Grafing, Marktkirche Heiligste Dreifaltigkeit


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 11: Landkreis Traunstein. Hirmer, München 2005, ISBN 978-3-7774-2695-2, S. 354–363, geschrieben von Sauerländer, Brigitte und Böhm, Cordula. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Marktkirche, Filialkirche der im heutigen Grafinger Ortsteil Öxing gelegenen Pfarrkirche St. Ägidius, Stadt Grafing, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung war die Pfarrei Grafing-Öxing der Jesuitenresidenz Ebersberg inkorporiert. Oxing wurde von Weltgeistlichen versehen, da Präsentationsrecht hatte der Rektor des Münchner Jesuitenkollegs. Grafing, eine Tochtersiedlung des zunächst bedeutenderen Ortes Oxing, erhielt 1376 Marktrechte und 1430 auch die Niedergerichtsbarkeit. Die von Grafinger Bürgern gestiftete Marktkirche unterstand dem Magistrat, der auch das Präsentationsrecht auf das Frühmeßbenefizium an dieser Kirche innehatte.

Patrozinium: Heiligste Dreifaltigkeit

Zum Bauwerk: Bau der Marktkirche 1672 durch den Grafinger Maurermeister Gallus Mayr nach seinem eigenen Entwurf. Georg Grandauer, Bierbrauer und Bürgermeister, sowie Georg Zunhammer, Handelsmann und Bürgermeister, hatten die Hauptsumme für die Errichtung gestiftet. Erste Meßfeier 1673, Weihe 1680. Inschrifttafel über dem Eingang: Anno 1672 Hat der Ehrnvest Fürsichtig Er=/samb vnd Weise Herr Georg Grandtauer / Ambts Bürgermaister vnd Püerpreu. der Magistrat, mit Hilf der Bürgerschafft zu Gräf=/fing dise Capelln von grundt Neu erpaut, vnd / der Allerheilligsten Dreyfaltig=/kheit Dediciert. Feuchtigkeitsschäden 1725, Baureparaturen 1726/27 und Einbau von acht neuen Fenstern. 1743/50 fand eine durchgreifende Renovierung statt. Innendekoration mit Stuck und Fresken durch Johann Baptist Zimmermann, Umgestaltung der Altäre aus der Erbauungszeit durch Johann Baptist Straub. Das Hochaltarbild der Erstausstattung, eine Marienkrönung durch die Dreifaltigkeit, wurde 1874 durch das heutige Bild »Der Heilige Wandel« ersetzt, das ebenfalls von Johann Baptist Zimmermann stammt und ursprünglich ein Seitenaltarblatt war (Jubiläumsschrift 1779, S. 3 f.; Hunklinger, Beiträge, S. 135 f. und Anm. 24).

Der Kirchenraum nach Osten

Die Kirche ist genordet. Einfacher, dreiachsiger Saalbau (11 × 7,70 m) mit Empore im S und Wandpfeilergliederung; gleichmäßige Belichtung von O und W durch relativ große Rundbogenfenster in den beiden nördlichen Jochen. Leicht eingezogener Chor (7,60 × 6,70 m) zu zwei Achsen mit dreiseitigem Schluß, Gliederung durch Stuckkartuschen unter den Gewölbeansätzen; Belichtung wie im LHs von O und W in beiden Jochen und in den Schlußschrägen.

Auftraggeber: Johann Georg Nockher (*Hall/Tirol † 29.9. 1766 München), Kaufmann und Wechselherr in München, im Zusammenwirken mit Franz Borgias Grandauer, dem Sohn bzw. Johann Martin Grandauer, dem Enkel des Kirchenstifters, die 1687–1745 und 1745–50 die Kirchenverwalter der Marktkirche waren. Nockher war von 1731–1741 mit Maria Johanna Grandauer, der Tochter des Franz Borgias Grandauer, der auch Bürgermeister von Grafing war, verheiratet (s. Autor). Das Wappen Nockhers, ein Schild mit zwei gekreuzten Axten, die Schildbekrönung flankiert von den Buchstaben GE/NOG, erscheint auf Fresko A auf einem Stein am Fuße des Palmbaums.

