Gern, St Sebastian
Inventarnummer: cbdd40004
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St. Sebastian wurde 1613 erbaut und Mitte des 18. Jahrhunderts umfassend verändert. Im Zuge dessen kamen die Fresken mit Szenen aus der Vita des Heiligen Sebastian im Langhaus und Chor hinzu.

St. Sebastian
Der Patronatsherr der Pfarrkirche St. Georg, Georg Christoph von Closen (1573-1638), ließ 1613 in seiner Hofmark Gern ein zweites Gotteshaus, die Kirche St. Sebastian, ausbauen und den dortigen Friedhof zum Pestfriedhof umwandeln.[1] Aufgrund der ständig wiederkehrenden Pest war die Anzahl der Toten so stark gestiegen, dass der ursprüngliche Friedhof der Hofmark bei der Pfarrkirche nicht mehr ausreichend war.[2] Der eingezogene Chor der kleinen Filialkirche besteht aus älteren Bauteilen, die auf einen spätromanischen Vorgängerbau verweisen.[3] Die neue Pest- und Friedhofskirche wurde am 9. Januar 1614 durch Ehrenfried von Kuenburg, Bischof von Chiemsee, geweiht.[2]
Ab der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde St. Sebastian stark umgebaut: Das Gebäude erhielt einen Zwiebelturm, die birnenförmigen Fenstereinfassungen und das Tonnengewölbe, welches Anton Scheitler 1770 mit Szenen aus der Vita des Heiligen Sebastian ausmalte.[4] Die Wände werden durch vorgeblendete Pilaster und ein ringsum verlaufendes Gebälk gegliedert, über dem sich an der Decke die gemalte Scheinarchitektur zu den illusionistischen Darstellungen öffnet.
Das Hochaltarblatt mit der Sebastianspflege durch die Witwe Irene und die Gemälde der Seitenaltäre schuf Franz Xaver Zattler 1865.[2] Die ringsum an den oberen Abschlüssen der Wänden von Langhaus und Chor angebrachten 18 Wappen stehen für Adelsgeschlechter, darunter die Closen, und deren Sitze bzw. benachbarte Ortschaften.[5] Zusammen mit zwei erhaltenen Votivtafeln und der Darstellung des Heiligen Sebastian als Fürbitter für Pesterkrankte an der Decke, weisen sie auf die Funktion der Kirche als Wallfahrtsort hin, die in den Kirchenbüchern belegt ist.[6] Bei den Flurumgängen der Pfarrei Eggenfelden wurde u.a. in St. Sebastian bei Gern eine Messe gelesen.[7]
Langhaus mit Chor
Langhaus mit Chor sind im Textteil zu St. Sebastian beschrieben.
Gesamtdecke
Die um 1770 von Anton Scheitler ausgeführten Fresken am Tonnengewölbe über Langhaus und Chor zeigen das Martyrium des Heiligen Sebastian und sein Wirken als Nothelfer aller Pestkranken, für die er im Himmel Fürbitte hält. Beide Gemälde werden von scheinarchitektonischen Elementen in Rosa gerahmt, über denen sich die illusionistischen Darstellungen in der Art von Himmelsausblicken zu öffnen scheinen. Zusätzlich sind an den Wänden von Chor und Orgelempore aufgezogene Vorhänge gemalt, die den theatralen der Deckenfresken verstärken.
Das Fresko am Gewölbe des Langhauses ist in mehrere Szenen aufgeteilt, die sich ringsum entlang des Bildrandes oberhalb der Scheinarchitektur abzuspielen scheinen. An der nördlichen Längsseite ist der gerüstete Heilige Sebastian vor dem Kaiser Diokletian zu sehen, der ihn zum Tod verurteilt. An der gegenüberliegenden Längsseite erschießen Bogenschützen den an einen Baum gefesselten Märtyrer mit Pfeilen. Die beiden Szenen an den Schmalseiten des Freskos zeigen im Westen oberhalb der Orgelempore, wie der Heilige von der frommen Witwe Irene gesundgepflegt wird. Gegenüber an der Seite zum Chor hin ist das zweite Martyrium des Heiligen Sebastian, der mit Keulen erschlagen wird, dargestellt. In der Mitte des Freskos sind in einer von Wolken gerahmten Himmelsöffnung Putten zu sehen, welche die Zeichen des überwundenen Martyriums, Palmzweig und Lorbeerkranz, präsentieren.
Heiliger Sebastian als Fürbitter
Am Gewölbe des Chores ist der Heilige Sebastian als Fürbitter dargestellt. Er kniet auf einer Wolkenbank und weist mit seiner Linken auf die unterhalb von ihn auf der Erde liegenden der Pestkranken hin. Über ihm ist die Heilige Dreifaltigkeit zu sehen: Gottvater thront mit dem Zepter in der Hand auf der Weltkugel, an der etwas unterhalb Christi mit den klar erkennbaren Wundmalen lehnt. Sein linker Arm ist um das aufrecht stehende Kreuz gelegt und die rechte Hand zum Segensgestus erhoben. Vor der Weltkugel ist die Taube des Heiligen Geistes zu sehen; sie ist im Begriff zur Erde hinabzufliegen. Ein rechts neben Sebastian schwebender Putto hält wiederum Palmzweig und Lorbeerkranz in den Händen. Die irdische Szene darunter mit zwei für die Erkrankten fürbittenden Personen ist vor dem Hintergrund einer idealisierten bayerischen Berglandschaft dargestellt. Auf der mittleren Erhebung steht eine Wallfahrtskirche mit Zwiebelturm, die mit dem eingezogenen Chor und den birnenförmigen Fenstern dem äußeren Erscheinungsbild von St. Sebastian gleicht. Aus den beiden rechts und links davon gelegenen Dörfern nähern sich Wallfahrtsprozessionen der Kirche.
Bibliographie
- Albrecht, St. Sebastian.
- Erich, Rott, 2013, S. 117.
- Haushofer, Josef: Geschichte von Eggenfelden, Eggenfelden 1977.
- Lampl, Sixtus: Niederbayern. Ensembles, Baudenkmäler, archäologische Geländedenkmäler, München/Oldenburg 1986.
- Soden-Fraunhofen, Anna Gräfin von: Beitrag zur Geschichte der Familie Closen, Karlsfeld 2008.
Einzelnachweise
- ↑ Soden-Fraunhofen, Closen, 2008, S. 143.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 Albrecht, St. Sebastian.
- ↑ Lampl, Niederbayern, 1986, S. 338.
- ↑ Lampl, Niederbayern, 1986, S. 338; Albrecht, St. Sebastian.
- ↑ Erich, Rott, 2013, S. 116.
- ↑ Erich, Rott, 2013, S. 117; Albrecht, St. Sebastian.
- ↑ Haushofer, Eggenfelden, 1977, S. 292.