Garching bei München, Alte Pfarrkirche St. Katharina


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 3, Teil 1: Stadt und Landkreis München. Sakralbauten. Hirmer, München 1987, ISBN 978-3-7991-6111-4, S. 112–116, geschrieben von Böhm, Cordula. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Alte Pfarrkirche, von der Pfarrei St. Severin in Garching vikariert, Erzdiözese München und Freising; z.Z. der Ausmalung hatte Kloster Weihenstephan das Präsentationsrecht auf die Pfarrei, Kurfürstliche Hofmark Garching, Landgericht Kranzberg

Patrozinium: St. Katharina

Zum Bauwerk: Barocker Umbau um 1735 unter Verwendung gotischer Bauteile. In der Schmidtschen Matrikel wird die Kirche 1738 als »nunc eleganter reparata et ornata melioris inter rurales est notae« beschrieben. - Amtierender Pfarrer von Garching Georg Gambeck (1719–56) LHs zu fünf Jochen mit Empore im W, eingezogener zweijochiger AR, dreiseitig geschlossen. Im LHs Pilaster, die in Fensterhöhe in Konsolen enden, im AR pilastergeschmückte Wandpfeiler. Belichtung durch hohe geschweifte Fenster.

Jahreszahl 1736. Die Datierung entspricht dem stilistischen Befund der Deckenbilder und der Stuckdekoration. Der Autor der derben, naiven, sehr schlecht erhaltenen Deckenbilder dürfte im lokalen Bereich zu suchen sein. Das Wandfresko auf der S-Seite des LHs, über der Eingangstür, eine biblisch-symbolische Erlösungsdarstellung,

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs flaches Tonnengewölbe mit Stichkappen, AR verschliffenes Kreuzgratgewölbe mit Stichkappen

Rahmen: A–D Stuckprofil, 1–9, C1–2, D1–4 Stuckkartuschen, C1–2 Stuckmedaillons

Technik: Fresko mit Secco; A–D, C1-2. D1-4 polychrom 1,2,5,6,9 ocker mit rostrot, 3,4,7,8 graugrün mit karmin Maße: A Höhe 7,40 m (von der Empore 4,00 m); 2,90 × 2,00

B Höhe 7,40 m; 1,80 × 2,60

C Hohe 7,40 m; 3,40 × 3,40

D Höhe 7,50 m; 2,90 × 2,10

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Restaurierung 1894 (übertünchte Jahreszahl in B), 1947 durch Fa. Hans Schellinger und Konrad Schmer, 1962 durch Fa. Böck Freising. Die Deckenbilder sind stark übermalt, die barocke Substanz ist z. T. kaum noch zu erkennen (Fresko D). Verschmutzung, Nachdunklungen, Risse in den Hauptfresken A-D, besonders in D und in den Nebenfresken sind vielfach Konturen nachgezeichnet.

Beschreibung und Ikonographie

A SOLDATEN HOLEN KATHARINA AUS DEM GEFANGNIS Die ganz an den Bildrand gerückte szenische Handlung ist in ungeschickten Verkürzungen und Untersichten wiedergegeben (Blickrichtung gegen W). Vor zwei überdimensional hohen Quaderbauten, links als eine Stadtmauer, rechts als ein Gefängnisturm gekennzeichnet, wird Katharina gefesselt von drei Soldaten fortgeführt, vorweg reitet ein römischer Feldherr. Gewand und Krone bezeichnen die hl. Katharina von Alexandrien als Königstochter, nach der Legende des Königs Costus (vgl. LA-Benz, S. 991).

B KATHARINAS DISPUT MIT DEN HEIDNISCHEN PHILOSOPHEN Schauplatz ist eine Palasthalle, die dem Inneren der Garchinger Kirche gleicht (die Fensterform wiederholt diejenige der Kirche). Links sitzt auf einem Thron erhöht der Kaiser, Maximinus bzw. Maxentius, zu seinen Füßen die »fünfzig« vom Kaiser herbeigerufenen »Weltweisen«, die wie Priester und Schriftgelehrte dargestellt sind. Katharina steht ihren Fragen Rede und Antwort. Der Soldat dahinter deutet auf die folgende Gefangennahme hin.

