haben, eine Darstellung des hl. Blut mit zwei Engeln (Kißlinger, S. 20).

Wenige Jahre später Neubau der Kirche unter Beibehaltung von Außenmauern und Bau der Gruft. Grundsteinlegung am 3.8. 1675. Baumeister war der Erdinger Maurermeister Hans Kogler, Zimmermeister Hans Reitter von Langengeisling

Weihe am 19.9. 1677 durch den Freisinger Weihbischof Johann Caspar Krühner. Erhöhung und Vergrößerung des alten Hochaltars 1678 durch den Erdinger Kistler Gabriel Strickner. 1701 Bau eines neuen sechseckigen Gnadenbrunnhauses bei der Kirche durch den Erdinger Maurermeister Hans Kogler. Im gleichen Jahr Reparatur des LHs-Gewölbes, das einen Scheitelriß hatte. Die Veränderung des Chorbogens in der geschweiften Form stammt möglicherweise erst von 1704.

1703/04 Neudekorierung des Innenraums: Bau der aufwendigen Doppelemporenanlage; Stuckierung der Decke, der Emporenbrüstung, der Kapitelle und Orgelbekrönung durch Johann Georg Bader aus München; Freskierung; Umgestaltung des Hochaltars; Aufsetzen von zwei neuen Seitenaltären (1703, Weihe vor 1706).

Der Hochaltar, »in honorem et memoriam agoniae Christi« geweiht, war Bruderschaftsaltar der Todesangst-Christi-Bruderschaft. Sein Altarblatt (nicht erhalten) von Johann Degler wurde 1802 durch eine Darstellung des Lanzenstichs von Longinus von Andreas Wolff aus dem Jahr 1697 ersetzt.

Das spätgotische geschnitzte Gnadenbild von Heiligblut, ein Fünf-Wunden-Christus, stand in der Zeit der Hochblüte der Wallfahrt auf dem Hochaltar. 1921/22 wurde es in die Gruft gebracht.

Die beiden Seitenaltäre sind der Kreuzaltar, für den Johann Degler den Hintergrund für das große hölzerne Kreuz malte (verehrende Engel über einer Landschaft), und ein Sebastiansaltar, dessen Altarblatt, ebenfalls von Degler, die Heiligen Ägidius, Sebastian und Leonhard zeigt.

Der Bruderschaftsaltar der Herz-Jesu-Bruderschaft war der Altar in der Krypta. Die Krypta mit der heiligen Erde, der Ort des Hostienwunders, war neben dem Fünf-Wunden-Christus

 
Der Kirchenraum
 

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das Ziel der Wallfahrt. Ebenso wie die Erde hinter der Altarmensa galt auch das Wasser des Gnadenbrunnens als wundertätig.

Saalbau zu fünf Jochen, im LHs mit Wandpfeilern und vorgelegten Pilastern, große stuckierte Doppelempore im W Belichtung durch hohe Rundbogenfenster, über den Portalen nördlich und südlich im mittleren Joch kleine Rundfenster; im vierten Joch nördlich, wo sich die Kanzel befindet, ist das Rundbogenfenster im unteren Bereich zugebaut. Geschweifter Chorbogen mit dem Wappen Erdings in einer Stuckkartusche. Eingezogener AR zu zwei Jochen mit dreiseitigem Schluß, Pilastergliederung, zwei Oratorien; Belichtung in beiden Jochen durch hohe Rundbogenfenster. Unter dem Chor kreuzförmige Krypta.

Auftraggeber: Die Stuckierung des Innenraums wurde vom Magistrat der Stadt Erding in der Hoffnung auf weitere Blüte der Wallfahrt und auf »Verschonung in Kriegstroublen« beschlossen. Eine große Rolle spielte dabei Wolfgang Grimb, der Pfarrvikar von Altenerding (1697-1719), der schon als Achtundzwanzigjähriger diese große und bedeutende Pfarrei übernommen hatte. Er war Mitglied der Bartholomäer, des »Institutum Clericorum saecularium in commune viventium«, 1704 wurde er dessen Präses »pro districtu Bavarico et Dioces Frisingensi«. Unter ihm als Pfarrvikar willigte 1706 das Stift St. Johann in Freising, dem die Pfarrei Altenerding inkorporiert war, ein, die Pfarrei auf 40 Jahre an Bartholomäer zu verleihen (sie sollten die Pfarrvikare bis zu ihrer Auflösung 1803 stellen): Es sei »allgemain khündig, mit was unermüdetem Eyffer die H: Clerici in commune viventium der Orthen, w Sye angesessen, die Ehre Gotts zu vermehrn, und den Heyl der Seellen abzuwarthen geflissen seyn, in specie aber das durch ihre Dexteritet und Obsorg, sowoll das Gottshaus des Heyl. Blueths ausser der Haubtmauren völlig und splendide verneuert, alß auch in die Pfarrkhürchen (Altenerding) selbsten air und anders Nambhafftes pro ornatu beygeschafft ...« worden sei (AEM, Klosterakten 66). Bei der Neudekorierung 1703/04 wurde aus dem Kirchenvermögen nur ein Teil der Stuckierungskosten (550 fl.) bezahlt. Der Rest sowie die Seitenaltäre und die Freskierung wurden zum Teil aus gespendeten Geldern finanziert, die Pfarrer Grimb in Händen hatte und von dem er Künstler und Handwerker bezahlte, zum Teil von Grimb selbst beigesteuert. Im weiteren betrieb er Ausbau und Ausgestaltung der Gruft, Gründung der Herz-Jesu-Bruderschaft und Abhaltung des großen Gründungsfestes 1709.

