Greifswald, Domstraße 58
Inventarnummer: cbdd20080
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Das lange Zeit als kirchliche Amtswohnung dienende Gebäude in unmittelbarer Nähe des Domes Sankt Nicolai erlebte mehrere Umbau- und Umnutzungsphasen, die Anlass boten, einige Räumlichkeiten repräsentativ mit bemalten Holzbalkendecken auszustatten.

Lage, Bau-, Funktions- und Ausstattungsgeschichte
Lage
Das Gebäude liegt im westlichen Abschnitt der Domstraße, einer Parallelstraße zur Langen Straße, die eine vom Markt ausgehende städtische Hauptachse ausbildet. Der Dom Sankt Nicolai befindet sich in unmittelbarer Nähe des Hauses, womit auch die ehemalige historische Funktion als Amtswohnung von Kirchendienern ihren baulichen Ausdruck fand.
Bau-, Funktions- und Ausstattungsgeschichte
Im Jahre 1503 erfolgte der Neubau eines Gebäudes mit einer Amtswohnung für den Unterkappelan, die nach der Reformation dieselbe Funktion für den dortigen Diakon beibehielt.[1]
1707 wurde es dann „Freihaus von St. Nicolai [und] zwischen 1734 und 1738 [erfolgte der] Neubau des zweigeschossigen Hintergebäudes durch Gottfried Pyl. Das vorher dort stehende eingeschossige Haus war schadhaft und unbrauchbar [geworden].“[2]
Das Wohnhaus bewohnte vor 1747 Dr. Theodor Battus, ehe in diesem Jahr ein Umbau des Gebäudes stattfand, dem weitere nachfolgten.[3]
„1749 ist der Erdgeschossgrundriß im Archidiakonatshaus und die östlich gelegene Bude neu entstanden.“[4]
Das Bauwerk: Das Haupthaus
Das Haupthaus ist ein zweigeschossiges Bauwerk mit hohem Satteldach, das insgesamt eine gestreckte Proportionierung aufweist und deren Backsteinwände verputzt sind. Die Gliederung des traufseitigen Gebäudes erfolgt nicht auf klassische Weise mittels einer Säulenordnung, sondern durch die Verteilung und Größe der fünf Fenster in der gesamten Fassadenfläche.
Die Eingangstüre ist auf der Südseite platziert. Die beiden Giebelseiten sind unterschiedlich gestaltet: Der Ostgiebel zeigt zwei Reihen mit rundbogigen Blenden, während am Westgiebel lediglich zwei kleine Fensteröffnungen zu sehen sind, die im Zusammenklang mit den hochrechteckigen Fenstern des Wandbereiches darunter ein minimalistisches Wandtableau abgeben.
Der südöstliche Raum im 1. OG
Im Obergeschoss des Hauptbaues befindet sich in dem südöstlich gelegenen Raum eine bemalte Holzbalkendecke, die ihn durch diese Art der Ausstattung von den restlichen Räumlichkeiten unterscheidet und gleichzeitig hervorhebt.
Bemalte Holzbalkendecke: Medaillons mit Frauengestalt und Vögel- sowie Früchtemotiven
In diesem Zimmer befand sich eine „bemalte Holzbalkendecke mit Darstellungen eines Medaillons mit Frauengestalt und Vögel- sowie Früchtemotiven“[4], die den Raum besonders auszeichnete.
Das gestalterische Grundmuster bildet pro Gefache ein geometrisches Gerüst aus kreisrunden Medaillons, die über Stege mit kleinformatigeren Rauten verbunden sind. Diese sind alle in monochromer Art mit einer Frucht, umgeben von Blattwerk, befüllt. Die Darstellungen in den Medaillons wechseln hingegen zwischen schweifwerkartigen Dekorformen und Figurenbildung ab.
Die Restflächen zeigen großteils Frucht-Arrangements mit flächenfüllendem Blattwerk, die von Einzelmotiven wie z.B. Vögel (Papagei) oder Krone durchsetzt sind.
