Görlitz, Brüderstraße 16
Inventarnummer: cbdd20096
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Das Haus der Brüderstraße 16 entstand im zweiten Viertel des 16. Jahrhunderts und besitzt zwei barocke Decken. Die Fassade wird von einem Sitznischenportal geschmückt, während sich im Inneren dekorative Deckengemälde und Darstellungen aus der Geschichte des Propheten Jona finden lassen.

Das Bauwerk und die Decke
Das kleine, dreiachsige und vier Geschosse hohe Haus stammt aus dem zweiten Viertel des 16. Jahrhunderts. Als einziger größerer Zierrat der schmucklosen Front sitzt im Erdgeschoss auf der linken Seite ein Renaissance-Sitznischenportal aus dem Jahre 1566. Dieses zeigt links und rechts die Büsten eines vornehm gekleideten Paares und war bei einer Restaurierung des Gebäudes vom Haus Brüderstraße 15 eingefügt worden. Die drei Fenster des ersten Obergeschosses, welche reiche Renaissancegewände aufweisen, sind mittels oben und unten durchlaufender Gesimse zu einer Einheit verbunden. In den beiden darüber liegenden Etagen vereinfachen sich die Gewände sukzessive. Ein hohes Satteldach mit Schlepp- und Fledermausgaupen schließt das Gebäude nach oben hin ab.[1]
[1]Dehio, Sachsen I, S. 391.
Bauwerksabschnitt
Im Inneren des Hauses befinden sich zwei Holzbalkendecken mit barocken Bemalungen.
Gesamtdecke
Während einer Wiederherstellung der Eingangshalle im Jahre 1968 hatte man dorthin die bemalte Holzbalkendecke des späten 17., oder frühen 18. Jahrhunderts aus dem abgebrochenen Haus Rathausstraße 14 transloziert. Die schmalen Unterzugsbalken lassen an der Decke längsrechteckige Abschnitte entstehen. Innerhalb dieser befinden sich links und rechts Felderungen, die jeweils zur Mitte hin mit halbkreisförmigen Ausrundungen versehen sind. Sie sind mit einem reichen, in Licht-Schatten-Technik plastisch, aber etwas derb wiedergegebenen Dekor bemalt, welcher aus eingerollten Akanthusblättern und verschiedenen Blüten besteht. In der Mitte sind zwischen den Seitenfeldern hingegen aufgemalte Tondi angeordnet, welche mit biblischen Darstellungen aus der Geschichte des Propheten Jona geschmückt sind.
Im ersten Obergeschoss befindet sich Holzbalkendecke, welche mit einer Malerei aus der Zeit wohl kurz vor oder um 1700 geschmückt ist. Die mächtigen Unterzugsbalken sind an ihrer Unterseite mit schmalen, palmettenartigen Dekorationen geschmückt. An ihren Seitenflächen sind sie vor hellem Grund mit einem breiten, sich behäbig nach den Seiten entrollenden Rankenornament – es ist wohl ein stilisierter Akanthus – bemalt. Die Deckenflächen, die durch kleine Zwischenbalken in gedrungen-rechteckige Felder unterteilt werden, sind mit breiten, palmartigen Dekorationen bemalt, die an verschiedenen Enden in schmalen, fadenartigen Formen auslaufen. Unterhalb der Decke sind die großen Hauptbalken an den Seiten zur Wand durch aufgemalte, breit gerahmte Felder miteinander verbunden, welche in der Mitte mit einem antikischen Flechtband geschmückt sind. Unterhalb der vier mittleren Unterzugsbalken ist an den beiden seitlichen Wänden schließlich noch weiterer Dekor aufgemalt: Dort sitzen jeweils zwei aufgemalte Voluten beieinander, von denen zur Mitte hin zwei große Weinreben, umgeben von verschiedenen Ästen und Blättern, herabhängen. Zwischen den Voluten sind ferner noch insgesamt drei größere, in die Breite gelagerte Fruchtgebinde angebracht. Ebenfalls, durch Äste und Blätter ergänzt, hängen sie an Schnüren, die in den Volutenaugen befestigt sind und nach mehreren Windungen in großen Quasten enden, herunter.
Bibliographie
- Bechter Barbara/Fastenrath Vinattieri, Wiebke: Regierungsbezirk Dresden, in: Dehio, Georg: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Sachsen I. Regierungsbezirk Dresden, München/Berlin 1996.