Grimb war auch Initiator des Priesterhauses bei Heilig Blut (seit 1711, Bauerlaubnis 1717, Bau 1718), wo junge Priester bei der vielbesuchten Wallfahrt die Praxis der Seelsorge lernen, alte und mittellose Priester ihren Lebensabend verbringen sollten. Die Bartholomäer bei Heiligblut waren dem jeweiligen Pfarrvikar von Altenerding unterstellt.

Wolfgang Grimb hatte sich bei seinem Beitrag zu den Dekorationskosten von 1704 finanziell übernommen. Er hatte »zu Renovation, Ausziehrung, und treffliger Ausstuckadierung erwähnten Heil. Blut Gotteshaus dergestalten aus seinen eigenen Mittlen beygetragen, das er meistens diesertwegen in .. Schuldenlaßt verfahlen« (AEM, Klosterakten 66). Er starb am 3.6.1720 als Pfarrer in Kirchdorf bei Haag.

Das Bartholomäerinstitut wurde 1640 von Bartholomäus Holzhauser aus Tittmoning gegründet und von Innozenz XI. 1680 feierlich bestätigt. Es war eine Vereinigung von Weltpriestern mit dem Ziel der Heranbildung von guten Priestern, verbesserter Seelsorge und standesgemäßer Altersversorgung. Die Bartholomäer suchten es auf dem Weg des gemeinsamen Lebens, der Gütergemeinschaft und des Verzichts auf weibliche Bedienung. Sie waren dem jeweiligen Diözesanbischof unterstellt (nach LThK Bd 1, Sp. 992, s. v. Bartholomäer und AEM, Klosterakten 66). In und um Erding hatte die Bartholomäer-Gemeinschaft einen Schwerpunkt, der auf Michael Rottmayr zurückging, der ein Gefährte Holzhausers war und 1649 Pfarrer von Altenerding wurde. Nicht nur die Pfarrei Altenerding, sondern auch die Benefizien in Erding und mehrere Pfarreien der Umgebung (Wambach, Steinkirchen, Bockhorn, Buch am Buchrain, Buch am Erlbach, dann Hohenkammer, Kirchdorf bei Haag, das Benefizium in Taufkirchen) waren im 18. Jh. zeitweilig mit Bartholomäern besetzt.

Autor und Entstehungszeit: Autor unbekannt (wahrscheinlich Johann Degler, * 1666 Villnöß/Südtirol † 1729 Tegernsee) 1704

Laut einer Kirchenbeschreibung des Malers Karl (Stadtarchiv Erding, B VI, Nr. 203) von 1845 war am Gewölbe zweimal die Jahreszahl 1704 zu lesen (frdl. Mitt. Gerhard Koschade). Die Fresken sind so schlecht erhalten, daß die persönliche Handschrift des ursprünglichen Freskanten nicht mehr zu erkennen und eine sichere Zuweisung nicht möglich ist. Es ist noch zu sehen, daß der unbekannte Maler, der gleichzeitig mit dem Münchner Stuckator Johann Georg Bader in Heilig Blut arbeitete, der Münchner Malerschule um 1700 zuzurechnen ist dem Kreis um Gumpp und Wolff.

Aus Qualitätsgründen scheidet Andreas Wolff ebenso wie Johann Anton Gumpp als Autor in Heiligblut aus. In Frage käme dagegen das Freskantenpaar Johann Eustach Kendlbacher und Benedikt Albrecht; am wahrscheinlichsten ist aber die Autorschaft des Wolff-Schülers Johann Degler. Er hatte schon die Altarblätter der beiden 1703 aufgestellten Seitenaltäre gemalt (freundliche Mitteilung Elisabeth Lehr-Herzog München), ebenso wie das Hochaltarblatt, von dem Meidinge (1787) sagt: »Und beym heil. Blut, Christus im Oelberg, voi Degler« (S. 246). Nach Deglers Zeichnung stach Johann Balthasar Wening in München um 1720 eine Darstellung des Hostienwunders (Gnadenstätten im Erdinger Land, S. 28 Abb. S. 29). Außerdem malte Degler 1702/07 – ebenfalls unter Wolfgang Grimb – die drei Altarblätter und Auszugsbilder in der Friedhofskirche St. Paul. Das Fresko von 1716 in Itzling Pfarrei Altenerding, ebenfalls unter Wolfgang Grimb entstanden, ist wohl Degler zuzuweisen (s. S. 178).

