Hamburg, Zollenspieker Fährhaus

Laß, Heiko:Hamburg, Zollenspieker Fährhaus, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2025, URL: www.deckenmalerei.eu/6d7b2ab9-dbfb-410b-ad52-70f24e135337

Inventarnummer: cbdd10273

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Das Zollenspieker Fährhaus birgt die älteste erhaltene profane Wandmalerei Hamburgs von 1621/22.

Hamburg, Zollenspieker
Hamburg, Zollenspieker

Das so genannte Zollenspieker Fährhaus

Kurzbeschreibung und Lage

Das Zollenspieker Fährhaus[1] erhebt sich direkt an der Elbe. Der Kernbau von 1621 ist noch heute trotz vieler Anbauten in seinen Grundzügen erhalten.

Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Das Zollenspieker Fährhaus geht auf eine Zollstelle des Mittelalters zurück. Sie wurde bereits 1251 erwähnt. Das kleine befestigte Haus bot einen Ausblick auf die Elbe, wo ein Zoll erhoben wurde. 1420 gelangte der Zollenspieker zusammen mit Bergedorf und den Vierlanden an die Städte Lübeck und Hamburg. Die befestigte Anlage wurde im Rahmen einer kriegerischen Auseinandersetzung 1620 zerstört. Bereits 1621 erfolgte der Wiederaufbau. Das damals errichtete Hauptgebäude hat sich im Kern bis heute erhalten. Die ehemaligen Gräben und Befestigungen sind jedoch verloren. Später verlor sich die wehrhafte Funktion und ab 1806 wurde hier auch kein Zoll mehr erhoben. Im 18. Jahrhundert waren noch täglich 900 bis 1000 Schiffe abgefertigt worden.

Das Zollhaus war bereits vor 1620 auch Fährhaus und Wirtschaft gewesen. Diese Funktionen blieben bestehen. Bis 1867 war der Zollenspieker im Besitz der Städte Hamburg und Lübeck, danach in alleinigem Hamburger Besitz. Nach Aufhebung der Zollkasse 1873 wurde an das Gebäude 1874 ein Tanzsaal angebaut. Weitere Anbauten wurden bis in die jüngste Gegenwart immer wieder hinzugefügt und das Innere umgestaltet und modernisiert. 1995 ging das Fährhaus in Privatbesitz über und wurde anschließend bis 1997/99 umfassend renoviert und erneuert.

Auftraggeber

Als Auftraggeber sind die Städte Lübeck und Hamburg anzusprechen, die nicht nur mit der Anlage des Zollenspiekers ihre landesherrliche Stellung mit einem Gebäude visualisierten sowie mit Befestigungen sicherten.

Beschreibung

Der in seinen Grundzügen erhaltene Neubau von 1621 ist ein zweigeschossiger Baukörper mit Walmdach. Das Erdgeschoss ist aus Backstein gemauert, auf das ein Obergeschoss aus Backsteinfachwerk folgt. Der First verläuft von Ost nach West. Der Zwerchgiebel an der Westseite ist eine jüngere Zutat.

Der so genannte Blaue Saal im ersten Obergeschoss

 

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Im ersten Obergeschoss ist an der Südseite der so genannte Blaue Saal[2] gelegen. Seine Balken sind dendrochronologisch auf 1620/21 und 1621/22 sowie das Frühjahr 1622 datiert. Er stammt damit aus der Erbauungszeit.

Beschreibung

Der Raum wird heute von Norden aus betreten und öffnet sich mit mehreren jüngeren Fenstern nach Süden. Er hat eine Holzbalkendecke mit freiliegenden Unterzügen.

Die Wandmalereireste

Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Bei den Renovierungsarbeiten wurden 1995 an der Fachwerkwand Malereireste[3] aus dem frühen 17. Jahrhundert entdeckt. Vermutlich entstanden sie kurz nach der Vollendung des Saals. Sie wurde ausgebaut um die Malerei zu restaurieren und anschließend wieder eingebaut.

Beschreibung und Ikonographie

Die Kalkmalerei orientiert sich nur bedingt an den Gefachen der Wand. Die Wand ist einheitlich in mehrere Rapporte gegliedert, die nur auf die Pfosten Bezug nehmen. Die beiden Riegel wurden nicht berücksichtigt und lediglich eine horizontale Zweiteilung eines jeden Rapports vorgenommen. Den unteren Bereich nimmt eine schwarz-graue Vorhangmalerei ein. Darüber sind große annähernd kreisrunde Kartuschen in zinnoberrotem floralem Ornamentwerk auf schwarzem Grund angebracht. Die Medaillons nehmen unterschiedliche gegenständliche Darstellungen auf, die stark zerstört und aufgrund der geringen erhaltenen Reste inhaltlich nicht genau zu bestimmen sind.

Die Malerei des linken Medaillons ist gar nicht mehr zu erkennen. Das mittlere zeigte offenbar einen Wolkenhimmel mit Engeln. Rechts und links sind Wolken auszumachen. Auf dem Riegel ist der Überrest einer Figur zu sehen. Oben knien zwei Engel auf Wolken einander gegenüber. Sie beziehen sich auf eine zentrale Figur leicht über ihnen, die unter einer Art Vorhang oder Ziborium steht, der von zwei weiteren seitlich platzierten Engeln geöffnet wird. Eventuell handelt es sich um eine Himmelserscheinung, die die untere Person sieht. Die Malerei des rechten Medaillons zeigt zentral die Reste einer Frauengestalt.

Die Malerei ist die älteste bislang bekannte gegenständliche Malerei aus profanem Kontext auf dem Gebiet der Freien und Hansestadt Hamburg.

Die Reste der Deckenbemalung

An einem der Deckenbalken des Blauen Saals ist die Bemalung[4] der Erbauungszeit freigelegt und ein kleines Stück rekonstruiert. Die Malerei ist rein ornamental.

Bibliographie

  • Literatur:
  • Holler, Zollenspieker, 1939. – Holler, August: Zollenspieker in der Vierländer Gemeinde Kirchwärder. Hamburg 1939.
  • Klée-Gobert, Bergedorf, 1953. – Klée-Gobert, Renata (Bearb.): Bergedorf - Vierlande - Marschlande. Die Bau- und Kunstdenkmale der Freien und Hansestadt Hamburg. Bd.1. Hamburg 1953.
  • Archivalien:
  • 39-607.123. – Freie und Hansestadt Hamburg. Behörde für Kultur und Medien, Denkmalschutzamt, Objektakte Zollenspieker Hauptdeich 143, Aktenzeichen 39-607.123.
  • 39-607.123.4. – Freie und Hansestadt Hamburg. Behörde für Kultur und Medien, Denkmalschutzamt, Objektakte Zollenspieker Hauptdeich 143, Aktenzeichen 39-607.123.4.

Einzelnachweise

  1. Klée-Gobert, Bergedorf, 1953, S. 139; Holler, Zollenspieker, 1939, S. 21, 49-55.
  2. 39-607.123.
  3. 39-607.123. Vgl. bes. 39-607.123.4.
  4. 39-607.123.4.