Diese Art der Darstellung stellt eine „Weiterentwicklung der aus Wismar bekannten geometrischen Deckenmalereien mit Brustbildnissen [...] dar. Die durch Vogeldarstellungen angedachte Weitung des Raumes gen Himmel, wie aus der zeitgenössischen niederländischen Deckenmalerei bekannt, ist hier jedoch nicht umgesetzt.“[5]
Der Kemladen
Der auf der nordöstlichen Rückseite des Haupthauses gelegene Kemladen ist ein „zweigeschossiges Gebäude mit beidseitigem Satteldach, [das heute] gekürzt [ist].“[4]
Bemalte Bretterdecke: Caritas
In dem Kemladen befand sich ehemals eine „bemalte Bretterdecke [...] mit Akanthusblattwerk auf gelbem Grund [...][und einem] Medaillon mit allegorischer Darstellung der Caritas [...].“[4] Diese wurde „1999 ausgebaut, gesichert und bei der Stadt eingelagert.“[4]
Sanierung / Renovierung
Den Außenbau renovierte man bereits in den 1980er Jahren, doch musste er circa 20 Jahre später (2014–2015) erneut saniert werden.[6]
2015 hatte man bei der Dachsanierung über dem Obergeschoss des Haupthauses die teilweise bemalte und mit Schiffskehlen profilierte Holzbalkendecke entdeckt, die man anschließend durch einen Diplom-Restaurator sichern wollte.[7]
Bereits 1999 hatte man die bemalte Bretterdecke mit Akanthuswerk und allegorischer Darstellung der Caritas „ausgebaut, gesichert und bei der Stadt eingelagert.“[4]
Bibliographie
- Bens/Schirmer, Wand- und Deckenmalereien, 2025 —Bens, Christiane/Schirmer, Jan: Barocke Wand- und Deckenmalerei in Mecklenburg und Vorpommern – ein Überblick, in: Angelika Dreyer und Andrea Gottdang: zwischen Adaption und Distinktion, 2025 (Erscheinungsjahr)
- Schirmer, Besichtigungsprotokoll, 24.02.2015 — Schirmer, Jan: Besichtigungsprotokoll, 24.02.2015, in: Schwerin, Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern, Fachbereich Archäologie und Denkmalpflege, Daten-Archiv
- Schirmer, Besichtigungsprotokoll, 24.03.2015 — Schirmer, Jan: Besichtigungsprotokoll, 24.03.2015, in: Schwerin, Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern, Fachbereich Archäologie und Denkmalpflege, Daten-Archiv
- Schirmer, Domstraße 58, 2022 — Schirmer, Jan: Innenstadt, Domstraße 58, Wohnhaus, 16.11.2022, in: Schwerin, Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern, Fachbereich Archäologie und Denkmalpflege, Daten-Archiv
Einzelnachweise
- ↑ Die Grundinformationen in: Schirmer, Domstraße 58, 2022.
- ↑ Schirmer, Domstraße 58, 2022. "Gottfried Pyl, aus Greifswald, Mag. Adjunct des Ministerii 1722, Diakon 1723, Archidiakon 1725. Stirbt 1748": https://www.dom-greifswald.de/st-nikolai/dompfarrer.html (zuletzt eingesehen am 3.11.2024)
- ↑ Die Grundinformationen in: Schirmer, Domstraße 58, 2022. "Theodor Battus, aus Grimmen, Mag. Diakon 1725. Stirbt 1746.": https://www.dom-greifswald.de/st-nikolai/dompfarrer.html (zuletzt eingesehen am 3.11.2024).
- ↑ 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 4,5 Schirmer, Domstraße 58, 2022.
- ↑ Bens/Schirmer, Wand- und Deckenmalerei, 2025 (Erscheinungsjahr).
- ↑ Schirmer, Besichtigungsprotokoll, 24.3.2015. Die denkmalgerechte Sanierung erfolgte durch das Architektur- und Ingenieurbüro „Tangram Planwerkstatt GmbH“.
- ↑ Schirmer, Besichtigungsprotokoll, 24.2.2015; Schirmer, Domstraße 58, 2022.