Degler kam in den neunziger Jahren des 17. Jh. nach München, lernte und arbeitete zunächst bei Andreas Wolff, bevor er 1698 das Meisterrecht in München bekam

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs (A, B, 1-8) und AR (C) gedrückte Tonne mit Stichkappen

Rahmen: Stuckprofil, A mit Fruchtgirlande, B mit Akanthuse Laubwerk, C mit Blumenkranz

Technik: Secco auf gipshaltigem Grund, s.u.; A, B, C, W1- polychrom; 2,4,6,8 monochrom grüngrau, 1,3,5,7 sowie EU1-2monochrom ocker

Maße: A Höhe 12,10 m; 7,20×4,80

B Höhe 12,10 m; 4,20×4,50

C Höhe 10,95 m; 6,60×5,00

EU1-2 Höhe   3,30 m; 1,10×1,20

W1-, 2,60×1,8

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Ausbesserung der Stuckaturen 1722 durch Martin Hörmannstorffer aus München. 1755 war die Kirche in schlechtem Zustand und mußte repariert werden; das Interesse an der Wallfahrt hatte nachgelassen, das Geld wurde von der Kirchenverwaltung für andere Zwecke abgezogen (AEM, Stiftsakten 66).

1852 wurde der Zustand der Kirche wieder beklagt, »deren Plafond und Wände wie auch die Altar-Fassung sehr schadhaft und dem Auge wehetuend erschienen« (StAM, LRA). Reparatur des Dachs. Überarbeitung der Deckengemälde sowie Fassung der Raumschale 1854/55 durch den Erdinger Maler Josef Karl (Signatur in A Restauriert 1854 J. M. Karl Erding). Bei dieser Restaurierung wurden die Schriftfelder blau gemalt und die Schrift in Gold angebracht. Die Wände wurden gelb getönt und begleitende rote Linien um alle Gliederungen gezogen Die Stuckaturen reparierten Joseph Doll und Johann Scheiderhauf (Schaidhauf) von Wessobrunn.

1903 zeigten sich Stuck und Malereien wieder schadhaft. Nach den notwendigen Baureparaturen wurde 1905 der Beschluß gefaßt, »wonach die Deckenbemalung, Fassadentünchung etc nach dem früheren Tone geprüft, ergänzt, erneuert ... werder sollten« (StAM, LRA). Restaurierung 1906 durch Martin Ir von Erding. Man wollte zwar die Schriftfelder in ihren ursprünglichen Zustand wieder herstellen, tat es aber offenba nicht, s. u. Die Nebenbilder waren schadhaft: »Teile von Figuren und Gewändern« mußten ergänzt werden« (BLfD) Stuckrestaurierung durch Fa. Josef Schuler, München.

1934 wurden Sprünge in Gewölbe und Chorbogen auf ein Hochwasser von 1920 zurückgeführt (StAM, LRA; schon 1920 drohte der Absturz eines Chorbogenstücks, s. BLfD; Entfeuchtungsarbeiten 1932). Die Statik von Dachstuhl und Gewölbe wurde saniert.

Nächste Restaurierung 1967/68. Wieder waren Gewölbe und Chorbogen gefährdet. LHs und AR wurden durch Querstreben gestützt. Ein großer Scheitelriß durch das ganze Schifwurde repariert. Die Hauptfresken wurden dabei durch Überputzungen schwer beschädigt, vor allem das Chorfresko, das zur Hälfte überputzt wurde. Es wurde von Josef Moser aus Pretzen restauriert, der auch Fresko B abwusch. Im März 1968 übernahm Hans-Heinrich Müller-Werther die Restaurierung und führte im Chorfresko noch Korrekturen aus: »Hier wa eine totale Übermalung in Kaseintechnik mit sehr heller Farb gebung vorgenommen worden. Auf besonderen Wunsch de Landesamtes für Denkmalpflege wurden die etwas zu heller Körpertönungen durch Umbra- und Grau-Einstimmunger zur einheitlichen Wirkung gebracht«.

Das bereits gereinigte Fresko B zeigt sich ruinös: »Der Zustand dieses Bildes war teilweise unklar und die Farbelemente nur mehr fleckig zu erkennen«. »Auch hier war durch Einputzen des breiten Risses ein Fehlstreifen von 60-150 cm

entstanden, auf die ganze Länge des Bildes. Die ursprüngliche Malerei war hier durch Photos dokumentiert (bei C nicht). Große Bildpartien mußten neu gemalt werden. Auf eine vollständige Neu-Übermalung wurde aus denkmalpflegerischen Gründen verzichtet.« »Hier wurde in vorsichtig einfühlender Farbgebung soweit wie möglich die gegebene Bildauffassung zur Geltung gebracht«.

