Giggenhausen, Filialkirche St. Stephan
GIGGENHAUSEN
Filialkirche, Pfarrei Massenhausen, Gemeinde Neufahrn. Erzdiözese München und Freising. Auf die Pfarrei Massenhausen hatte der Fürstbischof von Freising das Besetzungsrecht. Gericht Kranzberg
Patrozinium: St. Stephan
Zum Bauwerk: Im Kern spätromanischer Bau vom Chorturmtypus, Anfang des 18. Jh. umgestaltet. Dabei wurde das Lhs nach Norden erweitert. Weihe am 3. 11. 1707. Hochaltar um 1680; Seitenaltar St. Anna 1730 abgerechnet (mit Johann Michael Pader, Kistler in Kranzberg, Georg Westermayer, Bildhauer in Kranzberg und Thaddäus Kärpf, Maler in Kranzberg). Gründliche Baureparatur nach Blitzschlag 1771. 1844 wurde der Bau um 11 Schuh (= ca. 3,30 m) nach W verlängert. Dabei erhielt das LHs statt der vertäfelten Decke eine Weißdecke. 1845 wurden Fenster versetzt, um Symmetrie in der Fensterverteilung im LHs zu erreichen. Der AR blieb unverändert.
Im Visitationsbericht von 1822 (AEM, Pfarrbeschreibung) heißt es: »Die Gemeinden haben eine Tradition, daß das Chorgewölbe, worauf der spitzige stattliche Thurm steht, ein Götzentempel gewesen sey.« »Bei der Restaurierung (1985/86) wurden im Boden vor dem Altar Brandspuren und Scherben gefunden, die aus römischer oder sogar keltischer Zeit stammen, dazu Reste eines Brennofens wohl des 5./6. Jhs. und eine schöne Münze des 12. Jhs.« (Hahn, Kunsttopographie).
LHs unsymmetrischer, da im N erweiterter Saalbau mit Flachdecke; das westliche Joch 1844. Der leicht eingezogene AR ist ein kleiner rechteckiger Raum (4,40 × 3,70 m) im Untergeschoß des Turmes; Belichtung von N und S durch je ein Vierpaßfenster. Das Deckenbild befindet sich im AR.
Auftraggeber: Pfarrer in Massenhausen war Johann Bernhard Krebs (1735-38); ein Kooperator betreute die Filialkirche.
Die dargestellte Gemeinde im Deckenbild läßt auf eine gemeinsame Stiftung schließen, die in Zusammenhang steht mit einer Reliquienschenkung. Im Jahre 1737 gab P. Gregor Lochner von Weihenstephan mit Erlaubnis seines Abtes Ildefons Huber der Kirche einen Kreuzpartikel sowie Reliquien der hll. Stephanus, Laurentius und Venantius. Am 20. Oktober fand die feierliche Einführung der Reliquien in die Kirche von Giggenhausen statt (Inschrift auf einer ovalen Platte auf GIGGENHAUSEN).
der Rückseite des Kreuzpartikels; zitiert in Frigisinga 6, S. 471 f.). Möglicherweise fungierte auch die in Giggenhausen ansässige Allerseelen-Bruderschaft als Auftraggeber, zumal der hl. Laurentius Patron der Armen Seelen ist.
Autor und Entstehungszeit: Zuweisung an Joseph Unterleutner (* 1708 Kiefersfelden † 1772 Freising; s. S. 280) 1737. Inschrift auf einer gemalten Kartusche an der Chorbogeninnenseite: Sehet / daß Zeichen des / Herrn / 17 A.D. 37. Neben dem Freisinger Maler Unterleutner kommen aus historischen Gründen Frater Lukas Carl (1698–1768), Maler in Weihenstephan, Benedikt Dersch (1686–1757), Maler in Freising, und Lorenz Callistus Kärpff (1717–89), Maler in Kranzberg, in Frage. Doch zeigt das Deckenbild in Giggenhausen trotz der schlechten Erhaltung Ähnlichkeiten mit den allerdings erst 1763 entstandenen, signierten Fresken in Pfrombach, so daß Joseph Unterleutner als Autor vermutet werden kann. Übereinstimmungen finden sich in den Details wie Flügeln, Händen, Palmwedel, sowie im Gesichtstypus und der Körperhaltung.
Befund
Träger der Deckenmalerei: Verschliffenes Kreuzgratgewölbe Rahmen: Gemalter Profilrahmen in Ocker Technik: Fresko mit Seccoübermalungen; polychrom
Maße: Höhe 5,00 m; 3,00 x 2,40
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Nach der Verlängerung des LHs um 1844 wurde die neue Decke bemalt und das Chorgewölbe übermalt. Bei der Innenrestaurierung 1896 wurden die Decken von AR und LHs erneut ausgemalt (AEM, Bauten II und Akt Giggenhausen im BLfD). Bei der Neufassung des Innenraums 1934 durch Matthias Altmannshofer, Freising, wurde die barocke Ausmalung des Chors entdeckt und von Anton Frank, München, freigelegt und restauriert. 1967 war der Chorbogen durch Mauerrisse gefährdet und wurde saniert. Die Chorbogenbemalung wurde an den Reparaturstellen nicht ergänzt. Letzte Innenrestaurierung 1987 durch Wilhelm Böck, Langenbach. Die Fresken wurden gereinigt und wo nötig retuschiert, die Chorbogenbemalung ergänzt. Die Freskierung zeigt die üblichen Schäden durch Übertünchen und Wiederaufdecken, besitzt aber noch viel von der originalen Substanz.
