Harthausen, Schloss
Inventarnummer: cbdd10008
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Schloss Harthausen, bis heute im Besitz der freiherrlichen Familie Riedheim, ist ein bedeutendes Zeugnis einer Adelsherrschaft, deren politischer und kultureller Mittelpunkt abseits der städtischen Zentren lag.

Das Bauwerk
Lage und Besitzgeschichte
Das heutige Schloss Harthausen, das „an der alten Verkehrsverbindung zwischen Günzburg und Remshart liegt“[1], erhebt sich „auf dem nördlichen Höhenzug eines in Ost-West-Richtung verlaufenden Nebentales der Kammel“[2] und ist damit wesentlicher Bestandteil einer imposanten Landschaftskulisse. Das „Schloss und das Dorf Harthausen bildeten eine bis 1806 reichsunmittelbare ritterschaftliche Adelsherrschaft“[3], deren Inhaber die „Herren, späteren Freiherren von Riedheim“[3] waren. Die Riedheim, die „zu den ältesten Adelsfamilien des Raumes an der Donau“[4] zählten, gehörten zur Reichsritterschaft im Ritterkanon Donau, der einer der fünf Kantone der Reichsritterschaft von Schwaben war.[5]
Das Geschlecht der Riedheim ist erst ab dem Jahre 1567 als Besitzer von Schloss Harthausen greifbar, nachdem der vormalige Inhaber Heinrich Truchsess von Höfflingen zu Harthausen wegen „beträchtlicher Schulden halber das Schloss verkaufen [musste], um die Gläubiger zu befriedigen.“[6] Laut Vertrag vom 24. April 1567 ging das Schloss, dessen Gegend als ein bevorzugter Rückzugsort der Augsburger Patrizier galt, „in den Besitz von Egolf von Riedheim über, es blieb bis zum heutigen Tage im Besitz der Freiherrn von Riedheim.“[6]
Das Bauwerk
Egolf von Riedheim übernahm dabei eine Anlage, die zu seiner Zeit aus zwei parallel ausgerichteten, strikt voneinander getrennten Baukörpern bestand.[7] Diese in Ost-West-Richtung verlaufenden viergeschossigen Baukörper besaßen jeweils ein massives Satteldach und die vier Kanten waren mit vier Ecktürmen besetzt. Unterscheidbar waren beide Bauten allein in der Formgebung der Ecktürme. Während der ältere Südbau aus der Zeit um 1450[6] vier Ecktürme aufwies, die, im Vergleich zu den Hauptachsen, übereck gestellt und schräg ausgerichtet waren (und sind), zeigten die Ecktürme am gegenüberliegenden Nordbau eine runde Formgebung.[7] Diese beiden getrennten Baukörper wurden wohl zu Anfang des 17. Jahrhunderts durch einen mittig gesetzten, bereits bestehenden, eingeschossigen Gang zu einem dreistöckigen Bauriegel erhöht[7] und auf markante Weise in der Grundform eines H miteinander verbunden.
Diese bis dahin in ihrer äußeren Erscheinung sehr wehrhafte Anlage von Schloss Harthausen wich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts einer zeitgemäßen Umgestaltung, die mehr das repräsentative Äußere des Besitzes im Blick hatte, indem man zeittypische architektonische Besonderheiten wie die Ausbildung eines Ehrenhofes, die formale Vereinheitlichung der Gebäude oder die Ergänzung und Erweiterung der Schlossanlage durch einen Lustgarten anstrebte.
Diese Aspekte waren wohl v.a. ausschlaggebend als Johann Alexander Freiherr von Riedheim sich entschloss, den herrschenden Geschmacks- und Funktionsbedingungen zu folgen. Diesem herrscherlichen Anspruch einen entsprechenden Ausdruck zu verleihen oblag dem aus dem Allgäu stammenden und im Augsburger Umkreis tätigen Franz Xaver Kleinhans (1692–1776), der wohl Vorentwürfe des Eichstätter Hofbaumeisters Mauritio Pedetti in seine Planungen mit einbezog.[8] Kleinhans, der von 1762 bis Ende 1767 mit rund 35 Maurern die ihm in Auftrag gegebenen Arbeiten ausführte,[9] gelang es, die bestehenden Gebäude durch Angleichung der Firsthöhen, der formalen Gestaltung der Giebel und der z.T. nur gemalten Fenster zu einer anschaulichen Einheitlichkeit zu transformieren, die selbst die Grundbedingung eines im Westen gelegenen Ehrenhofes erfüllte.
Der Haupteingang zum Schloss lag an der Ostseite, so dass die Platzgestaltung des Ehrenhofes kein Entrée zum Schloss bildete, sondern einen rückwärtigen Miniaturhof ausbildete, der von dem eingeschossigen und mittig kurvig geführten Gebäude der Remise begrenzt und umschlossen war.