Das große LHs-Fresko A restaurierte Müller-Werther. Durch die Länge des Bildes ging ein 60-100 cm breiter Putzstreifen der bemalt werden mußte: »in Zeichnung und Farbe de umgebenden Malerei angeglichen, mehrere Figuren und Köpfe mußten neu gemalt werden«. Sämtliche Bilder warei nicht eigentlich Fresken, sondern »Secco auf gipshaltigen Grund«. Daraus resultierte ihre große Empfindlichkeit gegen Reinigungen und ihr schon früh ruinöser Zustand.

0 0 Die Nebenbilder und Wandbilder restaurierte Manfre Fronske, Landshut: Reinigen, Fixieren, Ausbessern von Ris sen und Löchern. Fronske gibt an, er habe im ganzen etwa di Elitabeta e a Robletallon against

Kirchenmalerarbeiten durch Peter und Ludwig Keilhacker Taufkirchen an der Vils. Keilhacker nennt die Schriftfelder al »aus dunklen Ölfarben mit Goldschrift«. Sie wurden wiede grün mit rötlich braunen Inschriften hergestellt. Die Färbe lung des Stucks orientierte sich an der originalen Farbgebung 1978 zeigten sich schon wieder große Risse im Chor. Al 1984/85 statische Sanierung und Entfeuchten der Kirche.

Der Zustand der Deckenbilder ist sehr schlecht: »Die ergänzten Bildzonen im Scheitelbereich der LHs-Tonne umfasser partiell erhebliche Flächen, teilweise auch ganze Figuren.« »Die ockerfarbenen Medaillons, bes. im westlichen Bereich des Kirchenschiffs, weisen Schwärzungen auf (mikrobiell?) oder Alterungsprozess (Sekkomalerei auf Basis einer Bleiweißgrundierung?).« Die Malerei bietet optisch ein geschlossenes Bild, »im Detail zeigen sich jedoch durchgehende flächige Verluste durch prinzipielle Dünnung aller Malschich ten, die zu einer erheblichen Reduzierung des ursprünglicher Schauwertes und zu einem weitgehenden Verlust ursprüngli cher malerischer Details bzw. originaler Endbearbeitunger geführt haben.« Das hängt einerseits mit den äußeren Einflüs sen wie Feuchtigkeit, Gewölbeunstabilität und renovierend Eingriffe zusammen. »Andererseits ist der weitgehende Ver lust originärer Substanz ein Indiz dafür, dass die maltechnisch Grundstabilität der Malereien relativ gering gewesen sein muß« (Gutachten Franz Debold, BLfD).

Beschreibung und Ikonographie

Das Bildprogramm der Freskierung umfaßt im LHs zwei Hauptbilder (A, B) und 8 Kartuschen (1–8), im AR ein Hauptbild (C), zu seiten des Hochaltars zwei Wandbilder (W1-2). und unter der Empore zwei Bilder (EU1-2). Dazuzurechner sind die Inschriftkartuschen in LHs und AR, die das Programm klar erläutern. Im LHs wird das Hauptbildfeld A von zwei vierpaßförmigen Bildfeldern in der Hauptachse begleitet das westliche davon, über den Emporen, ist leer.

Das Programm fußt auf nachtridentinischen eucharistischer Programmen, für die ein Blatt des J. Leclerc 1622 als Beispie dienen kann, das fast alle Einzelelemente enthält (Corpus Rubenianum Teil 2: Nora de Poorter, The Eucharist Series

HEILIG BLUT BEI ERDING

 

Brüssel 1978, Bd 2, Abb. 57). Die besondere Organisierung der Einzelthemen dürfte aber Leistung der Bartholomäer in Erding sein.

Rieger schreibt 1917: »Die Inschrift um das große Deckengemälde und auf den grünen Feldern ringsum von links nach rechts lautet: Postquam in figura praelusit, in virgine prius, tum ex pane et vite verbum caro factum est, angelis admirabile, amabile piis, perversis terribile« (S.9). Die Worte auf dem großen Deckengemälde (wohl B) sind nicht erhalten, sie bezogen sich auf die Mannalese (A) und das Paschamahl (B) als Präfigurationen der Eucharistie. Auf den grünen Feldern im LHs steht IN VIRGINE / PRIVS (1) TVM EX / PANE (2) ET VITE (3) VERBVM CARO / FACTVM EST (4) ANGELIS ADMIRABILE (5) AMABILE (6) PIIS (7) PERVERSIS / TERRIBILE (8).

