Heilbad Heiligenstadt, Café Central
Inventarnummer: cbdd20242
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Im ersten Obergeschoss des ehem. Café Central hat sich in zwei Räumen Deckenmalerei von ca. 1740 erhalten. Dargestellt werden das Urteil des Paris zusammen mit Allegorien der Jahreszeiten und Elemente sowie Apoll auf dem Sonnenwagen zusammen mit Allegorien der Tageszeiten.

Das Café Central in Heiligenstadt
Kurzbeschreibung und Lage
Das so genannte Café Central[1] steht in der Stadtmitte an der Nordseite der zentralen Wilhelmstraße an der Ecke zur Kollegiengasse.
Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Das Gebäude wurde als Wohnhaus um 1740 nach einem großen Stadtbrand am 11.3.1739 errichtet. Später befand sich hier das Gasthaus „Zur Börse“. Seit 1919 wird es „Café Central“ genannt. Das Erdgeschoss wurde durch einen Ladeneinbau verändert.[2]
Beschreibung
Der zweigeschossige Putzbau hat ein Mansarddach und misst elf Achsen in der Breite. Über den mittleren drei Achsen erhebt sich das Zwerchhaus mit hohem Rundgiebel. In der Mittelachse ist der Hauseingang gelegen. Die ehemaligen Repräsentationsräume befinden sich im Obergeschoss zur Straße hin.[3]
Der Saal
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Der Raum ist zusammen mit dem Haus um 1740 entstanden und wurde damals auch ausgestattet. Ab 2002 erfolgte seine Restaurierung.[4]
Beschreibung
Der Raum ist an der Südostecke des Hauses gelegen und hat zwei Fenster nach Osten und vier Fenster nach Süden. Er wird von Westen her betreten. Zwei weitere Türen liegen in der Nordwand. Über einer marmorierten Lambrie steigt die schmucklose Wand auf. Ein Stuckprofil leitet zur stuckierten Voutendecke über.
Die Decke
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Stuckdecke ist um 1740 geschaffen worden. In den Stuck sind neun Gemälde in Temperatechnik gemalt. Stuck und Malerei wurden zu einem unbekannten Zeitpunkt übertüncht. Ab 2002 erfolgte die Freilegung, Ergänzung und Restaurierung von Stuck und Malerei.[5]
Beschreibung und Ikonographie
Die Decke mit flacher Voute wird von einem feingliedrigen weißen Stuck vor grauem Fond gegliedert. Das große Hauptbild zeigt das Urteil des Paris. An den Längsseiten der Decke allegorisieren Putten die vier Jahreszeiten. Für den Frühling steht eine Putte mit Blumen, für den Sommer eine mit Korngarben. Die Putte, die den Herbst darstellt, reitet gleich Bacchus auf einem Panther und hält eine Weinrebe empor. Der Winter wird durch eine Putte, die sich am Feuer wärmt, ins Bild gesetzt. In den Eckkartuschen werden die vier Elemente dargestellt. Das Feuer visualisiert ein sich selbst verbrennender Phönix, das Wasser wird durch einen Fisch im Meer verbildlicht, die Luft durch einen fliegenden Vogel vor einer Windmühle und die Erde durch eine Palme vor einer Hügellandschaft.[6]
Gestalterische Mittel – Komposition und Ansichtigkeit
Das Hauptbild ist auf den Eingang im Westen bezogen.