In diesen Zusammenhang gehören auch die beiden kleinen gemalten Wappen am Chorbogen, links das Grafinger Wappen mit dem nach links aufsteigenden, schwarzen Bären vor weißem (= silbernem) Grund, rechts das Wappen der Bierbrauerfamilie Grandauer: es ist geviertet und zeigt zwei weiße Felder mit einem Brunnen und zwei schwarze Felder mit einem goldenen, nach rechts aufsteigenden Greifen. Hier wird an den Grafinger Magistrat als Bauherrn und Kirchenverwalter erinnert sowie an die Familie Grandauer als die Stifter und weiterhin wesentlichen Geldgeber der Dreifaltigkeitskirche. Pfarrvikar von Öxing war Georg Michael Widmann (1741–73), Frühmeßbenefiziat an der Marktkirche Grafing Johann Georg Katzmayr (1734–71).

Autor und Entstehungszeit: Johann Baptist Zimmermann (* 1680 Gaispoint bei Wessobrunn † 1758 München) 1743. Signatur in Fresko A in der nordwestlichen Bildecke: Zimmermann / 1743.

{ZITAT|001}Im Widerspruch zum Datum 1743 bei der Signatur steht das Datum 1748 in der Jubiläumsschrift von 1779. Bei den Restaurierungen von 1958 und 1999 wurde die Zahl 3 nicht etwa für eine übermalte 8, wie mehrfach angenommen, sondern für orioriginal befunden. Eine stilistische Datierung ist nicht einfach, da Zimmermann zwischen der Michaelskirche in Berg am Laim (1743/44) und der Dominikanerkirche in Landshut (1748/49) mit Ausnahme von Emmering (1745, s. S. 331) keine Fresken hinterlassen hat. Die Behandlung der Fresken und des rahmenden Stucks steht den Gewölbedekorationen in Prien (1737/38, LKr. Rosenheim, Bd 12) und in Dietramszell (1741, CBD, Bd 2, S. 153) deutlich näher und spricht für das frühe Datum. Die dortigen Chorfresken weisen eine ähnlich ›doppelte Rahmung‹ mit einem Brokatmuster im Zwischenbereich auf wie in Grafing.

A Himmelfahrt Mariens vor der Restaurierung 1999

In der Jubiläumsschrift wird die Ausmalung zeitlich in die Amtszeit von Johann Martin Grandauer gelegt, der 1746-50 Kirche, Altäre und Kanzel stiften und renovieren ließ. Die Witwerschaft Johann Georg Nockhers 1741-44 spricht aber für das frühere Datum: Am 25. 1. 1745 hatte sich Johann Georg Nockher in München wieder verheiratet. Nockher und Zimmermann wohnten beide am Rindermarkt und müssen sich gekannt haben. Johann Georg Nockher hatte 1733 das Haus am Rindermarkt 16 von seinem Bruder Joseph, dem auch Haus 17 gehörte, erworben. 1734 kaufte Johann Baptist Zimmermann das Haus am Rindermarkt 19 und verkaufte es 1746 wieder an Maria Cäcilia Nockher. Aus dieser Nachbarschaft lässt sich der Auftrag an Johann Baptist Zimmermann erklären. Außerdem hatte Zimmermann infolge des Österreichischen Erbfolgekrieges zu diesem Zeitpunkt Mangel an Aufträgen.

Röhlig (S. 115 f.) schrieb die Ausmalung der Zimmermann- Werkstatt zu. Diese unterteilte sie in drei Gruppen: Werke, die nach Entwürfen Zimmermanns ausgeführt sind, Werke, die ältere Kompositionen Zimmermanns wiederholen und dabei leicht variieren, und drittens solche, die aus einzelnen Zimmermann-Motiven selbständig zusammengefügt sind. Die Grafinger Marienhimmelfahrt (A), die sie allerdings nur in ihrem übermalten Zustand kannte, wies sie der zweiten Gruppe und die Verehrung der Dreifaltigkeit (B) der dritten Gruppe zu.

Nach der Restaurierung von 1999 zeigt sich Fresko A als eine qualitätvolle Arbeit Johann Baptist Zimmermanns, die im Entwurf als eigenhändig bewertet werden darf. Gekonnt skizziert sind die Charakterköpfe der Apostel bei der Himmelfahrt, überhaupt die Gewandfiguren der Apostel und die anmutige Gestalt Mariens. Der Komposition von B fehlt der große Wurf, und aufgrund der Übermalungen ist bezüglich der Eigenhändigkeit kein Urteil möglich.