A MANNALESE (Ex 16,4-35) Freier Platz vor dem Lager der Juden in der Wüste, im Hintergrund eine Gebirgskette. Das Volk drängt sich um Moses und Aaron. Moses, auf dem Haupt drei Strahlen, steht mit ausgebreiteten Armen, den Blick zum Himmel gerichtet. Aaron neben ihm blickt auf Moses und hält mit der Linken ein Buch hoch, auf das er mit der Rechten weist (die Inschrift im Buch - Alpha und Omega - ist wohl nicht original). Ein Jugendlicher auf Moses' anderer

Seite hält die erste der Gesetzestafeln mit der Inschrift I / II / III (Hinweis auf die ersten drei Gebote). Zu Füßen von Moses und Aaron drängt sich das Volk und sammelt das Manna, das als weißlicher Belag am Boden im Vordergrund zu sehen ist. Am rechten Bildrand stellen einfache Zelte das Lager des Volks dar, im linken Bildrand geschmückte Rundzelte die Behausungen der Anführer.

In den Wolken erscheinen große Engelsgestalten, die die Gestalt Gottvaters begleiten und vor ihm die Weltkugel tragen. Gottvater hat die Arme gebreitet und den linken Zeigefinger weisend erhoben.

B PASCHAMAHL (Ex 12,3-14) Ansicht nach O. Schauplatz ist eine offene, säulengetragene Bogenhalle. Ein bildparalleler Sockel trägt eine konvex vorgewölbte Basis, auf der ein großer, runder, weißgedeckter Tisch steht. Vier bärtige Männer und ein Jüngling – soweit sichtbar, tragen sie geschürzte Kleidung mit Gürtel, Sandalen und Reisestäbe – stehen um den Tisch. Auf dem Tisch liegt ein Lamm, an dem ein weißbärtiger Mann links mit Messer und zweizinkiger Gabel hantiert. Gott befahl den Juden, sie sollten in der Nacht, in der er als zehnte der ägyptischen Plagen die Erstgeburt Ägyptens töten werde, ein männliches Lamm schlachten und essen und sein Blut an die Türbalken streichen, zum Zeichen für Gott, daß er

 
A Mannalese

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== HEILIG BLUT BEI ERDING == das Haus verschone. »So sollt ihr es essen: eure Hüften gegürtet, eure Schuhe an euren Füßen und euren Stab in euren Händen. Ihr sollt es in Eile essen« (Ex 12,11).

 
Eucharistie als Sakrament
 

Das Paschamahl und die Mannalese sind Präfigurationen der Eucharistie; auf sie bezog sich die ehemalige Inschrift »Postquam in figura praelusit«.

 
 
Eucharistie als Schrecken der Ketzer

1-8 Die Zwickel des LHs-Gewölbes tragen Kartuschen mit Darstellungen, deren Zählung und Abfolge in der Beschreibung von der Inschrift vorgegeben sind.

1 VERKÜNDIGUNG AN MARIA (»in virgine prius ... verbum caro factum est«) Maria kniet rechts an einem Betstuhl; ihr Haupt ist von Strahlen umgeben, über ihr spannt sich eine baldachinähnliche Draperie. Sie wendet sich halb nach hinten, wo auf Wolken der Engel Gabriel mit der Lilie erscheint. Eine weiße Taube symbolisiert die Empfängnis durch den Heiligen Geist. Als Augenblick der Inkarnation gilt die Antwort Mariens an den Verkündigungsengel: »Ecce ancilla Domini, fiat mihi secundum verbum tuum«.

2 EMMAUS (Lc 24,13-29) (»tum ex pane«) Durch einen flachen Wandpfeiler und Lisenen an der Rückwand ist ein Innenraum angedeutet. Um einen runden Tisch sitzen drei Männer: die beiden Jünger und Christus. Christus bricht das Brot. Die Jünger wenden sich ihm mit Gesten und Blicken der Liebe und Ehrfurcht zu. Zwei Jünger waren nach dem Tod Christi auf dem Weg nach Emmaus; ihnen schloß sich Christus unerkannt in Gestalt eines Pilgers an. Als sie in Emmaus zusammen bei Tisch saßen und Christus das Brot segnete und brach, erkannten sie ihn.

3 DIE KUNDSCHAFTER MIT DER TRAUBE (Num 13,17-26) (»et vite«) Zwei Männer, ein junger mit gelockten Haaren und ein älterer mit einem Überwurf, der um das Haupt geschlungen ist, haben eine lange Stange geschultert und tragen damit eine große Traube.

Josua und Kaleb wurden von Moses ausgesandt, das Land Kanaan auszukundschaften. »Als sie zum Tale Eschkol gelangten, schnitten sie dort eine Rebe mit einer Weintraube ab, die sie zu zweien an einer Stange trugen ... der ganzen Gemeinde gaben sie Bericht, wobei sie ihnen die Früchte des Landes zeigten ... Wir sind in das Land hineingezogen, in das du uns gesandt hast. Es fließt wirklich von Milch und Honig...« »Als sie zum Tale Eschko gelangten, schnitten sie dort eine Rebe mit einer Weintraube ab, die sie zu zweien an einer Stange trugen ... der ganzer Gemeinde gaben sie Bericht, wobei sie ihnen die Früchte des Landes zeigten ... Wir sind in das Land hineingezogen, in das du uns gesandt hast. Es fließt wirklich von Milch und Honig ...«.