Die gestalterische Eigenheit der östlichen Hauptfassade liegt in ihrer Dreiteiligkeit, wobei die beiden Seitenkompartimente mit ihren schrägen Anläufen, die von der Übereckstellung der Ecktürme inspiriert sind, im Gesamtzusammenhang der Fassade räumlich zurückgesetzt erscheinen, während der mittlere Fassadenteil als ein vorgezogener, risalitartiger Baukörper wirkt.
Kleinhans hatte bei der Gestaltung der viergeschossigen Fassade unterschiedliche Ordnungsmuster gewählt, um die beiden Seiten und die Mitte voneinander zu unterscheiden. Während die Seitenteile allein ihre Wirkung aus der geschossweisen Anordnung der Fenster und dem ebenfalls reich durchfensterten Giebelaufsatz beziehen, wird der Mittelteil aufwendiger gestaltet. Auffällig ist hier die Verwendung von geschossübergreifenden Kolossalpilastern korinthischer Ordnung, die auf der Gesimsleiste des rustizierten Erdgeschosses aufruhen. Ungewöhnlich an dieser Konzeption ist die Ausbildung von insgesamt vier Fensterachsen, so dass der mittlere Pilaster auf dem hochgezogenen Portalbogen aufsitzt. Diese seltene Lösung ist das Ergebnis der großzügig gedachten Gestaltung des Baukörpers mittels Pilaster, deren Proportionierung dem vorhandenen Baubestand angepasst werden musste.
Eine skulpturale Besonderheit ist die im Tympanon des Hauptportales angebrachte Vielzahl an Wappen, die Ignaz Finsterwalder 1763[2] fertigte. Gezeigt werden „zwischen dem Hauswappen stolz die [...] stuckierten Wappen der vier Ehefrauen des Auftraggebers Johann Alexander Freiherr von Riedheim, Oberforstmeister zu Eichstätt, [...] (die drei ersten Frauen Maria Anna von Hornstein, Maria Walburga Schenk von Stauffenberg und Maria Rosina Giel von Gielsberg starben im Kindbett; seine vierte Frau, Maria Antonia von Freyberg, gebar ihm zehn Kinder).“[2]
Das Tafelzimmer im 1. OG des Nordbaues
Dieser überaus gelungenen Verwandlung des Äußeren von Schloss Harthausen mit seiner sowohl vereinheitlichenden als auch fein ausdifferenzierenden Gestaltung folgte auch eine Umwandlung der Innenräume, die in ihrer Ausstattung an den herrschenden Zeitgeschmack angepasst wurden.
Franz Xaver Kleinhand und die Neudefinition der Raumnutzung
Franz Xaver Kleinhans war es auch, der die geschossweise Nutzung der Innenräume neu definierte und ihnen einen entsprechenden Funktionszusammenhang zuwies.[10] In Bezug auf die aussagekräftige Relevanz raumtypischer und repräsentativer Ausstattung sind vor allem die saalartigen Innenräume im 1. und 2. Obergeschoss maßgeblich.
Das Tafelzimmer im Nordbauu des 1. Obergeschosses
Vermutlich im Tafelzimmer[11] des Nordbaues sind im 1. Obergeschoss „eine Anzahl recht gut erhaltener Supraporten mit gemalten Ruinenlandschaften von dem Eichstätter Jacob Feichtmayr“[12] zu sehen, die dieser 1766/67 anfertigte.[12]
Supraporte mit Ruinenlandschaft
Herausgegriffen sei hier die Darstellung einer verfallenen Monumentalarchitektur, über deren großer Nische Sträucher aus dem Gemäuer herauswachsen und die vergangene Zeit und Nichtbeständigkeit irdischer Machwerke symbolisiert. Auf der bildlinken Seite ist der Ausblick in eine tiefe Landschaft zu sehen, im Vordergrund unterhalten sich drei Personen.
Supraporte mit Ruinenlandschaft und Nadelbäumen
Auf dem zweiten Bild ist ein klassischer Bildaufbau gewählt, mit einer in die Bildtiefe führenden ruinösen Bautengruppe auf der rechten Seite, während auf der linken Seite Nadelbäume, in deren Schatten sich Menschen aufhalten, das Bild begrenzen und einfassen. Die verfallene Architektur steht im deutlichen Kontrast zur hügeligen Hintergrundlandschaft.
Der Dossenberger-Salon im 2. OG. des Nordbaues
Im 2. Obergeschoss des Nordbaues befindet sich das größere Tafelzimmer[11] oder „Dossenberger-Salon“[2], benannt nach einer 1779 datierten Entwurfszeichnung von Joseph Dossenberger, die im Schloss aufbewahrt wird und die projektierte Wandgestaltung mit hochrechteckigen Paneelen, „böttstadt“[13] und „offen“[13] zeigt.