Die Bildanlage der Marienhimmelfahrt mit nur geringer Untersicht und annähernd gleicher Figurengröße im terrestrischen wie im darüberliegenden Bereich läßt an ein Tafelbild als Vorbild denken. Röhlig verweist in diesem Zusammenhang auf zwei Hochaltarbilder Zimmermanns: Die Himmelfahrt Mariens in der Klosterkirche Seligenthal bei Landshut (1734) und die in der ehem. Klosterkirche Dietramszell (1745; eine spätere, fast identische Darstellung von 1754 befindet sich in Margarethenberg, LKr. Altötting, CBD Bd 9, S. 124). Thon (S. 270, Anm. 644) weist darauf hin, daß die Zweiergruppe von Engeln, die in Grafing die Marienhimmelfahrt begleitet, im LHs-Fresko der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Prien vorkommt und ein zweites Mal im Chorfresko in Dietramszell erscheint. Seitenverkehrt ist der Engel mit der Palme auch in Berg am Laim wiederzufinden.

Die Emporenbrüstungsbilder EB1-3 stammen von 1779, der Maler ist nicht bekannt.

Befund

Träger der Deckenmalerei: A und B Stichkappentonne, im AR nach N abgemuldet

Rahmen: A ondulierter Stuckprofilrahmen in Ocker mit Goldrand, B Vierpaßrahmen in Form einer flachen Hohlkehle mit Ornamentmalerei in Ocker und Braun mit Goldhöhungen Technik: Fresko; polychrom

Maße: A Höhe 6,55 m; 5,00×4,00 B Höhe 6,35 m; 4,40×4,00

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Erste Ausbesserung kurz vor der Hundertjahrfeier 1779: »Bemeldtes Gotteshaus wurde in fresco renovirt, dann durchgehends auf das allerschönste gereiniget« (Jubiläumsschrift, S.6). 1848 Innenrestaurierung durch Johann Graf, Übertünchung der Gewölbeflächen, Zudecken der Brokatfelder, Verzierung der Stuckaturen mit Ölgoldstreifen (Akten BLfD, Hunklinger, Beiträge, S. 144). 1893 Veränderung der Ausstattung im Geschmack des späteren 19. Jh., erneute Übertünchung der Gewölbe und Anbringen eines äußeren Zementputzes gegen die Mauerfeuchtigkeit, was sich als schädlich erwies. Im Zusammenhang mit dieser Renovierung überarbeitete der in Grafing ansässige Maler Neumayr die Fresken A und B mit Kaseinfarben. 1920 Ausbesserung des durch eingedrungenes Regenwasser beschädigten Chorfreskos durch Malermeister Höpfner.

 

Bei der Restaurierung 1957–59 wurde die Kirche trockengelegt, Risse im Gewölbe beseitigt, die Glasgemälde des 19. Jh. entfernt und dem Hochaltar weitgehend die Gestalt von 1748 zurückgegeben. Restaurierung von Fresken und durch Helmut Knorr, Grafing. Die Deckenbilder wurden trocken gereinigt, pudernde Farbpartien fixiert; die Emporenbilder EB1-3 wurden ebenfalls gereinigt. Übermalungen des 19. Jh. wurden nur in Fresko B abgenommen. An Raumschale und Stuck wurde die ursprüngliche Farbigkeit wieder freigelegt und hergestellt. Die verlorengegangenen Goldhöhungen der Brokatmuster erneuerte man nach vorhandenen Spuren. 1998/99 erfolgte eine umfangreiche Restaurierung der Raumschale durch Robert Weininger, Traxl bei Ebersberg, Helmut Knorr, Grafing, und der Fresken durch Helmut Zernickel, München. Hierbei wurden die komplett in Tempera-Öltechnik übermalten und stark verrußten Fresken abgekratzt und bis auf die ursprüngliche Fassung freigelegt. Im Chorfresko mußte aufgrund des großen Verlustes an originaler Malerei auf eine Freilegung verzichtet werden.

Die Fresken sind heute von den früheren Beeinträchtigungen befreit. In Fresko A sind die Zimmermann’sche Farbigkeit, die Faltenbildung und die delikte Lichtführung auf den beleuchteten Gewandpartien in vollem Umfang wiederhergestellt. In einigen Partien ist die Farbschicht abgerieben und die Oberflächenmodellierung nicht vollständig.

