Gotha, Gebäude des ehemaligen Amtshauses

Laß, Heiko und Hopf, Udo:Gotha, Gebäude des ehemaligen Amtshauses, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2025, URL: www.deckenmalerei.eu/02ba9251-6a3a-44de-ba29-bfc112e29273

Inventarnummer: cbdd20049

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Im ehemaligen Amtshaus in Gotha haben sich Reste einer qualitätvollen Wandmalerei von ca. 1740 erhalten, die Schmuckvasen, Festons und detaillierte Landschaften in monochrom rot zeigen.

Gotha, Amtshaus
Gotha, Amtshaus

Das Gebäude des ehemaligen Amtshauses in Gotha

 
Amtshaus Gotha, Augustinerstraße 15

Kurzbeschreibung und Lage

Das ehemalige Amtshaus steht an der Südseite der Augustinerstraße, der ehemaligen Sundhäusergasse, im Stadtzentrum von Gotha.

Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Das Haus wurde zwischen 1634 und 1638 nach Plänen von Hans Weber aus Eisenach erbaut. Es war bis in das 19. Jahrhundert die meiste Zeit Sitz der Verwaltung des Amtes Gotha und zugleich Wohnung für den Amtsverwalter oder andere Hofbedienstete. Nach 1665 gelangte zumindest der westliche Teil des Hauses an Andreas Reyher. Sein Sohn Salomon Reyher hat das Haus 1687 umbauen und um ein zweites Obergeschoss erhöhen lassen. Nach Besitzerwechseln diente das Haus ab 1718 wieder als Amtshaus. Nach weiteren Umbauten und Instandsetzungen zogen 1739 Freiherr Hans Adam von Studnitz in den westlichen und Geheimrat Carl Ferdinand von Franckenberg in den östlichen Teil des Hauses, das für sie im Inneren tiefgreifend umgestaltet wurde. Die Ausführung erfolgte unter Aufsicht des Gothaer Oberlandbaumeisters Johann Erhard Straßburger. Seit 1764 wohnte Studnitz allein im Haus. Es folgten Umbauten durch den herzoglichen Baumeister Johann David Weidner. 1788 starb Studnitz. Im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts zog die Amtsverwaltung zunehmend aus dem Hause aus und 1828 gelangte es an die Stadt Gotha. Bis 1987 diente das Gebäude der Stadt als Schule, dann stand es leer. 1993 konnte es gesichert werden, ab 2019 wurde es saniert.[1]

Beschreibung

Das Gebäude stellt sich zur Straße heute als regelmäßiger dreigeschossiger massiver Bau von 13 Achsen Breite mit Walmdach dar. In der Mitte im Erdgeschoss befindet sich eine drei Achsen breite Durchfahrt zum Hof. Nach hinten schließt sich im Westen ein kurzer Seitenflügel in Fachwerk an.

Ein Raum im ersten Obergeschoss

 
Amtshaus Gotha, Wandmalereireste, 1. OG

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Der Raum ist bereits im 17. Jahrhundert entstanden. Eine Umgestaltung erfolgte unter Hans Adam von Studnitz. Für 1747 lassen sich Veränderungen an Decke und Fußboden nachweisen. Seine historische Ostwand ist heute verloren.[2]

Beschreibung

Der Raum ist im ersten Obergeschoss zur Straße im Norden hin gelegen, wo sich drei Fenster befinden. Er wurde von Süden aus betreten. Im Osten und Westen schlossen sich in Enfilade Räume an, wobei zur Entstehungszeit der Malerei im Osten die Wohnung Frankenbergs anschloss.[3]

Die Wandmalereireste

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Wandmalerei ist für Hans Adam von Studnitz von einem unbekannten Künstler um 1740 geschaffen worden, vermutlich gleich nach dem Bezug der Wohnung durch Studnitz 1739. Vermutlich wurde sie bereits 1741 hinter hölzernen Wandverkleidungen verdeckt, da zumindest die Reste sehr gut erhalten sind. 2019 wurde die Malerei nach Abnahme der Wandverkleidung wiederentdeckt und anschließend gesichert.[4]

Beschreibung und Ikonographie

Die Malereireste befinden sich an der straßenseitigen Außenwand des Raums. Weißes Bandelwerk gliedert die altrosa und hellblau gefasste Wand. Davor stehen auf durchbrochenen goldenen Postamenten beiderseits sowie zwischen den Fenstern Schmuckvasen mit Blumensträußen. Zwischen den Fenstern befinden sich oberhalb der Vasen Kartuschen mit monochrom roten Landschaftsdarstellungen und Seestücke. Über diesen hängen wie über den Vasen am Rand bunte Blumenzöpfe. Weitere Landschaften und Seestücke in derselben Manier befinden sich in Kartuschen unter den Fenstern sowie in den Fensterstürzen und Fensterlaibungen. Die Darstellungen sind detailliert und mit Menschen belebt. Es handelt sich um ideale mitteleuropäische Landschaften mit Architekturen, reichem Baumwuchs und Gebirgszügen im Hintergrund.[5]

Bibliographie

  • Literatur:
  • Beck, Geschichte, 1870. – Beck, August: Geschichte der Stadt Gotha (Geschichte des gothaischen Landes, 2). Gotha 1870.
  • Lehfeldt, KDM Gotha, 1891. – Lehfeldt, Paul: Bau- und Kunst-Denkmäler Thüringens. Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha. Bd. 1. Landratsamtsbezirk Gotha: Amtsgerichtsbezirke Gotha und Tonna. Jena 1991.
  • Schmidt, Gotha, 1938. – Schmidt, Kurt (Hrsg.): Gotha. Das Buch einer deutschen Stadt. Gotha 1938.
  • Quellen:
  • Rudolphi, Gotha, 1717. – Rudolphi, Friedrich: Gotha Diplomatica Oder Ausführliche Beschreibung Des Fürstenthums Sachsen-Gotha [...]. Frankfurt a. M./Leipzig 1717.
  • Archivalien:
  • Hopf, Amtshaus, 2012. – Hopf, Udo: Bauhistorische Untersuchung und archivalische Recherche zum „Amtshaus“, Augustinerstraße 15 in Gotha. 2012.
  • Hopf, Amtshaus, 2020. – Hopf, Udo: Archivalische Recherche zu den Wandfresken im „Amtshaus“, Augustinerstraße 15 in Gotha. 2020.
  • Hopf, Blumensträuße, 2020. – Hopf, Udo: Bunte Blumensträuße und einfarbige Landschaften. Vom Verwaltungssitz zum repräsentativen Wohnhaus. Fresken zeugen von einstiger Pracht, in: Thüringer Allgemeine. Aktualisiert: 29.05.2020, 20:00.

Einzelnachweise

  1. Schmidt, Gotha, 1938, Bd. 2, S. 62-63; Beck, Geschichte, 1870, S. 460. Hopf, Blumensträuße, 2020; Hopf, Amtshaus, 2020, S. 4-6, 10, 12; Hopf, Amtshaus, 2012.
  2. Hopf, Blumensträuße, 2020; Hopf, Amtshaus, 2020, S. 7; Hopf, Amtshaus, 2012.
  3. Hopf, Amtshaus, 2020, S. 7, 10-11.
  4. Hopf, Blumensträuße, 2020; Hopf, Amtshaus, 2020, S. 4. 10.
  5. Hopf, Blumensträuße, 2020; Hopf, Amtshaus, 2020, S. 4, 7-8.