Das Hauptbild – Das Urteil des Paris
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Das Gemälde ist um 1740 in Temperatechnik auf den Putz gemalt worden. Später wurde es mehrfach übertüncht und ab 2002 freigelegt und restauriert.[4]
Beschreibung und Ikonographie
Dargestellt ist das Urteil des Paris. Paris wird als schönster Mann der Auftrag zuteil, der schönsten Göttin einen goldenen Apfel zu überreichen. Dieser wird ihm vom Götterboten Merkur gerade überbracht. Paris sitzt rechts. Ihm gegenüber stehen links die Göttinnen Juno, Minerva und Venus, die den Apfel alle drei für sich beanspruchen. Vor der Gruppe steht Amor mit Pfeil und Bogen. Weiter rechts unterhalb von Paris halten sich zwei Amoretten auf und beobachten das Geschehen.[7]
Gestalterische Mittel – Komposition und Ansichtigkeit
Die Ansichtigkeit der Malerei ist auf den Eingang im Westen ausgerichtet.
Der Mittelraum
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Der Raum ist zusammen mit dem Haus um 1740 entstanden. Ab 2002 wurde seine Ausstattung aus der Erbauungszeit restauriert.[4]
Beschreibung
Der Raum liegt in der Mitte des Hauses und hat drei Fenster nach Süden zur Straße hin. Er wird von Norden aus betreten und erschließt die anderen beiden großen Räume an der Südseite des Hauses. Über einen niedrigen hölzernen Lambris steigen die schmucklosen Wände auf. In die Lambris sind Malereien eingelassen. Die Türen und Türrahmen sind analog zur Lambris gestaltet. Die Wände sind durch ein Stuckband von der Decke abgegrenzt. Lediglich an der Südseite wird das Band an einer Stelle von einer Muschel durchbrochen. Das liegt den Schluss nahe, dass das Band sekundär ist.
Die Decke
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Stuckdecke und ihre Malerei in Seccotechnik sind zusammen mit dem Raum entstanden. Zu einem unbekannten Zeitpunkt wurde die Malerei überfasst und ab 2002 wieder freigelegt und restauriert.[5]
Beschreibung und Ikonographie
Die Decke wird mit einem zierlichen Deckenstuck geschmückt. In ihr sind ein großes Hauptbild und vier kleine Nebenbilder in den Ecken eingelassen. Das Hauptbild zeigt Apoll auf dem Sonnenwagen, die Nebenbilder allegorisieren die vier Tageszeiten. Zu sehen sind der Morgen, der Mittag und der Abend. Das vierte Deckenfeld ist leer und rekonstruiert. Hier stand ursprünglich ein Kamin. Die Allegorien sind monochrom in roten Farben gemalt. Der Morgen wird durch eine Frau mit Fackel (die für den Morgenstern steht) und einen Krug, aus dem Wasser fließt (der für den Morgentau steht) dargestellt. Ein Putto unterstützt sie. Für den Mittag steht eine geflügelte Person mit Fackel in der einen und Sonnenschirm in der anderen Hand. So wird die Mittagshitze und der Schutz vor ihr verbildlicht. Der Ausgangspunkt der Hitze ist gleich zweimal zu sehen: Die Sonne ist hinter dem Schirm auszumachen und zugleich unten rechts als Strahlenstrudel. Der Abend wird durch eine Frau mit Jagdhorn in der Hand dargestellt. Auch sie wird von einer Putte unterstützt.[8]
Vorlagen und Vergleiche
Die Darstellungen der Tageszeiten folgen vereinfacht Vorlagen von Samuel Bottschild. Vor allem die Allegorie des Abends wurde reduziert. Sie trägt bei Bottschild zusätzlich ein Monddiadem, was die Figur als Dina-Luna charakterisiert und das Attribut des Jagdhorns erklärt. Die Putte trägt einen Köcher mit Schlafpfeilen. Der Jagdhund links unten fehlt ebenso wie der Jagdspeer in der Hand Dianas.