Die Geschichte der Kundschafter mit der Traube wurde von den Kirchenvätern mehrfach auf den Kreuzestod Christi bezogen (LCI, Bd 2, Sp. 700f., s. v. Kundschafter mit der

 
 

Traube [A. Thomas]). Im Mittelalter wird sie typologisch als Vorbild der Kreuzigung gesehen. Die Traube ist ganz allgemein Sinnbild des Blutes Christi in der Eucharistie.

 
 

und Sakramente [Karl-August Wirth] und RDK, Bd 6, Sp. 231 s. v. Eucharistie [Klaus Lankheit]).

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der Armen Seelen aus dem Fegfeuer (zum Kult der Armen Seelen s. CBD, Bd 6, S. 26-29). Als Bildmotiv erscheint das Blut Christi, wie ja in der ganzen Kirche sowohl Hostie als Kelch, Fleisch und Blut Christi als Erscheinungsformen der Eucharistie dargestellt sind, wegen des zweifachen eucharistischen Kults in Heiligblut.

8 DIE EUCHARISTIE ALS SCHRECKEN DER KET ZER (»perversis terribile«) Links steht auf einer Mensa ein Monstranz. Von der Hostie, auf der IHS zu lesen ist, gehen Blitzstrahlen aus und treffen vier stürzende Männergestalten, die durch Gewand, Sturzmotiv und Bücher sowie durch die Inschrift (perversitas = mittellat. Häresie) als Ketzer bezeichnet sind.

Wie Thomas von Aquin in seiner Hymne »Lauda Sion« sagt ist die Eucharistie nicht nur Heilsmittel für den Guten, sondern tödliches Verderben für den Bösen: »Sumunt boni sumunt mali:/ Sorte tamen inaequali / Vitae vel interitus. Mors est malis, vita bonis:/ Vide, paris sumptionis / Quam si dispar exitus.« Hier bezieht sich die Darstellung weniger auf die, die die Kommunion unwürdig empfangen, sondern auf jene, die die Lehren der Kirche über die Eucharistie anfechten. Heil kann die Eucharistie nur bringen innerhalb der Lehren der katholischen Kirche (s. dazu LThK, Bd 3, Sp. 820-30, s. v. Eucharistie; Bd 4, Sp. 823–25, s. v. Häresie).

C VEREHRUNG DER WUNDERBAREN HOSTIE (zum großen Teil erneuert) Auf einem kleinen Erdhügel kniet auf einem roten Kissen der Bischof von Freising. Er hat den Blick nach oben gerichtet und schwingt das brennende Weihrauchfaß. Im Himmel erscheint, von Strahlen umgeben, die Hostie, umgeben von einem Kranz anbetender Engel, von denen einer ebenfalls ein Weihrauchfaß schwingt. Der Bischof ist begleitet von zahlreichen Klerikern, Assistenzfiguren, die Bischofstab, Mitra und zwei Leuchter mit brennenden Kerzen halten. Dem Bischof gegenüber kniet ein Geistlicher in Talar und Chorrock, der ein weißes Tuch ausbreitet, wie um die Hostie aufzufangen. Inschrift auf den grünen Kartuschenfeldern, zum Teil zerstört: (Origo huius) PRODIGIOSI TEMPLI DICTI (ad sacrum) CRUOREM (Ursprung dieses wundersamen Tempels genannt zum heiligen Blut).

In seiner Vorrede zu der 1710 erschienenen Festschrift zur Einsetzung der Herz-Jesu-Bruderschaft in Heilig Blut erzählt Wolfgang Grimb selbst von der Entstehung der Wallfahrt. Am Gründonnerstag des Jahres 1417 gingen zwei Bauern von Klettham nach Altenerding, um in der alten Pfarrkirche St. Peter zu kommunizieren. Einer war reich, einer arm. Der Reiche erzählte den Grund seines Reichtums: Er habe eine Hostie zuhause in einer Truhe aufbewahrt; von ihr komme aller Segen. Daraufhin behielt der Arme nach der Kommunion die Hostie im Mund, um sie ebenfalls nach Hause mitzunehmen. Am Platz, wo später die Wallfahrtskirche zum Heiligen Blut entstand, ist die Hostie »von dem Mund des Bauerns gewaltthätig außgewichen, sichtbarlich allda in der Höche und frey am Lufft geschwebet, (hat) bald aber zur Erden sich niedergelassen und unsichtbar gemacht. Als nun dises Wunder zu Erding ruchbar worden, ist von Stund an, die allda befundene Geistlichkeit mit der Procession und Lob=Gesängern dahin gangen, der Augenschein des Orths und Wunders eingenommen, und eine Capellen von Holtz allda zu bauen verordnet worden, da sich dann die allerheiligiste Hosti wohl zwar wiederumb sehen, aber weder durch priesterliche, noch vil minder Layen-Hände berühren lassen. Demnach nun Seine Hoch Fürstl. Gnaden der damahls regierende Sixtus, in der Zahl der ein und viertzigste Bischoff zu Freysing dessen umbständig berichtet worden, ist selber unter Begleittung des hohen Tumb=Capitels, sambentlicher Clerisey / seines Hochstabs, viler Adels-Persohnen und anderer zu disem Wunder=Ort kommen, die hoch=heilige Hosti wohl zwar auch gesehen, und nach verricht allerseiths eyffrigem Gebett zu erheben vermeynet, aber vergeblich, sondern vilmehr mit jeder männiglich Anwesenden zu sehen müssen, welcher gestalten dieselbe unter die Erden, und allda eingebrochene Höle verschwunden, welche noch heut zu Tage in der von der Stadt Erding, und zu Ehren unsers lieben Herrn Salvatoris und seines kostbaren Bluts eingeweyheten, auch dise letztere Jahr her durch beygehend reiche Freygebigkeit der Nachbarschafft und Wallfahrter, zu gegenwärtigem wohl herrlich schön und zierlich erbau-