C ENTHAUPTUNG KATHARINAS Das Deckenbild erstreckt sich über zwei Joche. Einansichtige Komposition mit den traditionellen, erzählfreudigen Bildmotiven einer

 
Enthauptung Katharinas
 
 

Gerichts- und Marterszene. Im Vordergrund eine Quadermauer mit dem zerborstenen, in Flammen aufgehenden Rad, dem kennzeichnenden Marterinstrument Katharinas unmittelbar unter dem Richtplatz. Dort kniet Katharina umringt von Schergen und heidnischen Priestern. Links architektonische Requisiten: ein Palastbau im Hintergrund, davor der Thron des Kaisers und eine Jupiterstatue. Katharina wird im letzten Augenblick vor der Enthauptung von den Priestern beschworen, der Götterstatue zu opfern

 
Fidos
 

In den Wolken zeigt ihr ein Engel den himmlischen Lohn für das Martyrium, den Palmzweig und den Blumenkranz der Braut Christi.

Der Himmel ist dunkel verhangen, farblich im gleichen Grüngrau wie die Mauern gehalten. Als Buntwerte sind dagegen Rostrot, Karmin, Orange (am Thron) sowie Ocker und wenig Blau gesetzt. Strahlend hell herausgehoben ist Katharina im weißen Kleid und hermelingefütterten Purpurmantel.

D BESTATTUNG AUF DEM BERG SINAI Zwei Engel legen den Leib der Enthaupteten behutsam auf die Bergkuppe; den Halsadern entströmt Milch statt Blut. Putti in den Wolken darüber schmücken das abgeschlagene Haupt mit Lorbeerkranz und Lilie. Daneben liegen auf einer Wolke die Martyrer-Attribute: zerbrochenes Rad, Schwert und Palmzweig. – Wie in A, B und C dominieren die Farben Rostrot, Ockergelb und ein Grünblau vor graublauem Himmelsgrund.

Die hl. Katharina von Alexandrien soll im Jahr 307 das Martyrium unter Maximinus (oder 315 unter Maxentius) erlitten haben (vgl. die Passio bei Ribadeneira-Hornig, Bd 2, 25. 11., S. 861-67).

 
Fortitudo
 
 
B Katharina disputiert mit den heidnischen Philosophen
 
 
 
 
Vigilantia
 
 
 

C1 ANNA LEHRT MARIA (nördlicher Seitenaltar) Die Mutter Anna sitzt unter einem Bogen an einem Tisch. Vor ihr kniet Maria, auf dem Haupt einen Blütenkranz, und neigt sich über das von der Mutter gehaltene Buch

C2 JOHANNES DER TÄUFER (südlicher Seitenaltar) Der Knabe Johannes sitzt unter einem Baum; er hält den

 
C. Johannes der Täufer
 
 
THE WAY D III C: 1
 
 
D. Mo

Kreuzstab mit dem Inschriftband ECCE AGNUS DE(I) QUI und sein Attribut, das Lamm

D1-4 EVANGELISTEN Die Evangelisten sind in Brustbildern – wie auch die anderen Heiligen – in den fischblasenförmigen Bildfeldern dargestellt.

D, Matthäus mit Engel

D2 Johannes mit Adler und Kelch

D3 Lukas an der Staffelei malend; ihm erscheint in der Sonnenscheibe die Madonna

D4 Markus mit dem Löwen

Da-b Zwei Bildfelder in Kartuschen begleiten das Hauptbild: Sie zeigen in Halbfigur die Patrone des Bistums Freising

Da HL. KORBINIAN Der Heilige, dem das Bistum Freising sein Entstehen verdankt, ist in Bischofstracht mit dem erzbischöflichen Pallium dargestellt. Bei ihm sein Attribut, der Bär

Db HL. SIGISMUND Sigismund, König der Burgunder, † 523, mit Krone und Zepter. Die Reliquien des hl. Sigismund kamen durch Karl IV. nach Freising, das bis ins 18. Jh. Zentrum der Verehrung des hl. Sigismund blieb

Quellen und Literatur

Schmidtsche Matrikel, Bd 1, S. 406. Maryan Mark

KDB I OB (1), S. 777

Fried, Pankraz, Die Landgerichte Dachau und Kranzberg, (= Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, H. 11/ 12), München 1958, S. 246. Dehio-Gall OB, S. 45.

C.B.