Supraporte: Schloss Harthausen mit Sommerkeller und Alexanderkapelle
„Die Besonderheit dieses Raumes liegt außerdem in einer 1997 entdeckten, nahezu komplett erhaltenen, teils bemalten, teils gedruckten Tapete, unter der sich eine Draperie mit Supraporten (Ansichten von Schloss Harthausen mit Sommerkeller) in Temperamalerei befindet: Es handelt sich um eine sehr qualitätvolle Panoramatapete um 1800 (Makulatur aus datierten Rechnungen) mit bukolischen und arkadischen Landschaftsmotiven mit Bordüren in Rapport“.[14]
Das Restaurierungskonzept
Dieser Wiederherstellung der den Raum bestimmenden Ausstattung basierte auf einem Restaurierungskonzept von Fiedler/Waltz, München, aus dem Jahre 1997.[15] Dieser Restaurierung des Tapetenzimmers war bereits in den Jahren 1972–1977 eine grundlegende Sanierung von Schloss und Remise vorausgegangen, da Schäden an den Fundamenten und Dächern eine akute Einsturzgefahr bedeuteten.[16] Diese wurde verstärkt durch „die Erdbeben von 1969 und 1970 in dieser Region und die wiederholt auftretenden Schallmauerdurchbrüche von Tieffliegern.“[16] Das Architekturbüro L.v.Malsen (Ulm) „sah umfangreiche Unterfangungsmaßnahmen und aufwendige Sicherungsmaßnahmen im Inneren sowie eine Sanierung der Dachstühle vor. Gleichzeitig erhielt das Schloss wieder – nach Befunden – die Farbfassung des 18. Jh., die stark verwittert war und großflächig abging.“[16]
Bibliographie
- BLfD, München, Ordner: Harthausen, Schloßstraße 12, Schloß Doku Bd. 3 Schw.
- Bosl, Bayern, 1961 ─ Bosl, Karl: Bayern. Stuttgart 1961.
- von Hagen/Wegener-Hüssen, Landkreis Günzburg, 2004 ─ Hagen, Bernt von/ Wegener-Hüssen, Angelika: Landkreis Günzburg, in: Ensembles, Baudenkmäler, archäologische Denkmäler (Denkmäler in Bayern, Bd. VII). München 2004.
- Konrad, Umbau Harthausen, 1969 ─ Konrad, Anton H.: Der Umbau des Freiherrlich von Riedheimschen Schlosses zu Harthausen in den Jahren 1762 – 1770, in: Rössler, Alice (Hg.): Aus Archiv und Bibliothek. Studien aus Ulm und Oberschwaben, Weißenhorn 1969, S. 157-167.
- Meyer, Schloss Harthausen, 1978 ─ Meyer, Werner: Schloss Harthausen. Baugeschichte, in: Burgen und Schlösser, 10, 1978, S. 120-123.
- online
- https://de.wikipedia.org./wiki/Reichsritterschaft(zuletzt eingesehen am 19. August 2019)
- https://de.wikipedia.org/wiki/Schwäbischer_Ritterkreis(zuletzt eingesehen am 19. August 2019).
Einzelnachweise
- ↑ von Hagen/Wegener-Hüssen, Landkreis Günzburg, 2004, S. 434.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 von Hagen/Wegener-Hüssen, Landkreis Günzburg, 2004, S. 436.
- ↑ 3,0 3,1 Bosl, Bayern, 1961, S. 273.
- ↑ Konrad, Umbau Harthausen, 1969, S. 158.
- ↑ https://de.wikipedia.org./wiki/Reichsritterschaft(zuletzt eingesehen am 19. August 2019). https://de.wikipedia.org/wiki/Schwäbischer_Ritterkreis(zuletzt eingesehen am 19. August 2019).
- ↑ 6,0 6,1 6,2 Meyer, Schloss Harthausen, 1978, S. 120.
- ↑ 7,0 7,1 7,2 Meyer, Schloss Harthausen, 1978, S. 121.
- ↑ Konrad, Umbau Harthausen, 1969, S. 159.
- ↑ Konrad, Umbau Harthausen, 1969, S. 161.
- ↑ Meyer, Schloss Harthausen, 1978, S. 123; von Hagen/Wegener-Hüssen, Landkreis Günzburg, 2004, S. 436–437.
- ↑ 11,0 11,1 Meyer, Schloss Harthausen, 1978, S. 122.
- ↑ 12,0 12,1 von Hagen/Wegener-Hüssen, Landkreis Günzburg, 2004, S. 437.
- ↑ 13,0 13,1 von Hagen/Wegener-Hüssen, Landkreis Günzburg, 2004, S. 437, Abb. Entwurf.
- ↑ von Hagen/Wegener-Hüssen, Landkreis Günzburg, 2004, S. 436-437 und Abb. S. 437 oben rechts.
- ↑ BLfD, München, Ordner: Harthausen, Schloßstraße 12, Schloß Doku Bd. 3 Schw (darin auch Farbbilder von der Restaurierung des Tapetenzimmers).
- ↑ 16,0 16,1 16,2 von Hagen/Wegener-Hüssen, Landkreis Günzburg, 2004, S. 438.