Beschreibung und Ikonographie

Langhausgewölbe: Der mehrfach aus- und einschwingende Rahmen von Fresko A besteht aus einem ockerfarbenen Profilstab und einer außen anschließenden weiß gefassten Hohlkehle, die im N und S in lappige Rocaille-Motive ausläuft. Ein Goldbrokatmuster mit zartgrünen Feldern auf braunem Grund füllt die westlich und östlich anstoßenden Stichkappen, deren weiße Stuckrahmen in Rocaille-Agraffen gipfeln. Die freien weißen Deckenfelder sind blaßrosa stuckiert. Die Farbtöne der gesamten Auszierung befinden sich im Einklang mit der verwandten Farbstimmung des Freskos.

Vier karminrote Schriftkartuschen sind dem Rahmen axial zugeordnet, die beiden kleinen, in der Längsachse des Bildes, nur in lockerer Anfügung; die beiden großen, in den Zwickeln zwischen den Stichkappen befindlich, überlappen den Rahmen mit geflügelten Puttenköpfchen. Der Text der Inschriften besteht aus Anrufungen Mariens, ergänzt durch leicht abgewandelte Zitate aus dem Hohenlied, die der Brautsymbolik zugehören:

W Sey Gegriest / Du Mutter Gott des Sohns, / die Herfür Tritt, wie die morgenret. / Schön wie der monn, / Außerwölt wie die Sonn. / Can: C 6: V 9.

S Sey Gegriest / du Tochter Gott des Vatters / wie ein Rosen unter den dörnern / bist du unter den Töchtern. / Can: C 2: V 2.

O Sey Gegriest / Du Braut des Heilligen Geists, / die du komen bist aus Libano / dan du wirst Gekrönet werden. / Can: C 4: V 8.

N Sey Gegriest / Du Tempell der / Aller-H. Dreifaltigkeit / Du Ewiger wohnsitz des / Aller Höchsten. / Can: C 3: V 10. Die nördliche Kartusche enthält im Gegensatz zu den drei anderen zwei Anrufungen Mariens, wodurch für das Zitat aus dem Hohenlied, das sich auf den Thron (die Sänfte) Salomos bezieht, kein Platz mehr war. Es muß, wie folgt, ergänzt werden: »Ihre Pfosten ließ er in Silber machen, ihre Lehne in Gold. Den Sitz aus Purpurgewebe, in der Mitte ausgelegt mit Ebenholz.«.

A HIMMELFAHRT MARIENS Das hochformatige Fresko ist einansichtig und erstreckt sich über die beiden östlichen Joche des LHs. Das Fresko ist in gemäßigter Untersicht angelegt und in zwei übereinandergesetzte Bereiche gegliedert. Zentrum der terrestrischen Zone ist der bildeinwärts gerichtete, braune Sarkophag, beidseitig von den erstaunt gestikulierenden Aposteln umstanden. Sie haben soeben anstelle des Leichnams der Gottesmutter duftende Rosen im Sarkophag vorgefunden; zwei kniende Frauen halten die Blumen. Unter den Aposteln ist rechts Johannes zu erkennen, in grünem Gewand und rostrotem Mantel, links Petrus in hellblauem Gewand und gelbem Mantel, dahinter Jakobus mit der Muschel auf dem Pilgerkragen. Petrus und Johannes, die nach der Überlieferung am Kopf- bzw. am Fußende des Sterbebettes der Gottesmutter standen, sind als große Vordergrundsfiguren betont herausgestellt. Johannes hält ein Buch im Arm; nach der Legende soll er das Ereignis der Himmelfahrt Mariens aufgezeichnet haben (LA-Benz, S. 583, 600).

Die Szene wird östlich von einer Palme begrenzt (zu ihren Füßen der Stein mit dem Wappen Nockhers), die über ihren dekorativen Wert hinaus wohl auch als Mariensymbol zu verstehen ist. Das gleiche gilt für die westliche Bildbegrenzung, die aus einem hohen, pyramidenartigen Stein und zwei Zypressen besteht. Palme und Zypresse symbolisieren verschiedene Tugenden Mariens, die Pyramide bzw. der Obelisk versinnbildlichen die Unbefleckte Empfängnis: so wie der Obelisk keinen Schatten wirft, wenn die Sonne senkrecht über ihm steht, so ist Maria ohne Makel empfangen worden (Piccinelli, Lib. XVI, Nr. 142, s.v. pyramis, obeliscus, Lemma TENEBRAE NON COMPREHENDERUNT).