Beschreibung und Ikonographie
DIE HLL. STEPHANUS, LAURENTIUS UND VENANTIUS Die verschliffenen Kreuzgrate des Gewölbes schließen an den Seiten farbige Brokatfelder ein, die Mitte füllt das tropfenförmige Bildfeld; Blickrichtung nach O. - Das Bild zeigt die drei Heiligen Stephanus, Venantius und Laurentius, frontal auf Wolken kniend. Der Kirchenpatron St. Stephanus, im Diakonsgewand, kniet links und hat vor sich sein Attribut, die Steine, durch die er den Martertod erlitt. Ein Putto neben ihm hält die Martyrerpalme und ein offenes Buch, in dem die letzten Worte des Stephanus geschrieben sind: Ich siehe die / Himmel / offen und / Deß Menschen / Sohn stehen / zur Rechten / Gottes (Act 7, 56). Neben ihm kniet der hl. Venantius, als römischer Soldat gekleidet, mit blauem Brustpanzer mit Löwenkopfklappen, grünem Untergewand und rotbraunem Umhang, auf dem Kopf den Lorbeerkranz. An ihn gelehnt, den zweizipfeligen Wimpel nach unten, ist sein Attribut, die Fahne. Rechts folgt der hl. Laurentius, wie Stephanus im goldbrokatenen Diakonsgewand, mit seinem Attribut, dem Rost. Ein Putto schwebt über den Heiligen mit Palmzweig und Lorbeerkranz. In Wolken erscheint, von Engeln flankiert, das Kreuz Christi in einer Lichtgloriole; von den Nagelstellen tropft Blut.
Östlich ist - in stark verkleinertem Maßstab, vom Hochaltar teilweise verdeckt - die Giggenhausener Kirchengemeinde versammelt, rechts die Frauen, links die Männer, außen Kranke und Bettlägerige. Sie sind in der üblichen Feiertags-tracht wiedergegeben, zeigen aber keine porträthaften Details. Die Hände gefaltet oder ausgebreitet, bitten sie die drei Heiligen um Fürsprache und verehren das Kreuz. - Die Darstellung ist eng auf die Schenkung des Kreuzpartikels und der Reliquien von Stephanus, Venantius und Laurentius bezogen. Für das Kreuzpartikel wurde im gleichen Jahr eine Monstranz angefertigt. Wahrscheinlich war mit Schenkung und Ausmalung die Hoffnung auf das Entstehen einer Gnadenstätte verknüpft.
Die Farbigkeit des Freskos ist von matten Farbwerten bestimmt (wohl durch Farbabreibungen): Ocker, Graublau, Rostrot.
Der sehr selten dargestellte hl. Venantius von Camerino (Fest 18. 5.) erlitt 251/53 unter Kaiser Decius bzw. Valerian nach vielen Martern den Tod durch Enthauptung; in der Folgezeit wurde er der Stadtpatron von Camerino, wo auch der Darstellungstypus in Rüstung und mit Fahne als Attribut geprägt wurde (LCI, Bd 8, Sp. 539).
Quellen und Literatur
StAM, Pfleggericht Kranzberg, R 26, 1732; R 36, 1737. StAM, Geistlicher Rat, Kirchen- und Stiftungsrechnungen, Gericht Kranzberg 1730 (Seitenaltar). General Transport 1/30 (Sentenantar). AEM, Pfarrakten Massenhausen: Pfarrbeschreibung; Bauten II (Verlängerung 1844); Filiale Giggenhausen 1673–1850. AEM, Kunsttopographie, Dekanat Weihenstephan, Pfarrei Massenhausen (Sylvia Hahn) Schmidtsche Matrikel, Bd 1, S. 315 f Mayer-Westermayer, Bd 1, S. 470–72 Prechtl, Johann Baptist, Massenhausen. Historischer Abriss über Dorf und Pfarrei, Freising 1887. KDB I OB (1), S. 400 f (Birkner, Rudolf), Die Beglaubigung der Kreuzpartikel der Filialkirche Giggenhausen, in: Frigisinga 6, 1929, S. 471 f. Gschwind, Joseph, Aus der Ortsgeschichte des Bezirkes. Giggenhausen, in: Unsere Heimat. Beilage der Freisinger Nachrichten, Nr. 14, 1936, S. 5–7. Seitz, Konrad und Georg, Land und Leute im Hausenbauerngebiet der Pfarreien Fürholzen und Massenhausen, in: Volk und Heimat. Beilage zum Freisinger Tagblatt, 1936, Nr. 3 und II. Dehio-Gall OB, S. 95 Historischer Atlas I, Bd 11/12 (Pankraz Fried), München 1958, S. 184. Dehio 1990, S. 359 f.