 
 
C Verehrung der Wunderbaren Hostie
 

14 ten Gotts=Hauß unter dem Altar in der Grufft zu sehen, und darinen deß Erdreichs weder weniger noch mehrer wird, man nemme oder schöpffe herauß, was man wolle, es seynd auch durch die allgwaltige Hand und Krafft Gottes bißhero, grosse Miracl, Gnaden und Gutthaten bey disem würdigen Gotts=Hauß geschehen, nicht weniger bald nach dem ersten Wunderzeichen ein noch zu diser Stund befindlicher Hail=Brunnen darbey entsprungen ... « (Achttägiges Ehr= und Freuden=Fest; s. auch die Holztafel um 1600, die unter der Empore an der Wand hängt, und die drei Szenen am Antependium des Hochaltar).

 

W, EHERNE SCHLANGE (Num 21,6-9) Moses, die beiden Feuerstrahlen auf dem Haupt, steht inmitten einer knienden, von Schlangen bedrängten Volksmenge, die um Rettung fleht. Er weist mit einem Stab auf die Eherne Schlange, die sich um ein T-Kreuz windet. Aaron, ein Buch in Händen. blickt zur Schlange auf. Im Hintergrund Zelte der Juden. Die eherne Schlange ist Präfiguration des Kreuzes Christi. Wie das Aufblicken zu ihr den Menschen, die von den Schlangen gebissen waren, Rettung brachte, so brachte der Kreuzestod Christ den Menschen die Möglichkeit des ewigen Heils.

W2 BRENNENDER DORNBUSCH (Ex 3, 1-6) Moses kniet vor einem Felsen und blickt voller Schrecken und Stauner nach oben. Vor ihm flammt der brennende Dornbusch. Darüber erscheint die Gestalt Gottvaters. Als Gott dem Moses in brennenden Dornbusch erschien, rief er ihm zu, er solle seine Schuhe ausziehen: »locus enim, in quo stas, terra sancta est.« Die Darstellung erinnert daran, daß auch der Boden, auf den die Kirche Heilig Blut steht, durch die in ihm versunkene Hostie heiliger Boden ist. Der Prediger der siebten Festpredigt, der Kapuziner P. Stephan deutete auf dieses Bild, die »biblische Figur neben dem Chor=Altar auf der Epistel Seithen«, und wandte das Wort Ex 3,5 auf Heilig Blut an.

 
W Brennender Dornbusch

EU1-2 An der Unterseite der Empore befinden sich zwei runde Bildfelder. Inschrift an der Empore: TE ERGO / QVAE- SVMVS TVIS / FAMVLIS SVBVENI, QVOS / PRETIOSO SANQVINE / REDEMISTI.

EU, WUNDERBARE BROTVERMEHRUNG (Mt 14, 13-20; 15,32-38) Links kniet eine Volksmenge; rechts steht Jesus mit zwei Jüngern. Jesus weist auf die Menschen, ein Jünger hält einen Korb. Matthäus berichtet von zwei wunderbaren Brotvermehrungen, die sich motivisch entsprechen. Im Zusammenhang des Programms ist hier nicht nur das Motiv der Speisung als Hinweis auf die Eucharistie zu sehen, sondern auch das Motiv der Vermehrung, das Thomas von Aquin ausdrückt: »Sumit unus, sumunt mille: Quantum isti, tantum ille: Nec sumptus consumitur.«

EU DAS GASTMAHL IM HAUSE DES PHARISAERS (Lc 7,36–50) Schauplatz ist ein palastähnlicher Innenraum mit Säule, Draperie und Portal rechts. An einem langen Tisch sitzen drei Männer, bei ihnen links im Bild Christus. Zu Füßen Christi kniet eine Frau, den Kopf auf seine Füße gesenkt. Jesus vergab beim Gastmahl im Haus des Pharisäers einer Sünderin, die voller Reue und Liebe seine Füße mit ihren Tränen benetzte und mit ihren Haaren trocknete, ihre Sünden.