Die größere Bildhälfte ist der Himmelfahrt vorbehalten, deren Figuren kaum kleiner sind als die der Apostel. Auf einem Wolkensockel thronend schwebt Maria, in weißem Gewand und blauem Mantel, zum Himmel auf. Drei Engel assistieren. Links unter ihr blickt ein Engel, halb von Wolken verdeckt, zu ihr auf. Er hält eine Lilie. Von den beiden Engeln schräg rechts unter Maria hält einer den Palmzweig hoch, der zweite, in Rückenansicht, stützt die Wolke.

Eine rosagelbe, zart durchlichtete Wolkenformation, die vom oberen Bildrand bis zum Halbkreis der Apostel hinabreicht, hinterlegt die Himmelfahrt gleich einer großen Aureole. Ein reizvolles Zusammenspiel besteht zwischen dem farblichen Grundakkord des Freskos aus verschiedenen Tönen der Weiß- und Grünskala und den modellierten, buntfarbenen Gewändern der Personen, gipfelnd in dem nur im Mantel Mariens verwendeten lichten Blau.

Chorgewölbe: Im Chor ist der Vierpaßrahmen von Fresko B eingebettet in ein Goldbrokatmuster auf rotbraunem Grund, das den restlichen Gewölbespiegel ausfüllt und zum Gurtbogen und zur AR-Kalotte hin geradlinig schließt. Im W und O wird es durch eine geschwungene, ornamentierte Stuckleiste eingefaßt, die die Spitzen der Stichkappen miteinander verbindet und den Umriß des Vierpasses wiederholt. Der ungeschickt wirkende geradlinige Abschluß der Brokatfläche und das unvermittelte Abbrechen der Stuckierung im N läßt vermuten, daß der geplante, 1748 errichtete Hochaltar die Altarraumwölbung ganz ausfüllen sollte.

B VEREHRUNG DER DREIFALTIGKEIT DURCH DIE ENGELCHORE UND MITGLIEDER DER HEILIGEN SIPPE Ein goldfarbener, mit Muschelmotiven besetzter Vierpaßrahmen umfaßt die einansichtige Darstellung. Vor einem durchgehenden, rosagrauen Wolkengrund entfaltet sich die himmlische Szene in zwei Rängen übereinander; der untere zeigt Mitglieder der Heiligen Sippe, der obere Vertreter der Neun Engelschöre. Nahe dem oberen Bildrand erscheint in einer Wolkenöffnung das Trinitätssymbol mit dem Tetragramm. Die Fluchtlinien der zentralperspektivischen Komposition münden in der Spitze des Dreiecks; das führt bei der Kleinheit der Bildfläche zu einer etwas jähen perspektivischen Verjüngung der Engelsgestalten.

Die Heilige Sippe ist in zwei Dreiergruppen aufgeteilt. Linkerseits befinden sich Joachim und Anna, die Eltern Mariens. Der hl. Joachim hält das Buch mit den zwei Opfertauben darauf auf dem Knie; an seinem Arm lehnt der Stab mit der Hirtenschippe. Hinter ihm kniet auf einer Wolke der hl. Joseph als Bräutigam Mariens. Er hält den blühenden Stab, das Zeichen seiner Auserwähltheit, in der Hand und beugt sich zu Joachim hinab. Sein flatternder Mantel leitet über zu dem Sockel, der diese Figurengruppe am westlichen Bildrand beschließt, eine geschwungene Zierarchitektur, drapiert mit einem langen mittelblauen Tuch; auf dem Sockel steht ein Blumengebinde aus Rosen in Rot- und Rosatönen.

Die Dreiergruppe rechterseits besteht aus Johannes dem Täufer und seinen Eltern, Zacharias und Elisabeth. Der Hohepriester Zacharias, von Elisabeth und Johannes als Sitzfiguren flankiert, ist die einzige Standfigur der ganzen Gruppe. Im langen Priestergewand, angetan mit Brustschild und gehörnter Mitra, schwingt er das Weihrauchfaß und bringt somit die Huldigung aller Anwesenden dar. Johannes der Täufer blickt zum frommen Betrachter hinab. Er hält den Kreuzstab im Arm und verweist auf das Lamm an seiner Seite.