Das Hauptbild – Apoll auf dem Sonnenwagen
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Das Gemälde in Temperamalerei wurde um 1740 von einem unbekannten Künstler gemalt. Zu einem unbekannten Zeitpunkt wurde sie überfasst und ab 2002 wieder freigelegt und restauriert.[5]
Beschreibung und Ikonographie
Die Darstellung zeigt Apoll auf seinem Sonnenwagen, vor dem eine Quadriga gespannt ist. Der Himmel ist glühend rot-orange, Apoll trägt einen Sonnenschirm, als wolle er sich vor den Strahlen der Sonne schützen. Die Darstellung ist am Rand von zwölf achteckigen Sternen umgeben, die teilweise von Apoll bzw. den Pferden verdeckt werden. In den Sternen befinden sich die zwölf Tierkreiszeichen.[8]
Gestalterische Mittel – Komposition und Ansichtigkeit
Die Ansichtigkeit ist auf die Eintretenden im Süden hin ausgerichtet.
Malerei an Paneelen und Türen
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Malerei wurde um 1740 von einem nicht bekannten Künstler gemalt. Ab 2002 wurde sie restauriert.[5]
Beschreibung und Ikonographie
Die hölzerne Lambris sowie die Türen sind mit malerischen Mitteln als Wurzelholz gestaltet. In gemalten goldenen Rahmen sind in Blau und Weiß Bäume und Landschaften mit Bäumen gemalt. Auf den Lambris wechseln sich breite Landschaften mit Bäumen und Rhomben mit Einzelbauten ab. Auf den Türen sind in der Mitte hochrechteckige Darstellungen sowie oben und unten kleine Bildfelder gemalt.
Bibliographie
- Literatur:
- Berg/Wagner, Einflüsse, 2012. – Berg, Corinna/Wagner, Uwe: Einflüsse italienischer Malkunst auf die Entwicklung der barocken Malerei in Thüringen, in: Aus der Arbeit des Thüringischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie, NF 44 (2013), S. 84-98.
- Bose, Pracht, 2017. – Bose, Christine: Barocke Pracht "versteckt" auf dem Heiligenstädter Wilhelm. Obergeschoss nur am Tag des offenen Denkmals frei zugänglich. Italienische Künstler führt ihre Wanderschaft auch durchs Eichsfeld, in: Thüringer Allgemeine (12. September 2017).
- Dehio, Thüringen I, 2025. – Dehio, Georg: Thüringen I (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Stephanie Eißing, Franz Jäger und anderen; überarbeitet und erweitert von Kerstin Vogel und anderen. Berlin/Boston 2025.
- Schmidt/Wagner, Eichsfeld, 1996. – Schmidt, Matthias/Wagner, Uwe: Barocke Raumdekorationen im thüringischen Eichsfeld (Eichsfelder kulturgeschichtliche Zeugnisse). Heiligenstadt 1996.
Einzelnachweise
- ↑ Dehio, Thüringen I, 2025, S. 319; Berg/Wagner, Einflüsse, 2012, S. 96-97; Schmidt/Wagner, Eichsfeld, 1996, S. 54-56.
- ↑ Dehio, Thüringen I, 2025, S. 319; Bose, Pracht, 2017; Schmidt/Wagner, Eichsfeld, 1996, S. 22, 54.
- ↑ Dehio, Thüringen I, 2025, S. 319; Berg/Wagner, Einflüsse, 2012, S. 96-97; Schmidt/Wagner, Eichsfeld, 1996, S. 54.
- ↑ 4,0 4,1 4,2 Bose, Pracht, 2017; Berg/Wagner, Einflüsse, 2012, S. 96-97.
- ↑ 5,0 5,1 5,2 5,3 Dehio, Thüringen I, 2025, S. 319; Bose, Pracht, 2017; Berg/Wagner, Einflüsse, 2012, S. 96-97.
- ↑ Berg/Wagner, Einflüsse, 2012, S. 96-97; Schmidt/Wagner, Eichsfeld, 1996, S. 54-55.
- ↑ Berg/Wagner, Einflüsse, 2012, S. 96-97.
- ↑ 8,0 8,1 Berg/Wagner, Einflüsse, 2012, S. 96-97; Schmidt/Wagner, Eichsfeld, 1996, S. 55-56.