Beide Bilder erinnern an das Erbarmen Jesu mit den Menschen, mit den reuigen Sündern, denen er verzeiht, und mit den Hungernden, die er speist. Sie sind hier nahe beim Eingang zur Kirche als Auftakt des Programms ein Hinweis auf die beiden Sakramente der Buße (Beichte) und der Eucharistie (Kommunion), deren Empfang notwendig zum Besuch einer Wallfahrtskirche gehörte.

Zum Gesamtprogramm

Das ikonologische Programm von 1704 ist eine im Sinn der Zeit strenge theologische Rechtfertigung der Wallfahrt zum alten Ort des Wundergeschehens, die Schritt für Schritt argumentiert, zur sicheren Erklärung von Inschriften begleitet. Das Programm geht aus vom Hochaltar mit der Darstellung der Todes-angst (und des Blutschwitzens) Jesu am Ölberg, die Grimb von Degler malen ließ. Auf dem Altar stand das alte Gnadenbild, der Fünf-Wunden-Christus, der - eine barocke Zutat - sein Blut in eine Muschelschale vergoß. Diese beiden Darstellungen, die das Blutvergießen Jesu zum Gegenstand haben, stehen einerseits für das Thema Heilig Blut, andererseits für die ganze Passion (Arma Christi am Auszug des Hochaltars und Inschrift am Hochaltar PASSIO DOMINI / NOSTRI IESU CHRISTI / Math: Cap. 26=27 V. 1.) Das eucharistische Opfer ist die unblutige Wiederholung des Opfers Christi in der Passion. Das Thema der Passion wird durch den Hochaltar repräsentiert. Mit der Eucharistie beschäftigt sich die Ausmalung.

0 1705, unmittelbar nach bzw. noch während der Neudekorierung der Kirche bat Grimb um die Erlaubnis zum Aufsteller eines Herz-Jesu-Altars in der Gruft (gestiftet von Johann Bernhard Graf von Preysing zu Grünbach, Abbruch des alter Altars und Aufbau des neuen 1706, Weihe am 20. 5. 1707). Des Altar wurde zum Bruderschaftsaltar der von Grimb 1706 eingeführten Herz-Jesu-Bruderschaft (1707 päpstlich bestätigt) Im Bildprogramm von 1704 ist der Herz-Jesu-Gedanke nicht präsent. In den Festpredigten 1709 wird aber ein enger Zusammenhang zwischen der Verehrung des Herzens Jesu und der Verehrung des Heiligen Blutes gesehen: Das Herz Jesu ist »die Bronn-Quelle seines kostbaren für uns vergossenen Bluts«, sagt Grimb in der Vorrede. Die Liebe Christi zu den Menschen ist der Grund seiner Passion. Die Herz-Jesu-Verehrung, ein im frühen 18. Jh. »moderner« Liebeskult soll der alten Heilig- Blut-Verehrung neue Attraktivität verleihen, die alte Wallfahrt am Blühen erhalten, ja, weiter fördern (zur Herz-Jesu-Verehrung s. Itzling, S. 180).

Quellen und Literatur

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StAM, Landbauämter 212: Restaurierung 1853/55

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AEM, Stiftsakten 66 und 67: Bartholomäer. Davon bes. Akt 60 mit einer handschriftlichen Geschichte der Bartholomäer und zahlreichen Nachrichten über die Bartholomäer bei Heilig Blut in Erding.

AEM, Visitationsprotokolle Bd 617.

AEM, Kunsttopographie des Erzbistums München und Freising, Dekanat 23/Erding, Stadtpfarrei Erding, Kirche Heilig Blut (Georg Brenninger).

_____ Stadtarchiv Erding, A III, 4: Kirchenrechnungen St. Johannes und Heilig Blut 1683-1701; 5: Kirchenrechnungen St. Johannes und Heilig Blut 1702–17; B VI, 49: Akt über den Kirchenbau 1672/73; B VI, 50: Baurechnung Heilig Blut 1673-78.


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Achttägiges Ehr= und Freuden=Fest, dem Lieb=verwundten Blut=trieffend Allerheiligisten Hertz Jesu bey herrlicher Einsetzung dessen Lobl. und Gnaden=reichen Bruderschafft in dem wunderthättig und würdigen Gotts=Hauß zum H. Blut nächst der Stadt Erding mit möglichister Solemnitet bey versambleter grosser Volck=Menge angestellt und gehalten, auch mit 8 ausserlesenen Lob= und Ehren=Predigen vom 13. biß 20. Octobris 1709 geziehrt (Hg. und Vorrede Wolfgang Grimb), München 1710 (Exemplar im AEM, 8° H. Bav. 1898).

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