Das obere Wolkenrund zeigt in starker Verkürzung die Vertreter der Engelchöre als silhouettenhafte Halbfiguren, ausgenommen die Ganzfigur des hl. Michael mit Stirnreif, der Waage und Palme hält. Er ist der Vertreter des Chors der Erzengel. Nach rechts folgt der Schutzengel als Repräsentant der Engel (angeli custodiunt). Er hält einen Wanderstab. Der Repräsentant der Mächte (virtutes sanant) hält einen Zweig, vermutlich einen Lorbeerzweig anstelle des üblichen, von einem Lorbeerzweig umwundenen Schwertes; der Vertreter der Gewalten (potestates defendunt) trägt einen Helm mit Helmbusch; der der Fürstentümer (principatus observant) Fürstenhut, Hermelinmantel und Ordenskette; der Vertreter der Herrschaften (dominationes regunt) trägt eine Zackenkrone, Zepter und roten Mantel; der Vertreter der Throne (throni obumbrant) ist von einer hohen Thronlehne überwölbt; der der Cherubim (cherubini illuminant) hält ein Zepter, das mit einem leuchtenden Dreieck bekrönt ist; der der Seraphim (seraphini inflammant) ist durch einen züngelnden Strahlennimbus gekennzeichnet (RDK, Bd 5, Sp. 555–601, bes. Sp. 581 f., Abb. 10 und 591–600, s.v. Engelchöre [Karl-August Wirth]; zu den Beischriften s. die Abbildung der 1697 errichteten Ehrenpforte zur Hundertjahrfeier der Münchner Michaelskirche). Die vornehmste Aufgabe der Engelchöre ist die Verehrung der Heiligsten Dreifaltigkeit. Bei der Aufnahme Mariens in den Himmel sind die Engelchöre anwesend und begrüßen die Gottesmutter als ihre künftige Königin (RDK,

 
EB1-3 Aus der Geschichte der Dreifaltigkeitskirche EB, Grundsteinlegung
 
EB2 Einsetzung des Altarsakraments
 
EB3 Erste Meßfeier und hundertjähriger Ablass

LANDKREIS EBERSBERG : GRAFING

 
 
Der Apostel Johannes am Grab Mariens, Ausschnitt aus Fresko A

Die Himmelfahrt Mariens (Johann Baptist Zimmermann 1743)

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B Verherrlichung der Dreifaltigkeit durch die Engelchöre und Mitglieder der Heiligen Sippe

ebd., Sp. 576, 586 f.). Hierin besteht auch in Grafing der ikonographische Bezug zwischen Fresko A und B. In den Breviergebeten zum Fest Mariä Himmelfahrt (15.8.) werden die gleichen Vorstellungen evoziert und die Engelchöre ausführlich genannt (Breviarum Romanum, Pars aestiva, Regensburg 1900, S. 512, Lectio IV). Das ehemalige Hochaltargemälde mit der Krönung Mariens durch die Hl. Dreifaltigkeit ist als die inhaltliche Voraussetzung für das Chorfresko zu verstehen. Rot- und Gelbtöne bestimmen den farblichen Bildaufbau. Auf diesen Farbklang abgestimmt ist der rotbraune Grundton des rahmenden Brokatmusters. Um so mehr fällt das blaue, zusammen mit den Rosen auf Maria bezugnehmende Tuch ins Auge. Bei den bildparallel aufgereihten Figuren der Hl. Sippe sind Höhen- und Tiefenillusion nur geringfügig erzielt.

Szene enthält links eine Inschriftkartusche, die die Darstellung erläutert.

EB1-3 AUS DER GESCHICHTE DER DREIFALTIGKEITSKIRCHE Die Bilder wurden anläßlich der Hundertjahrfeier 1779 gemalt, wahrscheinlich nach den Jubiläumsfeierlichkeiten als Erinnerung daran (EB2-3; ausführliche Beschreibung in der Jubiläumsschrift und bei Hunklinger, Beiträge, S. 138-43). Die querformatigen, kleinen Szenen sind in Rocaille-Ornament-Kartuschen von 1748 eingefügt. Jede Szene enthält links eine Inschriftkartusche, die die Darstellung erläutert.

EB, GRUNDSTEINLEGUNG Den 9. May 1672 Ist / Zu erbauung dieses / Gotteshauses / der erste Stain gelegt worden. Eine Gruppe Grafinger Bürger und Ratsmitglieder steht vor einem Haus. Auf dem freien Platz vor ihnen ist der im Boden bereits ausgelegten Grundriß der Kirche zu sehen. Die zentrale Figur, in rotem Mantel und Hut, hält den Bauplan hoch. Mit ihr ist der Hauptstifter, der Bierbrauer und Bürgermeister Georg Grandauer gemeint.

EB2 EINSETZUNG DES ALTARSAKRAMENTS Den 3. Okt. 1779. / Am Heyl. Dreyfaltigkeit-Sonntag. / Ist der grosse Gott: alhier eingesetzt worden. In der Bildmitte erkennt man einen goldenen Baldachin, von Bürgern in schwarzen Umhängen getragen, darunter den Geistlichen mit der Monstranz, begleitet von Diakonen. Es folgen Kleriker und Bürger. Rechts im Bild befindet sich eine Prozession aus verschieden gewandeten Klerikern. Sie wird angeführt von einer Gruppe ganz in schwarz gekleideter Geistlicher, die wahrscheinlich die Ebersberger Jesuiten darstellen.

EB, ERSTE MESSFEIER UND HUNDERTJÄHRIGER ABLASS Den 8. May 1673 / Ist in dieser Kirche die / 1. Heilige Messe gelesen worden. Den 10. Oktober 1779 Ist der Hundertjährige Ablaß / gelesen worden. Rechts im Bild sieht man die Eingangsseite der Marktkirche und das östlich an die Kirche angebaute Benefiziatenhaus. Drei kleinfigurige Prozessionen, Bürger mit Fahnen und Kruzifix, streben auf die Kirche zu

Quellen und Literatur

Kunstreferat der Erzdiözese München und Freising: Stefan Nadler und Maria Hildebrandt, Kath. Filialkirche Hl. Dreifaltigkeit in Grafing. Dokumentation zur Bau-, Ausstattungs- und Restaurierungsgeschichte (mit Bearbeitung aller einschlägigen Archivalien), Typoskript 1999.

Maria Hildebrandt, Grafing, Kath. Filialkirche Hl. Dreifaltigkeit. Dokumentation zu Bau-, Ausstattungs- und Restaurierungsgeschichte, Ms. 1999 (mit Auswertung aller Quellen). BLfD, Akt Grafing, Dreifaltigkeitskirche.

Schmidtsche Matrikel, Bd 2, S. 323–28

Dreytägiges Dankfest, so in dem churfürstlichen Markt Gräfing bey Vollendung des ersten Jahrhunderts, von Erbauung des herrlichen Markt=Gotteshauses der Allerheiligsten Dreyfaltigkeit, im Jahre 1779, den 10., 11. und 12. October... feyerlich gehalten worden. Tegernsee (o. J.), S. 3 f., 6.

Mayer-Westermayer, Bd 3, S. 255-61.

Schmid, Johann Baptist, Johann Baptist Zimmermann, Maler und kurfürstl. bayer. Hofstuccateur, in: Altbayerische Monatsschrift (hg. vom Historischen Verein für Oberbayern) 2 1900, Heft 2/3, S. 79; Heft 4/5, S. 106, 119 f. KDB I OB (2), S. 1364 f.

Röhlig, Ursula, Die Deckenfresken Johann Baptist Zimmermanns, ungedr. Diss. n. München 1949, S. 88, 115 f.

Oswald, Martin, Grafing, in: Der Landkreis Ebersberg in Geschichte und Gegenwart, Ein Heimatbuch, München 1960 S. 96–100.

Hunklinger, Georg, Zur Geschichte der Grafinger Kirchen, in Beiträge zur altbayerischen Kirchengeschichte (Jahrbuch für altbayerische Kirchengeschichte) 24, 1966, S. 124-56.

-, Grafing (= Grafinger heimatkundliche Schriften Heft 2) Grafing bei München 1966.

Sponholz, Hans, Schöne Heimat Ebersberg. Der Landkreis in Bildern, München-Aßling 1967, S. 101. f., 110.

Thon, Christina, Johann Baptist Zimmermann als Stuckateur, München und Zürich 1977, S. 171-73; 186; 204; 269, Anm. 642; 270, Anm. 642 a, 643, 644, 644 a; Kat. Nr. 82, S. 338.

Hupfer, Johann, Wirtschaftsgeschichte, in: Der Landkreis Ebersberg. Raum und Geschichte, Stuttgart 1982, S. 232.

Schlüter, Helmut, Die Kunstdenkmäler, in: Der Landkreis Ebersberg. Raum und Geschichte, Stuttgart 1982, S. 266.

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3. S./C.B.